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Gewalt: Wann ist ein Mann ein Lamm?
DPA

Haben die deutschen Männer verlernt, zuzuschlagen? Wohl kaum. Die Debatte um diese Frage zeigt vielmehr: Es gibt sie immer noch, die stille Sehnsucht nach dem Wildschweinkönig.

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spon-facebook-1810274577 24.05.2016, 11:53
1. Männlichkeitsgetue

Als Mann geht mit das Getue um Männlichkeit schon seit Jahrzehnten nur noch auf den Zeiger. Es ist tatsächlich amüsant, aber auch ernüchternd, wie noch im Jahr 2016 das Alpha-Tier gesucht wird. Das ist alles sehr langweilig.

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rocknrosa 24.05.2016, 12:10
2. Gewalt ist nie eine Lösung

Sehr schön auf den Punkt gebracht. In Köln haben bestimmt nicht die Männer versagt, die nicht (aus welchen Gründen auch immer) zurückgeschlagen haben. Auch hier versuchen bestimmte Medien aus den Opfern die vermeintlich Mitschuldigen zu machen.

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bronck 24.05.2016, 12:14
3. Ganz so weit hergeholt ist das nicht

Also:
Ein Mann, der eine Frau schlägt ist und ein Wurm. Das ist durch nichts zu rechtfertigen.

Aber das Problem, dass deutschen Jungs vermittels Schulpsychologen etc. seit Jahren schon jegliche Form der Durchsetzungsfähigkeit regelrecht austherapiert wird ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen.
Gerät so jemand an Menschen aus typischen Gewalt- bzw. Machogesellschaften (siehe Köln an Silvester), dann hilft es nicht wirklich seinen Namen tanzen zu können. Auch das ist Fakt.

Wobei es eh eine dumme Idee ist sich wirksam gegen Straftäter zu wehren, da einen deutsche Richter danach noch dafür verurteilen und das Opfer zum Täter machen (Victim Blaming geht auch so!). Denn statt sich zu wehren hätte man ja auch seinen Namen tanzen können...

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jhea 24.05.2016, 12:14
4. Prügeln?

Wenns sein muss, gern. Hab schon seit Wochen keinen Kiefer mehr eingerenkt.


Spaß beiseite.

Prügeln, muss nicht sein.
Wozu hat denn der Böhmermann erst den 'isch hab Polizei' song gemacht? ;)

Wenn's nötig sein sollte hat man in der Deeskalationsphase schon versagt, und sollte ggf da ein wenig was lernen.
Ansonsten tut es sicher nicht weh, sich im Zweifel prügeln/verteidigen zu können.

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sonic29 24.05.2016, 12:18
5. Schade, Frau Stokowski!

da startet Sie ein interessantes Thema, analysiert zutreffend und man kann Ihrer Argumentationskette wohlwollend folgen - aber wenn es dann spannend wird, z.B. die Frage erörtert werden könnte, ob es hier vielleicht nur vordergründig um die Belästigung von Frauen und nicht im Wesentlichen um eine Machtdemonstration auch gegenüber den jeweiligen (männlichen) Partnern geht - da flüchtet sich die Autorin (man möchte fast sagen "wie üblich") in Plattitüden und Relativierungen: Deutsche Männer prügeln irgendwie auch... Thema verfehlt.

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verbal_akrobat 24.05.2016, 12:20
6. Gegensätze der Geschlechter

Was da in Berlin veröffentlicht wurde ist eine sehr maskuline Sicht der Dinge, diese Kolumne hier im online Blättchen ist eine sehr feminine Sicht auf das Thema.
Ergo. wie immer liegt die Wahrheit in der Mitte, oder anderst herum mal gesprochen:
Frau Stokowski, wenn Sie mal selbst bedroht werden - dann darfs durchaus, ob in Form eines Polizeibeamten/in oder des Partners auch eher mal eine maskuline Facette zu ihrem Vorteil annehmen, wah?!?!? ;)

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jujo 24.05.2016, 12:29
7. ...

Zitat von bronck
Also: Ein Mann, der eine Frau schlägt ist und ein Wurm. Das ist durch nichts zu rechtfertigen. Aber das Problem, dass deutschen Jungs vermittels Schulpsychologen etc. seit Jahren schon jegliche Form der Durchsetzungsfähigkeit regelrecht austherapiert wird ist ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Gerät so jemand an Menschen aus typischen Gewalt- bzw. Machogesellschaften (siehe Köln an Silvester), dann hilft es nicht wirklich seinen Namen tanzen zu können. Auch das ist Fakt. Wobei es eh eine dumme Idee ist sich wirksam gegen Straftäter zu wehren, da einen deutsche Richter danach noch dafür verurteilen und das Opfer zum Täter machen (Victim Blaming geht auch so!). Denn statt sich zu wehren hätte man ja auch seinen Namen tanzen können...
Ich habe mich vor Jahrzehnten selbst therapiert. Sich schlagen und hinterher zu sagen der Sieger hatte die besseren Argumente ist doch saublöd!
Das letztemal, vor ca. 50 Jahren, als sich jemand mit mir prügeln wollte habe ich abgelehnt und ihm zu bedenken gegeben, das er mir vielleicht zwei Veilchen schlagen könnte, er aber auch sicher eines hätte. Das bringe ihm doch nichts, tut weh und sieht Sch.. aus!
Es ging wie meist um eine Nichtigkeit, beim ihm siegte dann die Einsicht, als ich aufgestanden war, das die Wahrscheinlichkeit bestand, das er zwei(!) Veilchen bekäme und ich wenn überhaupt nur eines.

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olicrom 24.05.2016, 12:30
8. Es geht nicht ums Prügeln.

Und auch nicht um ein Problem der Männer, sondern um eine gesamtgesellschaftliches Problem: Die gezielte, strategische Vermeidung des Konflikts als Alltagsituation, das Aberziehen von Konfliktfähigkeit und Konfliktlösung in unserer Gesellschaft. Streit und auch Aggression sind mittlerweile komplett geächtet, auch wenn sie beide nun mal zum Leben gehören. Aber anstatt zu lernen, mit ihnen umzugehen, wird nur noch gelernt, sie zu vermeiden, sie zu verleugnen, sie zu unterdrücken. Blümchenpädagogik eben.

Gewaltfreiheit ist der Elfenbein-Traum von Pädagogen und Psychologen. Am Ende ist das Ergebnis meist das genau Gegenteil. Gewalt nimmt zu, weil niemand lernt, Streit und Konflikte richtig und bis zum Ende auszutragen.

Und das hat rein gar nichts mit körperlicher Stärke oder genetisch bedingter Aggression zu tun. Ich habe als Jugendlicher das Boxen gelernt. Eine unbezahlbare Erfahrung, wie man trotzdem einen klaren Kopf behalten kann, weil man muss, auch wenn das Blut aus der Nase spritzt. Dabei habe ich jemals vorher noch jemals nachher mit irgend jemandem geprügelt. Aber egal ob Mann oder Frau, ich sollte eine aggressive Situation handeln können. Aber dafür muss ich so etwas geübt haben. Genau so wie ich wissen sollte, wie ich mir und anderen in einer Gewaltsituation helfen kann. Und ich als Mann fühle mich sicherer, wenn ich eine Frau an meiner Seite weiß, auf die ich mich dann ebenfalls verlassen kann, weil sie die Nerven behält Und ihr wirds umgekehrt nicht anders gehen.

Mehr Konflikte zulassen. Mehr streiten. Nicht wegdrücken, schönreden oder verteufeln. Wenn ich meine Tochter zum Tae Kwon Do bringe, stelle ich mit Genugtuung fest, dass fast Dreiviertel junge Mädchen da sind. Ja, in diesem Sinne muss man sich um die Männer etwas Sorgen machen, wenn sie sich demnächst in brenzligen Situationen hinter ihren Freundinnen verstecken. Nicht weil die in Zukunft besser prügeln können. Sondern weil sie längst aus Selbstschutz weit gezielter lernen, damit umzugehen.

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canUCme 24.05.2016, 12:36
9. Ich würde mich ...

... nicht um eine Frau schlagen, aber für eine Frau.
Dieser, etwas aus dem Zusammenhang gerissene Satz, zeigt dennoch, worum es im Prinzip geht. Natürlich gibt es jede Menge körperlicher Gewalt in Deutschland: Junge Männer prügeln sich in Gangs und deklarieren, es ginge um die Ehre - Quatsch. Männer aller Altersklassen prügeln ihre Frauen, wenn sie sich argumentativ nicht durchsetzen können - traurig. Andere prügeln sich, weil ihr Fußballverein verloren hat, mit den Fans des Clubs, der gewonnen hat - blöd.
Leider ist es in dieser Welt aber so, daß die letzte Eskalationsstufe menschlicher Konflikte immer die Gewalt ist - auf allen Ebenen, bis hin zum Krieg.
Es gibt Situationen, in denen Schwache und Wehrlose von brutalen Individuen überfallen, ausgeraubt, vergewaltigt und schwer verletzt werden. Da kann u.U. lange gewartet werden, bis evtl. die Polizei kommt. In solchen Situationen haben sich früher schon mal eher beherzte Männer zusammengetan, die Angreifer aufgemischt und in die Flucht geschlagen. Wenn man in der richtigen Situation mit Wirkung zuschlägt ist das ok. Ich habe noch keine Frau rufen hören: "Keine Gewalt! Lasst ihn mich noch ein bisschen vergewaltigen, bis die offiziellen Ordnungskräfte kommen!"

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