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"Hart aber fair" zu ARD-Film "Terror": "Sonst sind wir schnell bei Volksjustiz"
WDR/Dirk Borm

In dem interaktiven TV-Experiment "Terror" sprachen die Zuschauer den Angeklagten frei. Das Urteil über den ARD-Abend samt Abstimmung und Talkshow ist ebenfalls eindeutig: Spielfilm top, der Rest flop.

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frida1209 18.10.2016, 06:32
1. Denkanordnung

Natürlich war das Ganze eine Denkanordnung. Das war sehr deutlich den Plädoyers anzuhören. Allein, viele Zuschauer haben es wohl nicht gemerkt. Ich habe mich für "schuldig" entschieden, im Sinne des GG, das nicht verhandelbar ist.

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Tharsonius 18.10.2016, 06:34
2. Apropos

danke nochmal an die ARD-Mediathek und ihr wunderbares Geoblocking. Es macht echt Spaß als Bundesbürger im EU-Ausland lebend an von solchen TV Ereignissen ausgesperrt zu werden, wenn man kein TV hat bzw keinen ARD Empfang hat. ^^

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RalfHenrichs 18.10.2016, 06:37
3. Man muss schon sehr dumm sein,

um auf einen solchen Plot zu kommen. Würde jemand ein Passagierflugzeug im kleinen Deutschland entführen und in ein vollbesetztes Fussballstadion lenken wollen, bliebe gar keine Zeit es abzuschiessen. Insofern stellt sich die Frage gar nicht. Was sollte also dieser Schwachsinn außer Angst zu erzeugen?

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gratiola 18.10.2016, 06:44
4. Man darf nicht

abschießen!-Punkt. Wenn dies nicht mehr gilt ist Deutschland endgültig zur Bananrepublik verkommen.
Emotionen sind im Strafrecht sowieso schädlich.

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grumpy53 18.10.2016, 06:45
5. natürlich bleiben Zweifel

Meines Erachtens bleiben Zweifel, ob gerade in diesen Zeiten per TV abgestimmt werden kann, aber ich erwarte vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk die Kompetenz, solche Dinge weder auszublenden, noch sie dem Populismus irgendeines privat (von werbeblöcken unterbrochenen) reißerischen Spektakels zu überlassen. Was mich wundert, hier wird von MORD gesprochen. Setzt nicht MORD niedrige Beweggründe voraus? Geplante Tat zur Umsezung von Rache, Gier, Sadismus. Weder von der Staatsanwältin, noch vom Verteidiger wurde bezweifelt, dass der Mann es sich aus moralischen Gründen, aus Verantwortung für das Leben vieler leicht gemacht hätte. Mein Urteil wäre dennoch schuldig gewesen, denn ja, solange die Verfassung und das geltende Recht keine Sicherheit geben, oder der Rahmen dieser Regelwerke Zweifel zulassen, wird es in solchen extremen Ausnahmesituationen Menschen geben (müssen?), die so handeln - oder unterlassen. Interessant wäre nun ein Verfahren gegen die, die die Räumung nicht anordneten oder gegen ihn, weil er mögliche Abwendung (unterlassene Hilfeleistung?) für die im Stadion nicht vollzogen hat. Ja, das sind Fragen, denen wir uns in aller Gelassenheit, ohne den Schrei nach "Kopf ab", im Leben in diesen Zeiten befassen müssen, wahrlich auf dem Boden unserer eigenen Geschichte. Ich danke Herrn Schirach für dieses Werk und der ARD für die behutsame und schauspielerisch hervorragende Umsetzung, die alle Facetten aufzeigte. Und: es ging um einen Film und eine erfundene Konstellation. Nachdenken schadet dennoch nicht. Bravo.

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benjamin.spiss 18.10.2016, 06:50
6. Was...

...wenn der Pilot seine Befehle befolgt und das Flugzeug nicht abgeschossen hätte...und es dann 70.163 Tote gäbe. Würden dann die Befehlsgeber bzw. politisch Verantwortlichen wegen 70.163-fachen Mord angeklagt?
Fakt ist doch, dass die 164 sowieso dem Tod geweiht gewesen wären...
Das Ganze ist in erster Linie ein moralisch-ethisches Dilemma, denn Menschenleben gegeneinander aufrechnen darf nie einfach sein - aber gerade in diesem theoretischen Szenario wo die Alternative ziemlich klar scheint, fällt die Antwort für mich ebenso eindeutig aus wie für das Publikum.

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Juro vom Koselbruch 18.10.2016, 06:51
7. Gerade die vom SPIEGEL ...

... im Artikel so gelobte Theologin hat in der Diskussion m.E. das denkbar schwächste Erscheinungsbild abgegeben..

Entschudigung, sie hat m.E. "gelabert", nichts in die Diskussion eingeführt, was man nicht ohnehin schon wusste oder sich hätte denken können. Das übliche "theologische Wortgeklingel" also. Viel reden, fast nichts sagen.

Immer wieder verfing sie sich in den Begriff der Schuld. Man konnte den Eindruck gewinnen, sie sei darin "verliebt", was bei manchen Theologen und Theologinnen auch gar nicht wundern muss.

Ein Beispiel für das "Gerede": Sie setzte an mit "Ich als Theologin ..." und listet dann auf, wer in diesem Stück alles Opfer sei: die Passagiere des Jets, die evtl. getöteten vielen Menschen am Boden, deren Angehörige, die Piloten des Kampfjets, der Angeklagte usw.

Nur man muss nicht Theologe oder Theologin sein, um das zu wissen. Hat die Dame da irgendeinen besonderen Kenntniswert zu bieten?

Zur Klärung der Situation hat sie nichts beigetragen, konnte sie auch nicht, denn das beschriebene Dilemma des Kampfpiloten ist unauflösbar. Da helfen auch "überschlaue" Theologenworte nicht.

Ich würde den Piloten auch nicht unter Anklage stellen, sondern psychologische Unterstützung für ihn organsieren.

Wer mehrere Tausend Menschenleben gerettet hat und dafür den Tod von ca. 160 Menschen in der Passagiermaschine in Kauf nehmen musste, der braucht Hilfe und nicht Anklage oder Schuldvorwürfe.

Denn weder die Theologin noch Verfassungsrichter oder der SPIEGEL könnnen mit allen möglichen "Grundsatzüberlegungen" leugnen, dass die mehreren Tausend potentiellen Mordopfer am Boden auch Würde haben. Hier hat laut Theaterstück der Pilot das eindeutig massiv geringere Übel gewählt. Wer da "richten" möchte, der handelt m.E. überaus überheblich und anmaßend.

Das Stück hat in meinen Augen sehr gut verdeutlicht, in welches Dilemma ein Mensch angesichts solcher auch in der Realität möglichen Szenarien geraten kann. Dieser Mensch braucht dann Hilfe und nicht die Abteilung "Oberlehrer".

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brotherandrew 18.10.2016, 06:53
8. Gerhard ...

... Baum hat sich als äußerst nerviger Prinzipienreiter erwiesen. Klug hingegen argumentierte die Theologin, Frau Bahr. Nur, bezogen auf die Versuchsanordnung, hilft der gesunde Menschenverstand doch ziemlich. Die Passagiere des Flugzeugs waren ohnehin dem Tod geweiht. Ob dieser durch den Aufprall in ein Fussballstadion oder durch den Abschuss eintreten würde, kam vom Ergebnis her auf das Selbe heraus. Die Menschen im Fussballstadion haben aber auch einen Anspruch auf staatlichen Schutz und auch eine Menschenwürde, die es zu verteidigen gilt. Hierauf ging Baum bezeichnenderweise nicht ein.

Natürlich ist letztlich die Entscheidung zum Abschuss immer mit persönlicher Schuld verbunden. Aber strafrechtlich muss man da nicht noch ein Urteil wegen Mord draufsetzen.

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skylarkin 18.10.2016, 06:57
9.

Volksabstimmungen, Abstimmungen über fiktive Urteile. Überall wo Volkes Wille durchscheint wird er nun bekämpft und als uninformierte Entscheidung abgelehnt, sofern er der Haltung der Redaktionsmitglieder nicht entspricht. So mein Eindruck. Ja, der direkte Volkswille kann gefährlich sein, ihn hier aber einfach als Ausdruck von dumpfer Bauchentscheidung (Heldenoptik) zu diskreditieren, finde ich ebenfalls gefährlich.Es gibt eben auch gute Gründe in diesem Fall den Piloten frei zu sprechen. Diese wurden genannt und eine überwältigende Mehrheit fanden diese Gründe überzeugender als die der Gegenseite, wahrscheinlich wie ich, mit großen Bauchschmerzen. Das erinnert an die Flüchtlingspolitik. Deutschland allein auf weiter Flur hat als einziges recht? Viell.liegt man auch einfach falsch.

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