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Geniales "Polizeiruf"-Finale mit Matthias Brandt: Die Vollendung
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"Das ist doch scheiße, das ist ja wie im Fernsehen." Eben nicht: Im letzten "Polizeiruf" mit Matthias Brandt werden Autos zur Falle und Dialoge zu großer Krimi-Kunst. Was für ein Abgang!

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BennausM 17.12.2018, 10:31
20. Kann mir bitte mal jemand erklären

warum die Ermordete bei ihrem Treff mit ihrem Mörder die gelbe Mappe mit den "Porno"-Fotos ihres Ex mitgenommen hatte? Und warum hat sie sich überhaupt an so einem entlegenen Platz mit jemanden getroffen, von dem sie nichts Gutes erwarten konnte? Diese Fragen stellen sich allerdings erst, nachdem man den ganzen Film gesehen hat. Den fand ich aufgrund der schauspielerischen Leistung von allen Beteiligten ganz gut, obwohl - muss Liebeskummer in einem KRIMI (!) derart massiv thematisiert werden?

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makeup 17.12.2018, 11:03
21. Für mich der schlechteste Tatort

die ganzen Fragen ungelöst, total unsympatische Figur, eine Anwärterin mit seltsamen Humor, zu lange Dialoge und Szenen. Allein 6 Minuten bis geklärt ist, wo das Dampfbügeleisen ist. Um die Ecke denken ist erwünscht. Das Drehbuch ist ganz einfach Mist - der Schauspieler allerdings ist gut. Aber von Unterhaltung keine Spur.

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ancoats 17.12.2018, 11:16
22.

Unfreiwillig demonstrieren hier so einige, der der (jeweils mehr oder weniger) simple Who's done it-Ansatz der allermeisten deutschen Krimis (und ganz besonders des Tatorts) genau richtig für den gemeinen Krimizuschauer zu sein scheint. Denn kaum weicht einer mal - wie hier - von diesem Strickmuster ab, indem er am Ende das genaue Warum und Wie der Tat eher ungeklärt lässt, ist das Gejaule groß. Vorher, während sich die Geschichte entfaltet, dürfen es gerne mal jene Menge Abstrusitäten sein (siehe u.a. die allgemeine Begeisterung für das durch und durch unrealistische skandinavische Psychopathen-Krimi-Gedöns), am Ende hat gefälligst alles sauber sortiert und aufgeklärt zu sein. Dieser Polizeiruf war leise und sehr ruhig erzählt, Dialoge standen im Fokus, allein über die sich im wesentlichen die Personen und deren Beziehungen erschlossen - das eigentliche Thema. Große Klasse. Ich persönlich wäre auch noch den letzten Schritt gegangen und hätte überhaupt keine Lösung angeboten. Man muss auch mal etwas im Ungefähren und Ungelösten lassen. Deshalb von mir einen Punktanzug: 9 von 10.

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altais 17.12.2018, 11:41
23.

Zitat von ancoats
Unfreiwillig demonstrieren hier so einige, der der (jeweils mehr oder weniger) simple Who's done it-Ansatz der allermeisten deutschen Krimis (und ganz besonders des Tatorts) genau richtig für den gemeinen Krimizuschauer zu sein scheint. Denn kaum weicht einer mal - wie hier - von diesem Strickmuster ab, indem er am Ende das genaue Warum und Wie der Tat eher ungeklärt lässt, ist das Gejaule groß. Vorher, während sich die Geschichte entfaltet, dürfen es gerne mal jene Menge Abstrusitäten sein (siehe u.a. die allgemeine Begeisterung für das durch und durch unrealistische skandinavische Psychopathen-Krimi-Gedöns), am Ende hat gefälligst alles sauber sortiert und aufgeklärt zu sein. Dieser Polizeiruf war leise und sehr ruhig erzählt, Dialoge standen im Fokus, allein über die sich im wesentlichen die Personen und deren Beziehungen erschlossen - das eigentliche Thema. Große Klasse. Ich persönlich wäre auch noch den letzten Schritt gegangen und hätte überhaupt keine Lösung angeboten. Man muss auch mal etwas im Ungefähren und Ungelösten lassen. Deshalb von mir einen Punktanzug: 9 von 10.
Dann könnte man so etwas aber unter "Beziehungsdrama, mit zwei Toten" offerieren. Es ging ja den ganzen Film über nur um einen liebeskummerigen Komissar, um Bügeleisen und Aufzüge und um Zigaretten. Die Auflösung war dann, eine wortlos zurückgekehrte Ex, die sich schafsäugig wieder an des Komissars Schulter lehnt. Und das große Finale: der Zuschauer sieht dem Protagonisten beim Fernsehen zu. Ja. Wir sind alle "Eins".

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gnarze 17.12.2018, 11:45
24. Unwürdig...

Warum ist nicht Meuffel telefonierend zur Tür des entlassenden Straftäters gegangen?
DAS wäre ein perfekter Abschluss gewesen.
Das war weder Fisch, noch Fleisch - gefühlte sechzig Minuten gähnend langeweiliges Füllmaterial (SwingerClub ect.pp.), um dem Herrn Kommissar dann doch noch ein Hintertürchen offen zu lassen.

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Adrianstein 17.12.2018, 11:55
25. Des Rätsels Lösung bleibt im Abschied stecken

Die Konvention gilt ja schon länger nicht mehr. , dass ein Fernsehkrimi die Unordnung, die durch Verbrechen und Unmoral gestiftet wurde, durch den fokussieren und pflichtbewussten Kommissar oder durchaus immer öfter Kommissarin aufgeräumt und wieder gerade gerückt wird,

Hier aber inszeniert Petzold den Vorgang bewusst ausufernd, Matthias Brandt wie gewohnt lakonisch und doch spürbar leidend, hat die Möglichkeit einen bekannten Kaugummi ein letztes mal zu kauen. Ein übertrieben demonstrativ Abgang, denn die Moral lautet hier: Wir erlauben uns wie weiland Willy Brandt die Erwartungen zu enttäuschen, weil wir für täglichen Kampf mit der Unmoral und um die Macht nicht geschaffen sind. Von Meuffels tritt zurück, aber neue Taten warten auf den Charakterdarsteller..

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Ruhrgirl 17.12.2018, 12:07
26. Traurig und schockierend

Ich bin zwar traurig, dass H. Brandt nicht mehr im Polizeiruf zu sehen sein wird, aber es wird sicherlich neue Formate geben, in denen ich mir seine Kunst ansehen kann. Allerdings kann ich den Hype um seine Figur nicht verstehen. Menschwerdung von Meufels? Ich weiß ja nicht - aber wenn mir jemand erzählt, dass er - nachdem seine Kollegin ums Leben kam - ca. 20 Sekunden Gewissensbisse hatte, um dann nachhause zu kommen, um sich einen Stan & Olli-Film anzuschauen! Sehr emotional ist der dann nicht, oder? Dem traue ich dann aber auch keine tiefe Trauer bei Beziehungsenden zu - es sei denn, er wäre total selbstzentriert, was dann reiner Egoismus und verletzter Stolz wäre. - Der Fall ist auch nicht gelöst, was an sich nicht so schlimm wäre, denn offene Enden kennen wir ja auch schon. Schlimm ist aber, dass der Fall nur als Aufhänger für diesen Abschied des Kommissars dient, und so am Ende einen Täter präsentiert, von dem 1. vorher nicht einmal die Sprache war, und der 2. logisch nicht zum restlichen Fall passt. Offene Enden hin oder her - aber die Enden in Krimis sind sonst offen, nachdem in alle Richtungen ermittelt wurde. Hier hört der Krimi einfach nur auf. Schade - ich hätte da tatsächlich lieber den kompletten Stan & Olli-Film gesehen...

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schwester arno 17.12.2018, 12:12
27.

Zitat von bernte83
Aufgrund der außergewöhnlich guten Besprechung habe ich mir diesen Polizeiruf angesehen. Und jetzt bin ich sauer. Was war denn daran gut? Der erwachsene Ermittler, der ein Benehmen an den Tag legt, für das man jedem Teenager die Löffel langziehen würde? Die wahnsinnig gestelzten Szenen (z.B. eine Lehrerin, die über Mikrofon mit ihren 5 Meter entfernten Schülern redet, welche ihr wiederum in Zimmerlautstärke antworten können)? Die Lösung des Kriminalfalls (Spoiler: Am Ende stellt sich heraus, dass sie schlicht und einfach nicht sauber ermittelt haben. Mit etwas Sorgfalt beim Aktensichten hätten sie den wahren Täter sofort gehabt)?
Zumindest bei steht die Punktzahl die vom Author für Tatort oder P110 vergeben wird, nahezu immer diametral zu meinem Empfinden, so auch hier, kann Ihnen da nur zustimmen.

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ancoats 17.12.2018, 12:17
28.

Zitat von altais
Dann könnte man so etwas aber unter "Beziehungsdrama, mit zwei Toten" offerieren. Es ging ja den ganzen Film über nur um einen liebeskummerigen Komissar, um Bügeleisen und Aufzüge und um Zigaretten. Die Auflösung war dann, eine wortlos zurückgekehrte Ex, die sich schafsäugig wieder an des Komissars Schulter lehnt. Und das große Finale: der Zuschauer sieht dem Protagonisten beim Fernsehen zu. Ja. Wir sind alle "Eins".
Das berührt ganz offensichtlich die Frage, wie das Genre "Krimi" eigentlich definiert ist. Sind beispielsweise die sehr dunklen, im allgemeinen auch nicht befriedigt (bzw. meistens desaströs für alle Beteiligten) endenden Werke von Cornell Woolrich "Krimis"? Oder die von Simenon? Definitiv - aber ich habe den Eindruck, als wäre das Verständnis vieler ungefähr bei Agatha Christie stehen geblieben.

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Gernspieler 17.12.2018, 12:34
29. Wieder eine Zuschauer-Zumutung!

Der gestrige Polizeiruf 110 lief bei uns unter dem Stichwort "SAZZ" ="Sonntag Abend Zuschauer Zumutung". Eine erschossene Kollegin mit zugeklebtem Auge ist zu wenig. Das Ganze konnte in 30 min abgehandelt werden und bei arte laufen. Einen Matthias Brandt sehen wir gerne, aber nicht in solch einem Unsinn. Ein verdorbener Sonntagabend, aber das sind wir von etlichen Tatorten gewöhnt.

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