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Gleichberechtigung: Das System hat versagt
Ludovic Marin/ AFP

Der "alte weiße Mann" steht in der Kritik - dabei ist das Problem größer: Das System, das Muskeln, Stärke und Penis belohnt, wurde von allen heterosexuellen Männern geschaffen. Zeit, das zu ändern.

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syracusa 31.08.2019, 14:39
1. mehr Demarchie wagen

Und wieder muss ich Ihnen zustimmen, liebe Frau Berg. Vorweg: ich bin männlich. Ich bin ziemlich gebildet, und bin sehr vielseitig und v.a. auch politisch interessiert und politisch aktiv. Aber ich verfüge nicht über die besonderen Eigenschaften, die ein Politiker hierzulande braucht, um sich nach oben durchzuboxen. Und mir ist klar, dass aufgrund tradierter Rollenbilder und vermutlich sogar aufgrund evolutionärer Veranlagungen Frauen diese Eigenschaften noch weniger haben. Das reicht als Erklärung dafür, dass so wenige Frauen politisch erfolgreich sind, völlig aus.

In jüngster Zeit ist in Irland wieder eine alte Idee zu Ehren gekommen, die helfen kann, dieses Problem der sehr einseitigen und wohl auch gesellschaftsschädlichen Auslese der führenden Politiker zu lösen: die Demarchie. Sie haben es in Ihrer heutigen Kolumne selbst angesprochen mit dem Vorschlag, die Sitze in Bürgerparlamenten zu verlosen. Genau das ist Demarchie: die Auswahl per Losverfahren.

Das würde logischerweise den Parlamentariern die Ochsentour durch die Partei- und Institutionshierarchien ersparen. Damit würden auch Menschen zum Zug kommen, die nicht über die dafür erforderlichen Charaktereigenschaften (wohl eher: Charakterdefinzite) verfügen, und das würde vermutlich unsere Politik so drastisch umdrehen, wie das in Irland gelungen ist.

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jerrinho 31.08.2019, 14:42
2. Endlich!

Frau Berg hat meines Erachtens das Kernproblem des modernen Feminismus erkannt. Es wird versucht, dass Frauen zu Männern werden. Mehr Führungspositionen weil da mehr Gehalt ist, mehr Geilheit auf Profit, mehr Arbeit, weniger Familie, Ellbogen raus, kämpft euch an die Spitze!

Das führt zu nichts, denn dann hat man Frauen an der Spitze, die im Grunde Männer sind. Das ändert nichts am unfairen System, es ändert nichts an der Niederlage der Schwachen, die unvermeidlich bleibt, wenn wir uns von kapitalistischen Grundwerten die demokratische Ordnung vorschreiben lassen.

Das System muss weiblicher werden. Dafür müssen wir neu evaluieren, was einen Wert hat und was keinen Wert hat. Es hilft nichts Frauen zu sagen, dass sie sich wie Männer verhalten sollen, wir müssen Männern erklären, warum Frauen in vielerlei Hinsicht eine bessere Vorstellung von Werten haben. Nur so kann unsere männliche Welt weiblicher werden.

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furorteutonikus 31.08.2019, 14:47
3. Aufruf

Das klingt wie ein Aufruf zu Geschlechterkrieg. Ich denke dass diese Schwarzweiß-Denke der Autorin zu einfach ist (typisch Frau?). Wie bitte sollte denn, sagen wir mal innerhalb von 100.000 Jahre, menschliche Sozialisierung ohne Kants kategorischen Imperativ gehen?

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peeweejay 31.08.2019, 14:53
4. Treffer - versenkt.

Bin ganz Ihrer Meinung. Bin Mann.

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nomopo 31.08.2019, 14:54
5. Drei Punkte, die mich stören

Punkt 1: ich gehöre zur Generation 50+, bin also alt, männlich bin ich auch und meine Hautfarbe ist von Natur aus hell gefärbt.
Ich finde es nicht lustig, dass jemand gegen mich ist, nur weil ich „alt, männlich und weiߓ bin. Das ist diskriminierend.
Punkt 2: ob die Geburt eine Frau benachteiligt oder nicht hat nichts mit Systemversagen zu tun. Das gilt vielleicht beruflich, aber nicht im Privaten und schon gar nicht in Bezug auf den Vater. Oft ist der (vom Kind getrennt lebende) Vater benachteiligt.
Punkt 3: Teilhabe und Gleichberechtigung sind zwei verschiedene Aspekte.
Gleichberechtigung ist in Deutschland sicherlich gegeben. Meines Wissens nach gibt es kein Recht, welches Männern zusteht und Frauen nicht. Gleiches Recht für alle ist sicher gegeben.
Teilhabe muss sicherlich verbessert werden. Aber hier gehören Frauen nicht unbedingt pauschal zu den Personengruppen, die schlechter gestellt sind.
Insgesamt werden trotz gegenteiliger Aufforderung der Autorin wieder Menschengruppen gegeneinander ausgespielt: Mann (mit Penis) = böse; Frau = vom System unterdrückt

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randalph 31.08.2019, 14:56
6. Frau Berg, Schweizerin?

Wieviele Bürgermeisterinnen, Kantonspräsidentinnen, Generälinnen, Bundespräsidentinnen und Bundeskanzlerinnen gibt/gab es in der Schweiz? Vielleicht sollte man erst mal vor der eigenen Haustür kehren, bevor man die Welt verteufelt. Gehen Sie doch einfach selbst in die Politik oder in ein Unternehmen!

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marthaimschnee 31.08.2019, 14:56
7. na das war jetzt ja mal voll daneben

Jetzt geht es nicht nur gegen den alten, weißen Mann, sondern gegen den Mann an sich und dann leitet man ausgerechnet mit dem Bild ein, auf dem eine der Frauen zu sehen ist, die absolut nichts anderes tut, als der Mann in gleicher Position - der alte, weiße Mann, um genau zu sein. Fremdkörper? Nix Fremdkörper, lediglich eine andere Bauform - im Geiste sind da auf dem Bild alle gleich und alle gleichermaßen beteiligt, die Welt in einen schlechteren Ort zu verwandeln! Nein, Frau Berg, das ging schon im Ansatz völlig in die Hose!

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großwolke 31.08.2019, 14:56
8. Die Welt nicht kapiert

Wer ernsthaft an ein "System" glaubt, das von irgendwem "erdacht" worden ist, hat schlicht nicht verstanden, warum die Welt so ist, wie sie ist. In dem Moment, in dem die Menschheit von der Mängelverwaltung der Jäger- und Sammler-Zeit umgeschaltet hat auf die Verteidigung der Überflüsse sesshafter, Landwirtschaft treibender Gemeinschaften, hat sich der Bedarf an Talenten verändert. Statt Klugheit, Umsicht und Ausgleich brauchten die Menschen auf einmal Stärke, Rücksichtslosigkeit, die Fähigkeit, zum Wohle der eigenen Leute über Leichen zu gehen. Man könnte argumentieren, dass wir uns, durch Überbevölkerung und Überbewirtschaftung der Welt, global gesehen erneut einer Periode des Mangels nähern, was in den weiter entwickelten Ländern zunehmend dazu führt, dass Frauen wieder nach vorne kommen. Weil sie eben die Tugenden mitbringen, die es braucht, damit man auf einem Gipfeltreffen zu Einigungen kommt, anstatt entrüstet aus dem Saal zu stürmen. Nur klappt das leider nur da, wo genug Einsicht für die Existenz des globalen Mangels vorhanden ist. Wo die Erkenntnis an der Stelle aufhört, dass der Nachbar (natürlich unberechtigterweise!) etwas hat, das man selber gerne hätte, wenden sich die Leute erstmal wieder starken Männern zu. Und es ist auch alles andere als klar, ob das Berg'sche Lamento für mehr Sozialismus und direkte Demokratie irgendetwas lösen würde, denn am Ende führt sowas primär zur Aufspaltung in kleine Kollektive, die sich im Notfall selbst am nächsten sind. Es ist durchaus möglich, dass die Lösung auf der anderen Seite liegt: in mehr Unfreiheit und einer Regierung, die dem wankenden Volkswillen ausreichend wenig unterworfen ist, dass sie Sachpolitik entlang der Linien des Erforderlichen machen kann, nicht des Erwünschten. Mag sein, dass ich damit ebenso komplett danebenliege wie Frau Berg, aber zumindest gebe ich mich nicht der Illusion hin, dass ich die Lösung hätte.

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syracusa 31.08.2019, 14:57
9.

Zitat von furorteutonikus
Das klingt wie ein Aufruf zu Geschlechterkrieg. Ich denke dass diese Schwarzweiß-Denke der Autorin zu einfach ist (typisch Frau?). Wie bitte sollte denn, sagen wir mal innerhalb von 100.000 Jahre, menschliche Sozialisierung ohne Kants kategorischen Imperativ gehen?
Ähh??? Verzeihung! Wie kommen Sie auf das ziemlich schiefe Brett der Annahme, dass Frau Berg in irgendeiner Weise gegen das zentrale Grundprinzip der Aufklärung argumentiert hätte? Oder zu Geschlechterkrieg aufgerufen hätte? Oder einer Schwarzweiß-Denke verfallen sei?

Sorry, aber vielleicht lesen Sie doch erst mal die Kolumne, bevor Sie sich derart blamieren.

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