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Griechenland-Talk bei Günther Jauch: Wutgriechen in bleischweren Rettungswesten
DPA

15 Minuten lang saßen Günther Jauch und seine Gäste im Dunkeln, dann floss in Berlin der Strom wieder - doch die Runde blieb konfus. CDU-Mann Bosbach flüchtete sich in wirre Metaphern, und Börsenfrau Anja Kohl machte den Reserve-Gysi.

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sl2014 02.02.2015, 12:28
50.

Zitat von DMenakker
........................ Was also kann / muss mit Griechenland passieren? Natürlich besteht die theoretische Gefahr, dass andere Länder versuchen den vermeintlich einfachen Schritt der Insolvenz nachzugehen, um die eigenen Verbindlichkeiten loszuwerden. Was bleibt also übrig? An Griechenland MUSS ein Exempel statuiert werden. Es muss für Griechendland so hart kommen, dass kein Politiker in anderen Ländern die Entschuldung durch Insolvenz auch nur ansatzweise als Alternative sieht. Es darf unter gar keinen Umständen ein Präzedenzfall geschaffen werden, dass dies ein leichter Weg ist. Genau damit haben Tsirpas und Kollegen aber spekuliert. Es wird ja schon nicht so schlimm werden. DOCH. Es MUSS sogar noch viel schlimmer werden. Nur so kapieren die anderen, dass Insolvenz kein Weg ist, den man aus politischer Bequemlichkeit geht. Nein, das ist nicht lieb, was ich hier schreibe, auch nicht sozial. Es ist ganz nüchterne kühle und berechnende Sachpolitik, die zudem den Vorteil hat, dass sie bei den Geberländern und ihren Wählern auf viel Zustimmung stossen wird. Genau deswegen wird es auch so kommen.
Das wird so nicht aufgehen.
Ich stimme überein, dass es eine griechische Insolvenz nicht geben wird. Die EU im weitesten Sinne wird das verhindern, die ersten Zeichen sind bereits am Horizont.

Die Einführung einer nationalen Währung in GR als Folge einer Staats-Insolvenz ist genau das Beispiel, das die EU verhindern wird.
Denn, was würde passieren? Die Verwendung einer Binnenwährung gibt dem griechischen Normalo die Möglichkeit, auf normalen Niveau zu existieren. Die Wirtschaft erreicht Exportstärke. Deutsche Produkte werden sehr teuer.

Unter der Prämisse des alternativlosen EUR-Erhalts wird das vermieden. Egal, wieviel Steuergeld der besser aufgestellten EUR-Staaten dafür benötigt wird.

Fürs erste wird GR entlastet werden. Ähnliche politische Entwicklungen zeichnen sich beispielsweise in Spanien ab. Die EU wird es nicht riskieren, gegen breite Bevölkerungsteile zu agieren.

Insofern hat Herr Lucke recht: Die Argumentation Herrn Bosbachs ist nicht korrekt. Die jetzige Situation entstand durch die Politik seiner Partei und wird nun beklagt. Dabei war sie absehbar und hat ihre Ursache in der gewünschten politischen Funktion der Gemeinschaftswährung. Das funktioniert nicht.

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paulkramer 02.02.2015, 12:33
51. Griechenland hat hunderte Milliarden bekommen,

mal völlig unbeachtlich gelassen, dass damit nur Banken gerettet wurden usw. Das ist alles geschehen, ob gut oder schlecht, auch völlig egal. Es kommt auf die Fakten und die ehrliche Bewertung der aktuellen Situation an. Und die ist, nüchtern festgestellt so: Das Geld ist weg und wird auch nie wiederkommen. Ein Schuldenschnitt ist nicht notwendig, das wäre nur die schriftlich nachgereichte Bestätigung dessen, was praktisch schon vollzogen ist. Wenn das erst mal im Kopf klar ist, sollte auch klar sein, dass es nur einen Weg gibt, diese Posse zu beenden. Jeder weitere Cent Richtung Griechenland vergrößert den Diebstahl an den Steuerzahlern in Deutschland und Resteuropa.

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kuac 02.02.2015, 12:37
52.

Zitat von paulpauschalski
Apropos Faktencheck: Estland zahlt natürlich über den ESM (Kapitaleinzahlungen und Garantien) für die Hilfsgelder an Griechenland. Wo bleibt da nur die "journalistische Sorgfaltspflicht"?
Ist Estland nicht unter dem Strich Nettoempfaenger? Dann zahlt es nicht.

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shardan 02.02.2015, 12:39
53. Nur zur Erinnerung

Beim Eintritt in die EU war Griechenland nicht bereit dafür. Die Bilanzen waren schlicht schöngerechnet bis zur Grenze des Betruges. Die EU-Politiker haben - wohl auch aus geopolitischen Gründen - gern darüber hinweggesehen. In der folgenden zeit hat Griechenland ununterbrochen auf Pump gelebt, auf einem viel zu großen Fuß. Die Banken haben Munter weiter Kredite gegeben, in dem vollen Bewusstsein, dass das irgendwann zusammenkrachen muss. In eben diesem Bewusstsein haben unter anderem auch wir, Deutschland, Bürgschaften übernommen. Jetzt kracht es im Gefüge Tsiprias will mit aller Gewalt wieder zum großen Fuß zurück, auf dem man gelebt hat - und merkel will griechenland mit aller Gewalt in der EU halten. Und wieder ist man zu blind, Konsequenzen abzusehen. das muss krachen, das kann man sich mit etwas 5. Klasse Mathematik ausrechnen. Ob Herr Putin dann zahlt oder nicht, ist völlig egal - die Bürgschaften für die Kredite stehen und werden ggf. eingeklagt werden. Der Bürger wird zahlen. Man kann nur hoffen, dass die nächste Wahl dann nicht Lucke-Braun ausfällt.

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Hermes8 02.02.2015, 12:43
54.

Zitat von Hermes8
Wenn also die 320 Milliarden griechischen Staatsschulden ausfallen, trägt Estland davon 0,2% oder 6,4 Mrd. Euro, wodurch die estnischen Staatsschulden sich auf knapp 40% des BIP beinahe vervierfachen.
Sorry, Fehler bei den Nachkommastellen - es sind natürlich nur 640 Mio. Euro, die auf den estnischen Schuldenberg aufgeschlagen werden. Der Mechanismus bleibt derselbe, die Höhe des Risikos ist allerdings deutlich überschaubarer.

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cherrypicker 02.02.2015, 12:44
55. Das tolle deutsche Wirtschaftsmodell ...

von Griechenlands Finanzminister Varoufakis in einem Interview auch als "provinzieller Merkantilismus" gebrandmarkt, geht ungefähr so: Die Deutschen erwirtschaften durch Lohndumping ("wettbewerbsfähige Löhne") horrende und vollkommen aberwitzige Außenhandelsüberschüsse ("Exportweltmeister"), für die die Südländer auf Pump leben müssen ("Schuldengriechen"), wenn sie nicht denselben, neoliberalen Verarmungskurs für weite Teile der Bevölkerung nachvollziehen wollen oder können wie Deutschland ("Strukturreformen"). Im Ergebnis kommt die ganze Geldmaschinerie in Europa ins Stocken, Herr Draghi muss massenhaft Geld schöpfen ("verbotene Staatsfinanzierung") und der Euro wertet ab ("Weichwährung"). Derweil sammeln sich die entrechteten Völker Europas in Bewegungen, die nicht von den etablierten Parteien getragen werden ("Wutbürger", "Populisten", "Rattenfänger").

In Klammern finden sich jeweils die rhetorischen Versatzstücke, derer sich die Stiefellecker des Kapitals gerne bedienen, um die Gehirnwäsche ("Aufklärung") des deutschen Volkes weiterzuführen. Dabei ist längst klar, dass der Euro auf dem ganzen Kontinent nur einer Schicht genützt hat: nicht den Rentnern, nicht den Familien und nicht den Arbeitnehmern, sondern nur den Kapitalbesitzern. Aber in Deutschland lässt sich die Mittelschicht munter weiter gegen angeblich gewalttätige Migranten, angeblich verschwenderische Ausländer und angeblich faule Unterschichtler aufhetzen. Ein Armutszeugnis.

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frank2013 02.02.2015, 12:45
56. Diese Talkshow-Formate verwirren eher als sie informieren

Das Thema Griechenland und Euro ist zu komplex, um es in emotionalisierten Talkrunden zu verfrühstücken, wo angebliche Faktenbrocken hingeworfen werden und keiner richtig ausreden kann. Themen wie Mindestlohn und Eurokrise können besser in moderierten Zweiergesprächen oder -dialogen von ausgewiesenen und interessanten Experten besprochen werden. Man hat am Ende nur das Gefühl, verwirrter als vorher zu sein. Die Runden sind auch zu gross und die Zeit zu kurz, um sinnvoll zu diskutieren. Das Gespräch zwischen dem Philosophen Precht mit dem Chefredakteur über das Konservative und u.a. Pegida war unglaublich fruchtbarer und informativer als dies eine Talkrunde je könnte.

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Fettnäpfchen 02.02.2015, 12:48
57. Wieso kritisiert die Bundesregierung das griechische Steuersystem?

Es steht der Bundesregierung bzw. CDU/CSU/SPD nicht zu, das griechische Steuersystem zu kritiseren. Unser Steuersystem ist nicht viel besser und unsere Regierung tut - wie die ehemalige griechische Regierung - nichts dagegen:

In Griechenland sind die Reeder sozusagen von Steuern "befreit", in Deutschland wurden die Großkonzerne von Steuern "befreit". Mir erschließt sich der Unterschied nicht.

In Griechenland wurde die linke Opposition jetzt gewählt und wird diesen Mißstand hoffentlich abstellen. In Deutschland fordert die Opposition (Die Linke), unser Steuersystem entsprechend zu ändern. Es ist aber kein Lichtchen am Ende des Tunnels dafür erkennbar, dass die Bundesregierung etwas gegen die Steuerentlastung von Großkonzernen tut. Hier wird wieder mit zweierlei Maß gemessen.

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Theo! 02.02.2015, 12:50
58. Jauch

war auch schon mal besser.
Er hätte bei einigen Fragen stärker nachhaken müssen.

Dass der griechische Otto-Normalverbraucher die korrupten Altparteien abgewählt hat, war ja richtig.
Steuerehrlichkeit scheint es auch in Griechenland nur für den Normalbürger zu geben.
Die Reichen feiern weiterhin ihre Champagner-Partys und bringen ihre Milliarden ins Ausland.
Andere (bekannte) Probleme wurden auch besprochen, eine Lösung des Dilemmas nur ganz kurz.

Genaugenommen hat man nix Neues aus der Sendung mitgenommen.

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filimou 02.02.2015, 13:00
59.

Zitat von praktisch
Katja Kipping...ein wenig mit Bernd Lucke keilen. Ihr Lieblingsgegner war Bosbach. Schwach war die Leistung des Günther Jauch. Seine Frage, wie Kipping der Steuerzahlern weitere Zahlungen an Griechenland erklären wolle, hat Kipping zu einer langatmigen Propagandarede benutzt ohne sie zu beantworten. Und Bosbach hat nachgehakt, obwohl das Jauchs Job war.
Stimmt, diese sprücheklopfende Kipping war wirklich unerträglich. Ich finde es gut, dass sie sich so deutlich demaskiert hat. Klar, dass sie die Frage von Jauch nicht beantwortet hat. Warum wohl? Weil sie keine Antwort darauf hatte. Ihr blieb also nichts anderes übrig, als zu filibustern!

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