Forum: Kultur
Gleichberechtigung von Frauen: Bis es weh tut
Arnd Wiegmann/ REUTERS

Woran denken Sie beim Stichwort "Feminismus"? Brennende BHs, Oben-ohne-Demos von Femen oder den Frauenstreik in der Schweiz? Erwischt! Über die Formen und Fallen des feministischen Protests.

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e.ric 19.06.2019, 10:10
50. Ps:

Auch möchte ich die Autorin fragen, warum es nicht einmal im pride month eine Befassung mit LGBT gibt, wo es kürzlich gar einen Artikel zur Diskussion eines ermäßigten Mehrwertsteuersatz von Tampons gab. Frauenstreik in Zürich war auch Thema, die zahlreichen CSD in der Bundesrepublik hingegen nicht. Das sagt uns LGBT etwas über das Interesse von Feminismus an unserer experience.

Aktuell wird beispielsweise ernsthaft in der Politik diskutiert, ob sogenannte Konversionstherapien homosexueller Bürger verboten werden sollten. Aktuell bezahlt sogar die Krankenkasse entsprechende "Psychotherapien", wenn zB junge Männer von ihren Eltern dorthin gedrängt werden. Und das passiert tagtäglich in diesem Lande. Das ist psychische Folter, Mittelalter. Aber hey, who cares..

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madameping 19.06.2019, 10:13
51.

Zitat von im_ernst_56
Bei Ihnen auf dem Land und/oder in Ihren konservativ-bürgerlichen Kreisen mag das so sein. Bei uns in der Stadt (Berlin) interessiert das niemanden. Es wird hier eine Situation konstruiert, die nicht existiert. Die Gesellschaft ist längst weiter.
Wie kann eine Situation konstruiert sein, wenn Sie zugleich behaupten, ich lebe auf dem Land in bürgerlich/konservativen Kreisen, wo Sie sich das vorstellen können???

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ThomasS79 19.06.2019, 10:25
52. Wer will, der kann, der macht!

Es tut schon lange weh, Frau Stokowski! Mein erster Gedanke bei feministischer Protest waren Ihre realitätsfernen Kolumnen gefolgt von Aktivistinnen mit beschmierten, freien Oberkörpern. Ich möchte Ihnen auch erklären, wo meine Schmerzen begründet liegen. Die grundsätzliche Annahme, Frauen, oder die Rechte von Frauen, würden in unserer Gesellschaft gezielt und bewusst benachteiligt oder durch verschworene patriarchalische Machtstrukturen beschnitten, ist schlicht weg nicht zutreffend! Es gibt keine männlichen Absprachen oder geheimen Bündnisse gegen die Gleichstellung der Geschlechter - leider erlebe ich solche mittlerweile aber sehr wohl gegen Männer innerhalb feministischer Strukturen! Sehr häufig fordern Sie mehr Macht für Frauen ein. Die Mittel und Wege, wie Macht von feministischen Bewegungen "eingefordert" wird, ist ungleich und ungerecht! Denn grundsätzlich stehen Frauen wie Männern in D nämlich die gleichen Mittel und Kräfte zur Verfügung - nur nutzen sie sie nicht! Ständig werden Anpassungen und Strukturen eingefordert, die der Gleichberechtigung von Frauen dienen sollen, letztendlich aber Methoden sind, Frauen die Mittel und Wege ungleich zu vereinfachen! Anders gesagt, Frauen schaffen es leider nicht, für die Konsequenzen ihrer Emanzipation und Gleichberechtigung in der Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen! Deshalb sind auch immer andere Schuld, nur nie die Frauen selbst, wenn irgend ein Aspekt nicht paritätisch oder vermeintlich ungerecht ausgeprägt ist! Im Zweifel wird nach Gesetzen geschrien, die Parität verordnen - Gleichheit per Gesetz, aber Ungleichberechtigung par excellence! Ein typisches Beispiel für viele andere, welches Ursache und Lösung in unerträglich schmerzhafter Art und Weise verbiegt, das es kaum noch erträglich ist! Kein Mensch, liebe Frau Stokowski, hindert Frauen an der Erziehung ihrer Kinder, an ihrer Berufswahl, an der Möglichkeit eine Partnerschaft zu führen, eine berufliche Karriere zu starten und dafür selbstbestimmt, unabhängig, gleichberechtigt und frei, alle nötigen Entscheidungen zu treffen und auch umzusetzen. Jeder Frau steht es frei, ihr Gehalt und ihre Arbeitsbedingungen zu verhandeln - und eben auch nein zu sagen! Dazu gehört eben aber auch, dass man unter Umständen Kompromisse und Verzicht eingehen muss. Karriere versus Zeit für Familie und Kinder - meistens funktioniert das eben nur in einer gut organisierten Partnerschaft, es ist aber keine Voraussetzung mehr! Feministischer Protest kommt daher manchmal wie der Ruf nach der eierlegenden Wollmilchsau! Als hätten Männer für ihr gewähltes Leben nie auch den Preis hätten bezahlen müssen, kleidet sich der Feminismus in einer gesellschaftlichen Entrücktheit und Naivität - im Zweifel mit dem Fingerzeig auf die alten, weißen Männer. Das ist aber im Grunde nicht wahr und zielführend, übrigens ebenso wenig wie Quoten und beschmierte Titten. Frauen müssen nach der Emanzipation auch das Selbstbewusstsein und die damit einhergehende Verantwortung leben, dann hat die Gesellschaft nämlich gar keine andere Wahl, weil sie sich ihren Teil an Macht, Einfluss und Kontrolle einfach nehmen - das muss man aber auch wollen, können - und vor allem - machen!

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madameping 19.06.2019, 10:34
53.

Zitat von e.ric
Was mich abstößt ist die implitzierte heteronormative Weltsicht vieler dieser Debatten. Als Schwuler komme ich darin nicht vor, auch andere LGBT nicht. Es wird mehr denn je über Gender, Diskriminierung usw. dem Worte nach gesprochen, aber genauso wenig wie eh und je über Minderheiten. Polemisch gesagt streiten sich die weiße, deutschstämmige, heterosexuelle "Bettina Meier" und der weiße, deutschstämmige, heterosexuelle "Thomas Müller" um einen genauen Proporz und spielen sich mit ihrer Nabelschau dabei stets laut in den Vordergrund. Während Islamophobie, Homophobie und andere Themen der Minderheit nur am Rande beachtet werden und erst dadurch werden Minderheiten zu Randgruppen marginalisiert. Solange ich nicht angstfrei in aller Öffentlichkeit mit meinem Mann Hand in Hand spazieren gehen kann, verbale und körperliche Attacken muss man in der Tat überall befürchten, solange kann ich tatsächlich zu manchen Debatten über Gleichberechtigung, a la equal pay, nur sagen buhu, cry me a river. Solange Feminismus sich nicht als Teil eines gesamtgesellschaftlichen Wandels versteht, bei dem Feminismus nur ein Unterbegriff neben anderen ist, solange interessiert er mich nicht. Und damit gebe ich nur das selbe Desinteresse zurück, das LGBT in Wahrheit entgegen gebracht wird. Soweit meine Sicht der Dinge. Und bitte kein "straight-splaining", egal ob von Mann und Frau. Wer nicht durch die Pubertät gehen musste in einer Gesellschaft, in der "schwul" als ein schlimmes Schimpfwort betrachtet und benutzt wird, hat "verdammt nochmal" keine Ahnung wie viel einfacher es Heterosexuelle in diesem Land haben.
Homosexuelle haben es in unserem Land noch vergleichsweise gut. Gehen Sie mal in die VAE oder überhaupt in Länder aus dem arabisch oder islamischen Raum. Oder bekennen Sie sich einmal in den Südstaaten der USA offen als homosexuell... ...
Was den unsrigen Dunstkreis betrifft, also unser kulturelles Wertegefüge, so sind wir mehr durch die Bibel, respektive AT, geprägt, als es den meisten bewusst ist. Dazu gehört bis heute die vielfach verankerte Sichtweise, dass die Frau dem Mann untertan zu sein hat, dass ihr einziges Recht und zugleich ihre Pflicht ist, Kinder zu bekommen und dass Gleichgeschlechtliche gefälligst die Hände voneinander zu lassen haben.
Erst 1994 wurde der § 275 StGB (Schwulenparagraf) abgeschafft. Das Bewusstsein steckt unverändert in den Köpfen, es sitzt und wird auch noch eine lange Zeit sitzen, weil die meisten von uns damit aufgewachsen sind oder von denen infiltriert worden sind, die noch gelernt haben, dass ein bibelgefälliges Leben doch das einzig Wahre wäre. Diese Prägung muss erst einmal aus dem Köpfen verschwinden.

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polza_mancini 19.06.2019, 10:35
54. Yep,

Zitat von e.ric
Auch möchte ich die Autorin fragen, warum es nicht einmal im pride month eine Befassung mit LGBT gibt, wo es kürzlich gar einen Artikel zur Diskussion eines ermäßigten Mehrwertsteuersatz von Tampons gab. Frauenstreik in Zürich war auch Thema, die zahlreichen CSD in der Bundesrepublik hingegen nicht. Das sagt uns LGBT etwas über das Interesse von Feminismus an unserer experience. Aktuell wird beispielsweise ernsthaft in der Politik diskutiert, ob sogenannte Konversionstherapien homosexueller Bürger verboten werden sollten. Aktuell bezahlt sogar die Krankenkasse entsprechende "Psychotherapien", wenn zB junge Männer von ihren Eltern dorthin gedrängt werden. Und das passiert tagtäglich in diesem Lande. Das ist psychische Folter, Mittelalter. Aber hey, who cares..
zu letzterem sollte man fairerweise sagen, dass SPON berichtet hat:
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/jens-spahn-gutachter-spricht-ueber-geplantes-verbot-von-konversionstherapien-a-1272485.html, wobei Sie sich die Forumsbeiträge und teilweise dort geäußerten Ansichten zum Selbstschutz schenken sollten...zu Ihrem restlichen Text: Nichts hinzuzufügen!

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Hexavalentes Chrom 19.06.2019, 11:15
55. Der Trend

Nichts an MaStos Kolumnen finde ich realitätsfern. Realitätsfern ist eher das Leugnen von Tatsachen, die die systematische Benachteiligung von Frauen ins Irreale verbannen will. Hier hilft nur das ewige Wiederholen. Wie #5 erwähnt, ist aber Normierung/ Vergleichbarkeit unentbehrlich für den Wettkampf um das schönste Lebendaccessoire - auch Kind genannt. Das Abrichten für den kapitalistischen Status gebiert eben Prinzessinnen und Helden. Die Prinzessin ist schön. Der Held sozial potent. Man kann auch sagen: So hat man beide in der tödlichen Ungefährlichkeit eingerichtet. Bis zum Doppelgrab. Aber wer sagt denn, dass eine Prinzessin nicht Geld für ihren Status fordern soll? Vielleicht sogar viel mehr Geld? DAs ist doch ganz kalr der Trend unter den privilegierten Frauen.

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licht_und_schatten 19.06.2019, 11:18
56.

Zitat von im_ernst_56
…. Statistisch arbeiten wahrscheinlich mehr Frauen als Friseurin als als Diplom-Ingenieurin. Nun kann man versuchen, das zu ändern. Und wenn das nicht geht, muss man eben die Gehälter von Friseuren und Diplom-Ingenieuren angleichen. Und wenn dann der Haarschnitt 200 Euro kostet, dann ist das eben so.
Haben Sie wirklich gründlich nachgedacht, bevor Sie diesen Beitrag geschrieben haben?

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fred2013 19.06.2019, 11:38
57. Ich bin leidenschaftlicher Liebhaber ...

des Grundgesetzes, weil dieses Gesetz eine wunderbare Klarheit und Schönheit an den Tag legt, wenn man es mal liest. Der Artikel 3 liest sich wie folgt:
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Und wie in so vielen Debatten kann ich nur empfehlen, dieses Gesetz ausgiebig zu studieren und als Handlungsempfehlung anzusehen. Jeder Politiker kann und muss sich daran orientieren. Es ist also eigentlich gar keine Diskussion über gleiche Gehälter und Lebenssituationen notwendig, jedem muss kalr sein, dass sich unser Zusammeleben an diesem Gesetz zu orientieren hat. Ein Tarifabschluss, der etwas anderes vorsieht passt da nicht mehr rein, Berufe in Männer- und Frauenberufe zu untescheiden passt da nicht mehr rein.
Ich fordere daher jeden auf sich an diesem Regelwerk zu orientieren und es mit Leben zu füllen. Das nimmt Feministeinnen den Wind aus den Segeln, vermindert Abdriften in die rechte Szene (weil ja jeder Mensch) von unserem GG umfasst wird. Mit Leben füllen bedeutet, sich an den Werten des GG zu bereichern und jedem Holzkopf, diese Wert nahezubringen. Das GG ist das Gegenteil von Populismus! Wenn es wirklich selbstverständlich ist, die Werte des GG zu Leben wird unsere Welt ein Stück besser werden.

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Freier.Buerger 19.06.2019, 11:48
58. Die Gedanken sind frei

Zitat von madameping
Daran, dass vielfach immer noch wie in der Adenauer-Ära der Wert einer Frau danach bemessen wird, ob sie Kinder hat oder nicht. Nichts versetzt den Durchschnittsspießer in größeren Aufruhr, als wenn eine Frau sagt, dass sie keine Kinder will oder gut damit leben kann, dass sie keine hat. Kaum ein anderes Gesellschaftsmitglied muss sich so viel dämlichdreiste Fragen oder Behauptungen anhören wie Frauen ohne Kinder.
Wenn es Ihnen nicht egal ist, was ein Durchschnittsspießer denkt oder in Aufruhr versetzt, dann haben Sie ein Problem, welches selbst der beste Feminismus nicht in 100 Jahren lösen wird können.

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lexrab 19.06.2019, 11:48
59. Diese Zeiten sind nun vorbei !

Zitat von madameping
Daran, dass vielfach immer noch wie in der Adenauer-Ära der Wert einer Frau danach bemessen wird, ob sie Kinder hat oder nicht. Nichts versetzt den Durchschnittsspießer in größeren Aufruhr, als wenn eine Frau sagt, dass sie keine Kinder will oder gut damit leben kann, dass sie keine hat. Kaum ein anderes Gesellschaftsmitglied muss sich so viel dämlichdreiste Fragen oder Behauptungen anhören wie Frauen ohne Kinder.
Jede Frau, die keine Kinder hat oder will, kann argumentieren das Klima retten zu wollen. Der beste Klimaschützer ist ein nicht geborenes Kind. Mit diesem Argument sind sie der Star jeder Diskussion.

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