Forum: Kultur
"Hart aber fair" zu ARD-Film "Terror": "Sonst sind wir schnell bei Volksjustiz"
WDR/Dirk Borm

In dem interaktiven TV-Experiment "Terror" sprachen die Zuschauer den Angeklagten frei. Das Urteil über den ARD-Abend samt Abstimmung und Talkshow ist ebenfalls eindeutig: Spielfilm top, der Rest flop.

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keep_on_rooling 18.10.2016, 11:09
350.

Mich hat dieser Abend sehr aufgewühlt zurück gelassen.
Es gibt eben nicht nur die rein juristische Betrachtungsweise, sondern auch moralische und ethische Aspekte die uns ständig und immer wieder das Dilemma des menschlichen Daseins zeigen.
Zum Glück wurde nur über den Ausgang des Films abgestimmt.

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Kay_Mergenthaler 18.10.2016, 11:10
351. Ewigkeitsklausel

Zitat von aktenzeichen
sind erschreckend! Er hat entweder bereits vergessen, dass das GG vor dem Hintergrund der NS-Diktatur verfasst wurde und dass es keinesweg für alle Ewigkeit gedacht war oder er ignoriert es bewusst, dass es nur das Volk ist, das sich eine Verfassung geben kann. Ein Grundgesetz ist keine Verfassung und so steht es ja in selben geschrieben: "Dieses Grundgesetz, das nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk gilt, verliert seine Gültigkeit an dem Tage, an dem eine Verfassung in Kraft tritt, die von dem deutschen Volke in freier Entscheidung beschlossen worden ist." (GG Art. 146) Es ist sehr bedenklich, dass es immer noch so viele gibt mit Einfluss gibt, die von sich selbst glauben, über den Menschen zu stehen!
Hallo, Hr. Baum hat lediglich darauf hingewiesen, dass eine Änderung der Artikel 1 bis 20 GG nicht zulässing ist. Quelle: GG Artikel 79 Abs. 3:

„Eine Änderung dieses Grundgesetzes, durch welche die Gliederung des Bundes in Länder, die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung oder die in den Artikeln 1 und 20 niedergelegten Grundsätze berührt werden, ist unzulässig.“

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curiosus_ 18.10.2016, 11:10
352. Gemäß der Begründung des Bundesverfassungsgerichts...

..müsste die medizinische Triage sofort verboten werden. Auch da geht es um die gegenseitige Aufrechnung von Leben, mit dem Ziel bei medizinischen Katastrophenfällen (bei begrenzten Ressourcen) möglichst vielen zum Überleben zu verhelfen. Wodurch man die hoffnungslosen Fälle von einer Behandlung ausschließt.

Bundesverfassungsgerichtskonform wäre dann ja nur eine Einteilung der beschränkten Ressourcen ohne Ansehen der Person, z.B. per Losverfahren oder nach dem Prinzip "first come first serve".

Also, wie gesagt, konsequent ist unsere Rechtsprechung da auch nicht.

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ichliebeeuchdochalle 18.10.2016, 11:10
353.

Zitat von miki2005
... Fraglich ist allein, ob der Täter sich in Anlehnung an die Voraussetzungen des entschuldigenden Notstandes nach Par. 35 StGB auf einen übergesetzlichen Notstand berufen kann.
Nö, aber das müßten Sie doch als Fachmann wissen. §35 StGb, Satz 1: Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib oder Freiheit eine rechtswidrige Tat begeht, um die Gefahr VON SICH, einem ANGEHÖRIGEN oder einer anderen ihm NAHESTEHENDEN Person abzuwenden, handelt ohne Schuld. Man vergißt ja einiges aus dem Studium, hier noch mal zur Auffrischung:

https://www.lecturio.de/magazin/notstand/

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moev 18.10.2016, 11:11
354.

Zitat von ichliebeeuchdochalle
Das ist falsch. Das bleibt ja gerade offen. Der Terrorist könnte es sich noch anders überlegen. In der Zeitspanne letzter Zeitpunkt für den Abschuß und Aufprall. Er könnte noch überwältigt werden. Er könnte ohnmächtig werden und das Flugzeug trifft das Ziel nicht. Vielleicht ist er verletzt und verliert das Bewußtsein. Vielleicht beherrscht er die Navigation nicht gut genug, das Flugzeug steuert am Ziel vorbei. Vielleicht ... Vielleicht ... Vielleicht
In jeder dieser Möglichkeiten, mit einziger Ausnahme der Terrorrist überlegt es sich anders (und tut dies nicht bloß in letzter Sekunde indem er das Flugzeug nur neben irgendwie in eine grüne Wiese stürzen lässt sondern rechtzeitig genug es irgendwo sicher landen zu können) sind die Passagiere trotzdem alle tot.

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grmblfix 18.10.2016, 11:13
355.

Dürig sagte, das Grundgesetz sei nichts weniger als "die ethische Unruh". Damit muss man auch keine Unruhe aushalten. Der Verfasser schein auf seinem Gebiet eine große Konifere zu sein.

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KlausMeucht 18.10.2016, 11:13
356.

Zitat von benjamin.spiss
Fakt ist doch, dass die 164 sowieso dem Tod geweiht gewesen wären...
Nein das ist kein Fakt.

Ich hätte das Stück anders geschrieben. Aus dem gefundenen Stimmenrekorder erkennt man dass die Passagiere den Terroristen wenige Sekunden vor dem Abschuss überwältigt hatten.

Aus Sicht des Soldaten genau die gleiche Situation. Das Urteil wäre wahrscheinlich anders

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mamas.duemmster 18.10.2016, 11:14
357. Wenn sich

der altersstarrsinge Schwachkopf Baum äußert, mweiß man, was dabei rauskommt.
Der hockt in seinem Elfenbeinturm und macht die ganze Nation zu Geiseln einer Verfassung, die längst überholt und verändert werden muss.
Solche Narren wie Baum, die längst jeglicher realen Welt entsschwunden sind, agieren wie ein Saurier, der die Klimaveränderung nicht wahrhaben will.
Solche Menschen können und dürfen nicht unsere Leitlinien bestimmen.
Natürlich ist der Mann freizusprechen, sogar zu belobigen.

Aber interessant wäre die Frage, wenn in dem Flugzeug Nobelpreisträger oder eine sonstige moralische Elite säße und im Stadion man alle kriminellen Ausländer und Asylbewerber, die zur Abshiebung standen, gesessen hätten.
Auf DIE Antwort bin ich gespannt.

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Bombadil 18.10.2016, 11:14
358. Fernsehzuschauer

stimmten mit über 80% für einen Freispruch. Menschen die das Stück im Theater erlebten, stimmten mit "nur" ca. 60% für einen Freispruch. Woran das wohl liegen mag?

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der_durden 18.10.2016, 11:14
359. Dieser SPIEGEL-Plus Artikel bringt es perfekt auf den Punkt:

http://www.spiegel.de/spiegel/ard-film-terror-otto-schily-ueber-die-wuerde-des-menschen-a-1116771.html

Wenn aus dem Konjunktiv ein Indikativ wird, ist es zu spät zum Abschuss. Der Abschuss ist also nur in dem Moment möglich, in dem nicht sicher ist, ob das erdachte Szenario zum Tragen kommt. Somit kann man in diesem Gedankenspiel das Flugzeug nunmal nicht abschießen. Ich verstehe nicht, wie man das so breit diskutieren kann. Die rechtliche Lage ist doch sehr eindeutig. Sogar auf moralisch-ethischer Ebene ist es im Grunde kein Dilemma.

Selbst wenn wir ein rechtliches Konstrukt schaffen, in dem es ab einer bestimmen Wahrscheinlichkeit erlaubt ist, das Flugzeug zum Absturz zu bringen, stellen sich direkt die nächsten Fragen: Wie berechnet man diese Wahrscheinlichkeit? Ab welchem Opferverhältnis greift es? Etc.?

Nein, dieses Diskussion ist im Grunde keine. Das Grundgesetz und die Ausführungen des BVerfG sind in sich logisch und einzig richtig.

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