Forum: Kultur
Gespaltene Gesellschaft: Integrieren - in was?
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Viel geht es derzeit um gemeinsame Werte. Doch wo sind diese Werte, wenn ein Land einen Regierungschef als Despoten bezeichnet und ihm doch Waffen liefert? Da bleibt wohl immer ein Rest von Fremdsein.

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Actionscript 25.07.2018, 02:37
110. Deutsche haben falsche und veraltete Vorstellung von Integration.

Die USA sind ein Einwandererland. Ich lebe hier schon eine geraume Zeit. Jeder hier stammt von Einwanderern ab, obwohl dies schon ein paar Generationen her sein kann. Es gibt Parallelgesellschaften bei Asiaten und Mexikanern oder ganz extrem zB die Amisch.als Religionssekte. Es gibt Spezialgeschäfte, wo viele Migranten oder deren Nachfahren mit direktem Migrationshintergrund einkaufen gehen, warum nicht?. Niemals würde dies kritisiert werden. Das Geheimnis ist einfach. Wichtig ist für das Leben in den USA die Konstitution, Beachtung der Gesetze und das man Arbeit hat oder sich welche sucht und versucht, Englisch zu sprechen.

Natürlich gibt es da die Teaparty, jetzt verdrängt von der Trumpbasis, und es gibt die Demokraten. Das sind 2 verschiedene Fronten, die sich als unamerikanisch beschimpfen aber nicht der Türke, der ein Bild von Erdogan zu Hause hat oder in den türkischen Supermarkt geht, solange er/sie oben Genanntes beachtet. Özil wäre hier sehr gut integriert. Ein Bild mit Erdogan zusammen hätte man vielleicht auch kritisiert, aber er wäre vermutlich immer noch Mitglied der Nationalmannschaft und hätte auch Unterstützung zumindest eines grösseren Teils der Bevölkerung erfahren.

In diesem Sinne hat auch Frau Stokowski eine falsche Vorstellung von Integration. Viele Biodeutsche inklusive mich eingeschlossen, fühlten sich dann in Deutschland nicht integriert.

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droptableall 25.07.2018, 02:52
111.

Wie erkenne ich, ob ich integriert bin? Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, habe aber einen Migrationshintergrund. Eine meiner Omas war nicht als Deitsche anerkannt. Eigentlich dachte ich immer, dass ich Deutscher bin, aber per Definition habe ich ja Migrationshintergrund, bin also nur Deutsch - Pole (ohne ein Wort polnisch sprechen zu können) Jetzt möchte ich gerne alles richtig machen und frage mich, ob ich mich taufen lassen muss oder CDU wählen oder was, um weiterhin dazu gehören zu dürfen.

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Pascal Meister 25.07.2018, 03:01
112. Ja es ist eine vielfältige Gesellschaft

Worin müsste sich integriert werden? Wenn man die Ränder weglässt, dann bleibt im deutschsprachigen Raum eine Gesellschaft übrig, die sich seit der Aufklärung der Vernunft zugewandt hat und für die Religion im Alltag keine Rolle mehr spielt. Womöglich noch an Weihnachten und beim Heiraten, wenn überhaupt, aber nicht mehr als Kompass im Alltag und schon gar nicht als Lebensratgeber. Es hat sich eine Gesellschaft entwickelt, die viel nackte Haut akzeptiert und sexuelle Freiheit, egal ob hetero- oder homosexuell. Die freie Partnerwahl und die Verantwortung dafür kennt und hochhält ohne Berücksichtigung von Familieninteressen oder Verboten der Zuwendung zu einer Person anderer Kultur. Die die Erziehung vorwiegend den Eltern überantwortet, unterstützt von Kitas, aber nicht den Schulen oder gar der Gesellschaft wie in gewissen nahöstlichen Kulturen. Eine Gesellschaft, in welcher keine Aktion körperliche Gewalt rechtfertigt, ausser das Angegriffenwerden mit Gewalt. Wo auch der Staat auf körperliche Gewalt wenn immer möglich verzichtet, bei der Bestrafung ohnehin. Egal wie ehrlos die Beschimpfung, es darf nicht dreingeschlagen werden. Und ja, es ist eine Gesellschaft, die im Wesentlichen einen vernünftigen Umgang mit Alkohol gefunden hat. Und dem Einzelnen eine hohe Selbstverantwortung auferlegt, auch wenn es Hartz4 als Notnagel gibt. Das ist schon mal eine Sammlung mit Punkten, mit denen sich kulturfremde Einwanderer fallweise sehr sehr schwertun können.

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im_ernst_56 25.07.2018, 06:16
113. Der Neoliberalismus ist an allem schuld

Zitat von dasdingausdemsumpf
Das Diskussionsforum ist echt gruselig. Ich bekomme ehrlich Angst vor dem Hass und der Hetze. Woran liegt das nur? Hat der Neoliberalismus lange genug seine entsolidarisierende Wirkung entfaltet, so dass sich die westlichen Gesellschaften nun von ihrem Humanismus verabschieden und zu einem empathielosen Pöbel werden? Die Rechten sind wieder voll da! Wir dürfen nicht wegschauen! Zum Artikel: Stimmt doch alles, was die Autorin schreibt. Sie stellt die richtigen Fragen. Für alle die die Antworten vermissen: Das Thema ist komplex, es gibt keine einfachen Antworten. Die mit den einfachen Antworten sind die Gefahr! Deutschland ist ein zerrissenes Land. Und das ist so, seit die SPD meint, Mitte zu sein (und dabei einfach neoliberal wurde). Die Politik muss sich einfach wieder um die breite Masse der Gesellschaft kümmern, dann brauchen die Angst- und Wutmacher nicht mehr um sich zu schlagen. Höhere Löhne, bezahlbarer Wohnraum, soziale Absicherung. Ohne Angst im Nacken werden die Menschen sich auch wieder gegenseitig wahrnehmen und achten.
Entschuldigung, aber wann hat sich denn dieses Land mit allen, die zu uns kommen, solidarisch gefühlt? Zu Zeiten Willy Brandts hat sich die Frage doch noch nicht gestellt. Da lebten hier ein paar tausend Gastarbeiter, um die sich niemand gekümmert hat. Hier findet eine Verklärung der Vergangenheit statt. Und noch was: Den Neoliberalismus, der an allem schuld sein soll, gibt es schon viel länger als die AfD.

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hd1954 25.07.2018, 06:55
114. Was diese Kommentare?

Wenn man die ersten Kommentare liest, merkt man wie unterschiedlich eine Meinungsbeitrag gelesen wird. Da wird der Kolumnistin, bei der sachlichen Darstellung eines Tatbestandes, Linkslastigkeit und Rot/ Grüne Beliebigkeit unterstellt. Ein weiterer Kommentar wirbt für den amerikanischen Nationalstolz. Der Unterschied zwischen der deutschen und der amerikanischen Nation ist, dass national sein in Deutschland immer mit dem Blut und dem Boden in Verbindung steht. In Amerika ist Die Nation immer mit der Identifikation der Menschen mit den Symbolen verknüpft, ohne die eigene Identität aufgeben zu müssen. Das macht die Integration bei uns so schwierig!

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ericstrip 25.07.2018, 07:00
115. Was für eine schiefe Argumentation, hier mal nur auf die Schnelle...

...vier Punkte:

1. Die zitierte Frau Foroutan ist eine Aktivistin, die irgendwie eine Professorenstelle ergattert hat (die fürstlich von Steuergeldern lebt). Mit Wissenschaft hat ihr Wirken nur wenig bis gar nichts zu tun.
2. Herr Özil hat in Deutschland viel Förderung von Kindesbeinen an erlebt, konnte es so zum hochbezahlten Profi bringen (auch hier z.T. bezahlt durch Steuern und Fernsehgebühren), er ging dann ins Ausland, um noch mehr Geld zu verdienen und drischt jetzt auf die ein, die ihm das ermöglicht haben.
3. Mit dem Wort "Rassismus" kann man in Deutschland auf alles draufhauen, wenn man etwas will. Totschlagargument, die meisten springen über das Stöckchen. Das wird gern zur Erpressung und Manipulation verwendet.
4. Migranten, insbesondere Muslime, haben zu einem sehr hohen Anteil rassistische, antisemitische, homophobe Haltungen, nur wird bei ihnen darüber hinweggesehen, weil sie ja auch in der soziologischen Opferschublade stecken.

Worein soll man sich integrieren? Mir würde es schon reichen, wenn Recht und Gesetz für alle gleichermaßen gelten würden und nicht ständig doppelte Maßstäbe angelegt würden. In eine starke Gesellschaft integrieren sich Zuwanderer, eine schwache verachten sie und nutzen sie aus.

Wegen solcher Texte wie diesem haben wir das Problem doch überhaupt nur! Und die AfD ist ein Symptom, nicht die Ursache. Mit ihrer "Argumentation", die alles umzudrehen versucht, erweist Frau Stokowski allem, für das sie doch eigentlich (vorgeblich?) einstehen will, einen Bärendienst. Die Leute laufen zurecht davor weg.

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wasnu23 25.07.2018, 07:23
116. Leider wahr!

Zitat von boogywhat
, der genaue das Gegenteil von dem erreichen wird was er egtl. bezweckt: er wird nämlich durch inhaltlich teilweise sogar richtige Provokation, aber auch einseitigen Vorwürfen und oftmals scheinheiligen Argumentationsketten eine Antireaktion bei einem Großteil der Leser hervorrufen. Schade, aber manchmal denke ich genau das ist gewollt.. eine Polarisierung der Gesellschaft.
Das begreife ich auch nicht. Erst wird tatkräftig dabei mitgeholfen, die existierenden Kohärenzräume zu zerschlagen und dann wird scheinheilig gefragt, in was denn bitte integriert werden soll.

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im_ernst_56 25.07.2018, 07:26
117.

Zitat von wolfabc
Versuchen wir das Problem einmal andersherum anzugehen. Man stelle sich einmal vor, hundertausende Deutsche wären notleidende Flüchtlinge oder Migranten, die in der Türkei oder in einem anderen reichen muslimischen Land Aufnahme suchten. Würden diese Länder uns als Flüchtlinge in Massen wollen und tatsächlich aufnehmen? Wenn ja, würde man diesen eine menschenwürdige Unterkunft und zwecks besserer Integration Türkisch- oder Arabischkurse anbieten? Dürften wir unsere Religion ausüben und christliche Kirchen bauen? Würde man emanzipierte Frauen und Homosexuellen und Lesben tolerieren und ggf. vor Übergriffen schützen? Und was wäre, wenn letztere auch noch heiraten wollten? Lassen Sie die Kirche im Dorf, Frau Stokowski! Wir sind nicht besser, aber schon gar nicht schlechter als andere!
Das kann man nicht vergleichen. Frau Stokowski hat bei aller Kritik ein ein sehr idealisiertes Bild von Deutschland. Deutschland soll als Einwanderungsland Vorbild sein, und dann soll etwas völlig Neues, noch nie Dagewesenes entstehen, ein Gedanke, den auch schon letztens Herr Augstein geäußert hat. Am linksliberalen multikulturellen deutschen Wesen soll die Welt genesen.

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TLB 25.07.2018, 07:42
118.

Sich zu integrieren, heißt, sich FÜR etwas zu entscheiden. Gleichzeitig bedeutet es, etwas anderes an die zweite oder dritte Stelle zu rücken. Das fällt Personen schwer, die ihren Wohnsitz gewechselt haben oder wechseln mussten. Und sei es nur, dass sie von Nord- nach Süddeutschland gezogen sind oder von Ost nach West. Natürlich fällt das noch schwerer, wenn man sich in einen völlig anderen Kulturkreis begibt oder begeben muss.
Trotzdem kann einem diese Entscheidung niemand abnehmen. Und wenn man äußerlich hier, innerlich aber dort lebt, dann ist der Widerspruch IN der Person und die Probleme nicht unbedingt in der Umgebung zu verorten. Und vielen Linken, wahrscheinlich auch Frau Stokowski, fällt es ebenso schwer, sich FÜR Deutschland zu entscheiden. Reisen ist schöner als Ankommen, hat ja auch schon Watzlawick gesagt. Und so benehmen sich alle, die immer nur die Nachteile Deutschlands sehen wollen. Genau die Personen projizieren ihre eigene Entschlußlosigkeit oder -faulheit oder -feigheit auf Deutschland; das ist einfacher, als sich selbst zu hinterfragen

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fördeanwohner 25.07.2018, 08:02
119. -

In was? Die Frage ist bewusst gewählt, weil man sie sehr schwer mit einem Satz beantworten kann.
Die Frage muss lauten: Was bedeutet Integration?
Und da gibt es drei Punkte, die wirklich jede/r leisten kann.
1. Die Gesetze und die Verfassung des Landes achten.
2. Sich auf alle Menschen, die in dem Land leben, theoretisch einlassen, so dass die Grenzen zwischen jeweiligen ethnischen Gruppen sich auflösen können.
3. Die Sprache so gut lernen, dass man wie der Großteil der Gruppe frei agieren kann und sich mit allen Menschen verständigen kan.

Man muss nicht irgendeine Religion annehmen oder ablegen, seinen Namen ändern.

Ich finde, das ist recht einfach zu leisten. Und ich kennen sehr viel Menschen mit Migrationshintergrund, die das auch leisten bzw. geleistet haben.
Was CSU und AfD wollen, ist total piepegal und sollte nicht andauernd von den Medien veröffentlicht werden.
Ach ja, und auch nicht andauernd im Zusammenhang mit der Causa Özil diskutiert werden. Hätte der sich nämlich mit Barack Obama getroffen, hätte jeder normale Mensch ihn sogar beneidet.

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