Forum: Kultur
Hartz-IV-Talk bei "Maischberger": Hart aber fair?
WDR/ Peter Rigaud

Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger sind derzeit ein Fall für die Verfassungsrichter. Sandra Maischberger diskutierte deshalb mit ihren Gästen über die Frage: Wie hart darf der Sozialstaat sein?

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gastundredner 19.01.2019, 10:43
140. Sanktionen

Sanktionen sind grundsätzlich dazu da, sie nicht brauchen zu müssen. Ist wie mit Prüfungen in der Schule. Ohne Prüfungen wird nicht gelernt, ohne Sanktionen wird nicht aufgestanden. Es liegt an jeder Hartz IV Person selbst, ob sie sanktioniert wird oder nicht. Wenn man sieht, daß Berlin (Stadt) das Schwarzfahren straffrei stellen will, wenn das Besprühen von Gebäuden keine Sachveschädigung sein soll, nähern wir uns ganz stark der Kommune 1 an. Obermaier und Langhans lassen grüßen.

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Little_Nemo 19.01.2019, 11:34
141. St. Sanktion

Zitat von gastundredner
Sanktionen sind grundsätzlich dazu da, sie nicht brauchen zu müssen. Ist wie mit Prüfungen in der Schule. Ohne Prüfungen wird nicht gelernt, ohne Sanktionen wird nicht aufgestanden. Es liegt an jeder Hartz IV Person selbst, ob sie sanktioniert wird oder nicht. Wenn man sieht, daß Berlin (Stadt) das Schwarzfahren straffrei stellen will, wenn das Besprühen von Gebäuden keine Sachveschädigung sein soll, nähern wir uns ganz stark der Kommune 1 an. Obermaier und Langhans lassen grüßen.
Sie erwecken gerade in mir den Eindruck, dass Sie jemand sind, der nur durch Strafen und Drohungen dazu zu bringen ist sich an Gesetze und gesellschaftliche Normen zu halten, während Ihnen der Verstoß dagegen viel verlockender erscheint. Ich persönlich habe immer vor allem dann gelernt, wenn und weil mich der Stoff interessierte und ich seinen Nutzen erkennen konnte. Ich kaufe mir Fahrkarten, weil ich verstehe, dass eine Bahn oder ein Bus nicht mit Blumenduft und Mondenschein betrieben werden kann und ich an seiner Finanzierung mitwirken muss, damit ich auch morgen noch damit fahren kann. Ich gehe aber auch sehr viel zu Fuß, womit den Verkehrsbetrieben auch nicht gedient ist. Ich besprühe allerdings keine Gebäude, weiß aber, dass es viele gerade deshalb tun, weil es verboten ist. Darum überwiegen auch die meist hässlichen Tags, die ja nicht viel mehr sind als ein das Beinchen heben. Zu den Gesprächen beim Jobcenter bin ich tatsächlich zunehmend hauptsächlich wegen der drohenden Sanktionen gegangen, weil es tatsächlich kaum andere Gründe dafür geben konnte. Einen Sinn konnte ich darin nie und mit der Zeit immer weniger erkennen. Außer den ewig gleichen Floskeln fand da nie etwas statt, und gebracht hat es auch nichts. Eher im Gegenteil. Wenigstens haben ein paar Bürokraten ein warmes, trockenes Plätzchen gefunden, und eine Basis auf der es ihnen viel viel besser geht als denen, die sie "betreuen". Puh, Glück gehabt! In meiner Zeit in Hartz IV habe ich erlebt, dass drei meiner aufeinander folgenden Fallmanagerinnen geheiratet und Familien gegründet haben, in die Flitterwochen gefahren sind und in Schwangerschaftsurlaub gegangen sind. Zeiten in denen ich mich mit wild wechselnden Vertretungen begnügen durfte, die keine Kenntnisse meines Falls hatten. Oder sagen wir, noch weniger Kenntnisse als meine Fallmanagerinnen. Teilweise wusste ich monatelang gar nicht wer eigentlich gerade mein/e Fallmanager/in ist. Alles in Ordnung und voller Sinn und Verstand, oder?

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gastundredner 19.01.2019, 12:55
142. Sanktionen

Da sind wir uns doch einig. Bei vielen sind Sanktionen nicht erforderlich, weil sie per se leistungsbereit und arbeitswillig sind. Bei anderen hilft die Sanktionsandrohung, damit sie den Hintern hochbekommen. Und wer das nicht möchte, der wird eben sanktioniert. Offensichtlich gibt es trotz unserer ach so freien und individualistischen Gesellschaft Menschen, die zu ihrem Glück einen sanften Druck brauchen, die helfende Hand im Genick. Seltsamerweise sind viele später für eine erlebte Autorität dankbar. Beliebigkeit ist Selbstaufgabe, persönlich und gesellschaftlich.

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Little_Nemo 19.01.2019, 13:45
143. Hintern hoch zum Salut

Zitat von gastundredner
Da sind wir uns doch einig. Bei vielen sind Sanktionen nicht erforderlich, weil sie per se leistungsbereit und arbeitswillig sind. Bei anderen hilft die Sanktionsandrohung, damit sie den Hintern hochbekommen. Und wer das nicht möchte, der wird eben sanktioniert. Offensichtlich gibt es trotz unserer ach so freien und individualistischen Gesellschaft Menschen, die zu ihrem Glück einen sanften Druck brauchen, die helfende Hand im Genick. Seltsamerweise sind viele später für eine erlebte Autorität dankbar. Beliebigkeit ist Selbstaufgabe, persönlich und gesellschaftlich.
Noch sinnvoller wäre es freilich, wenn diese Sanktionsandrohungen einen Sinn und Effekt haben könnten, der darüber hinaus geht, dass Menschen gezwungen werden ihren Hintern hoch zu bekommen um an sinn- und effektlosen Gesprächen teilzunehmen. Das Glück, das in solchen Gesprächen liegt, kann ich nämlich nicht erkennen. Außer natürlich für Leute, die nicht betroffen sind und darin ihre abseitigen, autoritären Fantasien befriedigt sehen. An die paar Leute, die Ihnen vorschweben, könnten die Ämter ja Gutscheine fürs Domina-Studio verteilen. Würde unterm Strich wahrscheinlich billiger werden als alle Hartz-IV-Empfänger regelmäßig zu den Jobcentern und wieder nachhause zu karren und den ganzen Bespaßungsbetrieb dort zu unterhalten.

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gastundredner 19.01.2019, 16:42
144. Glück

Glück haben grundsätzlich alle Menschen, die sich in unserem Sozialstaat befinden. Das leistungslose Grundeinkommen gibt es schon längst, aber ein paar linke und grüne Sozialphantasten möchten dies noch mit gebratenen Tauben garnieren. Oder mit einer Extraportion Mandelmilch für die Veganer. Wer leistungsbereit ist und in der Lage, dem Ruf des Weckers morgens um sechs zu folgen, sollte nicht mehr als ein Beratungsgespräch benötigen.

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Little_Nemo 19.01.2019, 17:24
145. Die sozialromantischen Vorstellungen der Sozialdarwinisten

Zitat von gastundredner
Glück haben grundsätzlich alle Menschen, die sich in unserem Sozialstaat befinden. Das leistungslose Grundeinkommen gibt es schon längst, aber ein paar linke und grüne Sozialphantasten möchten dies noch mit gebratenen Tauben garnieren. Oder mit einer Extraportion Mandelmilch für die Veganer. Wer leistungsbereit ist und in der Lage, dem Ruf des Weckers morgens um sechs zu folgen, sollte nicht mehr als ein Beratungsgespräch benötigen.
Wenn ich dem Ruf des Weckers erst morgens um sechs folge, komme ich zu spät. Um mindestens eine Stunde. Dieses Gefasel von "Leistungsbereitschaft" ist Ihr Glaubensdogma. Mit Leistungsbereitschaft läuft man bei Jobcentern leider immer wieder heftig gegen Wände. Bürokratische ebenso wie weltanschauliche bei den Sachbearbeitern, sowie an Mauern der Planlosigkeit und des Chaos durch Dilettantismus und Unvermögen auf Seiten der Behörden. Ich habe z.B. mehrere Jahre Hartz IV damit aufgestockt Kurse an Volkshochschulen zu geben. Meine erste Fallmanagerin fand das ganz super, weil sie meinte, damit würde ich am Ball bleiben und Leistungsbereitschaft zeigen. Meine zweite Fallmanagerin meinte, dadurch stünde ich dem Arbeitsmarkt nicht uneingeschränkt zur Verfügung und drängte mich dazu damit aufzuhören. Als eine Mitarbeiterin der Volkshochschule auch noch irrtümlich zwei meiner Monatshonorare in einem Monat überwies, war für mich klar, dass mein Engagement bei den Volkshochschulen für mich kontraproduktiv ist, weil das Jobcenter eines der beiden Honorare komplett einkassierte. Zwar hatte ich in dem einen Monat nun gar nichts verdient, im anderen allerdings mehr als ich durfte. Bürokratenlogik. Leistung hatte sich hier definitiv nicht gelohnt. Und nebenbei hatte der Arbeitsmarkt, dem ich uneingeschränkt zur Verfügung stehen sollte - offenbar auch abends und an den Wochenenden, wenn meine Kurse stattfanden - Jahre lang nichts als Absagen für mich übrig. Offensichtlich war es also gar nicht im Interesse des Jobcenters, dass ich Leistung erbrachte. Ähnlich ging es einem Bekannten von mir, der bereits morgens um 3.00 Uhr anfing Zeitungen auszutragen und nachmittags bis spät abends an einem Imbissstand arbeitete um Hartz IV aufzustocken. Zur Belohnung wurde er vom Jobcenter vormittags noch zusätzlich zu einer der berüchtigten Maßnahmen verdonnert. Für ein halbes Jahr. Auf der anderen Seite kenne ich einen Mann mittleren Alters, der in seiner mittlerweile mehrere Jahre andauernden Hartz-IV-Karriere nur einmal zu einer Maßnahme geschickt wurde, diese auch nicht beendete, sich seither um keinerlei Beschäftigung bemüht hat und vom Jobcenter in Ruhe gelassen wird. Spinnen Sie also ruhig weiter Ihre Mythen um Leistungswillen und -bereitschaft und die Notwendigkeit zur Bestrafung von Myriaden von Faulenzern durch dieses ach so kompetente und gerechte System. Sie haben mein aufrichtiges Mitleid, dass Sie nicht vor der Aufklärung geboren wurden, als Ihre Welt wohl noch in Ordnung gewesen wäre. Nun ist es aber wie es ist, und wir werden die zivilisatorischen Standards gewiss nicht Ihretwegen um Jahrhunderte zurückdrehen.

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cassi77 21.01.2019, 19:59
146. ...

Zitat von gastundredner
Glück haben grundsätzlich alle Menschen, die sich in unserem Sozialstaat befinden. Das leistungslose Grundeinkommen gibt es schon längst, aber ein paar linke und grüne Sozialphantasten möchten dies noch mit gebratenen Tauben garnieren. Oder mit einer Extraportion Mandelmilch für die Veganer. Wer leistungsbereit ist und in der Lage, dem Ruf des Weckers morgens um sechs zu folgen, sollte nicht mehr als ein Beratungsgespräch benötigen.
"Wer leistungsbereit ist und in der Lage, dem Ruf des Weckers morgens um sechs zu folgen, sollte nicht mehr als ein Beratungsgespräch benötigen."

Ihre Welt ist recht, mmmhhh, überschaubar, einfach organisiert, schlicht, richtig? 'Kompliziert' gibt es bei Ihnen nicht, oder? Naja, machts Leben auch recht einfach, vermute ich mal. Schön, dass in Ihrem Leben 'einfach' offensichtlich Programm ist, kann ja nicht alles so kompliziert sein, wie die reale Welt!

Mal davon abgesehen, Sie glauben ernsthaft, 'Leistung' hinge in irgendeiner Art und Weise davon ab, um welche Uhrzeit jemand aufsteht? Also, 'Leistung' kann nur erbringen, wer morgens um 6h auf irgendeiner Arbeit antanzt? Erzählen Sie das doch mal der Nachtschicht im Krankenhaus oder einem Barkeeper...

Und 'Arbeit' ist bei Ihnen vermutlich auch (vermeintlich) 'rein physikalisch', sprich, mit 'körperlicher Tätigkeit' verbunden, oder? Ihre Welt bzw. Ihr Weltbild wirklich echt arg begrenzt, glauben Sie ernsthaft, das ist eine der 'realen Welt' angemessene 'Vorstellung vom Leben'? *grübel*

Sie haben offensichtlich eine recht begrenzte Vorstellung davon, was 'Leistung erbringen' bedeutet. Schade, dass Menschen wie Sie immer in so beengten Denkräumen Ihren Geist gefangen halten (müssen).

cassi

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cassi77 21.01.2019, 20:09
147. ...

Zitat von cassi77
"Wer leistungsbereit ist und in der Lage, dem Ruf des Weckers morgens um sechs zu folgen, sollte nicht mehr als ein Beratungsgespräch benötigen." Ihre Welt ist recht, mmmhhh, überschaubar, einfach organisiert, schlicht, richtig? 'Kompliziert' gibt es bei Ihnen nicht, oder? Naja, machts Leben auch recht einfach, vermute ich mal. Schön, dass in Ihrem Leben 'einfach' offensichtlich Programm ist, kann ja nicht alles so kompliziert sein, wie die reale Welt! Mal davon abgesehen, Sie glauben ernsthaft, 'Leistung' hinge in irgendeiner Art und Weise davon ab, um welche Uhrzeit jemand aufsteht? Also, 'Leistung' kann nur erbringen, wer morgens um 6h auf irgendeiner Arbeit antanzt? Erzählen Sie das doch mal der Nachtschicht im Krankenhaus oder einem Barkeeper... Und 'Arbeit' ist bei Ihnen vermutlich auch (vermeintlich) 'rein physikalisch', sprich, mit 'körperlicher Tätigkeit' verbunden, oder? Ihre Welt bzw. Ihr Weltbild wirklich echt arg begrenzt, glauben Sie ernsthaft, das ist eine der 'realen Welt' angemessene 'Vorstellung vom Leben'? *grübel* Sie haben offensichtlich eine recht begrenzte Vorstellung davon, was 'Leistung erbringen' bedeutet. Schade, dass Menschen wie Sie immer in so beengten Denkräumen Ihren Geist gefangen halten (müssen). cassi
"Und 'Arbeit' ist bei Ihnen vermutlich auch (vermeintlich) 'rein physikalisch', sprich, mit 'körperlicher Tätigkeit' verbunden, oder? Ihre Welt bzw. Ihr Weltbild wirklich echt arg begrenzt, glauben Sie ernsthaft, das ist eine der 'realen Welt' angemessene 'Vorstellung vom Leben'? *grübel*"

Wenn dem so sein sollte, ich mich also nicht irre und Ihnen hier eine 'Sicht der Welt' irrtümlich unterstelle, die Sie garnicht pflegen, aber sollte das stimmen, was ich hier schrieb, haben Sie vermutlich einfach nur noch niemals ernsthaft über echte Probleme nachgedacht. Wenn Sie das hätten, wüssten Sie nämlich, dass 'denken', formulieren' etc. Arbeit ist. Sie haben dann offensichtlich keine Vorstellung davon, wie anstrengend Denkensein kann wenn dabei auch etwas Sinnvolles bei rummkommen soll. Und damit meine ich durchaus auch 'Kalorienverbrennen'. Das Gehrin ist übrigens auch 'Körper' und es verkümmert armselig, wenn man es nicht ausreichend nutzt und trainiert....

cassi

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