Forum: Kultur
Holocaust-Gedenkstätten: Der Tiefpunkt
DPA

Man wird doch wohl noch Witze im KZ machen dürfen. In der Hoffnung, auch noch den letzten Nazi als Wähler zu gewinnen, verweigern rechte Politiker jeden Respekt vor KZ-Opfern.

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looofy 20.01.2019, 13:25
100. Holocaust-Überlebende Erna de Vries am 27. Januar 2019 um 15.00 Uhr...

... in der KZ Gedenkstätte Esterwegen im Emland. Diese unglaublich starke, fast 100 jährige Frau, wird dort berichten.Es ist tatsächlich und wahrhaftig geschehen und daher ist es möglich das es wiedergeschehen kann!
Hört es euch an! Ende...

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Lykanthrop_ 20.01.2019, 13:28
101.

Zitat von x+n
Nein, wir sollten nicht "Demut lernen" für etwas, das weder Sie noch ich getan haben und auch nicht vor haben tun zu werden. Und gerade in Deutschland gibt es kein "Gefühl der Überlegenheit" sondern eher ein Gefühl der Minderwertigkeit aufgrund der Geschichte.
Es geht nicht um das was Sie nicht getan haben sondern um unsere Geschichte und das was wir getan haben. Wir tragen keine persönliche Verantwortung für die Vergangenheit, aber dafür, dass sie sich nicht wiederholt. Ich denke, dass Deutschland bzw die Deutschen kein gesundes Verhältnis zu sich selbst gefunden hat. Die Einen wollen die Vergangenheit relativieren um wieder stolz auf Deutschland sein zu können, die anderen gerieren aus dem Täterbewusstsein ihrerseits ihren eigenen Hochmut, moralischen Chauvinismus. Die Nazizeit bestimmt uns noch heute.

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CobCom 20.01.2019, 14:07
102.

Zitat von michaelneiss
h1elmann, Ihre Unterstellung bezüglich eines "Wettbewerbs der Empörung" sagt mehr über die Beweggründe für Ihre Kommentare aus, als Ihnen lieb sein kann (Stichwort "Selbstdarstellungszwang")! Andere Leute sind indes weniger selbstbezogen, sondern sorgen sich aufrichtig um Deutschlands Zukunft. Ich bin bereits vor 20 Jahren aus diesem Lande ausgewandert und habe bei meinen Besuchen in der alten Heimat feststellen müssen, wie das Gift von Nationalismus und Chauvinismus immer weiter in die Mitte der Gesellschaft einsickert. Die fahnenschwenkende Massenbewegung im Rahmen der WM von 2006 war dabei ein deutlicher Indikator für eine fortschreitende Normenverschiebung, die so etwas wie die AfD erst möglich gemacht hat.
Vor 20+ Jahren haben wir, dann also auch Sie, ganz brav und freundlich noch einer Menge Top-Nazikadern das Ruhestandsgeld bezahlt. Die Strafverfolgung ist peinlicherweise fast komplett unterblieben und die ein, zwei kleinen Lichter, die jetzt nach Abtritt der Haupt- und Mitteltäter im Alter von 90+ vor den Kadi gezerrt werden, ändern daran überhaupt nichts.
Zur Zeit Ihrer Auswanderung war dieses "Nazigift" also noch ganz ganz tief in der Gesellschaft, in Gestalt der originär handelnden Personen.
Ehrlich gesagt sind mir da ein paar Identifizierbare, aber in Summe deutlich weniger wie heute, lieber. Vom Untertauchen sind die nämlich nicht weg, s.o..
Und natürlich ist das Wort "lieber" in diesem Kontext relativ zu verstehen.

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schwarzsauer 20.01.2019, 14:30
103. Weil es gerade so schön passt:

"[...] auf der Wartburg hingegen herrschte jener beschränkte Teutomanismus, der viel von Liebe und Glaube greinte, dessen Liebe aber nichts anders war als Haß des Fremden und dessen Glaube nur in der Unvernunft bestand, [...]. Mit welchem kleinseligen Sylbenstechen und Auspünkteln dikutirten sie über die Kennzeichen deutscher Nazionalität! wo fängt der Germane an? wo hört er auf? [...] Wer nur im siebenten Glied von einem Franzosen, Juden oder Sklaven abstammte, ward zum Exil verurtheilt. Wer nur im mindesten etwas gegen Jahn oder überhaupt gegen altdeutsche Lächerlichkeiten geschrieben hatte, konnte sich auf den Tod gefaßt machen, [...]. Sind diese dunklen Narren, die sogenannten Deutschthümler, ganz vom Schauplatz verschwunden? Nein."

Heinrich Heine: Ludwig Börne. Eine Denkschrift. 1837-1839.

Auch nach 180 Jahren und der Shoah bleibt die Antwort auf die Frage die gleiche.

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vera gehlkiel 20.01.2019, 15:01
104. @Koana

Ich habe, namentlich durch Sachbücher zur ganzen Hitlerei, für mich den relativ nachhaltigen Eindruck gewonnen, dass ein wesentliches Moment dessen, dass das alles so "reibungslos" funktioniert hat, in der kritiklosen Ausbreitung des "Führerprinzips" bis hin zum berühmt berüchtigten "Blockwart" runter lag. Dass Menschen in der Unfreiheit nicht nur Karrierevorteile für sich sahen, sondern diese auch einfach die bequemste Alternative darstellte. Auf's Militär bezogen: es war leichter, ein paar hundert "Untermenschen" zu erschiessen (über die ja sowieso fast alle anderen schon gesagt hatten, dass sie so sind wie Ungeziefer, und dazu eine ernste Bedrohung) als ein "schlechter Kamerad" zu sein. Die Erschiessungen kann man, so wird da wohl gedacht worden sein, mit je einigen Litern Alkohol "ungeschehen" machen, aber auf die Kameraden ist man jahrelang, auf unabsehbare Zeiten hin sogar, angewiesen. In diesen Bildern lernend ist und kann nur Disversifikation eine Option gegen den Totalitarismus sein. Sollte "Freiheit" auch als noch so anstrengend empfunden werden. Der Existenzialismus, ungefähr begonnen bei Pascal und Spinoza, später Kierkegaard und natürlich Sartre, verknüpfte Freiheit und Angst, und die menschliche Freiheit ist gewisser Massen sogar ein Synonym für Angst. Wobei "Angst" aber etwas anderes, nämlich persönliches, ist wie die quasi institutionalisierte "Furcht". Angst lässt sich gestalten, Furcht nicht, so herum wird, wenn ich es richtig verstehe, ein Schuh daraus. Und deswegen heisst "Annahme" geschichtlicher Tatsachen, sich seinen "Ängsten" zu stellen, zu begreifen, dass man dazu offen ist, betreffend alle Zukunft, und aus bitterer Notwendigkeit. Für die eigene Ehre, das eigene Gewissen, für die, die nachkommen. Und deswegen ist die Holocaustrelativierung würdelos, schamlos, und zwangläufig eine Verleugnung des Ich. "Björn Höcke" gibt es zwar, allerdings existiert er gar nicht, in dem Sinn, in dem das "Ich" ein Überschreiten der Vergangenheit "mitsamt" einer radikal offenen Zukunft bedeutet. Er ist ein unmöbeliertes, unbewohntes Haus ... und doch ein Mensch, nicht anders als wir alle. Versehen mit dem Potential, dass jemand einziehen könnte, und Möbel reinstellen...

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planet335 20.01.2019, 15:17
105. Danke Frau Berg

Der Spiegel sollte vielleicht mal darüber nachdenken, die gesammelten Kolumnen von Frau Berg als Buch herauszugeben. Ich hätte in meinem Umfeld einige Wohlstandsverwahrloste, die es noch nicht komplett aufgegeben haben, die Murmel auf dem Hals zum Denken zu Missbrauchen, denen ich ein Exemplar schenken würde.

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Lykanthrop_ 20.01.2019, 15:21
106. an vera gehlkiel Nr. 105

Sie schreiben immer so schön eloquent, das liest sich gut.
Wir sollten alle froh sein heute zu leben und nicht zur Nazi-Zeit.
Ich weiß nicht wie ich mich verhalten hätte oder hätte müssen ?

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nobody_incognito 20.01.2019, 15:22
107.

Zitat von vera gehlkiel
Ich habe, namentlich durch Sachbücher zur ganzen Hitlerei, für mich den relativ nachhaltigen Eindruck gewonnen, dass ein wesentliches Moment dessen, dass das alles so "reibungslos" funktioniert hat, in der kritiklosen Ausbreitung des "Führerprinzips" bis hin zum berühmt berüchtigten "Blockwart" runter lag. Dass Menschen in der Unfreiheit nicht nur Karrierevorteile für sich sahen, sondern diese auch einfach die bequemste Alternative darstellte. Auf's Militär bezogen: es war leichter, ein paar hundert "Untermenschen" zu erschiessen (über die ja sowieso fast alle anderen schon gesagt hatten, dass sie so sind wie Ungeziefer, und dazu eine ernste Bedrohung) als ein "schlechter Kamerad" zu sein. Die Erschiessungen kann man, so wird da wohl gedacht worden sein, mit je einigen Litern Alkohol "ungeschehen" machen, aber auf die Kameraden ist man jahrelang, auf unabsehbare Zeiten hin sogar, angewiesen. In diesen Bildern lernend ist und kann nur Disversifikation eine Option gegen den Totalitarismus sein. Sollte "Freiheit" auch als noch so anstrengend empfunden werden. Der Existenzialismus, ungefähr begonnen bei Pascal und Spinoza, später Kierkegaard und natürlich Sartre, verknüpfte Freiheit und Angst, und die menschliche Freiheit ist gewisser Massen sogar ein Synonym für Angst. Wobei "Angst" aber etwas anderes, nämlich persönliches, ist wie die quasi institutionalisierte "Furcht". Angst lässt sich gestalten, Furcht nicht, so herum wird, wenn ich es richtig verstehe, ein Schuh daraus. Und deswegen heisst "Annahme" geschichtlicher Tatsachen, sich seinen "Ängsten" zu stellen, zu begreifen, dass man dazu offen ist, betreffend alle Zukunft, und aus bitterer Notwendigkeit. Für die eigene Ehre, das eigene Gewissen, für die, die nachkommen. Und deswegen ist die Holocaustrelativierung würdelos, schamlos, und zwangläufig eine Verleugnung des Ich. "Björn Höcke" gibt es zwar, allerdings existiert er gar nicht, in dem Sinn, in dem das "Ich" ein Überschreiten der Vergangenheit "mitsamt" einer radikal offenen Zukunft bedeutet. Er ist ein unmöbeliertes, unbewohntes Haus ... und doch ein Mensch, nicht anders als wir alle. Versehen mit dem Potential, dass jemand einziehen könnte, und Möbel reinstellen...
"Die Tat" ist etwas physisches, die aus dem Geist ihre Legitimation bezieht. Wir sind wiederum Organismen, die durch Empfänglichkeit diesen oder jenen Geist manifestieren. Im Prinzip ist es das Element des Verstandes und das Element des Gewissens das uns ausmacht. Beides zu EINER Rationalität zu vereinen, wird wohl ein Schöpfungsziel sein.
"Wer mit 20 kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit 40 immer noch Kommunist ist, hat keinen Verstand."
Irgendwo muss man zwangsläufig "transzendieren", d.h. es auf die "Zukunft" bzw. auf das Seelenheil verschieben, wenn man denn nicht dem Zynismus verfallen will.

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nobody_incognito 20.01.2019, 15:30
108.

Zitat von looofy
... in der KZ Gedenkstätte Esterwegen im Emland. Diese unglaublich starke, fast 100 jährige Frau, wird dort berichten.Es ist tatsächlich und wahrhaftig geschehen und daher ist es möglich das es wiedergeschehen kann! Hört es euch an! Ende...
Es kann alles mögliche geschehen und eigentlich muss auch was geschehen.
Man darf ja nicht vergessen, dass es viele "Gerechte unter den Völkern" gab, die ihr Leben gelassen haben. Aber bestimmt auch nicht für das was wir jetzt haben, bzw. letztlich ist/wär es ja auch egal ob man sein Leben gelassen hätte oder nicht. Ich glaub kein Märtyrer/Ketzer/Aufklärer ist für das gestorben was jetzt ist und Jesus erst Recht nicht. ;-)

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Garda 20.01.2019, 16:23
109. Nicht nur Nazis

Zitat von HolmWolln
So empfinde ich die Beiträge, der sich zu echt angesprochen fühlenden Nazis und Rasisten im Forum.....
Das Problem ist viel komplexer. Für einen Teil der jüngeren Generation ist dabei ein Horror-Feeling wie aus dem Video-Clip ein besonderer Kick. Unlängst in Dachau beobachtet: Selfies vor und AUF den Schlafpritschen der rekonstruierten Baracke. Dito in der Gaskammer mit verdrehten Augen und anderen "spaßigen" Verrenkungen. Sprache der betreffenden: Englisch (Amerikanisch). Und laut anderen Besuchern alles andere als ein Einzelfall..... und kein "deutscher Fall".....

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