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Helmut-Schmidt-Biografie: Schlechtes Benehmen als Privileg
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Helmut Schmidt litt laut einer neuen Biografie unter seinem Machtverlust: Der Altkanzler wurde zwar als politisches Orakel verehrt. Im politischen Betrieb allerdings hörte niemand mehr auf ihn.

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Jasro 05.10.2016, 18:04
1. Helmut Schmidt überschätzte sich selbst...

Helmut Schmidt ist einer der am meist überschätzten Politiker, vor allem durch sich selbst.

Helmut Schmidts wirtschaftspolitische Bilanz nach dem Machtverlust in Bonn 1982 war katastrophal, weshalb ja auch Hanns-Dietrich Genscher die Notbremse gezogen und die damalige sozialliberale Koalition aufgekündigt hatte. Und auch danach waren Schmidts "Ermahnungen" (oder was er darunter verstand) unerträglich. Seine Forderung, man solle China mit den "westlichen" Menschenrechten verschonen, weil Menschenrechte angeblich der chinesischen Kultur "fremd" seien, war ungeheuerlich, seine permanente selbstgerecht-arrogante Besserwisserei und Schulmeister-Attitüde, ob nun gegenüber der aktuellen Bundesregierung, dem Bundesverfassungsgericht, welchem er, als Nicht-Jurist, meinte Rechtsrat erteilen zu müssen, oder gegenüber sonst wem, waren immer schon unerträglich und am Ende nur noch peinlich.

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spontanistin 05.10.2016, 18:14
2. Menschlich, allzu menschlich.

Es dürfte jedem Zwangsrentner, der seinen Beruf engagiert und mit Kompetenz ausgeübt hat, ähnlich mit dem Bedeutungsverlust und der Ignoranz der jüngeren Besserwisser gehen. Das Problem ist eher, dass man zu oft aus manchen Menschen Übermenschen/ Heldengestalten macht, selten objektiv an der Gesamtpersönlichkeit fest gemacht, eher an einzelnen Handlungen, die oft genug auf einer Teamarbeit oder Zuarbeit von Beratern beruhen. Erkennt man dann den fehlerbehafteten und irrenden Menschen hinter dem glorifizierten Übermenschen, ist die Ent-Täuschung groß. Wer braucht Heldengestalten?

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olli08 05.10.2016, 18:17
3. Das wäre jedem passiert ...

Selbstverständlich hörte keiner (aus der Politik) mehr auf ihn. Sie haben ihn schließlich abgesägt und Politiker machen keine Fehler, außer denen natürlich, die weg vom Fenster sind. Nachher noch auf Schmidt zu hören, wäre ja das Eingeständnis eines Fehlers gewesen ...

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ludwig49 05.10.2016, 18:39
4. Helmut Schmidt war ein Kanzler...

...der sich seine Meriten verdient hat. Die sozialen Brennpunkte in der Gesellschaft hat er nicht gelöst, die Nachfolger aber auch nicht. Ein wenig geistreicher Satz von ihm war: "Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen"!
Helmut Schmidt bleibt in Erinnerung, wie er im Rauch seiner Zigarette letztlich Weisheiten von sich gab. Es ist anscheinend so, die besten Politiker sind diejenigen, die nicht mehr im Amt sind.

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fallobst24 05.10.2016, 18:42
5. Ein Mann

Helmut-Schmidt war ein durch und durch pragmatischer Mensch, dem Naivität ein Grauen war. Am Ende zählen greifbare Resultate und nicht das vor dem inneren Auge schwebende, unerreichbare Wolkenkuckucksheim. Er war ein Macher und das hat er bei der RAF und der Flutkatastrophe in Hamburg eindeutig bewiesen. Das sage ich als relativ junger Mensch. Er war auch sicher abgehoben hier und da, aber auf eine - wie ich finde - sympathische Art und Weise. Das passt zu seinem hanseatischen Duktus, macht ihn aber in unserem Land voller durchschnittlicher Graumäuse in Politik und Gesellschaft natürlich nicht unbedingt beliebt. Der Langweiler mit einem verweichlichten Charakter und Horizont von 2,5 Metern Feldweg zum Quadrat sticht weniger hervor und ist daher beliebter, weil ungefährlich. Der Vergleich zu den Politikertypus der letzten 10 Jahre ist an dieser Stelle so überflüssig wie der Vergleich von Tag und Nacht.

Helmut Schmidt gab am 09.11.2015 dem "WDR5 Redezeit" ein sehr persönliches Interview. Sehr empfehlenswert:
http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-tischgespraech/index.html
Es befindet sich auf der 2. Seite als 6. von unten.

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emo.alberich 05.10.2016, 18:50
6. Je nach Standpunkt ...

Zitat von Jasro
Helmut Schmidt ist einer der am meist überschätzten Politiker, vor allem durch sich selbst. Helmut Schmidts wirtschaftspolitische Bilanz nach dem Machtverlust in Bonn 1982 war katastrophal, weshalb ja auch Hanns-Dietrich Genscher die Notbremse gezogen und die damalige sozialliberale Koalition aufgekündigt hatte. Und auch danach waren Schmidts "Ermahnungen" (oder was er darunter verstand) unerträglich. Seine Forderung, man solle China mit den "westlichen" Menschenrechten verschonen, weil Menschenrechte angeblich der chinesischen Kultur "fremd" seien, war ungeheuerlich, seine permanente selbstgerecht-arrogante Besserwisserei und Schulmeister-Attitüde, ob nun gegenüber der aktuellen Bundesregierung, dem Bundesverfassungsgericht, welchem er, als Nicht-Jurist, meinte Rechtsrat erteilen zu müssen, oder gegenüber sonst wem, waren immer schon unerträglich und am Ende nur noch peinlich.
... Helmut Schmidt hatte wohl im Ausland mehr Bewunderer, aber auch entschiedenere Gegner als in Deutschland selbst. Wie immer: je ferner, desto geringer das Wissen und desto stärker die Überzeugung.
Die RAF Zeit war für Deutschland am härtesten, wenngleich auch andere Staaten mit Terror zu kämpfen hatten. Bis heute kann ich mir niemanden vorstellen an Deutschlands Spitze, der diese schwere Krise so meistern würde.
Als ausländischer "Schmidt-Fan" werde ich nicht enttäuscht sein vom Buch. Dass Schmidt nicht mehr gehört wurde, war doch klar, auch ohne Buch. Brandt war "Kanzler der Herzen", Schmidt der "Kanzler der Vernunft".
Für viele "Fans" dürfte sein Eintreten für
a) die Atomkraft nach dem Ölpreisschock, mit Strauss in Deutschland
b) für die Forcierung der Rückkehr des "Ghandi des Islam" nach Theheran, da war er nicht allein, USA/GB/Frankreich waren auch beteiligt,
die grössten Enttäuschungen gewesen sein.

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lenslarque 05.10.2016, 18:52
7. Mir wird

Helmut Schmidt nur als der Ostfrontoffizier in Erinnerung bleiben, der nie etwas von Nazi- und Wehrmachtsgräuel an der Ostfront auch nur geahnt hat.

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syracusa 05.10.2016, 19:20
8. Berufs- und Demonstrationsverbote, atomare Aufrüstung, Atomkraftwerke

Zitat von Jasro
Helmut Schmidt ist einer der am meist überschätzten Politiker, vor allem durch sich selbst.
Da stimme ich zu. Außerdem war er der Kanzler der Berufsverbote, der Kanzler der Atomwirtschaft und Aufrüstung, und der Kanzler, der das Dmonstrationsrecht außer Kraft setzte.

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germ 05.10.2016, 19:26
9. Helmut Schmidt

ist der Mann, der aus einer sozialen Partei, ein Ableger der CDU gemacht hat. Das ist auch der Grund, warum sich die SPD in einer Koalition mit der Union nie durchsetzen konnte. Schmidt hat die Sozialdemokraten verraten. Davon haben sie sich bis heute nicht erholt.

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