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Gendergerechte Sprache: "Es geht auch darum, Macht abzugeben"
DPA

Heute will der Rat für deutsche Rechtschreibung Ergebnisse zu gerechtem Schreiben vorlegen. Die Leiterin der Duden-Redaktion favorisiert das Gendersternchen - hier erklärt sie, warum.

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Stäffelesrutscher 16.11.2018, 10:57
50.

Zitat von lala9999
ekelhaft, diese Vergewaltigung der deutschen Sprache. Wir sind alle Menschen, nicht Mensch*#*innen. Wenn man Studenten oder Bürger anspricht sollte klar sein, dass jedes Geschlecht damit gemeint ist. Selbstverständlich auch die, die nicht zum Geschlecht Mann / Frau gehören.
Mensch ist geschlechtsneutral. Student und Bürger nicht. Lehrer und Kaufmann auch nicht. Beweis gefällig? »Frau Müller ist ein ausgezeichneter Lehrer« ist kein korrekter Satz der deutschen Sprache.

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chaiselongue 16.11.2018, 10:57
51. Leider nein

StudentInnen ist eben nicht „lesbar, vorlesbar, verständlich, eindeutig“, denn das enthaltene Wort Studenten ist nicht da. Man muss es erst im Kopf zusammensetzen. Das Wort StudentInnen ist ein Monster. Ganz einfach.

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murksdoc 16.11.2018, 10:58
52. Duden kommt von Dude

Sprachen sind die Schweizer Taschenmesser der Kommunikation. Sie sind handlich, praktisch, alles geht damit ein bißchen und für manche sind sie sogar ein wenig schön. Spezielle Dinge kann man damit aber nicht machen, dazu braucht man Spezialwerkzeuge, genannt "Fachsprachen" oder gar solche aus anderen Abteilungen der Werkzeugbank, genannt "Fremdwörter". Echte Künstler, genannt "Schriftsteller" und "Dichter", bauen mit diesen Taschenmessern ein Schloß oder malen ein Gemälde, der Rest muss sich mit einem System von Logik behelfen, in dem es drei Geschlechter gibt (zur Erinnerung: die Natur hat nur zwei), in dem alles in der Mehrzahl zum Weibchen wird (der Mann -> die Männer), zur Sache, wenn man es verkleinert (die Maid -> das Mädchen), in dem uns Dudes, die zu mächtig sind und zuviel Geld verdienen (und die in Zukunft "Dudende" oder "Dud*innen heißen müssten), erzählen, der Satz: "Über 65-jährige Kund*innen der Bank sollten keine Kredite mehr erhalten" oder "'Älteren Auofahrer*innen sollte man den Führerschein abnehmen" sei weniger sexistisch als von "Kunden" und "Autofahrern" zu sprechen, wobei der Punkt "Autofahrende" auch noch abgearbeitet wäre, denn wenn ein Greis von der Polizei angehalten wird, ist er kein "Autofahrender" mehr und alles andere, ihm den Schein während des Fahrens abzunehmen, wäre zu gefährlich. Das schlechteste Kompliment der Welt, das man Frau Merkel machen kann, ist zu sagen: "Sie wäre die beste Bundeskanzlerin aller Zeiten gewesen". Soetwas nennt man "vergiftetes Kompliment" und sagt eigentlich: "der schlechteste Bundeskanzler, den es je gab", denn es schliesst sie explizit vom Vergleich mit den anderen aus. Die dudenden Dudes vom Duden wollen uns eigentlich erklären, unser Schweizer Taschenmesser wäre sexistisch, weil es Akku-Bohrschrauber unsichtbar macht. Also sollen wir bitte einen hinschrauben, damit die nicht beleidigt sind. Das KANN man machen. Aber nur, wenn man ein Dude ist und beim Duden arbeitet.

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Taurus123 16.11.2018, 10:59
53. Da mache ich nicht mit

Ich hoffe dieses Gremium erhält für solche Überlegungen keine Steuermittel. Das wäre aus meiner Sicht einfach nur Verschwendung. Wozu brauchen wir diesen Quatsch? Gender-Neutral ist etwas für Leute die nicht mehr in der Lebensrealität des Volkes leben oder für ältere Frauen, die ihren Misserfolg im Leben darauf schieben, dass sie ohne Gender-Neutrale Sprache leider unsichtbar waren und somit im Leben untergegangen sind. Hängt halt alles nur an der Sprache. Damit macht sich der Duden lächerlich.

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Yoroshii 16.11.2018, 10:59
54. Foristen mit Einsicht

Nur selten gelingt es den Rednern im Bundestag (und anderswo) -und da sind oft auch "Genderisten" dabei- sauber zu präsentieren: "Liebe Kollegen und Kolleginnen" (oder umgekehrt).

Wir dürfen ein hingeschludertes "Soldaten und Soldaten, Abgeordnete und Abgeordnete, Sänger und Sänger, Zuhörer und Zuhörer" vernehmen und es graut einen einfach.

Dies ist nur ein Beispiel für die konstante Sprachverhunzung, die unsere Sprache befällt. Da ich (79) das in absehbarer Zeit nicht mehr hören muss, kann ich in Ruhe einer sprachlosen Zukunft entgegen sehen. Zigeunerschnitzel gibt es dort ohnehin nicht. Leider auch keinen Zigeunerjazz.

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hksm 16.11.2018, 11:00
55. Wer keine Ahnung vom Partizip hat

Zitat von felisconcolor
Warum zur Hölle schreibt man nicht "Studierende".
Vollzitat von http://www.heise.de/developer/news/foren/S-Studierende-und-Studenten/forum-286530/msg-25914624/read/ ::

Wir Muttersprachler der deutschen Sprache wissen: Das Partizip wird verwendet, wenn a) eine gegenwärtige Handlung stattfindet und b) diese Handlung unabhängig von der Profession ist. Ganz anders das Substantiv. Dieses wird nur angewandt, wenn eine Regelmäßigkeit und Profession vorliegt, auch, wenn die Handlung derzeit nicht vollzogen wird.

Nehmen wir den Maler und den Malenden: Wenn ein Student seine Bude streicht, dann ist er ein Malender. Für einen Maler benötigt er entweder eine Ausbildung oder das Schaffen von Kunstwerken.

Oder nehmen wir den Busfahrer und den Busfahrenden: Wenn ich in einen Bus einsteige, bin ich Busfahrender. Und ganz vorne vor all den Busfahrenden sitzt der Busfahrer. Denn der macht das regelmäßig und professionell.

Ein Student ist eine an einer Hochschule eingeschriebene Person mit allen daher eingehenden Rechten und Pflichten. Studieren tut er ebenso wie ein Arbeiter in Bezug auf's Arbeiten nur einen Bruchteil des Tages. Ein Studierender hingegen mag sich gerade intensiv mit einem Fahrplan beschäftigen. Eine Hochschulreife und Immatrikulation ist hierfür nicht nötig.

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mafreschi 16.11.2018, 11:00
56. Denken, sprechen, handeln...

Die Sprache reflektiert unser Handeln. Jemand der beispielsweise in einer Rede beide Geschlechter erwähnt ("Wählerinnen und Wähler) hat wirklich beide Geschlechter vor Augen. Bei jemandem, der nur von "Wählern" spricht, aber jedes Individuum ansprechen will (also nicht "die Wähler" als Abgrenzung z.B. von "die Nichtwähler), weiß man das nicht. Insofern tun z.B. Politiker*innen gut daran, beide Geschlechter auch auszusprechen. Wenn ich einen Text vorlese, indem ein *innen vorkommt, dann spreche ich das aus. In Emails schreibe ich immer "Liebe Kolleg*innen" oder, wenn ich Zeit habe "Liebe Kolleginnen und Kollegen"! Zudem: Männer, die sich hier äußern, sei geraten zu versuchen, die Perspektive zu wechseln. Wie würden Sie sich fühlen, wenn es nur um Autofahrerinnen, Kontoinhaberinnen, Kundinnen gehen würde? Und ja, junge Frauen merken noch nicht, wo die gläsernen Decken und Wände sind und das ist auch gut so. Ältere Frauen (und Männer, die die Perspektive verstehen) müssen hier vorausgehen. Es ist ihre Aufgabe, solche noch immer Vorhandenen Hindernisse einzureißen. Die gendergerechte Sprache ist nur ein Mosaiksteinchen auf diesem Wege. Ein weiteres wäre, die immer viel längeren Schlangen bei Damentoiletten in Öffentlichen Gebäuden durch eine gendergerechte Anzahl von Toilettenkabinen zu vermeiden. Und Übrigens - an einen Vorredner: Es heißt ganz offiziell "Frau Bundeskanzlerin", ebenso wie "Frau Professorin",...!

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slowboarder 16.11.2018, 11:04
57. ist es nicht genau andersherum?

Sagt man: "Die Astronautinnen landen in der Wüste", denken wir an Frauen, und zwar explizit an Frauen und die meisten würden sich an dieser Form stören, wenn die Gruppe auch Männer enthalten würde.
Sagt man jedoch "Sagt man: Die Astronauten landen in der Wüste", so hat niemand ein Problem damit, wenn die Gruppe nicht nur aus Männeren besteht, sondern auch aus Frauen.
dh die männliche Pluralform ist inklusiv und Sexus-übergreifend, während die weibliche Form exklusiv nur für den weiblichen Sexus reserviert ist.
Wenn wir ausdrücken wollen, dass die Gruppe rein aus Männern besteht, haben wir dafür eigentlich keine Sprachform.

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Das Pferd 16.11.2018, 11:04
58.

Zitat von MatthiasPetersbach
....................... Und daß jemand bei dem Wort "Studenten" nicht an die Möglichkeit für beide Geschlechter denkt, halte ich für ziemlich exotisch. ........................
wenn es um eine schlagende Verbindung geht, vielleicht schon. die Sprache hat Nuancen, man muß auch den Kontext und die Herkunft des Textes verstehen. Dieser Binnenmajuskelunfug ist einfach unkultiviert. Bleiben wir bei der traditionellen, sagen wir historischen, schlagenden Verbindung. Da führt "Studierende" oder "StudentInnen" sogar gedanklich in die Irre, finde ich. Das Wort "Studenten" erkenne ich hingegen als Teil meiner Muttersprache, und verstehe es entsprechend Kontext unterschiedlich.

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inmado 16.11.2018, 11:05
59. "Die Astronauten landen in der Wüste, denken wir an Männer"

Das mag sein. - Liegt aber nicht am generische Maskulinum von "Astronauten", sondern einfach daran, dass in unserer Erfahrungswelt die wirklich allermeisten Astronauten männlich sind bzw. waren. Bei der Aussage "Wo immer die Beatles auftraten, gab es kreischende Fans" denke ich jedenfalls eher an weibliche Fans.
Ansonsten: Wir müssen unser Denken ändern, nicht die Sprache!

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