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Gleichsetzung von links und rechts: Alle gleich extrem?
Sebastian Kahnert/ DPA

Bei der Landtagswahl in Thüringen habe "die politische Mitte" verloren, behaupten Politiker. Ein Sammelband beschäftigt sich mit der Gleichsetzung von links und rechts, die hinter solchen Aussagen steckt.

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emoratio 28.10.2019, 18:36
1. Extremer Tod

Mit den Augen für unsere gegenwärtige bundesdeutsche Politik betrachtet, kommt es hin, dass sich Linksextremismus und Rechtsextremismus in den Resultaten ihrer Agitation unterscheiden. Geschichtlich betrachtet unterscheiden sich die linken und rechten Extremisten aber nicht, tot ist tot. Für die Opfer spielt es keine Rolle, wer ihnen da ein vorzeitiges Ende bereitet hat. Unter den Nationalsozialisten sind Millionen Menschen umgebracht worden, unter den Kommunisten genauso. Was nebenher, sekundär, bei Weitem nicht so schwerwiegend die politischen Absichten von Extremisten aller Richtungen sind, spielt in Anbetracht der Toten keine Rolle.

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cucaracho_enojado 28.10.2019, 18:37
2. Kann nicht oft genug gesagt werden ...

und hat trotzdem keine Chance gegen die Macht der Sprache: links, linkisch, gelinkt, ... reicht immer aus, um in einer offenen Diskussion mit - natürlich - gerechten, aufrechten Menschen sofort mit einem gewaltigen Handycap zu starten. War damals einfach ein Geniestreich ... :-D Schlage vor, wir reden nur noch von sozial (statt links) und konservativ (denn das ist rechts, auch wenn jetzt manche heulen - wer weiß schon, daß die FDP NICHT Mitte, sondern noch weiter 'rechts' ist). Steigerungen sind dann 'sozialistisch' und 'national-konservativ' - 'rechts' können wir ja den Alt- und Neu-Nazis lassen; die sind eh nicht in der Lage Neues zu lernen. Und ich freue mich schon auf das erste Geschrei über "Sozialen Terror!" ...

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kkllaauussii 28.10.2019, 19:13
3.

Zitat von cucaracho_enojado
und hat trotzdem keine Chance gegen die Macht der Sprache: links, linkisch, gelinkt, ... reicht immer aus, um in einer offenen Diskussion mit - natürlich - gerechten, aufrechten Menschen sofort mit einem gewaltigen Handycap zu starten. War damals einfach ein Geniestreich ... :-D Schlage vor, wir reden nur noch von sozial (statt links) und konservativ (denn das ist rechts, auch wenn jetzt manche heulen - wer weiß schon, daß die FDP NICHT Mitte, sondern noch weiter 'rechts' ist). Steigerungen sind dann 'sozialistisch' und 'national-konservativ' - 'rechts' können wir ja den Alt- und Neu-Nazis lassen; die sind eh nicht in der Lage Neues zu lernen. Und ich freue mich schon auf das erste Geschrei über "Sozialen Terror!" ...
Den Begriff sozial mit links zu verknüpfen, ist an Dummheit kaum zu übertreffen.
Zum einen halte ich linke Positionen für absolut asozial, hier wird nämlich das hart erarbeitete Geld der Gesellschaft umverteilt, bis keiner mehr was hat.
Zum weiteren sind sich selbst als konservativ beschreibende Menschen in der Regel stärker sozial engagiert, als das linke Klientel.

Sind diese dann alle sozial konservativ, mithin nationalsozialistisch?

Es gibt eben links und rechts, ganz einfach. Und wer eine Mehrheit will, muss den Kampf führen. In einer Demokratie um Mehrheiten. Aktuell sehe ich die Linken eher dabei, eine andere Meinung als die ihre zu unterdrücken, was mit juristischen und demokratischen Mitteln zu bekämpfen ist. Rechts hält sich zumindest per jetzt, an die Spielregeln.

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egonv 28.10.2019, 19:30
4.

Also einerseits sind heutige Linke keine Kommunisten mehr. Die Autonomen, die z.B. in Hamburg bei G8 Chaos gestiftet haben, sind im Kern keine Linken sondern Anarchisten.
Eines darf man nur vergessen: Was ist die Idee hinter den beiden Seiten? Wer weiß das überhaupt noch?
Fakt ist: Die Linken wollen Besitzverhältnisse ändern, angleichen. Das ist in seiner extremsten Form (und eigentlich nur da) verfassungswidrig. Große Teile davon sind aber durch das Sozialstaatsprinzip in der Verfassung gerade verankert. D.h. selbst die starke Linke möchte eigentlich die Wirtscgaftsordnung verändern, nicht die Demokratie und nicht die Menschenwürde.
Starke Rechte (Und ich sage extra nicht extreme!) möchte aber gerade die Ungleichheit forcieren und damit die Gleichheit und Würde von Menschen antasten. Daneben streben Teile der Rechten nach der Abschaaffu g oder zumindest Anpassung der Demokratie.
Das Ziel, ich rede hier von Ziel, Intention und Motivation, von der Idee, nicht von der Umsetzung und von Gewalt, letztere ist für nahezu jedes Ziel (außer Selbstverteidigung und Erhaltung der demokratischen Grundordnung, siehe Verfassung) unangemessen und zu verurteilen.

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burlei 28.10.2019, 19:40
5. Die "politische Mitte" ...

... befindet sich heute doch in einer Gegend, die vor 40, 50 Jahren noch "weit rechts" war. Damals, als "Sozial" und "Wirtschaft" noch in einem Atemzug genannt werden konnte (man erinnere sich an die "soziale Marktwirtschaft") und die Gesellschaft noch zusammen hielt. Danach kam der Zusammenbruch des Kommunismus, die Globalisierung, der Wandel der "sozialen Marktwirtschaft" in die "freie Wirtschaft". "Sozial" wurde gleichbedeutend mit "sozialistisch", die Mitte verlagerte sich weit nach rechts. Und heute? Heute ist die Mitte der 70er, 80er Jahre schon "links", sozial eingestellte Parteien und Programme sind schon linksextrem. Wenn heute die AfD von einer Partei wie die CDU als koalitionsfähig angesehen wird (siehe die Reaktion von CDU-Politikern auf Mohrings Versuch, mit dem Gewinner der Wahl, der Linken zu sprechen), kann man nicht mehr von "Mitte" reden. Die Mitte hat sich nicht verlagert. Nur die Partei, die CDU, die von sich selbst immer als "Partei der Mitte" sprach, ist weit nach rechts gerutscht. Selbst ein Innenminister Zimmermann, wohl der Begriff des rechten Hardliners innerhalb der CDU/CSU müsste sich heute als "an den linken Rand" gedrängt fühlen. Nein, die "politische Mitte" füllen heute noch SPD und Grüne aus, die Linke kann man ebenfalls als "Mitte-links" bis "links" bezeichnen. Die CDU kommt höchstens noch in Teilen auf die Bezeichnung "Mitte-rechts" Anspruch erheben. Der Rest der CDU fällt höchstens noch unter "rechts-konservativ", mehr nicht.- Die Mitte hat sie schon längst verlassen, demnächst gibt sie auch noch die Bezeichnung "bürgerlich" ab. Nicht, weil sie das Bürgertum verlässt, sondern weil sich der Bürger nicht in einem Atemzug mit rechtem Pack genannt werden will.

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fördeanwohnerin 28.10.2019, 19:41
6. @kkllaauussii#3

Die Definition links gleich asozial halte ich für schräg, mit Verlaub. Links steht für Solidarität, nicht für komplette Umverteilung. Nicht einmal die Linke fordert so etwas. Die AfD schließt Solidarität aus. Toleranz für andere Lebensweisen schließt sie außerdem aus. Im Einfordern von Toleranz ihr gegenüber ist sie allerdings ganz groß. Und Konservative sind sozialer? Dafür hätte dann aber gern mal Belege.

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JungUndFrei 28.10.2019, 19:44
7.

In dem Artikel wird aus meiner Sicht sehr viel vermischt. 'Links' und 'Rechts' haben zunächst nichts mit Extremismus zu tun, sondern sind legitime politische Strömungen. Extremismus, egal ob politisch oder religiös, fängt für mich da an, wo Gewalt angewendet/legitimiert wird, um seine Agenda durchzusetzen. Warum Extremismus von links nun weniger schlimm ist als von rechts erschließt sich mir nicht. Ob nun ein Politiker der AfD von Linksextremen verprügelt wird, oder ein Politiker der Linken von Rechtsextremen macht für mich keinen Unterschied. Beides ist zu verurteilen und richtet sich gegen demokratische Prinzipien. Inwiefern eine bestimmte Form des Extremismus den Bestand der demokratischen Gesellschaft bedroht hängt natürlich noch von weiteren Faktoren ab und hier gibt es in der Tat große Unterschiede. Um sich hier ein verlässliches Urteil zu bilden, ist es notwendig, alle Formen von Extremismus im Auge zu behalten.

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Piet.L. 28.10.2019, 19:54
8. keine Unterschiede

Linksradikale sind genauso demokrati-e und menschenfeindlich wie Rechtsradikale. Beide Gruppen verachten die Demokratie, beide Gruppen wollen eine Diktatur- ich sehe da keinerlei Unterschiede.
Leider ist unser Staat offensichtlich auf dem linken Auge blind, egal ob Kanzlerin, Bundespräsident etc.

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Spiegulant 28.10.2019, 19:58
9. Es gibt keine Hoffnung mehr

Wer kann, soll auswandern.
Wer gezwungen ist, hierzubleiben, halte am besten den Mund und arrangiere sich mit dem rechten Terror. Von der Justiz oder Polizei kann man sich als Bürger und Demokrat leider nichts erhoffen.

Als Ossi kennt man das ja noch aus DDR-Zeiten, wo ja die Meinungsfreiheit darin bestand, die Meinung des Regimes nachzuplappern und ihm zuzujubeln - ein Zustand, den die Afd ja wieder herbeiführen will, mit sich als Regime.
Sobald die Afd regiert, werden wir wieder in DDR-Zeiten zurückfallen: Unfreiheit, Mangelwirtschaft, Resignation, Denunziation.
Die Afd hat das ja schon versucht, indem Schüler aufgehetzt wurden, ihre Lehrer als Demokraten zu denunzieren und öffentlich anzuprangern - Meinungsfreiheit ála Afd.
Die rechten Terror-Netzwerke haben ja ihre "Todeslisten" von Demokraten und aufrechten Bürgern - und die Justiz lässt sie gewähren.

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