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HBO/Sky-Serie "Chernobyl": Die Luft glüht, die Wunden glitzern
HBO/ Sky

Die Miniserie "Chernobyl" rekonstruiert das Reaktorunglück von 1986 als Kampf zwischen unabhängigen Experten und Politikern, die die Katastrophe verleugnen. Parallelen zur Gegenwart? Natürlich erwünscht.

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Cyman 14.05.2019, 18:56
10.

Zitat von Newspeak
Der Artikel scheint nicht nur die Miniserie zu besprechen, sondern sie auch zeitgeschichtlich aktuell einordnen zu wollen. An sich ist das aus jorunalistischer Sicht sicher lobenswert. Dann liest man aber solche Saetze wie "Ein Tank könne immer mal explodieren, aber ein Atomkern selbst?" oder auch "Und immer wieder beutet die Serie (Regie: Johan Renck) voyeuristisch die für uns Laien fast übernatürliche Faszination des Nuklearen aus: das geheimnisvolle Grafit, das auf gar kein Fall an die Außenwelt gelangen darf, die spontanen Kotzanfälle all derer, die der Strahlung ausgesetzt waren, überhaupt die so wenig durchschaubaren chemisch-physikalischen Gesetze der Kernkraft, die sich hier in glitzernde Wunden und glühende Luft übersetzen." und faengt an, zu zweifeln. An der physikalischen Genauigkeit der Miniserie wie am naturwissenschaftlichen Hintergrund des Journalisten, der darueber schreibt. Es scheint naemlich wenig zu stimmen, wenn diese kurzen Ausschnitte die Miniserie tatsaechlich korrekt charakterisieren. In Tschernobyl sind NICHT die Atomkerne explodiert. Die Explosion war einfach nur Kuehlwasser, das verdampfte, wodurch der Druck stieg. Eventuell noch Wasserstoff aus bereits zersetztem Wasser. Eine rein physikalische bzw. chemische Explosion, aber KEINE nukleare. Das "geheimnisvolle Grafit" (ich bevorzuge immer noch die Schreibweise Graphit) ist einfach nur elementarer Kohlenstoff. Aber selbst kein nukleares Material. Die "Faszination des Nuklearen" kommt allenfalls daher, dass es als Moderatormaterial im Reaktor direkten Kontakt mit Spaltmaterial ausgesetzt war, nach der Explosion, und brennbar, weshalb es durch den Brand des Graphit und das aufgesprengte Dach ueberhaupt erst zu einer grossflaechigen radioaktiven Verseuchung kommen konnte. DESHALB durfte, ungenau gesprochen, das Graphit nicht freigesetzt werden, weil es mit Radioisotopen kontaminiert war und weil der beim Feuer entstehende Rauch kontaminiert, also radioaktiv war. Mysterioes ist daran wenig. Die "wenig durchschaubaren chemisch-physikalischen Gesetze der Kernkraft" stehen uebrigens in jedem Physiklehrbuch, das auch von Journalisten gelesen werden kann, die das nebenbei vielleicht auch tun sollten, BEVOR sie darueber schreiben. Wir leben in einem dunklen Zeitalter, wo das Wissen der Menschheit ignoriert wird, weil man lieber ein mystisches Weltbild pflegen, als sich mit dem vorhandenen Wissen auseinandersetzen moechte. Das eine ist einfach und spannend, das andere langweilig und schwer.
Danke! Genau an diesen unfundierten Sätzen habe ich mich auch gerieben und nicht weitergelesen, da ich schon erwartet hätte, dass der Verfasser etwas mehr Ahnung von der Materie hat, als er hier preisgibt. Zumindest erweckt es den Anschein, dass er es nicht besser wusste.

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NewYork76 14.05.2019, 18:59
11. Auch gesehen

Zitat von StellaVella
@Newspeak: Sie sprechen mir aus der Seele. Ich habe auch in diversen englischsprachigen Reviews immer wieder lesen müssen, dass die Tragweite der freigesetzten Radioaktivität und die physikalischen Zusammenhänge überhaupt nicht ausreichend erklärt werden, so dass die Handlung grösstenteils wirr und unzusammenhängend erscheint. Nachdem ich die erste Folge gesehen habe ist das für mich absolut nicht nachvollziehbar - Schulwissen reicht dafür doch locker aus, ... ?
Ich habe die erste Folge auch gesehen (die zweite Folge gestern habe ich verpasst).
Allerdings liegt m.M.n die Staerke der Folge gerade darin, dass nicht genau erklaert oder gezeigt wird was passiert ist. Der Zuschauer hat natuerlich einen Wissensvorsprung (besonders die, die sich noch ganz konkret an die Wolke erinnern koennen, die damals von Chernobyl ueber Europa zog).
Aber die Feuerwehrleute, Anwohner etc. hatten doch keine Ahnung von dem Ausmass der Katastrophe. Nacher ist man natuerlich immer schlauer.

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tatsache2011 14.05.2019, 19:10
12. Ihr Irrtum

Zitat von adama.
... Was mir aber gerade einfällt. Wenn Deutschland die Welt mit Windkraftwerken, Solaranlagen und anderer Umwelttechnik versorgt, mag das für die Welt gut sein, doch für Deutschland muss sich die CO2 Bilanz dramatisch verschlechtern. Die Andern sparen mit dem was wir bauen.
Andere Länder stellen auch PV-Module und Windkraftanlagen her, z.B. China hat und baut riesige Windparks.
https://de.wikipedia.org/wiki/Windpa..._von_Windparks

Der PV-Zuwachs war rasant, weil
"Das Marktsegment für dezentrale Photovoltaik-Anlagen ... von 2016 zu 2017 um 360 Prozent anstieg"
https://www.pv-magazine.de/2018/06/0...rittel-sinken/

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NewYork76 14.05.2019, 19:20
13. Nein..

Zitat von PJanik
... das wahrscheinlich Atomkraftwerke neuerer Bauart (also Gen III/IIIü+ wie jetzt gebaut) oder Gen IV, wie im Entwicklungsstadium der einzige Weg wären den Klimawandel abzumildern und CO2 arm/frei Energie zu produzieren. So ein Angstmacherfilm passt da natürlich der Ölindustrie in den Kram. Und bis Solar und Wind gespeichert und gepuffert wird (in Mengen, nicht im Fingerhut), dauert es auch noch ein bisschen. Solar und Windenergie direkt nutzen ist schon wirtschaftlich. Speicherung noch nicht. Mit Gen IV Reaktoren ließe sich sogar der Atommüll der uns noch Probleme bereitet beseitigen (und in nur noch Jahrhunderte statt Jahrmillionen ein Problem) Wird aber, wenn man den Leuten Angst einjagdt, schwierig
Atomkraft ist sehr teuer. Und wuerde man die Entsorgungskosten des Atom-Muell mit einrechnen, so waere Atomkraft unbezahlbar. Uran hat eine Halbwertszeit von 245 000 Jahren!!!
Ich kenne die technischen Details bzw. Funktionsweise der Gen IV Reaktoren die Sie hier ansprechen nicht, aber selbst wenn die Probleme "nur noch" Jahrhunderte bestehen, so ist es doch extrem vermessen zu glauben dass der Mensch aktuell in der Lage ist ein sicheres Endlager fuer solche Zeitraeume zu planen und umzusetzen.

Solar, Wind, Hydro und viele andere saubere Energiequellen hingegen haben in den letzten Jahren extreme Fortschritte gemacht. Mit den entsprechenden Investitionen in die Entwicklung effizienter Energiespeicher und Optimierung der Energiegewinnung ist das die einzige vertretbare Loesung.

Aber es gibt natuerlich auch die "nach mir die Sintflut" Fraktion. Die allerdings wird sich wundern wenn die Sintflut scheller kommt als sie wegsterben koennen...

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tatsache2011 14.05.2019, 19:22
14. Ihr Märchen

Zitat von PJanik
... Und bis Solar und Wind gespeichert und gepuffert wird (in Mengen, nicht im Fingerhut), dauert es auch noch ein bisschen. Solar und Windenergie direkt nutzen ist schon wirtschaftlich. Speicherung noch nicht. Mit Gen IV Reaktoren ließe sich sogar der Atommüll der uns noch Probleme bereitet beseitigen (und in nur noch Jahrhunderte statt Jahrmillionen ein Problem) Wird aber, wenn man den Leuten Angst einjagdt, schwierig
Die heutigen AKW-Baustellen Finnland, Frankreich, England werden teuren Strom liefern, wenn sie eventuell fertig gebaut werden.

Und Sie versprechen, den abgekippten Atommüll aus der Asse zu holen und in 50 Jahren mit "Gen IV Reaktoren" zu beseitigen (?).

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vangel 25.05.2019, 00:30
15. Die Serie ist großartig !

Unbedingt auch die Chernobyl podcasts anhören die es zu jeder Folge gibt, darin erklärt der Autor viele Fakts und die manchmal nötigen dramaturgischen Entscheidungen die nötig waren um die Geschichte in nur 5 Stunden (5 Folgen) im Kern zu erzählen. Übrigend jetziger stand der Serien nach 3 gelaufenen Folgen bei IMDB: 9,7 !!! Damit weltweit die beste Einstufung einer Serie ever. Selbst mich als pingeliger Geschichtsfan hat keine Geschichtsserie/-drama/-doku so begeistert und bewegt, und als Spätaussiedler aus dem Ostblock kann ich Ihnen versichern das das sowjetische System genau so war und das Russland der 80er genauso aussah. 100% im Kern getroffen. Natürlich mussten Figuren zusammengelegt werden, die Wissenschaftlerin Ulana Khomyuk ist eine Schmelze aus dutzenden Wissenschaftlern die damals verstrickt waren. Unfassbar vieles in dieser Serie ist sehr gut recherchiert und minutiös nachempfunden. Vieles was übertrieben holywoodmäßig erscheint ist genau so verrückt passiert. Ja die Reaktoren 1-2 direkt neben dem offenen, rauchenden Reaktor liefen weiter, ja, 24 Stunden Leugnen der Kraftwerksleitung bis es nicht mehr ging. 3 freiwillige knietief im stark verseuchten Wasser im Dunkeln auf der Suche nach Ablasventilen um eine weit schlimmere Folgekatastrophe zu verhindern, und dann gehen die Lampen kaputt? Ja sie haben sind in echt sogar im Stockfinsteren vorgetastet, sogar ohne die kleinen dynamoleuchten. Hätte keiner geglaubt in der Serie, war sogar noch schlimmer. Nackte Minenarbeiter? Ja es gibt Berichte darüber. Strahlenschäden nach einigen Tagen wie im Horrorfilm? Sogar noch untertrieben, und vieles mehr. Für mich die beste Serie des Jahres, vielleicht der letzten 10 Jahre. Unfassbare Regie, Dramaturgie und Storytelling und Recherche. Qualitativ auf einer Stufe mit "Breaking Bad", vielleicht darüber.

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drtreue 30.05.2019, 23:32
16. Klimakatastrophe?

So eine herausragende Serie und so eine miserable, unfundierte und ideologische Kritik. Was an den Funktionären war albern überzeichnet? Ich habe diese Leute erlebt, Sie auch, Herr Kadritzke? Der Spiegel schafft es, in jeden Beitrag eine Prise Antiamerikanismus hineinzuwürzen. Noch ein bisschen Klimakatastrophe. Wie bitte? Klimakatastrophe? Ja. Tschernobyl war eine Klimakatastrophe. Schreibt Herr Kadritzke. Und er kennt auch Menschen, die noch gefährlicher leben, als die Opfer von damals...
Es wird wirklich Zeit, dem Spiegel Adieu zu sagen....

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liwe 12.06.2019, 00:28
17. Richtig gute Serie

Ich bin (auch als Historikerin) absolut begeistert von dieser Serie! Klar, manche Dinge sind überzeichnet, aber trotzdem finde ich die historischen Ereignisse sehr gut rekonstruiert. Kann die Kritikpunkte des Autors nicht nachvollziehen.

„Es geht Autor Craig Mazin wohl weniger um eine akkurate Rekonstruktion des historischen Ereignisses (die verhindert schon die Besetzung mit überwiegend britischen Darstellern)“ —> man muss also um historische Ereignisse nachzustellen grundsätzlich Schsuspieler nehmen, die die selbe Nationalität haben wie die realen Personen?! Wieso sollte das wichtig sein??

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Freidenker10 12.06.2019, 21:40
18. Sehr zu empfehlen!

Gut gemachte aber auch harte Serie über den Chernobyl Supergau. Chernobyl wie auch Fukushima haben doch gezeigt, wenn was schiefgeht lässt sich der Supergau nicht mehr handeln, aber trotzdem wird weltweit weitergemacht als wäre nichts passiert. Die ganzen Gemeinden die Atomkraftwerke beheimaten werden mit Gewerbesteuer geködert und können sich dann ein Freibad, ne Bücherei und ein neues Gemeindezentrum nebst 10 sinnlosen Kreisverkehren leisten, aber das die Heimat bei einem Crash für Jahrtausende unbewohnbar wird blenden alle aus. Die Serie sollte allen Gemeinden zur Verfügung gestellt werden in deren Nähe ein Meiler steht...!

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