Forum: Kultur
Gleichberechtigung von Frauen: Bis es weh tut
Arnd Wiegmann/ REUTERS

Woran denken Sie beim Stichwort "Feminismus"? Brennende BHs, Oben-ohne-Demos von Femen oder den Frauenstreik in der Schweiz? Erwischt! Über die Formen und Fallen des feministischen Protests.

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Vulpecula 18.06.2019, 18:53
20. Beim Stichwort "Feminismus" und "Schweiz" ...

Beim Stichwort "Feminismus" und "Schweiz" krieg ich immer noch Schnappatmung. Ich habe unser Nachbarland mit fliegenden Fahnen wieder verlassen, denn konsequent als "Gattin von ..." betrachtet zu werden trotz absolut gleichwertiger Verdienste, ein Drittel des Honorars meiner Schweizer Kollegen zu verdienen und ständig nur paarweise eingeladen zu werden - was dazu führte, in vier Jahren nicht eine einzige Frau zu finden, mit der ich mich mal alleine auf `n Kaffee treffen konnte, war am Schluss nur noch deprimierend. Ich kann den protestierenden Schweizerinnen nur von Herzen Erfolg wünschen!
P.S. Beim Stichwort "Feminismus" und "Deutschland" denke ich an die Proteste der 70er Jahre in Sachen Paragraf 218 (Ich war dabei ...) und lange mich ans Hirn im Hinblick auf das so genannte "Werbeverbot".

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Findail 18.06.2019, 18:57
21. Was fällt mir ein bei feministischem Protest?

Mir fällt da Sarah Bosetti ein. Sie überzeugt mit Argumenten, macht sensibel für die echten Probleme, gibt mir als Mann das Gefühl, als Verbündeter willkommen zu sein statt als Feind verachtet und stellt Forderungen, denen sich niemand sinnvoll verschließen kann. Und ja, sie sorgt dafür, dass ich mich oft genug für meine Geschlechtsgenossen schäme. Sie provoziert nicht sinnlos. Aber damit würde sie vermutlich in einer Kolumne nicht genug Klicks erzeugen.

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shekina_niko 18.06.2019, 19:01
22. Liebe Margarete Stokowski,

es freut mich sehr, dass Sie vom Schweizer Frauenstreik berichten. Die Anzahl der TeilnehmerInnen und Aktionen übertraf jegliche Erwartungen bei weitem. Es war ein gigantisches, fröhliches, buntes Fest mit fast 100.000 Menschen. Sogar viele Bäuerinnen auf dem Land setzten sich öffentlich in ihre Liegestühle. Denn ihre Situation ist weit weg von Gleichberechtigung: Zitat Tages-Anzeiger: „Knapp drei Viertel der 45'693 auf Schweizer Bauernhöfen tätigen Frauen arbeiten gratis und gelten als nicht erwerbstätig. Sie haben keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung und Mutterschaftsurlaub, sondern nur eine Altersvorsorge mit minimaler Rente. Nach einer Scheidung heisst dies: kaum Geld, kein Beruf, schlechte Perspektiven. Ein güterrechtlicher Streit würde zudem den Hof in Schieflage bringen und eine Hofübernahme eines eigenen Kindes erschweren.“

Der Streik war ein gigantischer Beweis für weibliche Solidarität und die Überwindung von unterschiedlichen Meinungen innerhalb des Feminismus. Das zeigt, dass arrogante, herablassende Aussagen, wie z.B. die in Kommentar #1 von @arzt2, schlicht hetzerisches Geschwafel sind.

Danke Margarete Stokowski, für diesen Kommentar und überhaupt für Ihr Engagement.

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vera gehlkiel 18.06.2019, 19:08
23. @madameping

Zitat von madameping
Daran, dass vielfach immer noch wie in der Adenauer-Ära der Wert einer Frau danach bemessen wird, ob sie Kinder hat oder nicht. Nichts versetzt den Durchschnittsspießer in größeren Aufruhr, als wenn eine Frau sagt, dass sie keine Kinder will oder gut damit leben kann, dass sie keine hat. Kaum ein anderes Gesellschaftsmitglied muss sich so viel dämlichdreiste Fragen oder Behauptungen anhören wie Frauen ohne Kinder.
Womit wir gleich bei der schönen Eigenschaft von uns Frauen, uns mit wirklicher Akkuratesse mit uns selbst und unserem öffentlichen Bild zu befassen, sind. Wir haben da ein Rollenbewusstsein, das einem Marlon Brando beim Üben für "Die Faust im Nacken" entspricht. Und dies ist ein evolutionärer Vorteil, ganz klar. "Prepaired and Ready" auch unter schwierigen Umfeldbedingunen eben. Im Kontakt zu Männern werden wir aber überwiegend den "reaktiven Schluffi" erleben. Dieser protopotente Reflex aus Zeiten, als Mama noch die Hoodies für einen gepflegten Abendrungang einmal quer durch South Central Bielefeld oder so wusch und bügelte, ist für mein Dafürhalten "vorsprachlicher" Natur. Dem so situierten Mann überhaupt etwas zu erklären ist keine Option. Ich sag immer öfter, ich hätte sieben Kinder. Nützt null, weder gegen Baggerei noch sonst wogegen. Wir sollten nur essen was uns schmeckt, auch und vor allem vulvaistische Cupcakes, und uns bewusst machen, dass Frauenprotest so auffällig sein sollte, wie er oft auch ist, um andere Frauen zu interessieren und daraufhin zu solidarisieren. Dafür lass ich im Zweifel auch gern "meine Hupen wackeln"... Why not, verdammich...?! So sehe ich es jedenfalls...

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dschauhara 18.06.2019, 19:11
24. als erstes habe ich gedacht

... an die Generation meiner Mutter, die mindestens den Arsch in der Hose hatte, auf die Straße zu gehen und LAUT zu sein. Irgendwie erscheinen mir die meisten Frauen in meinem Alter (40+) und darunter zu zahm. Schade, es ist schwierig, Mitstreiter*innen zu finden. Ich merke als Vorsitzende einer AsF (Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen in der SPD) im ländlicheren Raum, dass es wirklich nicht leicht ist, andere zu motivieren, mitzumachen, sei es in der linken Ecke, sei es parteiübergreifend. Hauptsächlich sind da ältere Frauen und auch wenn ich deren (lautes) Engagement in der Vergangenheit sehr schätze merke ich, dass an einigen Sachen einfach auch die Zeit vorbeigegangen ist. Diese älteren Frauen schrecken dann sogar z.T. die jüngeren ab (mit Thesen wie das Transgender und Transsexuelle nichts in einer Frauengruppe zu suchen haben, um nur mal ein Beispiel zu nennen). Schade, es ist doch noch so viel zu bewegen - von gendergerechter Sprache über Equal Pay, der Aufwertung von Berufszweigen, in denen bis heute Frauen stärker aktiv sind (Stichwort Care-Berufe), der Abschaffung von §218 und 219 bis hin zur Strafgesetzgebung gegen upskirting und der genderneutralen Erziehung und Pädagogik.

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Henry Jones Jr. 18.06.2019, 19:16
25. Mann verdient mehr, weil er gesellschaftlich diskriminiert wird

Was genau wollen die Frauen und von wem? Was soll das bringen gegen sexuelle Belästigung zu protestieren - sexuelle Belästigung ist geächtet, was sonst kann man dagegen tun? Multivariate Analysen haben längst die Lohndiskrepanz zwischen den Geschlechtern bis auf 1-2% erklärt. Google und Uber waren gezwungen ihre Lohnstrukturen auf Diskriminierung zu überprüfen. Resultat: Sie bezahlen ihren Frauen im Schnitt zu viel. Wer Gleichstellung im Resultat fordert, fordert im Grunde, dass Frauen ihre Bedürfnisse und Lebensplanung nicht mehr frei ausleben und verfolgen dürfen. Ob man sein Leben der Karriere unterordnen will, sollte aber jeder Frau freigestellt sein. Ich hoffe, dass sich die Mentalität irgendwann dahin ändert, dass dies auch Männern gestattet ist ohne dabei (vor allem von potentiellen Partnerinnen) geächtet zu sein. Da liegt nämlich der Hase im Pfeffer: Wenn der Leistungsanspruch an Männer nicht so hoch wäre, würden sie auch nicht mehr verdienen. Es gibt also noch Arbeit zu tun, aber nicht wie sich das Feministinnen vorstellen.

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nobody_incognito 18.06.2019, 19:18
26.

Zitat von arzt2
Wieder werden hier Behauptungen über Benachteiligung von Frauen aufgestellt, die frei erfunden sind. Wenn eine Frau den gleichen Beruf ergreift wie ich als Mann (Zahnarzt) kann sie auch genauso viel Geld verdienen wie ich. Sie muss sich auch von keinem (Ehe-) Mann unterdrücken lassen. Dies ist ein freies Land. Niemand zwingt sie Kinder zu bekommen, um ihre Karriere zu gefährden. Niemand zwingt sie, sich einem Mann sexuell zu unterwerfen. Sie kann alleine bleiben wenn sie meint ein Mann unterdrücke sie. Frauen sind immer freiwillig mit Männern zusammen, jedenfalls in Deutschland. Manche Frauen ärgern sich lediglich über den Verrat ihrer Geschlechtsgenossinnen. Das ist alles. Frauen sind nicht solidarisch miteinander, das ist ihr Problem. Das wird sich auch nie lösen lassen. Die Biologie läßt sich nicht betrügen.
Demnach kann es nur zwei Typen von Frauen geben - solche die intelligent genug sind sich selbst zu versorgen und solche für die Kinder und deren Aufzucht eine Existenzberechtigung sind. Ist dann eine doch etwas fragwürdige Form der Selektion. Aber Männer haben ja objektiv mehr an Gehirnmasse - dann kann ja alles nur gut werden und sich wie auch immer regeln. Man könnte sich nur fragen, warum es nach X-tausend Jahren immer noch solche Probleme und Unklarheiten gibt.

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argumentumabsurdum 18.06.2019, 19:25
27. Back to the roots

Es scheint diese Woche nichts wirklich Bemerkenswertes auf dem Planeten Stokowski passiert zu sein, wenn sie sich genötigt fühlt, den Lesern noch mal kurz den Feminismus seit den 60ern zu erklären. Brennende BHs? Ehrlich jetzt? Das war ja nun wirklich vor meiner Geburt - und ich halte mich inzwischen für recht alt.
Übrigens steht meine Frau nach dem Lesen der Kolumne noch unter Schock und weigert sich, aus dem Kleiderschrank zu kommen. Frau St., ich soll Sie in ihrem Auftrag fragen ob Sie wissen, was die Dinger gekostet haben...
Sei's drum; jedenfalls ist diese Ausgabe der Kolumne kreuzlangweilig, weil einfach das Thema fehlt. Wenn ich wissen will, was Feminismus bedeutet, dann kann ich bei Wikipedia nachgucken; dafür brauche ich die SPON-eigene Erklärbärin nicht.
Vorschlag: Wenn's nichts zu schreiben gibt, warum nicht mal eine schöne Ausmalseite zum Ausdrucken bringen?

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patrick.ruediger 18.06.2019, 19:39
28.

In weiten Teilen finde ich hat sie Recht. Grade dass geschlechtsspezifische Symbolig bei derartigen Demos nicht der hit ist, stimmt. Das gibt dem Ganzen dann so schnell eine Männer gegen Frauen Thematik, die so ja gar nicht darsein soll. Es muss um gleichberechtigung gehen. Nicht mehr und nicht weniger.

Die grosse Mehrheit der Feministinnen stehen für gleichberechtigung ein, und das finde ich sehr sehr unterstützenswert. Jedoch gibt es natürlich auch die kleine, jedoch zumeist besonders laute Minderheit (ist genauso wie bei den Typen auch - die meisten anständigen sind eher zurückhaltend, während Matchos ihre Meinung laut durch die Gegend posaunen) die

a) entweder meinen, die Jahrtausende des Patriachat erfordern als Ausgleich jetzt eine lange Zeit in der genau das Gegenteil stattfindet oder die

b) meinen das alte klassische Familienmodell grundsäetzlich immer Frauenfeindlich ist - während tatsächlich nur der Druck, der auf Frauen ausgeübt wird, sich in dieses Familienbild zu zwängen frauenfeindlich ist.

Wenn sich ein Paar gemeinsam dafür entscheidet, dass für beide aufgrund der spezifischen Lebensumstände das klassische 1-Verdiener Frau (oder auch Mann) bleibt zu Hause Familienmodell am besten ist, steht dritten kein Urteil hierüber zu. Leider muss sich die dann grade die zu Hause bleibende Person oft Anfeindungen von ihren Geschlechtsgenossen anhören (Frauen werden dann als "nicht emanzipiert" , Männer als nicht in der Lage eine Familie zu Versorgen abgestempelt)

Auch ist Gleichstellung sehr unhomogen realisiert. In der privaten Wirtschaft werden Frauen benachteiligt. Bekannte von mir hatten Vorstellungsgespräche, in denen die Interviewer offen untereinander diskutiert haben, ob in der Altersgruppe das Schwangerschaftsrisiko zu hoch ist oder nicht...Da der Grossteil der Stellen, insbesondere der gut bezahlten, Stellen in der freinen Wirtschaft sind (der öffentliche Dienst zahlt besch....) werden Frauen im Schnitt noch sehr deutlich benachteiligt.

Im öffentlichen Dienst sieht es jedoch genau andersherum aus. Der die Einstellungsentscheidung treffenden Person kann die Job-Performance und eventuelle diesbezügliche Beinträchtigung bei einer Schwangerschafts-Auszeit meist ziemlich egal sein, und wenn er bei zwei gleich oder ähnlich qualifizierten den Mann nimmt, muss er sich vor der Gleichstellungsbeauftragten meist mehr rechtfertigen.

Ich wäre für, wirkliche Gleichstellung durch ein finanzielles Ausgleichssystem. Bei männlichen Angestellten sollte der Arbeitgeber eine zusätzliche Abgabe entrichten müssen, die dazu verwendet wird, bei weiblichen Angestellten stattdessen ein Zuschuss im Falle einer Schwangerschaft zu zahlen. Die Höhe der Zahlungen sollte so sein, dass der finanzielle Anreiz den finanziellen Schaden (durch organisation und Einarbeitung einer Vertretungskraft) durch das Risiko einer Schwangerschaft für den Arbeitgeber möglichst exakt ausgleicht. Das würde ne Menge bringen für die Chancengleichheit, denn in der Wirtschaft wird am Ende nach Geldbeutel entschieden...

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Der_schmale_Grat 18.06.2019, 21:10
29. Ein guter Beitrag

Habe mich gefreut über den sachlichen Ton und die Pointe am Ende mit Frau Dohm. Es gibt noch viel zu tun - und auch für die Gleichberechtigung von Männern in einigen Bereichen. Am Ende wird es immer wichtig sein, dass Menschen andere Menschen als anders, aber nicht als schlechter wahrnehmen. Dies bleibt für jeden Menschen eine lebenslange Aufgabe.

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