Forum: Kultur
Gentrifizierung : Die Stadt ist kein Ort für Egoisten
Gordon Welters/ laif

Die legendäre Bar Babette in Berlin soll schließen - ihr Ende steht exemplarisch dafür, wie die gedankenlos vor sich hin malmende Maschine des Kaputt-Mach-Kapitalismus eine Stadt zerstört.

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Le Commissaire 26.08.2018, 15:44
10. Überheblichkeit

1. Ich wohne seit 15 Jahren in Berlin und gehe regelmäßig aus. Von der "Bar Babette" habe ich noch nie auch nur gehört. Ganz so legendär kann sie nicht sein, auch wenn sie in Ost-Berlin liegt. Es gibt ein Leben jenseits der Spielwiese.

2. Wer eine Garantie haben möchte, dass er eine Bar bis an sein Lebensende betreiben kann, sollte sich nicht in fremdes Eigentum einmieten.

3. Noch bis vor einigen Jahren war man in Berlin ganz stolz auf den ständigen Wandel. So hatte zum Beispie das WMF gefühlt jedes Jahr eine neue Location und alle warn happy. Jetzt, wo sich die tonangebende Kreise nicht mehr so gerne bewegen, weil sie eine Familie haben, geht das Abendland unter, wenn im eigenen Einzugsbereich eine Bar schließt.

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quark2@mailinator.com 26.08.2018, 15:49
11.

Wenn es nur die Städte wären. Seit der Ost-West-Konflikt vorbei ist, haben wir wieder die Mechanismen des 19. Jahrhunderts. Im Moment schmelzen wir noch die verbliebenen Vermögen der Mittelschicht ab. Aber wir haben einen starken Rückgang der effektiven gewerkschaftlichen Vertretung in vielen Industriestaaten, u.a. durch Mitgliederschwund und Entsolidarisierung der Gewerkschaftsführung. In den USA ist das besonders deutlich zu sehen und es korreliert mit dem Anteil der Löhne am Gewinn der Firmen. Ich bin überzeugt, daß der Konkurenzdruck am Ende dafür sorgen wird, daß wir wieder Legionen an armen Menschen haben werden. Und mit arm meine ich arm nach jeder beliebigen Definition. Da wird die Gentrifizierung noch unser geringstes Problem sein.

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haehnen 26.08.2018, 15:52
12. "Öffentlicher Raum"

Ich muss gleich zu Beginn eingestehen, dass ich diese Bar nicht kenne. Trotz meiner Unkenntnis bezweifle ich, dass man diese Bar ausserhalb der Öffnungszeiten betreten kann. Oder es ist sicherlich auch nicht erlaubt, hinter den Tresen oder in die Küche zu gehen. In einem öffentlichen Raum, wäre beide Szenarien möglich. Diese Bar ist ein wirtschaftlicher Betrieb mit den dazugehörigen Regeln.

Es ist ein Problem in Deutschland, dass wegen einer romantischen Vorstellung eines Ortes, eine Veränderung wegen kapitalistischer Gründe dieses Ortes kategorisch ausgeschlossen wird. Dabei ist die Veränderung ein Teil des Leben.

Fragen Sie doch bitte mal eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, was sie davon hält.

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Bruno Bug 26.08.2018, 15:54
13. Die gute alte Zeit

Wie schön romantisch. Mit dem selben romantischen Gefühl, könnte man auch den Spiegelverlag dazu bringen seine ständigen Preisanpassungen für die nächsten Jahre auszusetzen. Um den bedürftigen Lesern auch in Zukunft die gut alte Zeit zu erhalten, wo alles billiger war und sich nichts änderte. Wo Redakteure für an Appel und ein Ei sich die Finger übers Wochenende im Cafe für die Montagsausgabe wundschrieben. Oops, am Wochenende wird beim Spiegel ja nicht mehr gearbeitet, Wie schade. Wie sich die Zeiten nur ändern. Da braucht man ja auch kein Cafe mehr.
Wer hätte das gedacht. Der Spiegel wird immer konservativer. Am besten bleibt alles so wie's schon immer war. Opa geht jetzt ins Cafe...

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Tevje 26.08.2018, 15:59
14. Vielleicht

ist die Stadt kein Ort für Egoisten, sie isr aber sicherlich ein Biotop für Narzissten. Wie Herrn Berggrün.

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ansv 26.08.2018, 16:03
15.

Zitat von BahnCard50
Die Zeiten, in denen Berlin eine hoch subventionierte Exklave war, wo die Politik froh für jeden war, der sie bevölkerte und denen dafür fast alles durchgehen ließ, die Zeiten sind seit fast dreißig Jahren vorbei. Berlin ist jetzt eine normale Großstadt wie alle anderen auch. Wann begreifen die Berliner das endlich.
Es dauert Generationen, die Grundhaltung der Menschen zu verändern. Das ist in Berlin nicht anders als in Dresden. Dazu kommt, die Veränderung geht in kleinen Schritten voran. Ich erinnere mich gut, wie entsetzt eine Kollegin aus Berlin war, die für zwei Jahre nach Stuttgart kommen wollte: Miete, Lebenshaltung, Kinderbetreuung - alles so teuer und die Stadt so gar nicht hipp. Sie hat sich letztendlich gegen das Projekt entschieden - war wohl das beste für alle Beteiligten :-)

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gracie 26.08.2018, 16:05
16. Berlin...

....herzlich willkommen im Club. Meine Stadt haben sie bereits versaut , in nur 20 Jahren wurde daraus eine riesige Schlaftablette. Sicher Schick und sehr schön anzusehen, aber ab 20:00 ist sie tot. Oder man hat das nötige Kleingeld um bei Champagner (richtig teuren französischen) und Petits Fours (nur von den besten Adressen natürlich), auf der Dachterrasse vom 5 Sternen Hotel nach der Arbeit zu feiern. Der Abend kostet dann schon mal im Durchschnitt und pro Kopf 95 Euro und dass ohne Essen. Aber Achtung ! Bist du über 30, wird man bestaunt wie ein Außerirdischen, früher hat das Alter niemand gestört. Man muss nicht nur reich sein, sondern auch noch jung und schön.
Die Besenkammer kostet zur Miete schon mal 2000 CHF und an Wochenenden und Feiertagen pilgern Horden von Menschen im Stechschritt mit ihren Rollkoffer zum Bahnhof oder zum Flughafen.
Die Stadt wirkt dann wie auf Narkose.

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Nikolise 26.08.2018, 16:08
17.

Philantrophie ist eine Kehrseite des Raubtierkapitalismus. Wenn man viele Menschen und den Staat lange erbarmungslos ausgenommen hat, dann gibt man mit einem kleinen Teil der Beute in der Öffentlichkeit an, um nicht als das zu scheinen, was man in Wahrheit ist: ein skrupelloser Ausbeuter.

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M.steitz 26.08.2018, 16:11
18. Berlin, Berlin, Berlin

Eine Hauptstadt die nur Miese macht und sich für alles bezahlen lassen will.
Jetzt kann die Stadt nicht mal selbst Szene-Locations halten und bietet auch hier um Hilfe ?
Für mich ist Berlin mehr Provinz als eine durchschnittliche mittelgrosse beliebige andere Stadt in Deutschland.
Das Kapital zeigt überall mehr und mehr seine hässliche Fratze, nicht nur in Berlin.

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brunosjob 26.08.2018, 16:11
19. Bald sehen alle Städte eh gleich aus

Dank der Kettenindustrie sehen bald alle grossen Städte gleich aus. überall Starbucks, Mc Donalds, Pizza Hut, Zara, H&M und ein Mediamarkt. Dank der Oekonomisierung der Städte durch das Grosskapital ist Individualität fehl am Platze, keine Babette Bar oder Cafe Goettlich oder die Filmdose um die Ecke im Szeneviertel. Letztendlich ist es am Ende egal in welcher Stadt man lebt oder arbeitet, das verreisen wird obsolet durch die gleichmachende Gentrifizierung und hilft der Umwelt. Und wer in Zukunft den Pariser Eifelturm oder das Brandenburger Tor sehen will bedientg sich auf Google Streetview

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