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Helmut Schmidt bei Maischberger: "Trost im Jenseits? Nee, brauche ich nicht"
DPA

Schmidt-Audienz bei Maischberger: Wieder einmal ließ sich der Deutschen Lieblingskanzler von seiner Lieblingsmoderatorin befragen - und gab sich dabei besonders entspannt.

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Vergil 29.04.2015, 10:15
1. Gebauchpinselt

Schmidt wird bei Maischberger und auch hier im Artikel unangemessen hofiert. Für mich liest sich der Artikel allerdings fast schon ein bißchen wie eine Satire; vielleicht ist er ja nicht ernstgemeint.

"Immer dann", heißt es da, "wenn möglichst kurze Antworten gewünscht waren, wurde es besonders unterhaltsam."

Aha. Belege für diese Unterhaltsamkeit:

Ob er die FDP vermisse? "Nicht sonderlich."
Die AfD? "Unangenehm", aber schließlich gebe es überall rechts- wie auch linksextreme Parteien.
Der künftige SPD-Kanzlerkandidat? "Nicht aktuell."
Obama ein großer Präsident? "Das würde ich so nicht unterschreiben."

Sind das "unterhaltsame" oder nicht eher "vorhersehbare" Äußerungen? Auf die Frage etwa, ob er die FDP vermissen würde, was ja nicht weniger als eine Steilvorlage war, konnte er ja kaum anders antworten. Und wenn er auf die - zudem alberne - Frage, ob Obama ein "großer Präsident" (was ist das?) sei, weder mit ja noch mit nein antwortet, dann ist seine Antwort nicht unterhaltsam, sondern allenfalls vage und ausweichend.

"Und zur Frage, ob Putin gefährlich sei, fiel ihm ein, dass er sich nicht so sicher sei, ob die USA wirklich ungefährlicher seien als Russland." - Das übliche antiamerikanische Gewäsch. "Ein Kriegstreiber sei Putin jedenfalls nicht." - Natürlich nicht. Dass Putin bereits mit der russischen Intervention auf der Krim beinahe einen Krieg ausgelöst hätte, welcher nur durch die zurückhaltende Reaktion der ukrainischen Soldaten verhindert wurde, kommt Schmidt nicht in den Sinn.

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Vanagas 29.04.2015, 10:15
2. Völlig überflüssige, teilweise peinliche Befragerei eines Mannes . . .

. . . der glaubt das Recht+ die Weisheit gepachtet zu haben.
Schmidt gab fast ausschließlich stereotype Phrasen zur Antworten.
Er soll aufhören+ seine letzten Jahre weit weg von der Öffentlichkeit geniessen!

Schmidt erinnert mich irgendwie an die Rolling Stones- den Absprung für einen würdig Abschied total verpasst. Und besser werden die Stones+ Schmidt im Alter auch nicht mehr!

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cherrypicker 29.04.2015, 10:20
3.

Deutschland geht es mitnichten "unglaublich gut". Die Anzahl der Kinder, die von Hartz IV leben müssen, ist so hoch wie nie. Und trotz Mindestlohn haben wir einen der größten Niedriglohnsektoren in Westeuropa. Menschen müssen Sozialhilfe beziehen, weil in Großstädten das Geld trotz Vollzeitjob nicht zum Leben reicht. Dafür sind die Spitzensteuersätze im Nachkriegsvergleich historisch niedrig und die Umsatzsteuer historisch hoch -- man gibt also den Reichen und nimmt denen, die eh schon wenig haben. Und die Rentenansprüche wurden so verstümmelt, dass eine gewaltige Welle von Altersarmut auf uns zurollt.

Gewiss, in Spanien müssen die Menschen zu den Tafeln der Wohlfahrtsverbänden, weil sie sich nichts mehr zu essen kaufen können und in Griechenland gehen Menschen nicht mehr zum Arzt, weil sie keine Krankenversicherung mehr haben. Und von den armen Teufeln, die sich in Nussschalen setzen, um übers Mittelmeer vor dem Flächenbrand in der arabischen Welt zu fliehen, wollen wir mal gar nicht reden.

Aber nur weil es uns relativ zu diesen anderen Menschen gut geht, geht es uns nicht "unglaublich gut". Herr Schmidt, sind sie sicher, dass da nur Tabak in Ihrer Zigarette ist? Mal im Ernst, was haben Sie geraucht?

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PatrickBe 29.04.2015, 10:23
4. Putin kein Kriegstreiber?

Wenn man Tausende russische Kämpfer, hunderte Panzer und Artillerie in die Ukraine schickt ist man kein Kriegstreiber? Wenn man wie in Debaltseve oder Ilovaisk reguläre russische Truppen gegen ein souveränes Nachbarland einsetzt ist man kein Kriegstreiber? Wenn man Teile des Nachbarlands annektiert und ein gefaktes Referendum mit vorgehaltener Waffe veranstaltet?
Schmidt verharmlost die russische Aggression gegen die Ukraine, wahrscheinlich weil er noch von rational agierenden Personen in Russland ausgeht, wie er sie aus seiner Regierungszeit kannte.

Daher kann man es ihm nicht wirklich übelnehmen, aber ich denke er blickt mit der Brille aus seiner Zeit auf die aktuellen Geschehnisse.
Die USA unter Bush waren sicher Kriegstreiber, aber für Obama gilt das sicher nicht. Obama tut eher zu wenig, beispielsweise um der Ukraine bei Ihrer Selbstverteidigung zu helfen. Insofern ist die Gleichsetzung von Obama und Putin ziemlich realitätsfern.

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bonngoldbaer 29.04.2015, 10:24
5. Nichts gewusst?

Das hängt immer von der Fragestellung ab. Dass H. Schmidt während des Krieges nie etwas von Auschwitz gehört hat, glaube ich ihm aufs Wort. Die meisten, die in Auschwitz ermordet wurden, hatten vor ihrer Ankunft diesen Namen auch noch nie gehört.
Dass der 19jährige Helmut Schmidt nichts davon mitbekommen hat, dass in einer einzigen Nacht die meisten Synagogen im Reich abbrannten, halte ich für unmöglich. Und wenn er damals schon so intelligent war wie heute, konnte er sich denken, was mit den Juden an Orten geschah, wo es keine Zuschauer gab.

Die Zahl der Wehrmachtsangehörigen, die nie etwas von Massenerschiessungen gehört hatten, dürfte nur geringfügig über Null gelegen haben. Es wäre ein merkwürdiger Zufall, wenn ausgerechnet der spätere Bundesverteidigungsminister zu diesen wenigen gehört hätte.

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wortmacht 29.04.2015, 10:25
6.

Abgesehen von seinem bescheuerten Rauchen ein interessanter Mensch. Einer mit einer Meinung. Man muss ihm nicht bei allem zustimmen, aber es tut gut jemanden zu hören der überhaupt pointierte Meinungen äußert. ...und vielem kann ich zustimmen

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mirage122 29.04.2015, 10:25
7. Immer noch blitz-gescheit

Wann hatten wir jemals so einen Politiker? Er parierte den Fragen von Frau Maischberger mit einem wachen Verstand und ausgesprochen ehrlich (wie seine Politik ja auch war). Das Geschwurbel, die Aussitz-Taktik, die Lügen und der Betrug am Volk, das jetzt stattfindet: Das alles müsste ihn doch völlig auf die Palme bringen.
Aber ich höre schon die Kritiker, die wieder anmerken, dass er während des Interviews "gefühlte" 100 Zigaretten geraucht hat. Wenn das der Grund ist, sollte Frau Merkel vielleicht auch zur Zigarette greifen. Dann braucht sie ihre lächerliche Raute als Ablenkungsmanöver nicht mehr.

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uk_hardy 29.04.2015, 10:28
8. Trost im Jenseits?

Nein, den braucht er nicht. Dazu wird es dann auch zu spät sein. Nach einem so erfüllten Leben, am Ende leer dazu stehen, ist traurig und töricht. Ein etwas verändertes Bibelwort dazu: Was nützt es, die Welt beeindruckt zu haben, aber seine Seele ein zu büßen. Herr Schmidt: Noch ist Gnadenzeit; tun Sie Buße, damit Sie nach ihrem Tode eine Fülle von Freude haben.

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Luxinsilvae 29.04.2015, 10:30
9. Bewußt an Themen vorbei moderiert.

Ich habe die Sendung aus einem Grunde geschaut. Um die Meinung Schmidts zur aktuellen Wirtschaftsflüchtlingssituation zu erfahren. Schmidt hatte ja bereits Anfang der 1980er bekundet, dass es nicht Deutschlands Aufgabe sei, "Bevölkerungsüberschüsse (damals: Ostanatoliens) aufzufangen". Ich habe die Sendung geschaut - und kein Wort dazu. Maischberger sprach über Seitensprünge, Schach und machte Werbung für E-Zigaretten. Aber kein Wort zum genannten Thema. Auch nicht zum stotternden NSU-Prozess oder aber den Aktivitäten der NSA bspw. zur Zeit der Kanzlerschaft Schmidt. Kein Wort. Dass auch der vorliegende Kommentar kein Wort dazu verliert, dafür aber die Zahl der Zigaretten mitgezählt hat, macht deutlich, dass in Deutschland nicht nur die Politik, sondern inzwischen leider auch der Journalismus nur noch simuliert wird.

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