Forum: Kultur
Idealisierung von Peter Handke: Perfide Mülltrennung
Julien de Rosa/ EPA-EFE/ REX

Nobelpreisträger Peter Handke hat eine Ex-Partnerin misshandelt und die Trauerfeier eines Diktators besucht. Kann man die Kunst nicht aber vom Künstler trennen? Na klar. Es ist jedoch ein Luxus, den man sich leisten können muss.

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kploeger 15.10.2019, 19:03
80. 'Künstlerinnen nicht mitgemeint'...

... Die Filme von Leni Riefenstahl wären demnach also unbedenklich?

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sekundo 15.10.2019, 19:08
81. Aber der Mensch,

Zitat von Bondurant
Als gäbe es tatsächlich saubere Grenzen, die man ziehen könnte zwischen Menschen, die Kunst erschaffen, ...und den Werken, die sie zustande bringen. Was sollten das für Grenzen sein, und wer könnte sie ziehen? Es braucht keine Grenzen, wenn einen der Künstler als Person schlicht nicht interessiert. Man weiß besser nicht, wer etwas geschrieben oder gemalt hat. Ein Faschist kann einen guten psychologischen Familienroman geschrieben haben, eine Edle Seele einen faschistischen Text, ohne es selbst zu merken: die Kunst bleibt, auch wenn der Urheber schon zu Staub zerfallen ist.
also der Autor, hat zu seinen Lebzeiten das Werk
erschaffen und nicht sein/e Sekretär/in oder auch nicht
irgendeine Literatur-software!!

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nobody_incognito 15.10.2019, 19:16
82.

Zitat von kayakclc
... Handke hat den Bogen überspannt, als er Partei für Kriegverbrecher, die ja jetzt auch von der Gemeinschaft in Den Haag abgeurteilt wurden, ergriffen hat. Srebrenica ist ein Schande für Europa, ein Schande für die Niederlande aber auch eine Schande für die UN, die aller gemeinsam versagt haben...
Er deutet die Dinge halt, den Zerfall Jugoslawiens, welcher ein Scheitern von "irgendwas" darstellt und wo er sie Serben als "die Guten" Bewahrer der Einhait sieht, dabei gab es von jener Seite auch immer die Tendenz Jugoslwien als ein Groß-Serbien zu sehen, bzw. sie waren auch die mit dem größten Einfluss der eben selbigen Ausgang gezeitigt hat. Ursprünglich gab es mal sowas wie die "panslawistische" Idee, d.h. die Vereinigung aller slawischen Völker und wenn man sieht was daraus wurde, dann hat es auch eine Faszination, also "Gleich und Gleich....???" Vllt. hat es was mit ödipaler Schizophrenie zu tun k.A.

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AndreasKurtz 15.10.2019, 19:21
83. Die Kriegsverbrecher in Yugoslavien hießen nicht Handke,

sondern Scharping, Fischer und Schröder. Handke war gegen diesen falschen Krieg. Er hat sich gegen das Establishment gewandt, das ist lebenslänglich unverzeihlich. Der Nobelpreis für den Ex-Nazi Grass dagegen geht in Ordnung. Er hatte sich nie gegen das Establishment gewandt, nur deshalb ist es ok. Es geht nicht um die Diskeditierung des Preises, es geht um die Verteidigung eines Angriffskrieges der SPD und der Grünen, die hier abläuft.

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mwroer 15.10.2019, 19:21
84.

Zitat von frank121
War der Stifter des Nobelpreises nicht auch der Erfinder von Dynamit, mit dem so viel Unheil angerichtet worden ist? Dann wäre der Preis doch unmoralisch. Vielleicht ein Grund, die Annahme zu verweigern.
Verweigern Sie Ihn doch einfach mit Hinweis auf seine miserable Behandlung seiner Geliebten, seines latenten Anti-Semitismus oder zig andere, heute, nicht akzeptablen Eigenschaften.

Ich zitiere Herrn Nobel:

“In my experience, Israelites [Jews] never do anything out of good will. They act merely out of selfishness or a desire to show off – and how can they understand a trait in another person that they absolutely lack themselves? "

Und das ist nur einer der netteren Dinge die mir gerade über den Weg liefen ... in seinen Briefen an die Geliebte stehen noch ganz andere Sachen.

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komentisto 15.10.2019, 19:23
85. Auf die Frage, ob man

die Kunst vom Künstler trennen muss, gibt es für mich nur eine eindeutige Antwort: Ja, man muss ! Gute Kunst ist nur aus sich selbst heraus gut, ohne Beeinflussung durch die Biografie des Künstlers. Schlechte Kunst wird nicht durch eine "schöne" Künstlerbiografie besser.
Wer von diesem Prinzip abweicht, degradiert die Kunst zu einem Persönlichkeitsmerkmal und kreiert sich unter Umständen ein absurdes Dilemma.

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korrekturen 15.10.2019, 19:33
86.

Milosevic wurde anscheinend vom Internationalem Gericht in den Haag freigesprochen. Andy Wilcoxson schreibt: "The International Criminal Tribunal for the Former Yugoslavia (ICTY) in The Hague has determined that the late Serbian president Slobodan Milosevic was not responsible for war crimes committed during the 1992-95 Bosnian war." Das ist eindeutig. Wenn das, was das Gericht feststellt, stimmt, dann hatte Milosevic den Friedensnobelpreis erhalten sollen.

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schosch 15.10.2019, 19:34
87. Natürlich kann und soll man Kunst vom Künstler trennen

Kunst ist absolut. Entscheidend ist allein, ob sie einem persönlich gefällt. Und das sollte man ohne jegliches Hintergrundwissen entscheiden. Kunst spricht für sich allein - wenn sie gut ist. Das Problem dabei ist möglicherweise,dass man den Künstler durch den Konsum seiner Kunst (oder durch eine Preisverleihung) unterstützt. Es läuft darauf hinaus, wie wichtig ist mir das Werk. In diesem Sinne finde ich die Entscheidung des Nobelkommites gut und richtig und angenehm unpopulistisch.

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begeka 15.10.2019, 19:38
88. "einem Menschen, der gewalttätig ist"

Ich glaube, ich gehe nicht fehl in der Annahme, dass Sie, Frau Stokowski, mit dieser Charakterisierung Handke meinen. Er hat also nicht einmal - durchaus moderate - "Gewalt" angewendet, er ist ein gewalttätiger Mensch, wie sie insinuieren, selbstverständlich so (hinterf*ig), dass es jederzeit geleugnet werden kann.
Ich gratuliere zur gelungenen Essenzialisierung - und doppelten Moral.

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herrrainer 15.10.2019, 19:42
89. aber hier sind doch Mensch und Künstler überhaupt eines...

...warum über den Luxus Mensch und Künstler zu trennen schreiben, wenn: "Handke unter anderem über Stanišsics Heimatstadt Višsegrad geschrieben und seinen Erzähler die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die dort passierten, leugnen lassen" hat. Da sind also Künstler und politischer Mensch Handke auf gleichem Kurs.
Hätte Handke nur erstaunliche Landschaftsgemälde geschaffen, wäre das was ganz anderes - dann könnte man der aufgeworfenen Fragestellung folgen.
Dass Walid Raad - nun Aachener Kunstpreis-Träger - kritisch beäugt wird, fällt wiederum in die behandelte Kategorie. Marlene Stokowski hätte diesen als politischen Akteur vielleicht besser in den Text eingeführt, als Polanski, Allen, etc. - Handke wird ja gemeinhin wegen seiner politischen Abgründe - Mord verblendenden Irrungen - kritisiert, weniger wegen seines häuslich-gewalttätigen Arschtritts.
Bitte, Marlene Stokowski, setzen Sie sich in einer nächsten Kolumne mit dem angerissenen Problem am Fall Raad / Aachener Kunstpreis auseinander. Wäre sehr gespannt und Ihnen dankbar

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