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Generationszuschreibungen: Die Verkleisterung des Verstandes
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Was bezwecken Menschen, die von "meiner Generation" sprechen? Solche Verallgemeinerungen jazzen ein schlichtes Weltbild zu großen Thesen hoch. Kleiner Trick, um das zu vermeiden: zumindest ab und an differenzieren.

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vera gehlkiel 03.02.2019, 18:13
70.

"My Generation" muss immer noch gestammelt werden, wie bei "The Who", finde ich. Mein Vater, der "Achtundsechziger" (könnte man auch "Nachtkriegsgeneration" dazu sagen, klingt aber viel mehr nach Kartoffelschaleneintopf mit Kanalratteneinlage, und viel weniger nach fettem Joint und dem verflixten weissen Beatles-Album) hat immer behauptet, die "Generationenfrage" sei von Bundeskanzler Helmut Kohl wieder neu erfunden worden, als er die "Gnade der späten Geburt" in die politische Weltlandschaft wiedereinführte. Er fand, dieses zuerst vielen unsäglich lächerlich wirkende Edikt von einer "Geistig-Moralischen-Wende" habe mittel- bis langfristig sein unterminierendes Werk im Bewusstsein von uns Deutschen, auch vermittels typisch linker, stets unterschätzender Arroganz gegenüber dem Sprechenden namens "Birne", durchaus getan. Damit im Nachgang alle Spendenbemühungen des Flickimperiums mehr als gerechtfertigt. Als mein Vater mich seinerzeit sehr sanft, nachgiebig und liebevoll, dabei aber äusserst stur politisierte (zumeist eine sehr widerwillige Rebellin antreffend, deren Erinnerungen an den Zigaretten- und Bierdunst in den Kneipenhinterzimmern lange den Zugang zu seiner "Sozialdemokratie Trotz Alledem" sehr negativ tangierte & mich in K-Gruppen und zur Antifa vertrieb) glaubte ich eigentlich daran, dass eine gerechte, gute und total freie Welt sowieso alsbald anbrechen wird. Spätestens direkt nach dem Abschluss meines vom Munde abgesparten Studiums. Seither ist aber an jedem meiner Lebenstage die Geschichte (mit sch geschrieben, nicht mit 2xch) in mich injiziert worden, respektive so zwangsweise wie eine Dialyse über die Nierenkranke gekommen. Gern wollte ich immer "Generation Grunge" sein, z.B., weniger gern die lapidare Generation X, oder sogar die unlapidare Generation "Selbstvergessen". Die so ein weisser konservativer Häuptling (der während der initialen Politikrekorrumpierung durch Flick undsoweiter aber auch nur in der Gegend rumgestanden hatte) mal anmahnte. Leider bin ich das alles aber doch. Wie gesagt, muss gestammelt werden. Kriegste aber nicht einfach ins teilchenfreie Vakuum rein weggesprengt, wie die untere Stufe der Apollorakete...

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nobody_incognito 03.02.2019, 18:24
71.

Zitat von CharlieBrownXV
Verallgemeinerungen erleichtern so tierisch (lol) das Leben. 1968 bin ich geboren (und danke Herr, wahlweise sonstigen Göttern oder dem Krümelmonster) gehöre damit nicht zu den 68ern... definitiv nicht, ich stehe auf waschen. Und die 80er?
Die haben sich auch von hinduistsicher Philosophie/Spiritualität beeinflussen lassen, waren aber weitaus hygienischer als im Ganges gebadet, wie das dort heute noch üblich ist. Es wird halt zwischen unbedeutender körperlicher Reinheit und der Reinheit des Geistes bzw. der Seele differenziert.
In den 80ern gab es noch Bhagwan Discos, die waren weniger versifft als die anderen. Außerdem gab es die Konterrevolution gegen Bonanza und Kwai Chang Caine, in Gestalt von Denver Clan und J.R. Ewing aus Dallas.

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nobody_incognito 03.02.2019, 18:38
72.

Zitat von vera gehlkiel
...Edikt von einer "Geistig-Moralischen-Wende" habe mittel- bis langfristig sein unterminierendes Werk im Bewusstsein von uns Deutschen, auch vermittels typisch linker, stets unterschätzender Arroganz gegenüber dem Sprechenden namens "Birne", durchaus getan...
Das war aber m.E. der damalige Bundespräsident Roman Herzog und nicht Birne. Wahrscheinlich meinte man, dass jede (Schein-)Ordnung besser wäre als das Chaos und damit hat man auch nicht unbedingt unrecht, bzw. jedeR bekommt die Ordnung die er sich verdient, zumindest dann im nächsten Leben. (-;
An der Moral scheiden sich die Geister und Dämonen, das Tierreich vom Himmelreich.

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Margaretefan 04.02.2019, 13:09
73. Wie immer...

... - zumindest für mich - eine Wohltat, eine Kolumne von Frau Berg lesen zu dürfen :-) Noch schlimmer als das Generationen Heraufbeschwören, finde ich die Sache mit dem "Wir- bzw Uns-Geschreibe", bei Diskussionen. "Wir" sind anderer Meinung... "Wir alle" verstehen das, nur Sie bzw Du nicht... Erklären Sie "uns" bitte...Das Schreiben selbstverständlich immer Einzelne. Nur meinen Sie, dass Sie das Sprachrohr für alle Mitschreiber, außer dem direkt angesprochen sind. Fürchterlich.

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nobody_incognito 04.02.2019, 14:07
74.

Zitat von Margaretefan
... - zumindest für mich - eine Wohltat, eine Kolumne von Frau Berg lesen zu dürfen :-) Noch schlimmer als das Generationen Heraufbeschwören, finde ich die Sache mit dem "Wir- bzw Uns-Geschreibe", bei Diskussionen. "Wir" sind anderer Meinung... "Wir alle" verstehen das, nur Sie bzw Du nicht... Erklären Sie "uns" bitte...Das Schreiben selbstverständlich immer Einzelne. Nur meinen Sie, dass Sie das Sprachrohr für alle Mitschreiber, außer dem direkt angesprochen sind. Fürchterlich.
Vllt. ist "die" Sphinx auch ein "wir" ("Das Totengericht bestand aus einem von Osiris, einem alten chthonischen Gott, geleiteten Tribunal aus 42 auch dämonisch aufgefassten Totenrichtern (Gaugötter)"), dem man sich erklären darf wenn man meint es zu müssen, oder wenn die Welt sonst nichts Interessantes mehr zu bieten hat.
Ansonsten reicht Kapitel 125 des Totenbuchs mit den 82 negativen Schuldbekenntnissen. ;-)
https://de.wikipedia.org/wiki/Altägyptisches_Totengericht

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nobody_incognito 04.02.2019, 15:11
75.

Der französische Literatur-Nobelpreis-Träger André Gide sagte:
„Egal, was mich die Sphinx gefragt hätte, ich hätte immer gesagt: Der Mensch, denn es ist doch der Mensch, um den alle Rätsel sich ranken!“

https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Rätsel_der_Sphinx

und:
"Sie haben das Recht zu schweigen. Alles was Sie tun und sagen, wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden."

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g_bec 04.02.2019, 16:13
76. Soso.

Zitat von Vulpecula
Jede Generation macht kollektive Erfahrungen, die unabhängig von der individuellen Rezeption in gewissem Maße charakteristisch für eine Epoche sind. Was an dieser unumstößlichen Tatsache verstandverkleisternd sein soll, erschließt sich mir beim besten Willen nicht.
Soso. Ich bezweifle jedoch, dass diese kollektive Erfahrung und vor allem die daraus resultierenden Erkenntnisse für alle Angehörigen einer Generation gleich sind und somit zu einem charakteristischen Verhalten führen.

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nobody_incognito 05.02.2019, 14:06
77. Ergo

Zitat von nobody_incognito
Der französische Literatur-Nobelpreis-Träger André Gide sagte: „Egal, was mich die Sphinx gefragt hätte, ich hätte immer gesagt: Der Mensch, denn es ist doch der Mensch, um den alle Rätsel sich ranken!“ https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Rätsel_der_Sphinx und: "Sie haben das Recht zu schweigen. Alles was Sie tun und sagen, wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden."
"Wir" ist "der Mensch" bzw. ganzheitliche (spirituelle) Intelligenz, zu differenzieren von der egozentrischen Intelligenz, die zu "genialen" Absurditäten/Paradoxien neigt, im Sinne einer eigenen angenehmen Raumzeit ohne Sinn für ganzheitliche Nachhaltigkeit (nach mir die Sintflut).

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IQ149 05.02.2019, 17:55
78. Der Wissenszuwachs (#75, #74, #67)

scheint ja in Ihrer Generation proportional zur Geschwindigkeit des Internetzugangs zu sein (https://de.wikipedia.org/wiki/Proportionalität). Das ist aber keine Raumzeit mit ganzheitlicher Nachhaltigkeit (#77), sondern ein Zeitraum mit gänzlicher Einfältigkeit (weit vor der Sinnflut).

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