Forum: Kultur
Generationszuschreibungen: Die Verkleisterung des Verstandes
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Was bezwecken Menschen, die von "meiner Generation" sprechen? Solche Verallgemeinerungen jazzen ein schlichtes Weltbild zu großen Thesen hoch. Kleiner Trick, um das zu vermeiden: zumindest ab und an differenzieren.

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widower+2 02.02.2019, 18:27
30. Irgendwie

Zitat von HasiHase
Mein Rat an Frau Berg: Hören Sie Ihren Eltern und/oder Großeltern (wenn sie denn noch leben) sehr gut zu, was sie über deren Generation zu erzählen haben, die früheren Generationen waren auch schon sehr gescheit! Noch was: Es wirkt zunehmend befremdlicher auf mich, wenn das was in früheren Generationen richtig und gut war, ohne ohne Not heutzutage auf einmal schlecht sein soll. Dies schreibt jemand, der nicht zur jungen Generation aber auch nicht zur älteren Generation gehört.
Irgendwie haben Sie den Artikel so gar nicht verstanden. Frau Berg ging es doch gerade darum, möglichst nicht in diesen Schablonen definierter Generation zu denken. Und dann bringen Sie diesen Begriff in einem relativ kurzen Beitrag gleich fünf Mal?

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Erythronium2 02.02.2019, 18:30
31.

Ich beispielsweise habe keine Schulprobleme, muss nicht nach einem dauerhaften Arbeitsplatz suchen und habe keine Probleme mit der Beaufsichtigung von Kindern, auch deshalb, weil so etwas bei Leuten in meinem Alter viel seltener vorkommt als bei jüngeren Leuten. Da kann und will ich gar nicht überall mitreden. Und trotzdem wäre es ab und zu schön, nicht gleich als zu irgendeiner Gruppe gehörig abgestempelt zu werden oder wegen irgendetwas diskriminiert zu werden, das man nun mal nicht ändern kann. Das aber geschieht natürlich ständig in Deutschland, trotz Grundgesetz und AGG, und zwar in Form von angeblich positiver Diskriminierung zur Aufhebung von Ungleichheiten auch hochoffiziell, etwa durch Quoten, neuerdings besonders dreist in Form des verfassungswidrigen "Parité-Gesetzes" in Brandenburg, das momentan von vielen Leuten bejubelt wird, obwohl so etwas nicht einmal den Anschein von Gerechtigkeit erwecken kann, da Frauen in allen Parteien deutlich in der Unterzahl sind. Die hätten eigentlich noch beschließen sollen, ein Drittel der Listenplätze für das "dritte Geschlecht" zu reservieren, für das ja immerhin in einigen Grundschulen in Bayern schon die Klos gebaut werden. Aber da hätten sie natürlich nicht genügend Leute zusammenbekommen. Ein anderes Beispiel: Wer im gleichen Alter die gleiche Summe in die Rentenversicherung einzahlt, der hat halt später, Schröder sei Dank, noch lange nicht die gleichen Rentenansprüche.

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M. Vikings 02.02.2019, 18:32
32. Natürlich muss man differenzieren.

Bei meinen Eltern gabs Lebensmittelmarken,
bei mir Steckrübensuppe,
meine kleine Schwester ist in den Käseigel gefallen,
danach gabs bis heute unmengen an schlechter Musik,
in den 80ern gabs schon Lachsschnittchen, Kaviar und Sektchen
für die Zonis gabs Begrüßungsgeld, Erbsensuppe, Bananen
und ein Freibier
und heute wird containert.

Mir kann man jedenfalls nicht vorwerfen,
dass ich nicht bereit bin zwischen den Generationen zu differenzieren.

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toninotorino 02.02.2019, 18:40
33.

Frau Berg, mir rutscht das auch zunehmend wieder raus mit "meine Generation". Völliger Humburg. Quatsch. Hat wohl was damit zu tun, dass ich alt werde. Keine Ahnung. Dabei war "meine Generation" genau so vielfältig, in sich zerfranst und widersprüchlich, gaga und klasse, schräg und straight wie heute womöglich. Ich werde versuchen mehr darauf zu achten. In Bezug auf bestimmte Themen, die im Forum debattiert werden, ist das aber von den meisten Foristen nicht böse gemeint. Glaube ich jedenfalls. "Meine Generatiom" als Metapher um ein Lebensgefühl zu auszudrücken oder eine Vorliebe für etwas, kann ja auch ein Schrei sein, Verzweiflung, "Hey, passt auf! Lasst Euch nicht für dumm verkaufen!"

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nobody_incognito 02.02.2019, 18:58
34.

Zitat von hexenbesen.65
Stimmt. Es ist wohl eher so, dass die Jüngeren auf Kosten der Älteren leben. Wie lange studiert nochmal einer ? "Unsere Generation" wurde nicht lange hintenrum gehoben...da hies es: Was, du willst Abi machen ? Nix da, du gehst arbeiten und bringst Geld nach hause! Die "jungen" wissen doch gar nicht, wie gut sie es haben ! Studieren bis zum St. Nimmerleinstag, machen erst mal ein Jahr Sabatical (ist ja soooo anstrengend, zweimal die Woche zur Uni für drei Lesungen zu gehen ). Und die "Generation heute"---was die an "Rapper-Mist" bringen...sieht man ja an Kollegah und sein "Kumpel"... Es geht nicht um "Generation X oder Y", sondern den RESPEKT, den man einander entgegenbringen sollte. Ich hab zb gelernt, bei voller Bahn zb meinem Platz an ältere / schwangere/ behinderte zu Räumen. Heute bekommt man eher eine auf die 12, ehe sich mal einer bequemt, seine komplette Reihe zu "teilen"....Neee, da wird ein Gesicht gezogen, als wenn man gesagt hätte, "du musst ne ganze Flasche Lebertran trinken".. Mögen die "jungen" ihre Musik haben...lasst denen das spastische gezucke vom "tanzen" und lasst uns unsere Musik. Geht bei uns in der Familie wunderbar. Hat mit Verkleistung des Verstanden gar nix zu tun. Jede Generation hatte seine Kämpfe... Nun tut "ihr jungen" nicht so, als ob ihr all die Lasten der Welt auf euren Schultern tragen müsst....hat die vorherige Generation schon gemacht, und die davor. Die jungen sind NIX BESSERES als die alten. Nur dass die Alten eben mehr Lebenserfahrung und die Ruhe haben... Die regen sich wegen manchen Pipifax-Sachen einfach eben nicht mehr auf. Und vor allem: Lasst die Rentner endlich mal in Ruhe..die haben ein Leben lang gearbeitet- damit IHR euch im Wohlstand suhlen könnt...gönnt ihnen die mickrige Rente !
Ist halt trotzdem seltsam. Wenn eine neue Generation aus der alten entsteht, dann muss da kontinuierlich etwas schief gehen. Man sollte ja meinen, dass die Evolution und kulturelle Entwicklung etwas aufsteigendes wären. Man kann das "Aufsteigende" aber nur im Sinne des "kleineren Übels" sehen, d.h. wenn es offensichlich schlechter wird, im Sinne des "das Gute ist der Feind des Perfekten".
Demnach müsste es ja sowas wie einen "apokalyptischen" Evolutionssprung geben.

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yor 02.02.2019, 19:20
35. Generationenkonflikt? Ein Muss!

Wer Kinder über zwölf hat, weiß es, wer selber eins war oder ist, auch: Generationenkonflikte müssen sein. Schließlich sind wir Alten oder Eltern ignorantes Establishment, gegen das man rebellieren muss. The Who haben das in den Sechzigern sehr schön beschrieben - My Generation, gell - und für die Heutigen macht‘s halt Greta Thunberg. Feindbilder kommen und gehen, das bleibt; selbst vegane Greenpeace-Aktivisten werden in bestimmen Zeiträumen von ihren Kindern gehasst. Befremdlich finde ich bloß, dass Berg sich ihr Menschenbild anhand von Leuten zurechtschnitzt, von denen sie nur ihre Internetfäkalien kennt; das haben die meisten Menschen nicht verdient.

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im_ernst_56 02.02.2019, 19:24
36.

Zitat von von_hintendrop
Ich mag ja Ihre Texte, Frau Berg, aber hier liegen Sie falsch. Die Nachkriegsgeneration, die Babyboomer, Generation X, Y und Z haben allesamt in ihrer frühesten Jugend durch ihre Umwelt die unterschiedlichsten Dinge erfahren. Sie wuchsen mit anderen Geräuschen auf, anderen Düften, anderen Dingen, die wichtig oder unwichtig waren. Und das prägt für ein ganzes Leben! Damit will niemand behaupten, dass nun auch jeder einzelne so tickt, wie seine ganze Generation. Aber es lassen sich in der Masse durchaus Tendenzen ausmachen, die es zulassen zu sagen, dass meine Generation (immer bezogen auf das jeweilige Land) nunmal so oder so ist. So sind Sie nicht Generation Y oder Z, wohl aber eher X oder Babyboomer. Und das merkt man Ihren Texten an.
Vielleicht muss man bei den Texten von Frau Berg berücksichtigen, dass sie die ersten 22 Jahre ihres Lebens in der DDR verbracht hat. Dort gab es, jedenfalls im offiziellen Sprachgebrauch, nicht die Zuordnung zu dieser oder jener Generation. Dafür war viel von "unseren Menschen" die Rede, wobei die Verwendung des Possessivpronomens (besitzanzeigenden Fürwortes) "unsere" nicht ganz zufällig erfolgte, weil die DDR "ihre" Bürger nur höchst ungern gehen ließ. Vielleicht erklärt das ein wenig die Aversion Frau Bergs gegen Vereinnahmung.

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chrismuc2011 02.02.2019, 19:27
37.

Vielleicht sollte Frau Berg und Ihre Kollegin Stockowski dann damit mal anfangen nicht von Männern oder gar weissen alten Männern zu reden und zu verallgemeinern. Danke!

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Dieter Koll 02.02.2019, 19:35
38. eine sehr gute Kolumne...

auch wenn sie von einer Frau geschrieben wurde, die ansonsten immer davon schreibt, dass DIE Männer DIE Frauen unterdrücken, dass Die Männer Angst vor DER Emanzipation haben, usw usw..... alle ihre Kolumnen triefen nur so vor Verallgemeinerungen...... sie hat ja in diesem Fall recht...aber ich habe lauthals gelacht

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im_ernst_56 02.02.2019, 19:39
39. Generationenkonflikt

Zitat von yor
Wer Kinder über zwölf hat, weiß es, wer selber eins war oder ist, auch: Generationenkonflikte müssen sein. Schließlich sind wir Alten oder Eltern ignorantes Establishment, gegen das man rebellieren muss. The Who haben das in den Sechzigern sehr schön beschrieben - My Generation, gell - und für die Heutigen macht‘s halt Greta Thunberg. Feindbilder kommen und gehen, das bleibt; selbst vegane Greenpeace-Aktivisten werden in bestimmen Zeiträumen von ihren Kindern gehasst. Befremdlich finde ich bloß, dass Berg sich ihr Menschenbild anhand von Leuten zurechtschnitzt, von denen sie nur ihre Internetfäkalien kennt; das haben die meisten Menschen nicht verdient.
Nach meiner Beobachtung war der Generationenkonflikt der Nachkriegsgeneration mit ihren Eltern deutlich stärker ausgeprägt als der Konflikt der Kinder der Nachkriegsgeneration mit ihren Eltern. 1968, eine eher linksliberale politische Einstellung, Beat-/Rock-/Popmusik, lange Haare, Jeans, es gab unendlich viel, mit dem man sich von der Generation der Eltern abgrenzte, politisch und kulturell. Und so erklären sich natürlich auch die Bedeutung von Songs wie "My Generation" von The Who oder "The Times They Are a-Changin’" von Bob Dylan. Bei Kindern, die in den 1980ern geboren wurden, war der Generationskonflikt nicht so stark ausgeprägt.

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