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"Hingabe" von Patti Smith : Wie man sich vom "So macht man das" befreit
Edward Mapplethorpe/ KiWi

Patti Smith hat ihre erste Kurzgeschichte geschrieben. Es ist eine Parabel über Kreativität - versteckt in einem Werkstattbericht, in dem die Sängerin erzählt, wie sie arbeitet.

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Hexavalentes Chrom 09.05.2019, 16:09
1. Voller Hingabe

Zitat von nobody_incognito
George Orwell schreibt: Desire to see things as they are, to find out true facts and store them up for the use of posterity. Das wäre dann das genaue Gegenteil von "Kreativität", d.h. der Wunsch und die Suche nach Erkenntnis. In diesem Sinne kann man "Hingabe" als die Überwindung des Egos in Richtung "Objektivität" verstehen. "Kreativ" ist das Ego nur im Sinne einer konstruktiven Verdrehung der Wirklichkeit in eigenem selbstreferenziell irrationalem Sinne (vgl. kreative Buchführung), denn es hat vom eigentlichen Sinn ja gar keine Ahnung - der findet dann im tiefenpsychologischen Unterbewusstsein statt. Also hat "wahre" Kunst dann auch unabdingbar mit Bewusstseinserweiterung zu tun, bzw. der Bewusstwerdung der unbewussten Prozesse.
Ich glaube, dass die "Poetin" nichts dem Zufall überlassen hat. Ihre Einschreibung - outside of society - nimmt sie fortlaufend zurück mit ihrer künstlerischen Austrocknung und Anpassung an die Feuilletons des Gestrigen. Es steht zu vermuten: Alles war nur Pose. Voller Hingabe. Am Ende fliegt einem das alles um die Ohren.

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nobody_incognito 09.05.2019, 16:58
2.

Zitat von Hexavalentes Chrom
Ich glaube, dass die "Poetin" nichts dem Zufall überlassen hat. Ihre Einschreibung - outside of society - nimmt sie fortlaufend zurück mit ihrer künstlerischen Austrocknung und Anpassung an die Feuilletons des Gestrigen. Es steht zu vermuten: Alles war nur Pose. Voller Hingabe. Am Ende fliegt einem das alles um die Ohren.
KünstlerIn kann man nicht sein wollen - man ist wenn man es ist. D.h. es ist eher ein Drang der dahintersteht, ein empfundenes / wahrgenommenes Sinnvakuum zu füllen und sich durch das künstlerische Ausagieren mehr oder weniger manische Erleichterung zu verschaffen. Deshalb wird Künstlern oft auch Manische-Depression attestiert, d.h. es mischt sich auch die Resonanz des Publikums und die Illusion in Gestalt einer fehlenden Wirksamkeit. Die Wirksamkeit findet aber nur auf der geistigen (Selbst-)Erkenntnis-Ebene statt.

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sekundo 09.05.2019, 17:13
3. Es mag ja sein,

dass diese "Sängerin" eine Poetin ist.
Musikalisch betrachtet wird die Frau,
was Stimmumfang, Timbre, fehlender
Soul und miserabler Intonation nur
von Lou Reed übertroffen! Aber die
kommen auch aus dem gleichen "Stall"!
Clever, wie beide sind, haben sie sich
selbst zu avantgardistischen Stil-
Ikonen erklärt und das Feuilleton und
der gemeine Musik-Konsument fiel
darauf herein. Ripp-Off, nothing else!
Lasst sie Gedichte schreiben und
gut isses!

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nobody_incognito 09.05.2019, 18:05
4.

Zitat von sekundo
dass diese "Sängerin" eine Poetin ist. Musikalisch betrachtet wird die Frau, was Stimmumfang, Timbre, fehlender Soul und miserabler Intonation nur von Lou Reed übertroffen! Aber die kommen auch aus dem gleichen "Stall"! Clever, wie beide sind, haben sie sich selbst zu avantgardistischen Stil- Ikonen erklärt und das Feuilleton und der gemeine Musik-Konsument fiel darauf herein. Ripp-Off, nothing else! Lasst sie Gedichte schreiben und gut isses!
Kunst hat m.E. viel mit Psycho-Therapie zu tun. Und dann hängt es ab, ob man sich mit den authentischen Sorgen des Künstlers identifizieren kann, oder auch mit seinem Narzissmus. An sich sind Künstler die man mag immer auch "Seelenverwandte", d.h. sie schreiben/singen/malen uns selbst zumindest teilw. aus der Seele.

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Hexavalentes Chrom 09.05.2019, 18:50
5. Delirien

Zitat von nobody_incognito
KünstlerIn kann man nicht sein wollen - man ist wenn man es ist. D.h. es ist eher ein Drang der dahintersteht, ein empfundenes / wahrgenommenes Sinnvakuum zu füllen und sich durch das künstlerische Ausagieren mehr oder weniger manische Erleichterung zu verschaffen. Deshalb wird Künstlern oft auch Manische-Depression attestiert, d.h. es mischt sich auch die Resonanz des Publikums und die Illusion in Gestalt einer fehlenden Wirksamkeit. Die Wirksamkeit findet aber nur auf der geistigen (Selbst-)Erkenntnis-Ebene statt.
Es ist, wie sicherlich alle Kunst, geschicktes Selbstmarketing. Als sie das Trunkene Schiff entdeckte, wusste sie, was zu tun war. Sie wurde Madame Rimbaud, was es ihr erlaubte, ihre Dilettanz als "maudit", vulgo "Punk", was sie nie war, auszuleben. Jesus died for somebody's sins but not mine. Mapplethorpe erschuf die Ikonagraphie dazu und dann erklang: Pissing in a river. Ihr trunkenes Schiff. Das erste Kirchenlied in ihrer Kathedrale. Hingabe war bei ihr stets gut getarnte Aufgabe. Es wirkte delirierend, und war doch nur Berechnung. Es ist alles vorbei.

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sekundo 09.05.2019, 18:54
6. Sie müssen mich,

Zitat von nobody_incognito
Kunst hat m.E. viel mit Psycho-Therapie zu tun. Und dann hängt es ab, ob man sich mit den authentischen Sorgen des Künstlers identifizieren kann, oder auch mit seinem Narzissmus. An sich sind Künstler die man mag immer auch "Seelenverwandte", d.h. sie schreiben/singen/malen uns selbst zumindest teilw. aus der Seele.
als studiertem Musker, der auf eine
erfolreiche Karriere als sideman und
Studiomusiker blicken kann, nicht
zu meinen Beruf unterweisen und
belehren! Und eine Psychotherapie
brauchte ich bis jetzt auch nicht.
Also, Ihre Räuberpistolen, die nix
mit dem real existierenden Leben
eines Künstlers zu haben, behalten
Sie besser für sich!!

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nobody_incognito 09.05.2019, 19:11
7.

Zitat von sekundo
als studiertem Musker, der auf eine erfolreiche Karriere als sideman und Studiomusiker blicken kann, nicht zu meinen Beruf unterweisen und belehren! Und eine Psychotherapie brauchte ich bis jetzt auch nicht. Also, Ihre Räuberpistolen, die nix mit dem real existierenden Leben eines Künstlers zu haben, behalten Sie besser für sich!!
Na gut, sie definieren Kunst als Können, welches Sie sich angeeignet haben und mit dem Sie das Publikum unterhalten, welche Leistung Sie sich dann mittels der gängigen Tauschmittel vergüten lassen. Nun will ich Ihnen da einerseits nicht reinpfuschen und geh mal davon aus, dass Sie darüber erhaben sind auf mein persönliches Interesse an Ihrer Kunst verzichten zu dürfen. ;-)

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vera gehlkiel 09.05.2019, 19:15
8.

I'm so sorry, dies ist mir alles entschieden zu "intersexuell". Schon ihr "Just Kids" lebte, so ähnlich wie die schlechteren Sachen von de Beauvoir, von der Genialität einer männlichen Jahrhundertgestalt, in dem Fall von Mapplethorpe, dem größten und aufregendstem Fotografen der Menschheitsgeschichte. Wo es de Beauvoir, die wohl Sartre ebenso "gemacht" hat wie Smith Mapplethorpe, als höchst charmanter Intelligenzbestie ihrer Natur nach freimütig gelang, der traditionellen weiblichen Aufgabe, eine Muse zu sein, eine neue, steil und brandheiss bis ins Post- Postmodernikum herüber ragende, ferner von Geschlechtervorbehalten komplett abgewaschene Bedeutung zu geben (in dem Sinn waren Reed, Bowie und Basquiat Warhol -Musen etc.pp), muss man ehrlich zugeben, dass Smith in ihrer ewigen Happy Hippieness und gekünstelten "Wahrhaftigkeit" ziemlich fruchtlos im flachen Teich kunstgewerblicher Business herumduempelt. Ich warte auf die Beantwortung der Frage, warum wir Frauen, die ganz natürlichen Originalkuenstlerinnen der Weltgeschichte im Sinn eines je auch nur gelinde sich Erweiterung zutrauenden Kunstbegriffes, im Moment überhaupt noch was anderes machen als Schreiben. Da wirste allerdings beim Kalenderspruchexistentialismus des Albert Camus nicht weit kommen, alte Schwester.

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nobody_incognito 09.05.2019, 19:32
9.

Zitat von vera gehlkiel
I'm so sorry, dies ist mir alles entschieden zu "intersexuell". Schon ihr "Just Kids" lebte, so ähnlich wie die schlechteren Sachen von de Beauvoir, von der Genialität einer männlichen Jahrhundertgestalt, in dem Fall von Mapplethorpe, dem größten und aufregendstem Fotografen der Menschheitsgeschichte. Wo es de Beauvoir, die wohl Sartre ebenso "gemacht" hat wie Smith Mapplethorpe, als höchst charmanter Intelligenzbestie ihrer Natur nach freimütig gelang, der traditionellen weiblichen Aufgabe, eine Muse zu sein, eine neue, steil und brandheiss bis ins Post- Postmodernikum herüber ragende, ferner von Geschlechtervorbehalten komplett abgewaschene Bedeutung zu geben (in dem Sinn waren Reed, Bowie und Basquiat Warhol -Musen etc.pp), muss man ehrlich zugeben, dass Smith in ihrer ewigen Happy Hippieness und gekünstelten "Wahrhaftigkeit" ziemlich fruchtlos im flachen Teich kunstgewerblicher Business herumduempelt. Ich warte auf die Beantwortung der Frage, warum wir Frauen, die ganz natürlichen Originalkuenstlerinnen der Weltgeschichte im Sinn eines je auch nur gelinde sich Erweiterung zutrauenden Kunstbegriffes, im Moment überhaupt noch was anderes machen als Schreiben. Da wirste allerdings beim Kalenderspruchexistentialismus des Albert Camus nicht weit kommen, alte Schwester.
Die Frau fungiert m.E. eher als "Rätsel" bzw. "Sphinx". In diiesem Sinne ist von weiblicher Kunst nicht viel "Hilfe" zu erwarten, d.h. selbst ist "der" Mann. ;-)
Die Frau scheint eher der Neutralität verpflichtet...

One pill makes you larger
And one pill makes you small
And the ones that mother gives you
Don't do anything at all

White Rabbit

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