Forum: Kultur
"Hart aber fair" zu ARD-Film "Terror": "Sonst sind wir schnell bei Volksjustiz"
WDR/Dirk Borm

In dem interaktiven TV-Experiment "Terror" sprachen die Zuschauer den Angeklagten frei. Das Urteil über den ARD-Abend samt Abstimmung und Talkshow ist ebenfalls eindeutig: Spielfilm top, der Rest flop.

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JustinSullivan 18.10.2016, 11:35
390.

Möglicher Ernstfall hin oder her - das Durchdenken eines solchen moralisch-ethischen Dilemmas ist immer eine schöne Spielerei. Interessant wäre gewesen, das Denkmodell von Frau Bahr mit in die Verhandlung aufzunehmen: Was wäre gewesen, wenn das Ziel des Flugzeugs nicht ein Stadion mit 70000 Menschen gewesen wäre, sondern ein Ort mit nur 5 Menschen, möglicherweise zwei Ministerpräsidenten darunter?

Zwei Dinge, die mir den Abend ein bisschen versalzen haben: Erstens wurde der Kampfpilot wegen Mordes angeklagt, nicht wegen Totschlags. Voraussetzung für Mord sind aber entweder besondere Verwerflichkeit der Tat, sprich niedere Beweggründe (z.B. Habgier) oder besondere Grausamkeit (z.B. Folter) - oder besondere Gefährlichkeit, dass also der Täter eine besonders große kriminelle Energie aufweist. Beides ist nicht der Fall, insofern muss der Pilot vom Vorwurf des Mordes freigesprochen werden, und die ganze Verhandlung ist überflüssig.

Zweitens waren die Fernsehzuschauer aufgerufen, wie Schöffen abzustimmen. Nach einer Verhandlung von knapp 90 Minuten Dauer sollte über schuldig oder nicht schuldig entschieden werden - in einem solch komplizierten Fall, bei dem es um massenhafte Tötung, verfassungsrechtliche Fragen, moralisch-ethische Grundsätze usw geht. Eine Entscheidung nach 90 Minuten Verhandlung ist schlicht unmöglich. Dass Herr Jung und Herr Baum sich trotzdem auf eine Diskussion über die Entscheidung der Zuschauer einlassen, ist schon grenzwertig.

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TomRohwer 18.10.2016, 11:35
391.

Zitat von Juro vom Koselbruch
... im Artikel so gelobte Theologin hat in der Diskussion m.E. das denkbar schwächste Erscheinungsbild abgegeben.. Entschudigung, sie hat m.E. "gelabert", nichts in die Diskussion eingeführt, was man nicht ohnehin schon wusste oder sich hätte denken können. Das übliche "theologische Wortgeklingel" also. Viel reden, fast nichts sagen. Immer wieder verfing sie sich in den Begriff der Schuld. Man konnte den Eindruck gewinnen, sie sei darin "verliebt", was bei manchen Theologen und Theologinnen auch gar nicht wundern muss. Ein Beispiel für das "Gerede": Sie setzte an mit "Ich als Theologin ..." und listet dann auf, wer in diesem Stück alles Opfer sei: die Passagiere des Jets, die evtl. getöteten vielen Menschen am Boden, deren Angehörige, die Piloten des Kampfjets, der Angeklagte usw. Nur man muss nicht Theologe oder Theologin sein, um das zu wissen. Hat die Dame da irgendeinen besonderen Kenntniswert zu bieten?
Ich finde ihre Äußerungen zunächst mal sehr überlegt und angenehm unverurteilend und nicht moralisierend.

Leider aber verweigerte sie am Ende eine Aussage, wie sie denn in so einer Situation entschieden hätte.

Eine Theologin ohne Verantwortung kann sich das erlauben. Ein Offizier, der eine Entscheidung treffen MUSS, kann das nicht.

Für mich ist "Lars Koch" kein Held, weil er - vielleicht! - 70.000 Menschen das Leben gerettet hat. Er ist ein Held, weil er den Mut hatte, in dieser buchstäblich tragischen Situation nach besten Wissen und Gewissen eine Entscheidung zu treffen und auch selbst umzusetzen.

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sikasuu 18.10.2016, 11:37
392. Mal ganz unironisch. Du kannst Freiheit, Rechtsstaat ... bis hin zum GG....

Zitat von licht_und_schatten
Da mach ich mir keine Sorgen. Wenn ich mir einen großen Teil der hier veröffentlichten Beiträge so durchlese, bin ich mir sicher, dass die Einhaltung des Grundgesetzes viel wichtiger ist als der Schutz der Bevölkerung gegen eventuell eingeschleuste IS-Mörder. Für das Grundgesetz lohnt es sich eine ganze Nation zu opfern. Da gibt es keinen Zweifel. Ironie aus.....
...nicht schützen, indem die, das in Teilen oder ganz "abschaffst", einschänkst!!
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Rechtssysteme wie z.B. unseres incl GG. usw. sind entweder universal, d.h für ALLE die im Wirkungsbereich dessen leben, das heißt auch für Zugewanderte, Rechtsbrecher usw. oder Makulatur (nach Gefühl auslegbar) und damit "Schrott!"
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Klar gib es den "Auftrag" die Bevölkerung vor "Rechtsbrechern" zu schützen, aber der "Auftrag" geht nicht so weit, stößt da an Grenzen. wenn dabei dazu kommt das "Recht & Gesetz abzuschaffen":-((
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IST wohl SCHWER zu verstehen, aber es gibt keinen 100% Schutz gegen Rechtsbrecher (gleich ob es an Apfeldieb oder in Terrorist ist) Selbst in einem komplett totalitären Staat nicht.
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Wenn also rein von der Logik, auch von der Wirklichkeit her. 100% Sicherheit gar nicht zu erreichen ist, bleibt die fiktive Frage: "Wieviel Risiko ist uns Freiheit. Rechtssicherheit, Rechtsstaat.... wert?"
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Und, das ist mMn. keine Frage die Emotional (per Bauch) vom "Volk" entschieden werden kann, sonder das kann nur mit einem langen Diskurs mit allen für & wider von Fakten, Hintergründen usw. da auch nur zu YZ% entschieden werden :-))
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In solchen Fragen zeigt sich dann die "Leitkultur" einer Gesellschaft. Freiheit, Rechtsstaat, Rechtssicherheit usw. sind mMn. nicht oder nur in ganz engen Grenzen, diskutierbare Prämissen, nicht wie immer wieder populistisch Vorgegeben, Kirche, Glauben, Hautfarbe, Bier&Haxe.....:-))

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LondoMollari 18.10.2016, 11:37
393. Mir graut vor dem Tag

Zitat von 68bella68
Mir graut vor diesem Deutschland, das aus der Geschichte nichts gelernt hat.
Wo meine Kinder in dem Stadion sitzen und SIE die Verantwortung tragen.

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langerkerl 18.10.2016, 11:38
394. Das Votum war eindeutig

Und der Herr Baum war unmöglich. Hätte sich seine Familie in der Allianz Arena befunden, seine "Argumentstrategie "wäre eine andere gewesen. Im Gästebuch der ARD hat gestern ein Pfarrer und auch Seelsorger ungefähr so zum Ausdruck gebracht :Bein dem schlimmen Ereignissen in Eschede mussten die die Rettungsärzte in kurzer Zeit entscheiden, wen sie bei gleichwertigen, schlimmen Verletzungen zuerst wegfliegen bzw. abtransportieren lassen.Sie entschieden : Erst die Jüngeren, dann die Älteren. Und noch etwas wird, unabhängig des Filmes, in Deutschland aufkommen -der verstärkte Ruf nach Volksabstimmungen nach Schweizerischem Vorbild.

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mamas.duemmster 18.10.2016, 11:38
395. Welch ein Glück,

Zitat von Direwolf
Wenn auch nur im Zwischenruf: Er sagte klar, dass der Pilot den Befehl hätte verweigern können, nach Baumscher lesart wohl hätte verweigern müssen.
dass diese Welt nicht von starsinnigen Prinzipienreitern regiert wird.
Solche Leute wie Baum sind mir ein Graus, deswegen habe ich mir die Diskussion auch nicht angesehen.

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chrblum 18.10.2016, 11:39
396. Und wieder... reine Fiktion!

Zitat von sekundo
Was ist denn, wenn ein Terrorist den Purser auffordert, den Code zum Öffnen der Cockpit-Tür einzugeben?? Falls der sich weigert und erschossen wird, gibt ein anderes Besatzungsmitglied die Zahlen ganz sicher ein!! Ihre schräge These würde alle Sky-Marshalls arbeitslos machen.
Wenn er den Code eingibt hat der Pilot noch eine gewisse Zeit, das Öffnen der Tür zu verhindern. Er wird das mit Sicherheit tun, wenn er keinen Grund erkennt, den Code einzugeben, und erst einmal nachfragen. Es ist heute faktisch unmöglich, ein Passagierflugzeug zu entführen -- nur die Piloten selbst können das noch. Leider zuletzt mit Erfolg.

All diese fiktiven Dilemmata, die in der Diskussion aufgebaut werden, sind aus der unseligen Gesinnungstest-Mottenkiste, mit denen Wehrdienstverweigerer früher genervt wurden.

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sapperlott 18.10.2016, 11:39
397. @Humanist1978

Sie verwechseln da was: Das GG kann nicht durch 2/3-Mehrheit in einem Plebiszit geändert werden, sondern durch 2/3-Mehrheit im Bundestag UND 2/3 Mehrheit im Bundesrat. Somit sind reflexhafte Lynchjustizforderungen erheblich schwieriger - aus gutem Grund

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Drscgk 18.10.2016, 11:40
398. Der Rechtsstaat richtet im

und er richtet auch im Namen des Volkes hin. Das heißt, er ist de facto und de jure das Volk. Wo dabei de facto und de jure das Volk bleibt, interessiert bestenfalls "Populisten" geschimpfte Menschen und keinesfalls einen "Rechtsstaat."

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santoku03 18.10.2016, 11:40
399.

Zitat von pushkin73
Und nur so ist das Votum der Zuschauer zu werten: als Würdigung der persönlichen Situation des Piloten! Nicht als Freibrief für den Abschuss von Flugzeugen oder der Disposition von Menschenleben bei Terrorgefahr im Allgemeinen. Frau Bahr hat recht wenn sie sagt, hier wurde nicht über das Grundgesetz abgestimmt.
Genau so ist es. Dies ist eine Ausnahmesituation, in der jede Entscheidung falsch gewesen wäre und der Betreffende sich in jedem Falle schuldig gemacht hätte. Und deshalb darf ein Mensch in dieser Situation nicht verurteilt werden. Die Frage, ob der Staat ein solches Verhalten von vornherein legitimieren darf, ist eine völlig andere.

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