Forum: Kultur
Hartz-IV-Talk bei "Maischberger": Hart aber fair?
WDR/ Peter Rigaud

Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger sind derzeit ein Fall für die Verfassungsrichter. Sandra Maischberger diskutierte deshalb mit ihren Gästen über die Frage: Wie hart darf der Sozialstaat sein?

Seite 9 von 15
Little_Nemo 17.01.2019, 14:14
80. Wahlfreiheit - wenn man keine Wahl hat

Zitat von cave68
ich habe immer ein absolutes Problem,wenn Menschen wie ihr Verwandter Jobs als "menschenunwürdig" abstempeln,die aber zwingend benötigt werden und auch von irgendjemand gemacht werden müssen. Hat dieser Verwandte eigentlich einmal daran gedacht,dass auch er mal einen Pfleger benötigen könnte? Desweiteren frage ich mich welcher Job solch einem Menschen überhaupt Spass machen würde?Auf dauer wohl überhaupt keiner sonst hätte er sich eigentlich von vorneherein für einen der vielen Hundert anderen Lehrberufe entscheiden können.
Menschenunwürdig sind, denke ich, weniger die Jobs ansich, als vielmehr die Rahmenbedingungen. Pfleger beispielsweise ist ein harter Job, der körperlich und psychisch oft sehr belastend ist. Zugleich ist er aber auch vergleichsweise schlecht bezahlt. Oft Zeitarbeit und/oder mit unbezahlten Überstunden und dergleichen verbunden. Und die Gefahr, dass man ihn irgendwann mal schlicht nicht mehr machen kann und dann z.B. in Hartz IV landet und sich wegen vorgeblicher Faulheit von allen Seiten anfeinden lassen muss, ist relativ groß.

Die Wahl des Lehrberufs, soweit man sie überhaupt hat (Schulnoten, Angebot und so), hat generell extrem großen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer späteren Arbeitslosigkeit. Und da die Zukunft leider immer erst nach deren Planung stattfindet, kann man nie sicher sein, ob sich der Marktwert des erlernten Berufs nicht urplötzlich ändert und man umschulen muss - sofern einem die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter das bewilligt. Aus eigenen Mitteln geht's nunmal eher selten.

Beitrag melden
grouchomax 17.01.2019, 14:17
81. Nicht nur Sie haben da ein Problem,

Zitat von cave68
ich habe immer ein absolutes Problem,wenn Menschen wie ihr Verwandter Jobs als "menschenunwürdig" abstempeln,die aber zwingend benötigt werden und auch von irgendjemand gemacht werden müssen. Hat dieser Verwandte eigentlich einmal daran gedacht,dass auch er mal einen Pfleger benötigen könnte? Desweiteren frage ich mich welcher Job solch einem Menschen überhaupt Spass machen würde?Auf dauer wohl überhaupt keiner sonst hätte er sich eigentlich von vorneherein für einen der vielen Hundert anderen Lehrberufe entscheiden können.
sondern der besagte Verwandte von augu1941 dürfte ein Problem mit der Arbeitswelt selbst haben.

So etwas gibt es, und gab es schon immer. So wie es auch Mitmenschen gab und gibt, die unfähig sind, eine Lebensgemeinschaft mit jemand anders einzugehen. Besser ist es, wenn diese allein bleiben, sonst machen sie nur sich und andere unglücklich.

Und so gab und gibt es Mitmenschen, die in keinem Job glücklich werden, mit denen im Job auch keiner glücklich wird. Früher wurden solche, so es möglich war, von der Familie durchgeschleppt.

In unserer gar nicht so ärmlichen Gesellschaft machen viele aber es zu einem Riesenproblem, dass es besagte Unglücksmenschen gibt.

Beitrag melden
coyote38 17.01.2019, 14:23
82. Nachhilfe ...

Zitat von Little_Nemo
Es ist interessant so etwas von jemandem zu lesen, der sich ein paar Seiten zuvor noch selbst als studierten Staatsrechtler ausgab (Zitat: "Sie haben in dieser Situation keine "Anrechte", "Ansprüche", "Rechte""???). Um dieses Studium scheint es nicht gut bestellt gewesen zu sein, hat man Ihnen doch offenbar die fundamentalen Artikel des Grundgesetzes (wie z.B. über die Würde des Menschen und die Gleichheit vor dem Gesetz) und wesentliche Sozialgesetze vorenthalten, die für das Staatsrecht sicher nicht ganz unbedeutend sind. Oder haben Sie sich hier nur mit fremden Federn geschmückt um Ihren unsachlichen Anfeindungen hier ein Gewicht zu verleihen, dass ihnen von Natur aus nun wirklich nicht zukommt?
Die Sozialgesetzgebung ist nicht "vom Himmel gefallen" und der Staat hat sich nun "gefälligst" daran zu halten, sondern die Sozialgesetzgebung entspringt der Idee eines humanistischen Menschenbildes als Folge des Zeitalters der Aufklärung. Insofern ist und bleibt die Sozialgesetzgebung in letzter Konsequenz eine FREIWILLIG selbstverpflichtende Leistung des Staates. "Ansprüche" können Sie DESHALB "geltend" machen, weil Ihnen der Staat und die ihn tragende Solidargemeinschaft dieses Recht FREUNDLICHERWEISE einräumt. Das ändert NICHTS an der Tatsache, dass es mitnichten ein "Menschenrecht" ist, lebenslang durch die Leistung und Wertschöpfung Dritter alimentiert zu werden. --- Und das hat auch so gar nichts mit "Anfeindungen" zu tun. Aber wenn Sie darauf Wert legen, dann können wir GERNE einmal über die Konstruktion und die theoretischen Grundlagen eines Staatswesens diskutieren. Sie wären bestimmt erstaunt ....

Beitrag melden
Ottokar 17.01.2019, 14:26
83. Ein einzelner Gast dieser Talkshow

hat gereicht um das ganze Sozialsystem in Frage zu stellen. Dieser Gast, Kevin, kann froh sein das er in Deutschland und nicht in North Korea lebt. Da würde ihm in einem Umerziehungslager der Spass and der Arbeit erklärt und beigebracht werden.

Beitrag melden
Little_Nemo 17.01.2019, 14:40
84. Schreiende Worte des Sachverstands

Zitat von coyote38
Die Sozialgesetzgebung ist nicht "vom Himmel gefallen" und der Staat hat sich nun "gefälligst" daran zu halten, sondern die Sozialgesetzgebung entspringt der Idee eines humanistischen Menschenbildes als Folge des Zeitalters der Aufklärung. Insofern ist und bleibt die Sozialgesetzgebung in letzter Konsequenz eine FREIWILLIG selbstverpflichtende Leistung des Staates. "Ansprüche" können Sie DESHALB "geltend" machen, weil Ihnen der Staat und die ihn tragende Solidargemeinschaft dieses Recht FREUNDLICHERWEISE einräumt. Das ändert NICHTS an der Tatsache, dass es mitnichten ein "Menschenrecht" ist, lebenslang durch die Leistung und Wertschöpfung Dritter alimentiert zu werden. --- Und das hat auch so gar nichts mit "Anfeindungen" zu tun. Aber wenn Sie darauf Wert legen, dann können wir GERNE einmal über die Konstruktion und die theoretischen Grundlagen eines Staatswesens diskutieren. Sie wären bestimmt erstaunt ....
Bin ich doch jetzt schon. Was ich mit Anfeindungen meinte: Sachlich sind Ihre Einlassungen hier - trotz Ihrer vorgeblichen Qualifikation - sowohl inhaltlich, als auch formal nun wirklich nicht. Sie haben recht, dass es nicht naturgegeben ist, dass der Staat, was ja letztlich wir alle sind, ob arbeitend oder nicht, für die Abgehängten aufkommt. Unser Staat hat sich aber dafür entschieden und davon immer wieder profitiert, wie man sehen kann. Er hätte es freilich besser tun können, denn gerade Hartz IV hat die stille Reserve an Arbeitskräften, die die Leistungsempfänger ja hätten sein können und zum Teil auch sind, sehr geschwächt und, um es mal so kühl ökonomisch zu benennen, teils unbrauchbar gemacht. U.a. deshalb haben wir jetzt einen Fachkräftemangel, denn was Menschen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln nicht leisten können, werden sie auch nicht leisten. Berufsausbildung z.B. Und wenn sie erst gesundheitlich gezeichnet und ausgebrannt sind ist eh Feierabend. Vor allem wenn man dann versuchen muss mit einem derart maroden und chronisch überforderten Verwaltungssystem wie dem der Agentur für Arbeit und der Jobcenter etwas aus ihnen herauszuholen.

Beitrag melden
cave68 17.01.2019, 14:42
85.

Zitat von grouchomax
sondern der besagte Verwandte von augu1941 dürfte ein Problem mit der Arbeitswelt selbst haben. So etwas gibt es, und gab es schon immer. So wie es auch Mitmenschen gab und gibt, die unfähig sind, eine Lebensgemeinschaft mit jemand anders einzugehen. Besser ist es, wenn diese allein bleiben, sonst machen sie nur sich und andere unglücklich. Und so gab und gibt es Mitmenschen, die in keinem Job glücklich werden, mit denen im Job auch keiner glücklich wird. Früher wurden solche, so es möglich war, von der Familie durchgeschleppt. In unserer gar nicht so ärmlichen Gesellschaft machen viele aber es zu einem Riesenproblem, dass es besagte Unglücksmenschen gibt.
das Problem dürfte sein,dass es mittlerweile viel zu viele davon gibt und das wird auf Dauer uns auch nicht so "gar nicht so ärmlich" bleiben lassen.
Andere Frage:Gibt es solche Menschen in den Ländern ohne dauerhafte Transferleistung auch?Und wie schleppen die sich dort durchs Leben?

Beitrag melden
vormaerz 17.01.2019, 15:10
86. So lange

keine Vollbeschäftigung herrscht, ist das ganze ein dummes Spiel, bei dem wegen einem geringen, aber aufgebauschten Prozentsatz tatsächlich Unwilliger die Masse der Arbeitslosen erst bis aufs Hemd ausgezogen und anschließend zur Abschreckung gedemütigt wird. Wo die Arbeitsplätze nicht vorhanden sind, müssen logischerweise immer auch Arbeitslose sein. Diese Lücke ist der zentrale Widerspruch in der ganzen Diskussion. Es gibt die Arbeitsplätze nicht oder die Menschen können / sollen für die, die es gibt, nicht qualifiziert werden. Sie können 30 Jahre erfolgreich ein Leben aufgebaut haben, längere Arbeitslosigkeit setzt alles auf Null und Sie dürfen sich damit abfinden, neben der Verachtung der Glücklichen, der seelischen Belastung und der im Alter wachsenden Wewehchen auch noch den Abgrund einer sich niemals mehr bessernden Perspektive vor sich zu sehen, weil Sie in diesem Alter niemand mehr irgendeine qualifizierte Arbeit tun lässt, allen Lippenbekenntnissen zum Trotz. Selbst für relativ einfache Tätigkeiten oberhalb der Schwelle von Putzen, Fahren oder anderer Hilfstätigkeiten sind Sie wahlweise über- oder unterqualifiziert. Das ist die relevante Realität von H4, nicht irgendwelche Heinis, die ihr Leben kaum gelebt haben, aber sich durch die Lücken des Systems winden möchten. Die Humanität einer Gesellschaft misst sich am Umgang mit ihren Schwächsten. Mögen Sie nie in eine Situation geraten, die dafür sorgt, dass Sie dazugehören.

Beitrag melden
grouchomax 17.01.2019, 15:13
87. Viel zu viele?

Zitat von cave68
das Problem dürfte sein,dass es mittlerweile viel zu viele davon gibt und das wird auf Dauer uns auch nicht so "gar nicht so ärmlich" bleiben lassen. Andere Frage:Gibt es solche Menschen in den Ländern ohne dauerhafte Transferleistung auch?Und wie schleppen die sich dort durchs Leben?
Wie viele Prozent noch mal der Hartzer werden mit Sanktionen gezwiebelt? Mit wie vielen, die ihr Leben nicht in den Griff kriegen, könnten sie denn leben, lieber cave68?

Beitrag melden
a.maniac 17.01.2019, 15:36
88.

Zitat von zeisig
Nachdem ich diesen Kevin Falke und seine erhellenden Statements ertragen mußte bin ich mir sicher, auf welcher Seite ich stehe. Ein 23-jähriger junger Mann, der keine Lust auf Arbeit hat, gehört sanktioniert. Meine Meinung.
Ja genau... lasst ihn hungern und auf der Straße leben...
(und dann noch gleichzeitig bestrafen, dass er auf der Straße übernachtet... wie bspw. in Dortmund!)

Wir behandeln Strafgefangene besser als Arbeitslose die keine Lust haben sich wie Dreck behandeln zu lassen...
Selbst Schwerstverbrecher wie Mörder haben immer Obdach und müssen nicht hungern. Aber renitenten Arbeitslosen muten wir das zu...

Beitrag melden
a.maniac 17.01.2019, 15:38
89.

Zitat von Olli Ökonom
Wo ist denn der Respekt der Hartzer gegenüber dem Mitarbeiter des Jobcenters, wenn zum wiederholten Male einen Termin unentschuldigt platzen lässt. Jeder sollte den Anderen respektvoll behandeln, Respekt ist keine Einbahnstrasse.
Mit platzt gleich der Kragen. Wenn man vom "Kundenbetreuer" im Jobcenter schlimmer behandelt wird, wie ein Kleinkind und dieser einen mit der Gefährung der Existenz droht soll man noch Respekt haben?!??!

Beitrag melden
Seite 9 von 15
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!