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Geniales "Polizeiruf"-Finale mit Matthias Brandt: Die Vollendung
BR

"Das ist doch scheiße, das ist ja wie im Fernsehen." Eben nicht: Im letzten "Polizeiruf" mit Matthias Brandt werden Autos zur Falle und Dialoge zu großer Krimi-Kunst. Was für ein Abgang!

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meyer@savvy.de 17.12.2018, 12:48
30. Gutes Drehbuch, gute Schauspieler, gelungene Inszenierung

Ich fand die neue Kollegin und Meufels waren auch ein gutes Team. Der Diskurs zwischen beiden war gut geschrieben und inszeniert.
Ich habe den klassischen Krimi nicht vermisst. Vielleicht musste es so sein: das Beste kommt immer zum Schluß.

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snickerman 17.12.2018, 12:58
31. Hervorragend!

Und gerade wegen der Ungereimtheiten wird man öfter daran denken als an die ganzen "gelösten" Fälle, die der Durchschnittsmichel halt erwartet wie den Cum-Shot im Porno-Film.
Die Tochter hat ihren Vater nicht gesehen, ja nicht einmal die Schüsse. Und woher hat der Mann, dessen Frau und Tochter auf Grund eines verheerenden Fehlurteils der Psychologin starben, von dem Sorgerechtsstreit erfahren?
Oder ist das irgendwo in der Handlung versteckt und geht unter?
Eigentlich wollte er das Kind vor den Augen der Mutter erschießen, deshalb "nur" zunächst ein Beinschuss. Als er die Frau dann doch erschießen muss, weil sie sich an ihm festklammert, verfolgt er das Kind nicht mehr großartig, sondern fährt in seine Bude und wartet dort mit der Waffe in der Hand. Er hat nichts mehr zu erwarten und will nicht wieder in den Knast.
Wirklich schade um die großartige neue Kommissarin, deren Rolle in der kurzen Zeit beträchtlich reift.
Am Anfang musste ich breit grinsen über mich selbst, als die Ermittler-Schüler durch den Tatort trampeln. "Ja, haben die denn nie einen Krimi gesehen? Sowas macht man doch nicht!"
Ja, da sitzen wir Experten und kritisieren ^^
Touché!

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altais 17.12.2018, 13:28
32. Simenon

Zitat von ancoats
Das berührt ganz offensichtlich die Frage, wie das Genre "Krimi" eigentlich definiert ist. Sind beispielsweise die sehr dunklen, im allgemeinen auch nicht befriedigt (bzw. meistens desaströs für alle Beteiligten) endenden Werke von Cornell Woolrich "Krimis"? Oder die von Simenon? Definitiv - aber ich habe den Eindruck, als wäre das Verständnis vieler ungefähr bei Agatha Christie stehen geblieben.
Was Simenon betrifft, absolut. Wobei es auch langweilige Simenons gibt.
Die Frage ist aber, entwickelt man mit, an einer Story, an einem Plot eine Bedeutung oder nimmt man Bedeutung, ein Anliegen und bastelt die Story darum herum. Was gerne in deutschen Tatorts genommen wird. Dieses, mit schwerem Schritt daher kommende, Bedeutungsschwere, macht viele dieser "Krimis" ja so ungenießbar.

Dieser Plot hier hat, wenn man schon an Simenon denkt, viel zu viele lose Fäden. Und dödelt ab der Mitte ziellos auf etwas hin, was sich dann als biederste Belanglosigkeit heraus stellt: eine Frau kehrt zum verlassenen Ehemann zurück, und endet auf dem Sofa vor der Glotze. Frohe Weihnachten.

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LorenzSTR 17.12.2018, 20:02
33. Mehr als Unterhaltung

Ich habe mich auf jede Folge des 110er aus München wie ein Kind auf Weihnachten gefreut, dabei bin ich "Generation Internet". In der Tragik und Melancholie schimmerte stets humanistischer Geist und Hoffnung durch. Dazu die Kritik an den Verhältnissen und am Normalen bzw. dem, was heute viele dafür halten. Die Fälle waren auch spannender als bei den meisten "Tatorten". Da fragt man sich ja mittlerweile oft, was der Mist eigentlich soll. Das ist manchmal dermaßen schlecht, eine stundenlange Autofahrt mit Meuffels ist logischer. Im ÖR sitzen ja heute viele oberflächliche "Medienprofis", denen diese Polizeiruf-Folgen wie seltsame, unlustige Filme vorkommen müssen, die weder einen Massengeschmack bedienen, noch bedienen wollen. Sieht man ja auch an manchen Kommentaren. Man muss Machern und Brandt als Schauspieler dankbar sein. Bleibt zu hoffen, dass die Autoren das Konzept weiterführen.

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bjo_lie 18.12.2018, 00:37
34. 10 von 10? Wie kann man denn so daneben liegen?

Wenn ein Krimi mal etwas verunglückt und quasi eigentlich gar kein Krimi mehr ist, dann würde ich sagen "dumm gelaufen aber kann ja mal passieren".

Aber wie bitte kann man denn bei der Kritik so daneben liegen?

Hier wird der eigentlich Fall quasi zur Nebensache und die "Handlung" dreht sich 80% der Zeit um irgendwelche persönlichen Probleme der (völlig unrealistischen) Figuren.

Dass da teilweise riesige logische Löcher klaffen (siehe Kommentar Nr 9) und dass wichtige Figuren (der Täter) nicht nur wenig Tiefe haben sondern quasi überhaupt keine, das hätte der Kritiker schon irgendwie erkennen müssen.

Hier eine 10 von 10 zu geben ist als wenn man einem Kleinbus für Motorleistung und Design lobt, ohne zu erkennen dass er nur 2 Sitze und 3 Räder hat.

Der Film hat riesige Schwächen und diese Lobhudelei zeugt von völlig unangebrachter Fixierung auf einige weniger Teilaspekte.

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trennstrich 18.12.2018, 11:51
35. Wo sind die Kritiker?

Der letzte Polizeiruf mit Matthias Brandt. SPON gibt 10 von 10 möglichen Punkten. Schlechte Krimis sind kein Problem. Es gibt viele schlechte Krimis. Die Ausnahme sind gute Krimis. Was mich wirklich in den Wahnsinn treibt, was mich an der Konstitution verzweifeln lässt, es gibt keine Kritik mehr, die so einen Scheiss platziert, wo er hingehört: bei nicht einmal 3, allerhöchstens bei zwei Punkten. Und diese zwei Punkte gibt es für den einzigen schlauen Dialog: Auf einem Foto penetrieren drei Männer eine Frau. Die neue Mitarbeiterin zählt: Dreier. Meuffels korrigiert: Vierer. "Stimmt", sagt sie, "ich habe die Frau vergessen." Das hätte Thema eines ganzen Films, die Entwicklung eines Charakters, der Grundstein einer Handlung sein können. Stattdessen fades, fadenlos verbundenes, mit schmerzender Redundanz in die Länge gezogenes Nichts. Und nichts davon steht in der Zeitung. War schon bei Babylon-Berlin ein publizistischer Abgrund ... Man mag ja von Reich-Ranicki gehalten haben, was man will, seine Gegenwart, schon das er nur da war, gab einem wenigstens ein Gefühl von Polarität und Gegenposition. Die drei oder vier positiven Kommentare unter diesem Artikel wirken neben den viel ehrlicheren Entrüstungen wie Fake-Meinungen. Ein bisschen wie Gefälligkeitskommentare bei Amazon ... Und liest man in diese Gefälligkeitskommentare hinein, versucht, hinter den Worten ihre Verfasser zu sehen, wächst die Bitternis, dass sich die ausgeschlafene, handfeste und einsame Kritik eigentlich in einem prekären Zustand befindet.

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the great sparky 20.12.2018, 20:59
36. erinnerungen werden wach

der film erinnerte mich stark an den helge schneider klassiker "00schneider - jagd auf nihil baxter". letzterer ließ sich nur mit mindestens 1,5 atü auf dem kessel ertragen, war aber immer noch um längen besser als das polizeiruf remake.

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