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Homöopathie: Staatlich gefördertes magisches Denken
DPA

Natürlich dürfen Menschen versuchen, ihre Leiden mit Globuli zu lindern, obwohl die nicht besser wirken als Placebos - klar ist aber auch: Sie helfen damit vor allem denen, die an homöopathischen Mitteln verdienen.

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ancoats 11.09.2019, 13:36
290.

Zitat von claudiusk
... Frau Stokowski recycelt die üblichen Argumente der Homöopathie-Gegner! War die Deadline so knapp, dass gar kein eigenständiger Gedanke gebildet werden konnte? Dabei gibt es ja Experimente, die auf spezifische physikalisch-chemische Eigenschaften potenzierter Präparate hindeuten, https://www.liebertpub.com/doi/pdf/10.1089/acm.2019.0064 und Studien, die angeblich die Unwirksamkeit der Homöopathie belegen, tun das auf den zweiten Blick doch nicht: https://www.bph-online.de/hintergruende-zur-veroeffentlichung-der-australischen-studie/ Es lässt sich auch einiges zu dem Vorgehen der sogenannten Skeptiker sagen, die seit einiger Zeit eine Kampagne gegen die Homöopathie betreiben: https://www.bph-online.de/brief-an-gesundheitsminister-spahn/ Und so weiter. Aber wir wollen ja nicht zu viel von Frau Stokowski verlangen.
Offensichtlich kann man die fehlende Wirksamkeit von Globuli (abgesehen ggf. vom Placeboeffekt) doch gar nicht oft genug betonen, wenn es immer noch Menschen gibt, die von"spezifischen physikalisch-chemischen Eigenschaften potenzierter Präparate" faseln. Fehlt eigentlich nur noch irgendein Blödsinn über Quantenmechanik/-physik, dann wäre das Homöopathen-Abakadabra perfekt...

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ancoats 11.09.2019, 13:44
291.

Zitat von stadtmöwe
(...) Es gibt so viele Dinge zwischen Himmel und Erde, die die Naturwissenschaft noch gar nicht durchschaut - und alle seriösen Wissenschaftler werden dem zustimmen. Der wissenschaftliche Stand von gestern ist heute oft schon überholt, besonders im medizinischen Bereich. (...)
Richtig - es ist allerdings allein die Homöopathie, die seit dem 18. Jahrhundert immer das Gleiche behauptet und sich durch keinerlei neue wissenschaftlichen Erkenntnisse von ihren Behauptungen abbringen lässt. Und allein damit hat sie sich dann eben auch schon als seriöse Wissenschaft vollständig diskreditiert.
Im übrigen ist auch die Behauptung falsch, dass Homöopathie im Gegensatz zur Medizin den Ursachen auf den Grund ginge. Billiger symptomorientiert als "Gleiches mit Gleichem heilen" geht nicht.

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ancoats 11.09.2019, 13:46
292.

Zitat von stadtmöwe
Ich bin auch Widder, also das kann es nicht sein. Die Frage ist, ob der Verstand offen ist oder nicht.
Der Verstand sollte allerdings niemals so offen sein, dass alle nennenswerten Gedanken in alle Richtungen herausfallen.

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uwe4321 11.09.2019, 13:47
293. natürlich funktioniert Homöopathie!

Beispielsweise ein paar Tropfen Ledum Urtinktur ins Bier geben!
...früher war in "Berserkerbier" auch schon mal Ledum palustre (Sumpfporst) verbraut.
Ob man sich nach dem Genuß wie ein Berserker fühlt, weiß ich aber nicht, ich merk nix.
...doch halt! Der Kopfschmerz am nächsten Tag! ;-)

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CancunMM 11.09.2019, 13:48
294.

Zitat von spon-facebook-10000230792
Dass der Homöopathie die wissenschaftlichen Nachweise fehlen ist sicherlich richtig. Ist dass ein Grund sie aus den Kassenkatalog zu nehmen, mag sein. Dann müssen aber noch viele andere schulmedizinischen Therapien gestrichen werden. Von Wirbelsäulenooerationen, über Kniearthroskopuen, zu Statinenen und vielen Krebsetherapien die weder heilen, noch das Leben wissenschaftlich belegt verlängern sondern nur dem Patienten und den Liebenden vorgaukeln dass man etwas gemacht hat. Und so praktizieren die Ärzte was im Englischen als practice übersetzt wird. Und zurückübersetzt kommen wir dann beim Üben an, nur halt am Menschen. Es gibt noch viel zu lernen.
Das ist völliger Blödsinn, den Sie hier von sich geben. Wird teilweise zu früh und zu oft operiert ? Ja. Haben diese Therapien deswegen gar keine Wirkung ? Nein !. Sowohl Wirbelsäuelnoperationen als auch Kniearthroskopien haben bei der richtigen Indikation eine Berechtigung, aber eben nicht immer. Homöopathie hat dagegen über den Placeeffekt hinaus nie eine Wirkung. Ich kann eine Dx von A nehmen oder Dy von B ... es ist völlig wurscht.
Und jetzt nennen sie mir bitte eine Krebstherapie, die weder heilen noch das Leben verlängern kann und warum Statine nicht wirken sollten. Natürlich haben Statine eine belegte Wirkung, aber eben bei den richtigen Patienten.
Es ist ja auch noch besser. Hierzulande bezahlen Kassen auch keine Medikamente, die eine nachgewiesene Wirkung, aber keinen Zusatznutzen haben. Aber dafür völlig wirkungslose Zuckerkügelchen.

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OhMyGosh 11.09.2019, 13:48
295.

Da bin ich aber ohne Wenn und Aber auf Seiten des Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen. Krankenkassen sind dazu da, Arztkosten sowie zur Behandlung nötige Medikamente zu finanzieren, aber nicht für Bachblütengedöns. Genauso gut könnten Patienten dann ja auch Honorare für Schamanen und Gesundbeter und welche Putzis sonst noch bei ihrer KK geltend machen.

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vera gehlkiel 11.09.2019, 13:49
296. @deichgraffe (#53)

Da Sie ziemlich 'schweres Geschütz' auffahren, mache ich das auch mal: Sie können ziemlich sicher sein, dass Ihnen die Antibiotikagaben die Gesundheit und das Hörvermögen ihrer kleinen Tochter erhielten, und der Homöopathie-Trittbrettfahrer eine zeitliche Koinzidenz nutzte, um auch noch was dran zu verdienen. Brutal einfach. Und da ist eben der Kern der Problemlage: "Placeboeffekte" darf die Schulmedizin und natürlich auch die Psychotherapie nur unter allerstrengster Diagnostik aufgrund wissenschaftlicher Standards einführen, bei "Homöopathie" ist anscheinend jedermann herzlich eingeladen, sich aus dem kleinen Ethikschatzkaestchen seine Privatdefinition von "Ganzheitlich" heraus zu klamuesern. Für mich ist diese ganze Fakultät gegründet auf einer gefährlichen Lust am Multimorbiden, auf Spukglaeubigkeit und jener elitären Geisterseherei, die im neunzehnten Jahrhundert ein Hobby der Adligen gewesen zu sein scheint. Wir sollten uns definitiv nicht damit begnügen so zu tun, als schade diese Sache immerhin ja nix. Schon mal die kaum jemals wieder gut zu machenden psychischen Verheerungen nachvollzogen, welche etwa die perfide Zuschreibung einer "Krebspersoenlichkeit" bei einer Frau anrichten, der man grade beide Brüste abgenommen hat?! Ich finde Homöopathie monströs, ja abscheulich, ihre Implikationen führen eben nicht zu einer irgendwie "ganzheitlichen Auffassung". Sondern vernichten im Gegenteil stets nur Ressourcen, wie den Glauben an Selbstheilungskraefte, die wir reichlich, ohne Begleithokuspokus, in Körper und Seele antreffen... Wozu man allein einen klaren Kopf respektive die Begleitung eines klaren Kopfes benötigt - und zuallerletzt die Einfluesterungen irgendwelcher voraufklaererischer Jahrmarktsgaukler.

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mucschwabe 11.09.2019, 14:03
297. Homöopathie

Das die Homöopathie gegründet oder entdeckt wurde, gab es keine wissenschaftliche Medizin. Es wurde damals zur Ader gelassen, geschröpft und irgendwelche Tinkturen zusammengebraut. Die damaligen „Ärzte“ waren Quacksalber, die oft die Situation des Patienten durch die Bahandlung verschlechterten statt verbesserten. Hannemann erkannte das und entwickelte, meines Erachtens bewusst, die Homöopathie, die ohne Wirkstoffe zumindest keinen Schaden anrichtete. Damals war die aus damaliger Sicht eine rationale und vernünftige Alternative. Heute, wo wir über wissenschaftliche Methoden die Wirkungsweisen von pharmazeutischen Medikamenten nachweisen können und die Nichtwirkung von homöopathischen Mitteln, ist Homöopathie schlicht Betrug.

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ancoats 11.09.2019, 14:08
298.

Zitat von fee.engelien
Diese Sau wird seit Jahren und Jahrzehnten immer wieder durchs Dorf getrieben. Leute, die offensichtlich keine Ahnung von Anamnese und Wirkungsweise homöopathischer Mittel haben, äußern sich zugunsten der Pharmaindustrie. Ich habe meine Kinder und mich über die Jahre mehrmals erfolgreich homöopathisch geheilt. Die Anamnese ist außerordentlich umfangreich, da sie ja den einzelnen Menschen anschaut und sich nicht auf einzelne Symptome beschränkt. Auch war nicht immer die erste Mittelwahl erfolgreich. Aber auch dann sind immerhin keine sog. Nebenwirkungen zu befürchten. Es gibt viel Literatur zur Homöopathie, auch in Bezug zu neueren physikalischen Erkenntnissen -machen Sie sich schlau und wiederholen Sie nicht gebetsmühlenartig die immer gleichen dümmlichen Vorwürfe.
Die allermeisten Krankheiten, die gemeinhin durch homöopathische Mittel "geheilt" werden, sind eher sog. "Unpässlichkeiten", mit denen der Körper von ganz alleine fertig wird, wenn man ihm etwas Zeit lässt, ggf. unterstützt vom Placeboeffekt. Insofern ist die Mittelwahl auch vollkommen wurscht. Bedenklich finde ich im übrigen im Zusammenhang mit Homöopathie auch, dass hier ein Verhalten vorherrscht, das alles andere als "ganzheitlich", irgendwie nachhaltig oder überlegt ist: bei jedem Furz werden nämlich irgendwelche Globuli eingeworfen, ganz nach dem schlechten alten Pharmazeuten-Motto: du fühlst dich nicht gut - da haben wir ein Mittel gegen. Darin unterscheidet sich der gemeine Homöopathiejünger in nichts vom gemeinen Aspririn-gegen-alles-Jünger. Außer, dass bei letzterem tatsächlich Wirkstoffe wirken und ggf. dann eben auch nebenwirrken. Das Mindset - hier funktioniert was nicht richtig, ich brauche ein Medikament dagegen - ist im Kern das Gleiche.

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artur.d 11.09.2019, 14:20
299. Es gibt keine Entwicklung in der Medizin wie in der Autobranche

die muss, wie bei der Autobranche, von außen angestoßen werden. Aus dem Auto/Tablettenland Deutschland wird das nicht kommen

Von „überdurchschnittlichen Kosten“ ist in der EINEN aufgeführten Studie nicht die Rede. In den ersten 12 Monaten waren überhaupt keine Unterschiede messbar, warum sich danach kleinere Unterschiede zeigen ist eher merkwürdig zu bewerten, und bei längerer Beobachtung kommen die Ausgaben seltsamerweise wieder zueinander.

Kontraindiziert sind die Macher dieser Studie, die Charité ist nicht gerade dafür bekannt, das sie allgemein für Alternativen, außer Yoga und Vollkorn.., besonders offen wären. Hätte auch eine Pharmafirma machen können.

Was mich immer bei dieser Art Diskussion (ist ja im Grunde keine) ärgert, das mit der (berechtigten) Kritik an Homöopathie immer auch jegliche hoch interessante alternativen mit kritisiert/in den Eimer gehauen werden – Homöopathie als Knüppel gegen alles was aus dieser Ecke kommt - nicht in diesem Bericht, okay.

Wenn Homöopathie Placebo ist (was ich auch glaube), sollte man das den Leuten trotzdem lassen und sogar fördern. Wie mächtig Placebo sein kann dämmert langsam auch den Medizinern – man möchte meinen, die wären auf Schlaftabletten gelagert, sie fungieren als Entwicklungsbremsen, wie sich die Industrie das kaum besser wünschen könnte, und Herr Gassen sollte nicht die Ausgaben für ein paar Globulis kritisieren, sondern für Krebsmedikamente, die exorbitante Kosten verursachen und nicht viel mehr als Placebo bringen, aber heftigste Nebenwirkungen mit dauerfolgen aufweisen.

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