Forum: Kultur
Helfer-Syndrom: Der Selbsthass der Deutschen

Helfen ist gut, helfen ist edel. Aber warum haben die Menschen das nicht schon lange vor dem Eintreffen der Geflohenen getan?

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Heiner Hannappel 06.02.2016, 18:43
100. Also liebe Frau Sibylle Berg, Sie sind eine von 82 Millionen!

Und Sie Frau Berg sind wohl die einzige , die derart richtig tickt, dass Sie mit Ihrer Beurteilung der restlichen 82 Millionen das nicht einmal als Anmaßung empfinden was sie das gerade an Geschreibsel abgeliefert haben. Ich bewundere Ihr grenzenloses Selbstbewusstsein, welche aus jeder Ihrer Zeilen lugt.Merken Sie eigentlich nicht beim Schreiben solchen Unfugs nicht die Arroganz, die
Sie damit dokumentieren, indem Sie sich als das Maß hochstilisieren, welches lächerliche 82 Millionen akzeptieren sollen? Ich bitte zutiefst um Entschuldigung, dass ich als eine der 82 Millionen psychisch Erkrankten ihre unendlich wertvollen Ausführungen kritisiere.
Heiner Hannappel
Koblenz

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wauz 06.02.2016, 18:45
101. .Das mit dem Selbsthass hat Frau Berg nicht erfunden

Wie fast alle ihrer Kolumnen ist auch dieser Text hier der dröflzigste Aufguss längst bekannter Stereotypen. "Selbsthass", "fehlendes Nationalgefühl" und auch "linker Antisemitismus" sind einfach die Standardbausteine einer ganz bestimmten Propagandaschiene. Andere Zionisten sind da noch deutlich origineller, als Frau Berg. Aber man muss sie eben auch in diese Richtung einordnen. Es ist ganz einfach: denen passt nicht, dass wir ARABISCHEN Flüchtlingen helfen, anstatt Waffen für den Staat Israel zu spenden.
(Witzigerweise sind die Araber auch ein semitisches Volk. Man kann den Vorwurf des Antisemitismus auch an die ganzen Israel-Apologeten zurückgeben!)
..

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Celestine 06.02.2016, 18:53
102.

„Deutsche vergruppen sich meist nur im Ausland. Wenn sie umgeben sind von Leuten, die ihnen noch unangenehmer sind als sie selber: Ausländer.“

Stimmt. Während Engländer, Schotten, Iren, Amerikaner, Aussies und Neuseeländer im Ausland sich zusammentun, in Asien z.B. auch mit vielen Asiaten, um Party zu machen und um a lot of Fun zu haben, hocken die Deutschen in ihrem Little Germany zusammen und meckern über alles, was nicht so ist, wie in Good Old Germany. Wenn sie wieder in ihrem geliebten Germany sind, meckern sie über alles und schwärmen davon, wie toll doch alles in Asien war! Ähnlich griesgrämig sind nur die Finnen, außer sie besaufen sich sinnlos. Needless to say: Wir haben keinen Moment lang gezögert, sondern haben uns so schnell wie möglich in die internationale Community integriert, eine tolle, unvergesslich schöne Zeit!

„Es wird sich offen verachtet. Angeschrien, angepöbelt, gehasst. Und es ist, als ob Menschen ihr Spiegelbild ohrfeigen.“

Gut beobachtet, auf den Punkt formuliert, besonders der letzte Satz.

„Die Deutschen waren Charlie, sie waren Paris. In Istanbul wurden zehn - oder sind es unterdessen elf - Deutsche ermordet, es scheint keinen zu interessieren. Nicht einmal die übliche einwöchige Medienhysterie findet statt. Es sind nur Deutsche.“

Die Reaktion zu Istanbul fand ich auch unverständlich, als ob nichts geschehen wäre. Aber jedenfalls hier in den SPON-Foren hielt sich die Empathie gegenüber den Franzosen stark in den Grenzen. Vielmehr herrschte hier eine Art Selbstgefälligkeit. Den Franzosen und den Belgiern wurde die Schuld für die Attentate gegeben: Sie hätten es nicht geschafft, die Migranten zu integrieren. Zwischen den Zeilen sprach die Überzeugung, dass „wir“ es ganz anders machen werden, (denn „wir“ machen alles grundsätzlich besser als alle anderen Länder, daher wiederholen „wir“ auch gerne deren Fehler, statt daraus zu lernen). Diese Neigung zur vermehrten Arroganz beobachte ich erst seitdem Deutschland auf der internationalen politischen Bühne eine größere Rolle einnimmt und innerhalb der EU sowieso die erste Geige spielen will. Das ist manchen offenbar in den Kopf gestiegen. Nun, seitdem hat sich Vieles verändert, und heute backen „wir“ ganz kleine Bötchen angesichts der Parole: „Wir schaffen es!“

„Warum haben die Menschen das nicht schon lange vor dem Eintreffen der Geflohenen getan? Dieses seltsame: Helfen? Sich sorgen?“

Die Frage habe ich mir auch schon gestellt...

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perlipop 06.02.2016, 18:55
103.

Zitat von rantzau
mein Credo. Ich arbeite seit 20 Jahren mit Flüchtlingen, vollbezahlt und ausserhalb Deutschlands. Bei Heimatbesuchen war das Interesse an meinem Beruf zero. Was ich nicht schlimm finde, denn wie gesagt, ich war ausserhalb Europas. Allerdings fand ich es schon seltsam, daß erst als die Leutchen hier eintrafen, auf einmal so ein Hype enstand. Und vor allem, habe ich das Gefühl, vielen Menschen ging es eher um sich denn um die Sache. In der Kirche redete die Pastorin von Flüchtlingen, während das arme Rentnermütterchen in der Bank saß. Alles, was ein bisschen warnte (auch ich und meine Kollegen) musste aufpassen. Die "Flüchtlinge" sind zum grössten Teil perspektivsuchenden Migranten. Überall in den Talkshows sassen wütende LAGESO Kritikerinnen (meistens weiblich und sehr radikal, und Soialarbeiterinnen), es wurde achtlos am Penner,vorbeigestürmt. Refugees Welcome. OIch finde und fand das grottig. Kein Land würde so seine eigenen Schwachen vernachlässigen und sich auf Neuankömmlinmge stürzen.
Da kann ich nur zustimmen. Abgesehen von den vielen Menschen, die charaktermäßig eh schon hilfsbereit sind und also einem eigenen inneren Impuls folgen, gibt es eben auch viele, die sich gern im Kollektiv ein Gefühl abholen. Das wechselwirkt dann mit den Medien, die auch ganz verrückt nach diesem kollektiven Gefühlstaumel sind. Traditioneller Schauplatz für ein solches Spektakel der großen Gruppengefühle ist, wenigstens in Deutschland, das Fußballstadion. Und das ist gut so. Hier wird gern übertrieben und das ganze hat eine gewisse Choreographie.
Aber bei dieser medial präsentierten Willkommenskultur wirkte irgendetwas sehr unpassend. Das Bild was zumindest mitschwang war Folgendes: Fähnchen und Herzen für die Ersten, die es geschafft haben, sich irrgendwie bis nach Deutschland durchzuschlagen. Eine fast aufdringliche, zur Schau gestellte Hilfsbereitschaft, die sich dann eben auch schnell relativiert, weil sie übertrieben ist.
Unsere europäischen Nachbarn schauen sich das an und sagen: Hä? Was machen die Deutschen denn da?
Hilfbereitschaft und Pathos passen eben nicht zusammen finde ich. Häufig helfen einem die etwas mürrischen Menschen, eben weil sie einsehen, dass sie müssen, nicht weil sie wollen. Das sieht zwar nicht so schön aus, ist aber ehrlicher.

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Newspeak 06.02.2016, 19:15
104. ...

Vielleicht hätte man die historische Chance nutzen sollen, Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg als Staat restlos aufzulösen? Aufgeteilt auf verschiedene Staaten hätte man es vielleicht geschafft, nicht wieder zum arroganten Hegemon in Europa aufzusteigen. Aber die Kritiker hatten recht. Es hat sich schon abgezeichnet, als man im Zuge der Wiedervereinigung das bräsige aber verschlafen-nette Bonn seines Hauptstadtstatus beraubt hat. Berlin ist sicher eine tolle Stadt, aber politisch betrachtet hat sich die "Berliner Republik" immer weiter dahin zurückentwickelt, wo wir vor 100 Jahren schon mal waren. Man fühlt sich wieder wer. Man will wieder wer sein. Ein Europa, in dem im Konsens aller Länder entschieden wird, ja, in dem sogar "Minderleister" wie Griechenland dieselben Rechte haben? Undenkbar für den neuen Deutschen. Selbst das Duo mit Frankreich gibt es nicht mehr, wer sind schon die Franzosen? Überhaupt, die ganzen Nachbarländer sind nur unliebsame Konkurrenz, wenn man Panzer nach Saudi-Arabien verticken will. Hauptsache, wir sind Exportweltmeister. Hauptsache, wir haben unseren Arbeit- in einen Sklavenmarkt verwandelt. Hauptsache, uns geht es (auf dem Papier) gut. Wen interessieren schon die Europäer? Wen die Armen im eigenen Land? Egal, wir werden mit unseren sinnlosen Machtspielchen Europa wieder zerstören, vielleicht nicht durch einen Weltkrieg, aber mit wenig anderem Ergebnis. Immerhin, auch das muß man erst mal hinkriegen. Das ist der deutsche Fleiß. Und die deutsche Gründlichkeit.

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dequincey 06.02.2016, 19:17
105. Ist es vielleicht Ihr Selbsthass Frau Berg,

dem Sie hier immer wieder gerne Stimme geben? Natürlich hätten vielleicht manche der jetzigen Helfer sich auch schon früher in sozialen Projekten engagieren können, aber ist es nicht schön, dass es jetzt so viel Menschen tun? Also betrachten Sie die Welt nicht immer so missmutig aus ihrem Schweizer Edelexil, in dem die Ablehnung aller Fremden Staatsräson ist und freuen Sie sich an den positiven Seiten ihres Volkes. Ich weiß, positiv denken kann schwere Arbeit sein und ist auch nicht im jedem Fall möglich, aber
grundsätzlich lohned für das innere und äußere Gleichgewicht.

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globus1 06.02.2016, 19:19
106. Man muss von Hilfe auch etwas verstehen.

Zitat von martinbabenhausen
Die Willkommensklatscher fühlen sich gut. Doch ist es human, den Menschen vorzugaukeln, sie können hier ein neues Leben in westlichem Wohlstand finden? Ist es human, ihnen nicht von Anfang an klar deutlich zu machen, dass sie nur eine begrenzte Zeit Schutz erfahren - nämlich solange bis der erste Blauhelmsoldat dort seinen Kopf hinhält? Ist es human, Menschen in Not mit der Lüge "ihr werdet alle gebraucht und seid desshalb alle willkommen!" auf den Weg zu locken? Ist es human, diesen Menschen ein auskömmliches Leben in Lohn und Brot zu versprechen, wo alle Anzeichen der Weltwirtschaft auf eine gewaltige Rezession hindeuten - gefolgt von gewaltigen Verteilungskonflikten? Human ist allein Ehrlichkeit : wir bieten Frauen und Kindern aus Kriegsgebieten Schutz mit der deutlichen ehrlichen Ansage, dass diese später ihre Aufgabe im eigenen Land wahrzunehmen haben.
Wer im Helfen geübt ist, weiß, dass Hilfe häufig gar nicht erwünscht ist. Gesucht wird häufig nur eine Unterstützung oder eine Aushilfstätigkeit zugunsten desjenigen, der in welcher Weise auch immer bedient werden möchte. Echte Hilfe behinhaltet ja auch die Aufforderung, eine Verhaltensänderung vorzunehmen, Hilfe hat auch immer etwas mit einre Kritik und einer Erwatungshaltung des Helfenden zu tun. Wer darin völlig ungeübt ist, der sagt so Sprüche wie: "Wir schaffen das". Was meint er wirklich? Andere werden das schon irgnedwie hinkriegen! Das hat aber nur etwas mit einer simplen Wunschvorstellung zu tun. Richtig wäre es, einen echten Plan in der Tasche zu haben und den Leuten zu sagen, wie nach dem Verlauf aller Wahrscheinlichkeiten das Leben der Einströmenden hier verlaufen wird, wenn diese "keine Bildung" und keine Sprachkenntnisse mitbringen. Man muss auch ausgebildeten Menschen sagen, welche unvorstellbaren Hürden sie hier überspringen müssen und unter welchen tatsächlichen Bedingungen sie hier in Deutschland leben müssen. Das bdeutet Einpferchung in Containern auf engstem Raum in einem völlig gereizten Klima mit Menschen verschiedenster Herkunft und Bildung oder besser mit Leuten ohne nennenswerte Bildungsanteile. Aber - Wer mag wirklich schon ehrliche Leute, obwohl das immer ein Grund ist, den man bei der Suche nach anderen Menschen vorträgt?

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nobody_incognito 06.02.2016, 19:25
107. Kalte Logik

Zitat von Websingularität
Frau Sigmund Berg bzw. Sibylle Freud. Für die Obdachlosen hat sich seither keiner interessiert, weil sie bereits nach wirtschaftstauglichkeit begutachtet und aussortiert wurden. Bei Flüchtlingen wissen wir's halt noch nicht.
Das Psychologisieren ist oft wenig hilfreich um relativ einfache Sachverhalte zu verstehen. Mann sollte wissen, dass wir von Psychopathen dominiert werden und die leiden garantiert unter keinerlei Helfersyndrom, sondern kalkulieren kühl ihre Vorteile amoralisch und vorurteilsfrei. Es ist halt nur seltsam, dass diesem Prinzip dann so ein Erfolg beschieden ist und der Humanismus das Nachsehen hat. Etwas stimmt halt mit unserer Humanität nicht und eine höhere Moral, bzw. ein Ausweg kann nur auf etwas spirituelles hinaus laufen. Allerdings ist damit bestimmt nicht die christliche Moral gemeint, weil die eben eher eine humanistische und mitnichten eine spirituelle ist. Man könnte meinen der Atheismus wäre dem Christentum subliminal in die Wiege gelegt worden.

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jackoconnor 06.02.2016, 19:29
108. Frau Berg mal wieder...

Zitat: "Es wird sich offen verachtet. Angeschrien, angepöbelt, gehasst. Und es ist, als ob Menschen ihr Spiegelbild ohrfeigen". Nein, Frau Berg, so ist es beim besten Willen nicht. Es gibt noch eine ganze Menge "Biodeutsche" (furchtbarer Begriff) oder sonstige Mitbürger, die sich noch in sachlichem Ton über die Probleme der Menschheit unterhalten können. Ihre billige Polemik sorgt leider mit dafür, dass diese Menschen immer weniger werden. Ich will nicht mein Spiegelbild ohrfeigen für meinen Anblick, sondern lieber mich selbst, weil ich trotz besseren Wissens schon wieder ihre Kolumne gelesen habe. Aber Masochismus ist auch so eine typisch deutsche Eigenschaft. Und anschließendes Fremdschämen auch...

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mirror999999999 06.02.2016, 19:36
109. Ich

denke es hat schon immer Helfer gegeben, wenn auch nicht in dem Ausmaß. Aber über die wurde nicht berichtet und gejubelt.
Das hängt damit zusammen, dass die deutsche Bevölkerung dann sehen würde, was in D alles falsch läuft. Dann würde man ja das innerdeutsche Elend sehen. Das darf aber der deutsche Bürger nicht erfahren, also wird darüber einfach nicht berichtet.
Dabei sind hier doch alle reich und die Regierung macht hervorragende Arbeit für alle Deutschen.
Nein, jetzt kann die Regierung noch besser agieren:
Der Deutsche kann mal wieder die Welt retten.
Vor lauter Flüchtlingsthemen redet man ja über nichts anderes mehr. Altersarmut, Krankenhaustote, Alterheime, Wohnungsnot, immer mehr Hartz IV Aufstocker, TTIP etc.. besser kann es für die Regierung doch gar nicht laufen.

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