Forum: Kultur
Gläubige und ihre Gefühle: Die Erde ist eine Scheibe, Schwule sind Sünder

Wenn Katholiken in Amt und Würden mal wieder Homosexuelle dissen, sollten wir innehalten und nachdenken. Über Gleichberechtigung, über Verbohrtheit, über die Gay-Lobby und die eigenen vier Wände.

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syracusa 08.03.2015, 13:12
90.

Zitat von hwdtrier
Ich bin Gläubiger Christ und Mitglied der Gesellschaft. Es mein demokratisches Recht mein Weltbild öffentlich zu vertreten und Mehrheiten zu erreichen. Wer was anderes sagt handelt undemokratisch wenn er nur Politik anhand seiner Meinung zulassen will
Richtig. Und wenn dieses Weltbild verfassungsfeindlich ist, werden Sie auch zurecht gesellschaftlich ausgegrenzt.

Übrigens liefern Sie mit Ihrem Argument auch den Beleg für die Aussage "der Islam gehört zu Deutschland". Denn natürlich haben auch die deutschen Muslime so wie alle anderen das Recht, sich und ihr Weltbild in die politische und kulturelle Entwicklung der Gesellschaft einzubringen. Dieses Recht gilt für alle, also auch für Nazis, Schwulenhasser, Piusbrüder, Salafisten uswusf.. Auch die gehören allesamt zu Deutschland.

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tiefenrausch1968 08.03.2015, 13:14
91.

"Gewisse Aktivisten fordern heute nicht nur Freiheit, sondern die moralische Zustimmung aller Menschen."

Typisch, wie ein Reaktionärer anderen wieder nie formulierte Worte in den Mund legt. Schwule und lesbische Aktivisten fordern Akzeptanz. Ich stimme moralisch der Lebensweise und dem Verhalten katholischer Bischöfe mit all ihrer Verlogenheit und Despotie auch nicht zu, trotzdem akzeptiere ich ihre Existenz und verweise nicht ständig auf ihre moralische Unvollkommenheit, denn das habe ich nicht zu beurteilen. Ebenso sollten es katholische Geistliche mit der Homosexualität halten. Und da sie sich eines moralischen Urteils zu enthalten haben, da vor Gott jede Form der Liebe und des Wunsches Verantwortung für einen Nächsten zu übernehmen respektiert und gleichbehandelt werden sollte, sollte Homosexuellen auch nicht das Sakrament der Ehe verweigert werden. Zumindest dann nicht, wenn man das Neue Testament als Basis und Ausgangspunkt des eigenen Denkens und Handelns versteht. Es ist eigentlich unfassbar, dass ein Radikaler wie Jesus Christus, der sich immer Randgruppen zugewendet hat, von diesen Pharisäern vertreten werden kann.

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syracusa 08.03.2015, 13:18
92.

Zitat von hwdtrier
Galileo wurde NICHT wegen seines heliozentrischen Weltbildes bestraft ( da glaubten die meisten seiner Richter dran) sondern wegen Veröffentlichung da man Angst vor Unruhen und Gewalt hatte. - Napoleon gab der Kirche Recht). Auch heute ein wichtiges Thema: darf man alle Forschungsthemen veröffentlichen.
Forschungsthemen? Selbstverständlich. Aber Sie meinen vermutlich ja auch nicht Forschungsthemen, sondern Forschungsergebnisse.

Und da greift dann logischerweise wie immer bei solchen Fragen eine Güterabwägung zwischen verschiedenen Rechtsgütern: hier beispielsweise die zwischen Meinungs-, Presse- und Wissenschaftsfreiheit einerseits, und Menschenwürde, Sicherheit, Recht auf Leben usw andererseits.

Im ärgsten Streitfall muss ein Richter darüber befinden., welches Rechtsgut im konkreten Fall höher steht und damit Vorrang vor dem anderen genießt. Dafür haben wir die Justiz ja erfunden, damit wir uns darüber nicht die Köpfe einschlagen müssen.

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Spiegelkritikus 08.03.2015, 13:23
93. Das Kreuz mit der Kirche

Es entbehrt nicht der Ironie, wenn gleichgeschlechtliche Paare ausgerechnet von jener Institution den Segen wünschen, die solche Lebensformen oder gar die Homosexualität an sich als widernatürlich bzw. nicht gottgewollt ablehnt.

Letzteres wiederum entbehrt nicht der Ironie, wenn man bedenkt, daß sich in der katholische Kirche schon immer besonders viele Homosexuelle verdingten und kaum jemand in der Institution daran Anstoß nahm. Selbst sexuelle Übergriffe und Mißbrauch wurden bekanntlich häufig geduldet und möglichst unter den Teppich gekehrt.

Wenn also Homosexualität in den eigenen Reihen de facto akzeptiert war und ist, dann ist ein gerüttelt Maß Heuchelei im Spiel, wenn der moralische Zeigefinger diesbezüglich nach außen gerichtet wird.

Überhaupt hat die Kirche in Deutschland noch zuviel Einfluß auf Politik und Gesellschaft. Frankreich ist bei der Trennung von Staat und Kirche wesentlich konsequenter.

Insbesondere die abrahamitischen, monotheistischen Religionen sind in den modernen, wissenschaftlich-technisch geprägten Weltregionen ein Anachronismus sondergleichen. Es wird fleißg geglaubt, obwohl man längst weiß oder wissen könnte, wie und warum Religionen entstanden sind und daß der Mensch Gott nach seinem Bilde geschaffen hat, nicht etwa umgekehrt. Natürlich ist es jedem unbenommen, sich salopp über solches Wissen hinwegzusetzen und einer wahnhaften Transzendenz zu huldigen.

Schon immer hatten reflektive Gläubige ein Problem damit, angesichts all des Schreckens und Elends in der Welt einen Gott zu rechtfertigen, der trotzdem gütig und liebevoll die Geschicke der Menschen lenkt (Theodizee). Das geht eigentlich nur, wenn man die Vernunft vergewaltigt und die Erfahrung über Bord wirft. Der spitzzüngige Aufklärer Voltaire bezeichnet die christliche Lehre denn auch als Hort des Aberglaubens und Beleidigung der Vernunft, entstanden im Heidentum und übernommen vom Judentum.
Besonders hart ging er mit dem religiösen Fanatismus ins Gericht, den er u.a. als blutrünstigen Höllenwahn brandmarkt.

Wenn menschliches Denken und Handeln stark religiös geprägt ist, so ist allemal höchste Vorsicht geboten, weil es absolutistischen Charakter hat und sich gegebenenfalls einer diskursiven, vernunftorientierten Kontrolle entzieht.

Die Menschheit wird freilich noch lange mit dem Phänomen Religion und seinen fanatischen Auswüchsen leben (müssen). Daher gilt es eine Religionsfreiheit mit Augenmaß und Verantwortung zu praktizieren.

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sibylleberg 08.03.2015, 13:26
94. Sachdienliches

Zitat von hwdtrier
... Das die Erde eine Scheibe ist darf man als Christ nicht glauben..... Das ist eine Erfindung der Aufklärung. Die Rkk hielt ein geozentrisches Weltbild für richtig ( Galileo wurde nicht wegen seinem Weltbild verurteilt) und sprang vor 500 Jahren dank Cusanus unter Umgehung des falschen Weltbild der Kepler und Co direkt zu einem relativistischen Weltbild.
Sie haben vollkommen Recht. ich danke Ihnen für diesen Hinweis.

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wählersuchtpartei 08.03.2015, 13:26
95. Demokratie heißt frei entscheiden können

Zitat von hwdtrier
Gläubiger Christ und Mitglied der Gesellschaft. Es mein demokratisches Recht mein Weltbild öffentlich zu vertreten und Mehrheiten zu erreichen. Wer was anderes sagt handelt undemokratisch wenn er nur Politik anhand seiner Meinung zulassen will
Aber ist es auch demokratisch, bereits Säuglinge zu taufen, und bereits als Kinder mit ihrem Weltbild zu indoktrinieren - ohne deren freie Entscheidung dafür abzuwarten?

… um aus der Kirche als Erwachsener wieder auszutreten, will das Amtsgericht (in Berlin) mittlerweile eine Gebühr von 30 Euro haben.

… "schönes" Weltbild, von dem man sich dann nur noch freikaufen kann!

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sibylleberg 08.03.2015, 13:27
96. Garantieschein

Zitat von pklauss
Ich glaube: Demokrit sagte einmal, "Es gibt den Raum und Atome. Alles andere ist Meinung". Ob es wahr ist, dass schwul sein schlimm ist oder nicht, hat nicht die gleiche Objektivität wie "die Erde ist eine Kugel" - glaube ich. Weder Frau Berg noch der Pabst haben in einem universellen Sinn "Recht". Aber man kann nichts sagen, ohne etwas zu behaupten, das ist die Crux.
Das gilt , wie sie richtig ahnen, immer. Ausser in meinem Fall, denn ich weiss alles besser. Ein Gendefekt. W.z.b.w.

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sibylleberg 08.03.2015, 13:28
97. Amen

Zitat von tinosaurus
Ich glaube an den Zufall. Der Mensch entstanden nach dem Zufallsprinzip. Zudem eine interessante parasitäre Fehlentwicklung der Natur. Wie auch immer, die Natur wird den Menschen vermutlich überleben, während der Mensch irgendwann verschwinden wird. Als ob nichts gewesen wäre. Daran glaube ich.
Ein leises Amen, man.

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ometepe 08.03.2015, 14:33
98. Ach ne, das ist dann doch zu schlicht

Zitat von sibylleberg
Ein leises Amen, man.
Die Entstehung des Menschen einem sogenannten Zufallsprinzip zuzuschreiben, missversteht und missachtet die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten 150 Jahre.
Die Evolutionstheorie gründet auf sehr präzisen Untersuchungen und Ableitungen, Einstein hielt gar nichts vom Zufall ("Gott würfelt nicht") und Quantenfluktuation meint auch etwas anderes als Ihr Zufallsprinzip.
Das aktuelle Problem aber ist die Ethik. Wenn Sie den Menschen für eine "parasitäre Fehlentwicklung" halten, gibt es keine begründbare Ethik mehr. Dann ist alles sch...egal. Eben an dieser Stelle beginnt die Notwendigkeit der Religion, die uns Menschlichkeit und Freiheit ermöglich.

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chaps 08.03.2015, 15:15
99. Religionen

Religionen gleich welcher Art gehören komplett in den privaten Bereich verbannt. Jeder soll glauben an was er oder sie mag. Mir ist dies völlig egal, meinetwegen können sie auch den Teufel anbeten (den es nicht gibt). Die christlichen Kirchen, Muslime, Hindus und Buddhisten sollen sich aus den gesellschaftlichen Entwicklungen heraus halten. Solange die Menschen die Gesetze in diesem Land befolgen, können sie glauben was sie wollen. Es ist mir auch egal ob jemand Homosexuell, Hetero, Mono oder Ultrasexuell ist - und was es alles gibt. Gleichberechtigung ist ein Menschenrecht. Wird Zeit dass die Kirchen das lernen!

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