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Horst Seehofer und der Islam: Warum Glaube und Politik sich nicht vertragen
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Der Islam gehöre nicht zu Deutschland, sagt Horst Seehofer. Das wirft Fragen nach dem generellen Verhältnis zwischen Politik und Religion auf.

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lupenrein 18.03.2018, 17:37
110. Gottesstaat und Amtskirche

vergiften die Gesellschaften.

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nic 18.03.2018, 17:37
111.

"Das wirft Fragen nach dem generellen Verhältnis zwischen Politik und Religion auf"

Wäre besser, wenn es da gar kein Verhältnis gäbe. Laizismus wäre das Stichwort.Das hätte uns auch vor solchen Sprüchen wie "der Islam gehört zu Deutschland" bewahrt. Wegen mir aus mag ein aufgeklärter Islam in Deutschland ausgeübt werden. Aber ein aufgeklärter Islam scheint mir utopisch.

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geranie.rose 18.03.2018, 17:43
112.

Zitat von madameping
Der Grundgedanke bei der GG-Gründung war der, dass man sich vom Nationalsozialismus lossagen wollte. Die Frage nach der Religionsfreiheit war ein Instrument für mehr Toleranz. Ich halte das für den richtigen Weg. Bis heute. Hätten wir dieses Gesetz nicht, wären wir ein anderes Land (geworden). Ich bin Ihrer Meinung, was die unangepassten Muslime betrifft. Es gibt sie aber und es wird sie immer geben. Die Frage ist nur, wie wir mit ihnen umgehen. Insofern halte ich vor diesem Hintergrund die Aussage "Der Islam gehört zu Deutschland", der einst von Bundespräsident Wulff ins Leben gerufen wurde, für sehr sehr heikel. Er hat ihn nicht näher erklärt. Damit bedient er aber genau die Kräfte, die so brandgefährlich sind: Einerseits jene Muslime, die sich einen feuchten Kehricht um unsere Werteordnung scheren, wie Sie schildern, und andererseits unsere eigenen Leute, die sich, den Schutz unserer Werteordnung anführend, radikalisieren und nur noch glauben, von Feinden umzingelt zu sein. Insofern war dieser Satz politisch so unklug, wie er nicht hätte unklüger sein können; er hat Gutes gewollt, aber Schlechtes getan. Wer so etwas sagt, ob er nun Wulff oder Merkel oder sonstwie heißt, muss sich der Folgen klar sein, denn aufgezwungene Toleranz kann keine Toleranz sein. Toleranz kann nur funktionieren, wenn ich die berechtigten Interessen des anderen ebenso respektiere.
Daß der Satz von Wulff gut gemeint war, glaube ich gerne. Aber er war auch ein bischen naiv. Wulff und jetzt Merkel hätten bedenken sollen, daß dieser Satz spaltet, nicht eint. Hätten Wulff und Merkel stattdessen gesagt: "Das GG ist die Grundlage, auf der alle Menschen, egal von woher, eine Rechtsgemeinschaft bilden", dann hätten die beiden etwas Plausibles und Schönes gesagt. Aber es mußte ja unbedingt knackig sein und einen Kotau vor den Wahabiten enthalten: "Der Islam gehört zu D". Ich kann vor meinem geistigen Auge förmlich sehen, wie die Scheichs da geschmunzelt haben. "Jetzt sind diese öl-geilen Ungläubigen sogar bereit, unser troianisches Pferd, den Islam, in ihren Stall zu ziehen." Insofern bin ich ganz bei Ihnen, Madame Ping. Gutes wollen heißt leider oft Dummes tun!

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skeptorealist 18.03.2018, 17:52
113. Seehofer und der Islam Kolumne von Georg Diez

Einspruch Euer Ehren. Zunächst, d e n Islam gibt es nicht, es gibt die unterschiedlichsten Handhabungen der islamischen Religionspraxis, alle basierend auf dem Koran, also viele Islame. Der Koran wiederum erlaubt Praktiken, die in der BRD strafrechtlich relevant wären, z.B. Körperstrafen, die in einigen muslimischen Staaten durchaus praktiziert werden. Und da ein recht hoher Prozentsatz der praktizierenden Muslime in Deutschland den Koran über das Grundgesetz stellt, besteht hier eine latente Gefahr, deren Konsequenz eigentlich nur sein kann, daß der Islam in toto nicht zu Deutschland gehören kann. Warum sonst werden manche Religionsgemeinschaften vom Verfassungsschutz beobachtet, von erkannten Gefährden ganz zu schweigen.
Die Hoffnung auf einen gesetzeskonformen Euro-Islam ist zwar gut gemeint, angesichts der Verhältnisse in Ländern mit islamischer Staatsreligion und ihrem Einfluß auf Muslime in Europa reine Illusion.

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wahrsager26 18.03.2018, 17:58
114. An gremlin2001. Nr93

Sie beschreiben sehr gut das deutsche und europäische Dilemma! Leider ist es nicht so,das man unserem Land und der Politik Grenzen aufzeigen kann ,etwa so wie: ihr seid noch nicht volljährig und demzufolge dürft ihr niemanden ins Land einladen.( Geschichte haben wir noch nie verstanden!) .Bei allen schönen Betrachtungen hier sollte nicht vergessen werden,das gerade wir in Europa ein Land der Extreme sind.Erst wollten wir Europa umformen( WW2) ,jetzt wissen wir aber genau, was unserem Volk gut tut.Ein ausgewogenes Mittelmaß,auch bei der Zuwanderung-nein ,das gibt es für uns nicht.Ever noch wird anderen Staaten die Verteilung empfohlen.....Ein Blick und sei er noch so klein ,in die Zukunft,unmöglich.Danke

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knirb 18.03.2018, 18:03
115. Artikel 4 GG, aber konsequent

„Man sollte sich zur heiligsten Pflicht machen, dem Kinde nicht zu früh einen Begriff von Gott beibringen zu wollen. Die Forderung muss von innen heraus geschehen, und jede Frage, die man beantwortet, ehe sie aufgeworfen ist, ist verwerflich. Das Kind hat vielleicht seine ganze Lebenszeit daran zu wenden, um jene irrigen Vorstellungen wieder zu verlieren“.
Friedrich Schiller, vor etwa zweihundert Jahren
Der Deutsche Katecheten - Verein ruft die Bürger Paderborns zu einem Event unter dem obigen Thema. In der Tat mangelt es in unserem säkularen Staatswesen mit dem Recht auf freie Religionsausübung und der Trennung von Staat und Kirche, Art. 4 GG, und einem grundgesetzlich garantierten Religionsunterricht an allen öffentlichen Schulen, Art. 7 GG, nicht an religiösen Formationen, die der erkennbaren Religionsferne eines großen Teils der bundesrepublikanischen Bevölkerung, über 30% sind dieser Gruppe zuzurechnen, entgegentreten wollen. „Der Religionsunterricht gehört in die Mitte der Gesellschaft“, heißt es im Bericht, richtig, sagt die Verfassung, die vor 70 Jahren kodifiziert wurde. Seitdem ist unsere Gesellschaft im Wandel und hat, wie wir wissen, einen kompletten Umbruch hinter sich. Die Menschen leben frei von religiösen Zwängen, trennen sich vielleicht nicht von ihrem erlernten Glauben und ihrer Religionsgemeinschaft, kommen aber im Allgemeinen moralisch und ethisch gut mit ihrem Leben klar. Ihren Lebensvollzug gestalten sie überwiegend säkular, aufgeklärt und als Teilnehmer an der Wissensgesellschaft. Bis zum Ende der großen Katastrophe von 1933 – 1945 war Deutschland (und Europa) ein homogenes christlich geprägtes Gemeinwesen mit Religion und Staatskirchenrecht und hat dennoch nicht den Gang in die Barbarei verhindern können. Dennoch: Kinder sollen und müssen in unseren Schulen, die inzwischen von Kindern der unterschiedlichsten ethnischen, religiösen oder weltanschaulichen Herkunft besucht werden, die sowohl in religiös geprägten als auch säkularen, humanistischen und religionsfreien Gruppen und Verbänden leben, mit dem vielleicht wichtigsten Themenfeld unserer Kulturgeschichte, den Religionen, in Begegnung kommen. Es darf aber nicht durch Separierung in verschiedene konfessionelle Gruppen geschehen, das bleibt dem Elternhaus und religiösen Unterweisern, Theologen etc. vorbehalten, sondern in einem gemeinsamen Unterricht, der sich mit Religionen und Weltanschauungen, aber auch mit ethischen Fragen und in höheren Klassen auch philosophischen Themen befasst. Lehrer an öffentlichen Schulen sind a priori keine Glaubensvermittler sondern Wissensvermittler für ein gelingendes Leben. Ich kann den Vorteil einer konfessionellen Unterweisung nicht erkennen. Religionsunterricht, ob unter freiem Himmel oder an öffentlichen Schulen, ist nicht der Schlüssel zum Glück der Menschheit oder gar zum Frieden auf Erden, Freiheit, Selbstbestimmung und Menschenwürde aber ganz gewiss.


soviel zum staatlichen Religionsunterricht und seiner Vereinbarkeit mit einem säkularen Staat gem. Art. 4 GG

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wahrsager26 18.03.2018, 18:03
116. An Vera gehlkiel. Nr92

Lieber unter der Bräsigkeit ,wie Sie es ausdrücken, leben als unter der Scharia! Ohnehin zeichnet sich hier in der Diskussion folgendes ab: wieder mal wird ganz klein klein über eigenes hergefallen und sich regelrecht zerfleischt. Warum eigentlich? Weil fremde Völkerschaften zu uns kommen? In dem Zusammenhang müssen wir dann unsere sicherlich auch vorhandenen Defizite 'aufarbeiten' ? Wir sollten langsam darüber nachdenken,was wir nach außen für ein Bild abgeben und und dabei fragen: Sind wir wirklich eine Einwanderungsgesellschaft!?! Danke

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GoaSkin 18.03.2018, 18:09
117. die CSU sollte aufhören,von christlich-jüdischer Tradition zu sprechen

Würden CDU und CSU wirklich in christlicher Tradition halten, dann müssten die Parteien eine völlig andere Sozialpolitik machen. Aus reiner Nächstenliebe müsste z.B. viel mehr Geld in Soziale Einrichtungen investiert werden und deren Angebot enorm ausgebaut werden. Ferner ist es nach christlicher Tradition zweifelsfrei legitim, nicht arbeiten zu wollen und dennoch erwarten zu dürfen, von der Gemeinschaft alimentiert zu werden. Es war schließlich eine lange katholische Tradition, dass jemand auch zum Bettler werden darf, weil er sich das freiwillig so ausgesucht hat. Und die katholische Kirche hat das immer sehr unterstützt - bis hin zu klösterlichen Bettelorden. Ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen und Arbeitslose nicht mehr wegen mangelhafter Mitwirkung bei der Jobsuche zu sanktionieren, wäre dadurch eine politisch angebrachte Sache, wenn man aus christlicher Tradition handeln würde.

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madameping 18.03.2018, 18:12
118. Aber hier kann man doch mal sehen, wie vielseitig der Populismus ist

Zitat von geranie.rose
Daß der Satz von Wulff gut gemeint war, glaube ich gerne. Aber er war auch ein bischen naiv. Wulff und jetzt Merkel hätten bedenken sollen, daß dieser Satz spaltet, nicht eint. Hätten Wulff und Merkel stattdessen gesagt: "Das GG ist die Grundlage, auf der alle Menschen, egal von woher, eine Rechtsgemeinschaft bilden", dann hätten die beiden etwas Plausibles und Schönes gesagt. Aber es mußte ja unbedingt knackig sein und einen Kotau vor den Wahabiten enthalten: "Der Islam gehört zu D". Ich kann vor meinem geistigen Auge förmlich sehen, wie die Scheichs da geschmunzelt haben. "Jetzt sind diese öl-geilen Ungläubigen sogar bereit, unser troianisches Pferd, den Islam, in ihren Stall zu ziehen." Insofern bin ich ganz bei Ihnen, Madame Ping. Gutes wollen heißt leider oft Dummes tun!
Denn auch ich halte diesen Wulff-Ausspruch für den Inbegriff des naiven Populismus. Ich kenne den Zusammenhang nicht mehr, weswegen er es gesagt hat, es wird einen Grund gegeben haben, aber dieser Satz bleibt in der kollektiven Erinnerung.

Da haben Sie völlig recht, geranie.rose; das war naiv, kurzsichtig und ein bisschen oberlehrerhaft den eigenen Landsleuten gegenüber. Und Naivität hat sich noch nie bewährt... Egal, in welchem Lebenbereich.

Ihnen noch einen schönen Sonntag Abend :-)

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volker.trimkowski 18.03.2018, 18:24
119. Unsaubere Fragestellungen führen zu schlampigen Antworten

Zunächst einmal müsste man definieren, was mit "a gehört (nicht) zu b" eigentlich gemeint ist.
Will uns Seehofer sagen, er wolle nicht, dass (alle, einige, ... Muslime; Verbände; Islamisten) in Deutschland leben? Oder aber meint er, der Islam habe keinen Teil an unserer Geschichte und Kultur?
Im ersteren Fall kann man mit ihm übereinstimmen, falls er Islamisten mit Terroristen gleichsetzt. Für alle anderen gilt die Religionsfreiheit des Grundgesetzes; über die hat er (glücklicherweise) nicht zu befinden.
Im letzteren Fall stellt er sich als ignorant dar. Die europäischen und damit auch deutschen Werte beruhen historisch auf drei Säulen: Antike, arabisch-islamische Kultur und Aufklärung;
das Christentum resp. die Kirche hat alle drei gehasst.

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