Forum: Kultur
"Hart aber fair" zum "Equal Pay Day": Sie haben's sich verdient
WDR/Dirk Borm

Zum "Equal Pay Day" lud Frank Plasberg zur Gehaltsverhandlung. Aber statt zu diskutieren, wie sich etwas ändern könnte, zerfiel die Runde in zwei Fraktionen rund um die Frage: Wer ist schuld?

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hman2 19.03.2019, 16:50
130.

Zitat von justus65
"Ich habe nichts dergleichen behauptet, das haben Sie geschrieben. Aber weil ich keine geringverdienende Ehefrau habe, zahle ich mehr Steuern...." Und das ist gut so!
Was soll daran gut sein, dass es finanziell attraktiv gehalten wird, sich eine geringverdienende (und keine gutverdienende) Ehefrau zu besorgen? Genau ist doch eine strukturelle Benachteiligung von Frauen...

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Aberlour A ' Bunadh 19.03.2019, 20:14
131. Spreizung der Einkommen

Zitat von hman2
Was läßt sie glauben, dass die in der DDR das gleiche verdient hätten?
Richtig. In der DDR gab es auch eine Spreizung der Einkommen. Allerdings war die nicht so stark wie im Westen. Meines Wissens wurden Lehrer - wie im gesamten Ostblock - relativ mies bezahlt, im Vergleich zu Arbeitern. Auf der anderen Seite verdienten Fachkräfte am Bau oder Handwerker in der DDR nicht selten genau so viel wie leitende Ärzte.

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Kurt-C. Hose 20.03.2019, 09:46
132.

Zitat von hman2
Was soll daran gut sein, dass es finanziell attraktiv gehalten wird, sich eine geringverdienende (und keine gutverdienende) Ehefrau zu besorgen? Genau ist doch eine strukturelle Benachteiligung von Frauen...
Was ist denn denn das für ein Unsinn? Wenn die Frau nichts verdient ist das nicht "atraktiver" es sei denn, man findet es attraktiv weniger Einkommen zu haben, damit man weniger Steuern zahlt. Dazu muss man aber schon ziemlich verdreht sein. Jedes normale Paar wird, wie jeder Single auch, versuchen, sein Einkommen und damit seine Steuerlast zu maximieren (wenn es rational denkt).
Das Ehegattensplitting lässt (Lesen hilft an dieser Stelle... zum BVG-Urteil) das Ehepaar seine Lebensführung bei gleicher Steuerlast schlicht frei wählen. Es wird also umgekehrt ein Schuh draus. Es sei denn Sie wollen jetzt schlauer sein, als das Bundesverfassungsgericht (wie üblich in solchen Internetforen).

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Kurt-C. Hose 20.03.2019, 09:50
133.

Zitat von Aberlour A ' Bunadh
Richtig. In der DDR gab es auch eine Spreizung der Einkommen. Allerdings war die nicht so stark wie im Westen. Meines Wissens wurden Lehrer - wie im gesamten Ostblock - relativ mies bezahlt, im Vergleich zu Arbeitern. Auf der anderen Seite verdienten Fachkräfte am Bau oder Handwerker in der DDR nicht selten genau so viel wie leitende Ärzte.
Ein Facharbeiter hat in der DDR etwa 800 Mark im Monat verdient. Mit Zulagen evtl. etwas mehr.
Ein Arzt etwa um die 1.300 Mark.
Lehrer lagen dazwischen.
Einkommen im Osten mit denen im Westen zu vergleichen, ist aber aus verschiedensten Gründen ziemlicher Unsinn.

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jerrinho 20.03.2019, 10:12
134. Nicht zu Ende gedacht

Zitat von Kurt-C. Hose
Das Ehegattensplitting lässt (Lesen hilft an dieser Stelle... zum BVG-Urteil) das Ehepaar seine Lebensführung bei gleicher Steuerlast schlicht frei wählen. Es wird also umgekehrt ein Schuh draus. Es sei denn Sie wollen jetzt schlauer sein, als das Bundesverfassungsgericht (wie üblich in solchen Internetforen).
Das Ehegattensplitting ist juristisch und mathematisch die optimale Ausgestaltung. Es gibt keinen möglichen (legalen) Steuertarif, der ein Ehepaar besserstellt. Nichtsdestotrotz bedeutet das keinesfalls eine freie Wahl der Lebensführung - jedenfalls nicht sobald Kinder da sind. Dann muss das Paar nämlich nicht nur abwägen, was finanziell am sinnvollsten ist, sondern es entstehen auch emotionale Fragestellungen.

Zahlenbeispiel:

Mann verdient 5000€ brutto/Monat
Frau verdient 1500€ brutto/Monat

Netto steht dem Paar dann rund 4700€ zur Verfügung. Jetzt wird die Frau schwanger. Das Paar muss entscheiden, wie das Kind betreut werden soll.

Geht die Frau nicht mehr arbeiten, steht dem Paar langfristig noch rund 3800€ netto zur Verfügung (Kindergeld und sonstige Vorteile mal außen vor, weil die in jedem Szenario entstehen).

Geht der Mann nicht mehr arbeiten, dann sind es 1500€ netto.

Gehen beide nach Ablauf der Elternzeit normal arbeiten und geben ihr Kind in eine öffentliche Kita (vorausgesetzt sie finden einen Platz), dann stehen dem Paar - je nach Gemeinde - zwischen 4200€ und 4400€ netto zur Verfügung.

Wenn eine gering verdienende Mutter auf Zeit mit ihrem Kind verzichtet, um weiter arbeiten zu gehen, dann bringt das der Familie phänomenale 400-600€ zusätzlich. Dafür würde ich auch nicht arbeiten gehen.

Das ist das Problem des Ehegattensplittings. In einer riesigen Palette an Grenzszenarien - selbst für Paare ohne Kind - muss sich die Frau fragen: "Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt?". Ja da kann man langfristige Lohnentwicklungen und Beförderungen aus dem Hut zaubern, aber eine 45-jährige Sachbearbeiterin/Sekretärin oder sonstige Angestellte überzeugt man damit selten, denn die wissen meistens ganz genau, dass sie nirgendwo hinbefördert werden können.

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Kurt-C. Hose 20.03.2019, 11:39
135.

Zitat von jerrinho
Das Ehegattensplitting ist juristisch und mathematisch die optimale Ausgestaltung. Es gibt keinen möglichen (legalen) Steuertarif, der ein Ehepaar besserstellt. Nichtsdestotrotz bedeutet das keinesfalls eine freie Wahl der Lebensführung - jedenfalls nicht sobald Kinder da sind. Dann muss das Paar nämlich nicht nur abwägen, was finanziell am sinnvollsten ist, sondern es entstehen auch emotionale Fragestellungen. Zahlenbeispiel: Mann verdient 5000€ brutto/Monat Frau verdient 1500€ brutto/Monat Netto steht dem Paar dann rund 4700€ zur Verfügung. Jetzt wird die Frau schwanger. Das Paar muss entscheiden, wie das Kind betreut werden soll. Geht die Frau nicht mehr arbeiten, steht dem Paar langfristig noch rund 3800€ netto zur Verfügung (Kindergeld und sonstige Vorteile mal außen vor, weil die in jedem Szenario entstehen). Geht der Mann nicht mehr arbeiten, dann sind es 1500€ netto. Gehen beide nach Ablauf der Elternzeit normal arbeiten und geben ihr Kind in eine öffentliche Kita (vorausgesetzt sie finden einen Platz), dann stehen dem Paar - je nach Gemeinde - zwischen 4200€ und 4400€ netto zur Verfügung. Wenn eine gering verdienende Mutter auf Zeit mit ihrem Kind verzichtet, um weiter arbeiten zu gehen, dann bringt das der Familie phänomenale 400-600€ zusätzlich. Dafür würde ich auch nicht arbeiten gehen. Das ist das Problem des Ehegattensplittings. In einer riesigen Palette an Grenzszenarien - selbst für Paare ohne Kind - muss sich die Frau fragen: "Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt?". Ja da kann man langfristige Lohnentwicklungen und Beförderungen aus dem Hut zaubern, aber eine 45-jährige Sachbearbeiterin/Sekretärin oder sonstige Angestellte überzeugt man damit selten, denn die wissen meistens ganz genau, dass sie nirgendwo hinbefördert werden können.
Die Begründung mit der freien Wahl der Lebensführung ist nicht meine, sondern die des Bundesverfassungsgerichts. Aber inhaltlich bin ich bei ihnen.

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