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Herbert Grönemeyer im Interview: "Keiner traut sich, Dinge zu ändern, egal wo"
DPA

Herbert Grönemeyer blickt zurück, mit einer 23 CDs starken Retrospektive - beim Hören sinniert der Sänger über Fußball von 1984, die Macht des Popstars und darüber, was Künstler gegen Populisten ausrichten können.

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ludna 06.12.2016, 10:45
1. Ich mag Grönemeyers frühen Lieder und Texte

noch immer. Aber bei Politik sollte er sich langsam an Bob Dylan orientieren.

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hasimen 06.12.2016, 10:47
2.

Warum wird vorausgesetzt das " Künstler etwas gegen Populisten auszurichten" haben ? Künstler sind an sich ja selber Populisten, andernfalls hätten sie ja kein Zielszenario, keinen Anspruch sich als Künstler zu definieren. Wobei ich mir bei so manchem "intellektuell" platten ( sg. ) Künstler frage wie und wer einen Künstler als solchen definiert. Ist das hier schon ein Versuch der Medien die angeblich "künstlerisch" Schaffenden politisch zu instrumentalisieren, also die Kopie der US-Wahl schon mal auf das Volk loszulassen ??? Dann viel Spaß dabei, das geht in DE ziemlich in die Hose.

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combattant 06.12.2016, 10:49
3. Wow!

Großartiges Interview, von beiden Seiten. Danke.

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mr.brand 06.12.2016, 11:37
4.

Zitat von hasimen
Warum wird vorausgesetzt das " Künstler etwas gegen Populisten auszurichten" haben ? Künstler sind an sich ja selber Populisten, andernfalls hätten sie ja kein Zielszenario, keinen Anspruch sich als Künstler zu definieren. Wobei ich mir bei so manchem "intellektuell" platten ( sg. ) Künstler frage wie und wer einen Künstler als solchen definiert. Ist das hier schon ein Versuch der Medien die angeblich "künstlerisch" Schaffenden politisch zu instrumentalisieren, also die Kopie der US-Wahl schon mal auf das Volk loszulassen ??? Dann viel Spaß dabei, das geht in DE ziemlich in die Hose.
Naja, bis zu einem gewissen Punkt haben Sie schon recht...ich denke aber nicht, dass es bei der Kunst um Populismus geht - eher um Schaffensdrank und dem Wusch seiner Kreativität Ausdruck zu verleien. Natürlich ist das immer auch ein Statement (ob man will oder nicht) aber ich denke nicht das jemand wir van Gogh oder Stockhausen populistische Motive hatte - jedenfalls nicht vordergründig...

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basecape-man 06.12.2016, 11:44
5. guter anlass dem mann mal danke zu sagen..

wahrscheinlich ahnt er garnicht welch positive wirkung seine musik hat.mir als ex ossi hat sie in mancher stunde geholfen und auch heute noch hilft.ein typ den man gern als kumpel hätte

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münchen1975 06.12.2016, 12:10
6. Auch bei der Musik ist der Souverän immer noch das Volk

Manchmal habe ich das Gefühl, daß hinter der Forderung, Künstler "müssen" sich politisch engagieren, immer eine geheime Sehnsucht nach einem "Führer" steckt, der den Leuten sagt, wo's langgeht. In diesem Fall zwar ein "guter" Führer, aber eben doch: Ein Führer. Der Souverän in einer Demokratie ist aber immer noch das Volk.

War es in den 60ern wirklich so, daß Künstler wie Bob Dylan ein rebellisches politisches Bewußtsein bei der Jugend erst erschaffen haben? Ich denke eher, es war umgekehrt: Nach den angepaßten 50ern hatten die Jugendlichen damals schon längst das Gefühl, es müsse sich etwas ändern. Leute wie Bob Dylan haben dieses bereits vorhandene, aber noch unartikulierte Lebensgefühl auf den Punkt gebracht - und dadurch erst kamen sie groß raus, wurden zur "Stimme ihrer Generation". Hätte die Jugend kein Bedürfnis nach Veränderung gehabt, Bob Dylan wäre völlig unbekannt geblieben.

Dazu hatte Rockmusik in den Zeiten vor dem Internet eine ganz andere Bedeutung: Man traf sich in Konzerten, Plattenläden, Rockkneipen, unterhielt sich mit Gleichgesinnten über Musik, Politik und Alltag. So entstand Gemeinschaftsgefühl. Quasi die sozialen Medien von damals. Heute aber findet dergleichen im Internet statt, auch das ein Grund, weshalb Stars heute immer weniger politisch sind.

Und nachdem es damals wie heute die Leute sind, die bestimmen, von wem sie sich etwas sagen lassen und wen sie für "abgehoben" halten, können Versuche von Stars, politisch wirken zu wollen, auch gewaltig in die Hose gehen. Bei den US-Wahlen haben sich bis auf vereinzelte Ausnahmen (Clint Eastwood, Mike Tyson, Kid Rock) praktisch sämtliche Stars aus Hollywood und Popbusineß für Clinton ausgesprochen. Das Ergebnis kennen wir ja.

Die Leute sind doch nicht so autoritätsgläubig, Hillary Clinton zu wählen, nur weil Lady Gaga ihnen das gesagt hat! Ein spöttisches Zitat von Donald Trump hierzu: "Als Madonna bei einer Show ihren Zuhörern sagte, sie sollen Obama wählen, haben viele Leute das Konzert verlassen. Ich bin schon vor Jahren mal bei einem Konzert von ihr rausgegangen, weil es furchtbar war."

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Bondurant 06.12.2016, 12:39
7.

Das Übliche: Abgehobener Künstler (Berlin – London, alles klar) beklagt Dummheit der Massen. Selbstkritik kommt nur insoweit auf, als man sich bescheinigt, seinen Erziehungsauftrag nicht ernst genug genommen zu haben. Herbert weiß also jetzt, wie Faschismus entsteht, aha. Ich glaub' nicht, dass er es wirklich versteht. Es geht da nämlich um Leute, die aus Verzweiflung und Angst denjenigen zulaufen, die ihnen sagen: wir sind die Euren. Man müsste das verhindern, indem man den Leuten das Gefühl gibt, nicht die Petrys und Straches seien die ihren, sondern die Grönemeyers und Klebers und Willemsens etc. pp. Aber das schaffen diese Leute einfach nicht, ihr Widerwille ist zu deutlich spürbar, auch in diesem Interview.

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bestrosi 06.12.2016, 12:42
8. gute Musik, das war's aber auch

Gröni hat gute Musik gemacht, zumindest bis Luxus, danach war's zunehmend manieristisch. Was seine Politikaussage angeht, typisch Künstler, naiv-idealistisch und völlig überzogen. Shut up and sing, heißt das in den USA.

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skeptiker53 06.12.2016, 13:01
9. Es ist gut und schön....

Es ist gut und schön, Texte und Musik von Herbert Grönemeyer begleiten mich seit ung. 35 Jahren, und machen immer noch tiefe Freude. Danke dafür.
Der Mann ist ein großer Dichter, obwohl ihm nachgesagt wird, dass er scheinbar Unzusammenhangendes textet. Ich verstehe stets, was gemeint ist und es trifft immer den Kern.
Und es braucht auch keine explizit politische Aussagen seinerseits. Man versteht auch so, was menschliches Zusammenleben an Vorraussetzungen bedarf. Es ist alles in seine Musik....

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