Forum: Kultur
Generationszuschreibungen: Die Verkleisterung des Verstandes
DPA

Was bezwecken Menschen, die von "meiner Generation" sprechen? Solche Verallgemeinerungen jazzen ein schlichtes Weltbild zu großen Thesen hoch. Kleiner Trick, um das zu vermeiden: zumindest ab und an differenzieren.

Seite 2 von 8
jujo 02.02.2019, 15:22
10. ....

Zitat von Nordstadtbewohner
"Was bezwecken Menschen, die von "meiner Generation" sprechen?" Das ist so einfach wie simpel: Diese Menschen benutzen andere Menschen als "Verstärker" der eigenen Meinung/ des eigenen Standpunktes. Ob sie jemand dazu legitimiert sind, für andere zu sprechen, tritt leider heutzutage völlig in den Hintergrund. Menschen, die von "meiner Generation" reden, benutzen häufig auch "wir", "uns", "unsere Gesellschaft" bzw. "Das hat in unserer Gesellschaft nichts verloren!" oder "wir alle" usw., sie meinen aber eigentlich nur sich selbst und ihresgleichen. Ich finde, das hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen und stößt mir mittlerweile übel auf.
Wenn z.B. Herr G. sagt: "Die Leute!" so ist es sicherlich so, das er nicht sich und seinesgleichen meint, die Brüder*innen im Geiste. Oder heißt es die Schwester*innen. Ich bin ganz schon vergendert, ich meine verwirrt. Sondern er meint damit alle.
Was ich aber nicht falsch finde ist, wenn man sagt: "Wir Kinder der Kriegsgeneration!" Das ist eine Gruppe von Menschen die einen genau festgelegten Zeitraum betreffen.

Beitrag melden
dasfred 02.02.2019, 15:36
11. Also meine Generation sieht das ja etwas anders

Nämlich so, wie es sich über Generationen etabliert hat. Die Alten leben auf Kosten der Jungen, die Jungen haben sowieso keine Ahnung, weil ihnen die Lebenserfahrung fehlt und überhaupt war in irgendeinem Früher mal alles besser. Ich finde es interessant, dass im SPON Forum ja im Grunde ein altersmäßig sehr gespreiztes Publikum postet. Trotzdem gibt es viele Themen, bei denen man kaum auf das Alter des Schreibers schließen kann. Das wiederum lässt den Rückschluß zu, dass die universellen Themen uns alle gleichermaßen beschäftigen. Gut, zu Musik und Technik gibt es in jeder Altersgruppe einen anderen Zugang, aber wir sollten auch nicht vergessen, mit den Menschen unserer Altersgruppe teilen wir die gemeinsame Erfahrung des Aufbegehrens gegen die Alten und die mangelnde Nachsicht mit den Jungen. Da schleift sich der Begriff von meiner Generation schon ein, um ein Wir zu definieren. Für mich sind diese Artikel besonders amüsant, in denen es um den Mann Frau Konflikt geht. Als schwuler Mann ist dann keine Generation mehr im Mittelpunkt, sondern meine eigene Situation mitten zwischen den Fronten. Das betont dann wieder meine Einzigartigkeit, die sich denn doch auf jeden Übertragen lässt.

Beitrag melden
nobody_incognito 02.02.2019, 15:50
12.

Zitat von dasfred
Nämlich so, wie es sich über Generationen etabliert hat. Die Alten leben auf Kosten der Jungen, die Jungen haben sowieso keine Ahnung, weil ihnen die Lebenserfahrung fehlt und überhaupt war in irgendeinem Früher mal alles besser. Ich finde es interessant, dass im SPON Forum ja im Grunde ein altersmäßig sehr gespreiztes Publikum postet. Trotzdem gibt es viele Themen, bei denen man kaum auf das Alter des Schreibers schließen kann. Das wiederum lässt den Rückschluß zu, dass die universellen Themen uns alle gleichermaßen beschäftigen. Gut, zu Musik und Technik gibt es in jeder Altersgruppe einen anderen Zugang, aber wir sollten auch nicht vergessen, mit den Menschen unserer Altersgruppe teilen wir die gemeinsame Erfahrung des Aufbegehrens gegen die Alten und die mangelnde Nachsicht mit den Jungen. Da schleift sich der Begriff von meiner Generation schon ein, um ein Wir zu definieren. Für mich sind diese Artikel besonders amüsant, in denen es um den Mann Frau Konflikt geht. Als schwuler Mann ist dann keine Generation mehr im Mittelpunkt, sondern meine eigene Situation mitten zwischen den Fronten. Das betont dann wieder meine Einzigartigkeit, die sich denn doch auf jeden Übertragen lässt.
Na ja, da geht's um sowas wie "Autorität", "Bevormundung" etc. Wenn man nicht darauf vertrauen kann, dass die eigenen Eltern es gut mit einem meinen, auf was soll man dann noch vertrauen? Was bedeutet es Eltern zu sein und wozu überhaupt noch?
Bedeutet es wehrfähigen disziplinierten Nachwuchs für den Führer zu "erziehen"? Oder für Nachschub an leistungsbereiten Systemsklaven zu "sorgen"?
Wissen wir was wir tun, wenn wir Sex haben?
Was ist dann die vielbeschworene "Freiheit"?

Beitrag melden
curiosus_ 02.02.2019, 16:02
13. ?

Es geht doch nicht darum, dass alle Mitglieder einer Generation identisch wären. Es geht um den Mittelwert, und um den streut selbstverständlich die Verteilung.

Das Sein bestimmt nun mal das Bewusstsein:

Insgesamt werden so ab den Kriegskindern bis jetzt sechs verschiedenen Generationen nach dem Zeitraum ihrer Geburt eingeteilt (Wikipedia):

- Kriegskinder
- Nachkriegsgeneration
- Baby-Boomer
- Generation X
- Generation Y
- Generation Z


Und selbstverständlich prägt das Umfeld, in dem ein Kind aufwächst, sein Bewusstsein für den Rest seines Lebens. Und das ist schon sicher mindestens seit der Homo als soziales Wesen die Erde bevölkert so. Und definitiv legt diese Prägung die Art der Herangehensweise an Probleme und mit auch die Schwerpunkte des Denkens fest.

Und "unser Verstand" legt nun mal nicht die Schwerpunkte und das Wertesystem fest nach dem wir leben und in dessen Rahmen wir "unseren Verstand" einsetzen. Das wird im Wesentlichen durch die Lebenserfahrung, vor allem die aus der Jugend, definiert. Wenn "unser Verstand" das allein gültige wäre liese sich jeder, zumindest theoretisch, auf das gleiche Verhalten hinargumentieren.

Aber zum Glück ist das nicht so, zum Glück ist die Zukunft nicht determiniert.

Beitrag melden
von_hintendrop 02.02.2019, 16:09
14.

Ich mag ja Ihre Texte, Frau Berg, aber hier liegen Sie falsch. Die Nachkriegsgeneration, die Babyboomer, Generation X, Y und Z haben allesamt in ihrer frühesten Jugend durch ihre Umwelt die unterschiedlichsten Dinge erfahren. Sie wuchsen mit anderen Geräuschen auf, anderen Düften, anderen Dingen, die wichtig oder unwichtig waren. Und das prägt für ein ganzes Leben! Damit will niemand behaupten, dass nun auch jeder einzelne so tickt, wie seine ganze Generation. Aber es lassen sich in der Masse durchaus Tendenzen ausmachen, die es zulassen zu sagen, dass meine Generation (immer bezogen auf das jeweilige Land) nunmal so oder so ist. So sind Sie nicht Generation Y oder Z, wohl aber eher X oder Babyboomer. Und das merkt man Ihren Texten an.

Beitrag melden
frankenbaer 02.02.2019, 16:11
15. Zitat von dasfred

Wenn Sie scheiben, die Älteren würden auf Kosten der Jüngeren leben, haben Sie entweder noch nie etwas vom Generationenvertrag gehört oder, falls doch, diesen nicht begriffen. Nachhilfeunterricht wäre hilfreich.

Beitrag melden
nobody_incognito 02.02.2019, 16:17
16.

Zitat von curiosus_
Wenn "unser Verstand" das allein gültige wäre liese sich jeder, zumindest theoretisch, auf das gleiche Verhalten hinargumentieren. Aber zum Glück ist das nicht so, zum Glück ist die Zukunft nicht determiniert.
Faktisch haben Sie Recht, weil noch keine "rationalen" Argumente bekannt sind, die sowas wie "Liebe" bzw. Empfängnisbereitschaft der Frau bewirken könnten. Deshalb hat sich Gott ja der jungfräulichen Befruchtung bedient. :-D
Umgekehrt kann man sagen, dass Verstand unmöglich Produkt eines bewusstlosen nihilistischen Sexualtriebs sein kann, d.h. das Bewusstsein entsteht im Nachhinein durch Wahrnehmung und Interpretation der raumzeitlichen Realität und sogar des eigenen biologischen Werdens. Also es geht um die Frage nach dem Zufall und der Ursuppe.

Beitrag melden
nobody_incognito 02.02.2019, 16:19
17.

Zitat von frankenbaer
Wenn Sie scheiben, die Älteren würden auf Kosten der Jüngeren leben, haben Sie entweder noch nie etwas vom Generationenvertrag gehört oder, falls doch, diesen nicht begriffen. Nachhilfeunterricht wäre hilfreich.
Die Jüngeren von heute, sind die Älteren von morgen, also ist es durchaus sinnvoll, wenn sie sich für das Heraufsetzen des Renteneintrittsalters auf 80 J. einsetzen. :-D

Beitrag melden
remedias.cortes 02.02.2019, 16:32
18. Der Begriff ist doch kein Kampfbegriff !

Also wir Babybolmer finden den Generationenbegriff auch ziemlich verallgemeinernd.....
nein, ich nicht. Ich benutze ihn. Seit ich die "Kriegskinder" und "Nachkriegskinder"- Thematik kenne. Da gibt es Traumata- Gemeinsamkeiten, die mir helfen, die ältere Generation ( haaa....schon wieder) zu verstehen, Empathie zu haben und nachzufühlen. Ihr Problem, Frau Berg ,ist, dass Sie die Generationenfrage als Waffe sehen. Das ist der Begriff nicht.
Und wir Babyboomer ? Was ist unsere prägende Erfahrung? Kalter Krieg, Osterdemos? Ich würde sagen: Wir waren immer viele. Oft zu viele .

Beitrag melden
hexenbesen.65 02.02.2019, 16:41
19.

Zitat von frankenbaer
Wenn Sie scheiben, die Älteren würden auf Kosten der Jüngeren leben, haben Sie entweder noch nie etwas vom Generationenvertrag gehört oder, falls doch, diesen nicht begriffen. Nachhilfeunterricht wäre hilfreich.
Stimmt. Es ist wohl eher so, dass die Jüngeren auf Kosten der Älteren leben. Wie lange studiert nochmal einer ? "Unsere Generation" wurde nicht lange hintenrum gehoben...da hies es: Was, du willst Abi machen ? Nix da, du gehst arbeiten und bringst Geld nach hause!
Die "jungen" wissen doch gar nicht, wie gut sie es haben ! Studieren bis zum St. Nimmerleinstag, machen erst mal ein Jahr Sabatical (ist ja soooo anstrengend, zweimal die Woche zur Uni für drei Lesungen zu gehen ).
Und die "Generation heute"---was die an "Rapper-Mist" bringen...sieht man ja an Kollegah und sein "Kumpel"...
Es geht nicht um "Generation X oder Y", sondern den RESPEKT, den man einander entgegenbringen sollte. Ich hab zb gelernt, bei voller Bahn zb meinem Platz an ältere / schwangere/ behinderte zu Räumen. Heute bekommt man eher eine auf die 12, ehe sich mal einer bequemt, seine komplette Reihe zu "teilen"....Neee, da wird ein Gesicht gezogen, als wenn man gesagt hätte, "du musst ne ganze Flasche Lebertran trinken".. Mögen die "jungen" ihre Musik haben...lasst denen das spastische gezucke vom "tanzen" und lasst uns unsere Musik. Geht bei uns in der Familie wunderbar.
Hat mit Verkleistung des Verstanden gar nix zu tun. Jede Generation hatte seine Kämpfe... Nun tut "ihr jungen" nicht so, als ob ihr all die Lasten der Welt auf euren Schultern tragen müsst....hat die vorherige Generation schon gemacht, und die davor. Die jungen sind NIX BESSERES als die alten. Nur dass die Alten eben mehr Lebenserfahrung und die Ruhe haben... Die regen sich wegen manchen Pipifax-Sachen einfach eben nicht mehr auf.
Und vor allem: Lasst die Rentner endlich mal in Ruhe..die haben ein Leben lang gearbeitet- damit IHR euch im Wohlstand suhlen könnt...gönnt ihnen die mickrige Rente !

Beitrag melden
Seite 2 von 8
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!