Forum: Kultur
Gentrifizierung : Die Stadt ist kein Ort für Egoisten
Gordon Welters/ laif

Die legendäre Bar Babette in Berlin soll schließen - ihr Ende steht exemplarisch dafür, wie die gedankenlos vor sich hin malmende Maschine des Kaputt-Mach-Kapitalismus eine Stadt zerstört.

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wuenschemarie 03.09.2018, 15:28
130. In Berlin gibt es sehr wohl eine stadtpolitische Szene, die sich wehrt

Dass es in Berlin keine stadtpolitischen Bewegungen gibt, wie in Barcelona stimmt so nicht. Vielmehr verkennt dieser Satz die Arbeit der zahlreichen Initiativen, die auf viele unterschiedliche Arten versuchen, gegen den Ausverkauf und die immer stärkere Inwertsetzung der Stadt zu kämpfen - Bizim Kiez mit Fokus auf Gewerbetreibende, Kotti & Co zum Thema Sozialwohnungen mit dezidiert antirassistischem Ansatz oder "Zwangsräumungen verhindern", das ähnlich wie die PAH in Barcelona, Vorgängerorganisation des Bündnisses "Barcelona en comú", das jetzt die Bürgermeisterin stellt, und all die anderen zahlreichen Nachbarschafts- und Mieteninitaitiven.
Das Problem ist vielmehr, dass wenn ein Gebäude einmal an einen privaten Investor verkauft worden ist, es sehr schwer ist, dann noch Einfluss auf die künftige Nutzung zu nehmen oder diesem Auflagen zu machen - das Eigentum ist in Deutschland eben sehr gut geschützt.
Trotzdem haben gerade die Kämpfe der Initiativen in den letzten Jahren aber auch immer wieder gezeigt, dass sich auch private Investoren zum Einlenken bewegen lassen, ist der Druck von der Straße, der Bevölkerung, den Bewohner*innen, zusammen mit der Politik, nur groß genug. Da reicht ein Blick nach Kreuzberg, wo in den letzten zwei Jahren bei zahlreichen Wohnhäusern, die verkauft werden sollten, das Vorkaufsrecht ausgeübt worden ist. Das ist natürlich bei einer Bar etwas schwieriger zu realisieren, trotzdem zeigt der ausbleibende Widerstand bei der Schließung der Bar Babette nur, wie wenig sich die Künstler- und Kreativszene für ihre Refugien einsetzen mag.

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