Forum: Kultur
Idealisierung von Peter Handke: Perfide Mülltrennung
Julien de Rosa/ EPA-EFE/ REX

Nobelpreisträger Peter Handke hat eine Ex-Partnerin misshandelt und die Trauerfeier eines Diktators besucht. Kann man die Kunst nicht aber vom Künstler trennen? Na klar. Es ist jedoch ein Luxus, den man sich leisten können muss.

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chrho67 15.10.2019, 16:48
1. Der Nobelpreis ...

... geht klar an den Künstler, nicht an eines seiner Bücher. Insofern muss auch der Preisträger würdig erscheinen.

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nocolour 15.10.2019, 16:54
2. Lovecraft?

Als Paradbeispiel für einen Literaten mit wahnsinnig riesigem Einfluss, aber ebenso wahnsinnig problematischen Charakterzügen kann H.P. Lovecraft doch auch wundervoll herhalten. Im Kern ein übelster Rassist, Sexist und Nationalist, ganz Kind seiner Zeit und verstrickt in all den Überlegenheitsnarrativen der weißen, westlichen Welt. Auf literarischer Ebene stellt dieser Mann dennoch DEN Horroautor des 20. Jhd. dar, auf dessen Machwerk so viele Grundkonzepte des zeitgenössischem Horrorgenres berufen, dass es quasi unmöglich an ihm vorbei zu kommen. Was mich zu Frage bringt, inwiefern es notwendig ist Kunst und Künstler voneinander zu trennen? Kognitive Dissonanz lässt sich auch dazu nutzen das Machwerk eines Menschen zu feiern, während man ihn als Persönlichkeit mit all seinen Einstellungen, Ansichten und ideologischen Aufladungen verabscheut. Natürlich ist es unmöglich das Eine ohne das Andere wirklich nachhaltig und tiefgreifend zu verstehen, aber vielleicht liegt ja auch genau darin die Anziehungskraft eben solcher Geister. Und ich denke, dass Handke, bei all den Dingen, die man uhm rechtens nicht nur vorwerfen darf sondern muss, immer noch ein Autor ist, mit der Fähigkeit Menschen an die Seiten eines Buches zu fesseln. Ob er dafür den Nobelpreis verdient hat? Fragwürdig. Kritisierbar. Aber dennoch Realität.

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b.schumann 15.10.2019, 16:57
3. Wie blöd,

habe ein paar Sachen von Handke wohl zu früh gelesen. Also vor dieser „Würdigung“.
Pech für mich, suche nachher mal einen Platz in der zweiten Reihe des Bücherregals.
Ist mir aber mit Wagner auch schon passiert, dass ich das Arschloch nicht in der Musik wiedergefunden habe.
Den höre ich sicherheitshalber auch nur mit Kopfhörer. Will mich schließlich nicht outen.

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cremuel 15.10.2019, 17:00
4.

Sehr schöner Beitrag zu der pseudo-naiven "Man muss das doch trennen können"-Manier.
Und am besten finde ich den Hinweis darauf, dass es zwar guilty pleasures geben kann (wobei das natürlich für den Anhänger des Genozids an muslimischen Bosniern ein zu schwaches Wort ist), diese dann aber bitte nicht mit Beschimpfungen derjenigen einhergehen sollten, die das Selbstverständliche aussprechen.

Was das Bewusstsein der eigenen Gottesgesandheit und die Unfähigkeit zum Kritisiertwerden angeht, ein würdiger Grass-Nachfolger.

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nobody_incognito 15.10.2019, 17:00
5.

Pfft - klar kann man Kunst und Künstler trennen. Ist ja dann die Frage woher die Kunst kommt und wie der Künstler dazu kommt sie uns rüber zu bringen? Dass Adolf Hitler in der Lage gewesen wäre "Animal Farm" oder "Der Prozeß" zu schreiben ist mal schwer vorstellbar, allenfalls wie man sich vorstellen kann wie ein Verbrecher als Türsteher seinen Lebensunterhalt bestreitet und wenn der Job nicht reicht, dann eben wieder zum Verbrecher bzw. GröFAZ wird.
Kaiser Nero ist auch so ein Beispiel, bzw. sein Leben an sich ist selbst zum Kunstwerk geworden. Sind wir nicht alle bloß irgendwelche mehr oder weniger unbewussten Aktionskünstler, die sich dauern fragen was wir uns gegenseitig überhaupt sagen wollen oder sollen? :-D

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rainerb 15.10.2019, 17:00
6. Alle sind sich einig

Nicht verwunderlich, daß sich wieder einmal alle sogenannten Leitmedien einig sind, einen Mann zu verurteilen, oder besser mit Dreck zu bewerfen und zu vernichten, der den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der Nato, die ja eigentlich ein Verteidigungsbündnis ist, im ehemaligen Jugoslawien kritisierte. Natürlich müssen die Medien so reagieren, da diese ja seinerzeit diesen unsäglichen Krieg unterstützt haben. Was bleibt ihnen heute auch anderes übrig. Sie waren so geil auf diesen Krieg, daß sie sich heute natürlich nicht um 180 Grad drehen können. Der Nobelpreis wurde an den Richtigen vergeben. Allein schon, daß er sich gegen diese damalige Kriegspropaganda gestellt hat. Aber heutzutage werden Leute, die Kritik üben entweder als Verschwörungstheoretiker oder als AfD Anhänger abgetan. Das ist einfach zu durchschauen, so braucht man den Kritikern nicht mit Fakten, die man ohnehin nicht hat, entgegentreten. Glückwunsch Herr Handke!

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anna von conda 15.10.2019, 17:00
7. Verstehe ich das alles richtig ?

Wenn ich ein irgend ein Kunstwerk mag, ist das Unterwürfigkeit gegenüber dem Künstler ? Immer ? Wenn ich mich einer Kritikermeinung nicht anschließe, ist das Überheblichkeit ? Immer ? Hiernach interessiert mich nur noch eins: Wie viel Geld bekommt der Verfasser einer derartigen Kolumne ?

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maxmuc33 15.10.2019, 17:02
8. Werk und

Autor sind m.E. kaum zu trennen. Der Autor / Künstler bewegt sich doch immer in seiner Zeit / Epoche und sollte auch so gesehen werden. Gerade heute ist dann eine Nähe zu autoritären bzw. diktatorischen Kräften wirklich problematisch. Man könnte es ja besser wissen...

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nesmo 15.10.2019, 17:03
9. Mal unterstellt

Handke hätte "nur" eine Frau geschlagen, wäre er dann für alle Preise unwürdig? Wo ist da die Grenze, ab wann jemand "unwürdig" wird, weil er irgendetwas gesagt oder getan hat. Kann er dann per se keine Nobelpreise bekommen, auch wenn sein Werk noch so bedeutend ist, wenn er gar ein Mittel gegen Krebs findet? Wo sind da die Grenzen. Wie schwer muss der Verstoß eines Literaten sein, und verjährt da irgendwann etwas, dass er dann von allen Preisen auszugrenzen ist. Was macht man denn mit Leuten wie Woody Allen, wenn er doch noch einen preiswürdigen Film machen sollte, Ausschluss? Ab wann, und wer bestimmt das, ist ein Künstler, oder sonstwer, einfach nicht mehr preiswürdig?

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