Forum: Kultur
In eigener Sache: Hier ist der Abschlussbericht der Aufklärungskommission zum Fall Re
Maxim Sergienko/ SPIEGEL ONLINE

Im Dezember 2018 machte der SPIEGEL die Fälschungen seines ehemaligen Redakteurs Claas Relotius öffentlich und leitete eine interne Untersuchung ein. Der Bericht über den Betrugsfall liegt jetzt vor.

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spmc-125536125024537 25.05.2019, 12:01
100. Fergus Falls

was gerne vergessen wird: Am selben Tag, als der Spiegel den Fall Relotius offenlegte, erschien auf medium.com ein Artikel von zwei Bürgern aus Fergus Falls, der das ganze Lügenmärchen von Relotius Stück für Stück zerlegte (https://medium.com/@micheleanderson/der-spiegel-journalist-messed-with-the-wrong-small-town-d92f3e0e01a7). Die folgende Aufklärungsarbeit des Spiegel ist aller Ehren wert, aber er hatte auch keine andere Wahl als die Flucht nach vorne anzutreten, ansonsten wäre die Blamage unendlich gewesen. Kurz nach der Öffentlichmachung reiste eine Spiegel Journalist nach Fergus Falls, um sich bei den Bürgern zu entschuldigen. Er schrieb eine neue, wunderbare und ebenso spannende Reportage über die Stadt und fragte sich, warum Relotius diese nicht geschrieben hatte, die Realität bot doch genug Material dafür. Aber die Realität passte nicht zu Relotius' "Haltung". Er wollte dumpfe Trump Wähler beschreiben und erfand einen jungen Bürgermeister, der noch nie eine Frau hatte, noch nie geflogen war und das Meer noch nicht gesehen hatte (medium com veröffentlichte dann ein Foto ebendieses jungen Mannes mit seiner Freundin am Strand). DAS wollte die Redaktion hören und Relotius wusste das. Solange sich an diesem Arbeitsethos und an der Einstellung gegenüber dem Leser nichts Grundsätzliches ändert, solange die Journalisten primär für die eigenen Kollegen und für Preisjurys schreiben, wird der Qualitätsjournalismus in der Krise bleiben. PS: ich kaufe den Spiegel (Print) trotz Relotius weiter, habe allerdings das Abo gekündigt. Und ich beobachte im Kleinen einen Lernprozeß. Es gibt jetzt Artikel über die Provinz, die ohne jeden Dünkel daherkommen, das Clan Thema wird nicht mehr verschwiegen (in der Kölner Silvesternacht war der Spiegel bei den Vertuschern noch mittendrin) und in dem Artikel über den deutschen Flüchtlingshelfer (19/2019) werden Dinge thematisiert, die bisher im linksliberalen Lager aber nicht aussprechbar waren. Das alles in einem neutralen, unaufgeregten Stil, weiter so.

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spon_4_me 25.05.2019, 12:02
101. @ briefzentrum (# 96):

Ich weiß ehrlich gesagt nicht einmal, was Sie meinen, wenn Sie sagen, ich sei irgendwie im Jahr 2015 politisiert worden. Kennen wir uns? Oder schlussfolgern Sie das daraus, dass ich wahrscheinlich 2015 begonnen habe, hier herumzuposten? Falls Letzteres: Korrelation ist nicht Kausalität. Zu Ihrem Beleg: SPON hat also einen Fehler gemacht. Ich kann das gerade nicht nachprüfen, aber ich glaube Ihnen und dem anderen Co-Foristen, dass mit dem Foto irgendwas nicht stimmt. Nur: Wann wird ein Fehler zur Unwahrheit oder zur Lüge? Oder gibt es da in Ihren Augen keinen Unterschied? Vielleicht dies noch: Wie ist das in Ihrem Beruf? Wird da unterstellt, dass jeder Fehler aus niederen Motiven und/oder Absicht begangen wurde?

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tosi01 25.05.2019, 12:02
102. Schon seit langer

Zeit hat der Spiegel seine Reputation vergeigt. Der Spiegel lebte vom vergangenem Ruhm. Inverstigativer Journalismus ?? Absolute Fehlanzeige. Der Spiel macht sich zum Büttel ganz bestimmter politischer Strömungen und meint dem Bürger eej
klären zu wollen(müssen was und wie der Bürger zu denken hat. Missliebige Kommentare werden gelöscht. Kommentarfunktion wird zudem einfach nicht möglich gemacht. Aus all diesen Gründen hatte ich mein jahrzehntelangen Abo beendet und werde kein neues Abo eingehen. Die Verantwortlichen haben jegliches Verantwortungsbewusstsein verloren und machen weiter wie bisher "Business as usual". Was soll`s , der Bürger wird zum Verschwörungstheoretiker, bildungsfernen und einfach unreifen Bürger erklärt, dem auch das Verständnis für politisches Handeln absolut fehlt. Man muss auch damit leben, als Putin-Troll verunglimpft zu werden. Nein Spiegel, so nicht. Gute Nacht Spiegel !!

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briefzentrum 25.05.2019, 12:18
103. @spon_4_me - in meinem Beruf...

Zitat von spon_4_me
Ich weiß ehrlich gesagt nicht einmal, was Sie meinen, wenn Sie sagen, ich sei irgendwie im Jahr 2015 politisiert worden. Kennen wir uns? Oder schlussfolgern Sie das daraus, dass ich wahrscheinlich 2015 begonnen habe, hier herumzuposten? Falls Letzteres: Korrelation ist nicht Kausalität. Zu Ihrem Beleg: SPON hat also einen Fehler gemacht. Ich kann das gerade nicht nachprüfen, aber ich glaube Ihnen und dem anderen Co-Foristen, dass mit dem Foto irgendwas nicht stimmt. Nur: Wann wird ein Fehler zur Unwahrheit oder zur Lüge? Oder gibt es da in Ihren Augen keinen Unterschied? Vielleicht dies noch: Wie ist das in Ihrem Beruf? Wird da unterstellt, dass jeder Fehler aus niederen Motiven und/oder Absicht begangen wurde?
...ist es so, dass systematische Fehler wie in der Dissertation von Frau Giffey (SPD) zur Aberkennung des Doktortitels führen - eben wegen des Wahrheitsanspruchs wissenschaftlicher Aussagen. Daran wird mein Berufsstand und auch die FU-Berlin gemessen. Der Abschlussbericht des Spiegel zu Relotius macht auf die hohen Ansprüche an die Darstellung von Sachverhalten auch im Journalismus aufmerksam. Andere Beispiele zeigen, dass es sich offenbar um eine hohe Messlatte handelt, die SPON selbst nicht immer überspringen kann. Zu dem Foto: Vielleicht meinte SPON, das Foto zeige ein Krankenhaus in der Provinz Idlib und nicht in Idlib selbst. Dann wäre es aber immer noch nicht ein Beleg für die in Frage stehenden Luftangriffe "vor ein paar Tagen", auf die der Artikel Bezug nimmt. Vielleicht sollte es nur eine Art "Musterfoto" für einen ähnlichen Sachverhalt sein. Dann hätte man das so in der Bildunterschrift ausweisen müssen. Diese Regeln gelten auch im Journalismus und markieren übrigens den Unterschied zwischen Wahrheit (Wissenschaft) und Wahrhaftigkeit (Journalismus), über den sie in einem ihrer heutigen Post implizit reflektieren.

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spon_4_me 25.05.2019, 12:24
104. @ intercooler61 (# 99):

Boshaft, weil Sie Trumps Sprecherin ist? Ich habe gerade kein Riechsalz oder Knoblauch zur Hand, aber ich werd Ihr cleveres Framing überstehen. Damals, im Dezember 2018, habe ich in einem Forum den Begriff der poetischen Wahrheit für Relotius Schaffen gewählt. Dafür bin ich von einem anderen Foristen in der Sache nicht ganz zu Unrecht im Ton in der hier üblichen herablassenden und den anderen moronisierenden Art kritisiert worden. Prof. Weinstein, der nach meiner Wahrnehmung Trumpscher Sympathien unverdächtig ist, bezeichnet als metaphorische Wahrheiten solche, die faktisch falsch sind, aus Sicht der Evolution (sein Fachgebiet) aber Nutzen besitzen. Sein Beispiel ist die Überzeugung, Stachelschweine könnten ihre Stacheln als Pfeile verschießen. Das ist zwar falsch, führt aber zum richtigen Verhalten, wenn man deswegen einen weiten Bogen um sie macht, da ihre Stacheln in der Tat sehr gefährlich sind. Für mich ist Relotius das Beispiel einer solchen metaphorischen Wahrheit beim Spiegel. Aber es wird jetzt natürlich sehr epistemologisch, und ich setze mich der Gefahr aus, wieder für mein Spiel mit unterschiedlichen Wahrheitsbegriffen attackiert zu werden. Hoffentlich diesmal dann wohlwollender im Ton.

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Willi Wacker 25.05.2019, 12:33
105. Der weisse Elephant wird in der Präambel ignoriert

das ist - Relotius hat das geliefert, was man im Hause nur allzugerne lesen möchte.*
Da reist mal einer nicht im Büro durchs Google Universum, sondern berichtet, aus dem "wahren" Leben, das, was man ja eigentlich schon immer wusste.

* so wie andere Medien heutzutage große Anfeindungen erleben, wenn über DT auch nur realistisch geschrieben wird. Da schreibt man dann doch, war das eigene Klientel bestätigt.

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spon_4_me 25.05.2019, 12:34
106. @ briefzentrum (# 103):

Vielen Dank für Ihre Antwort. Systematische Fehler ist genau der Begriff, der mir fehlte und der den Kern dessen, was ich hier mehrfach einzuwenden versucht habe, zum Ausdruck bringt.

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zorngibel 25.05.2019, 12:44
107.

Zitat aus einer SPON- Aufmachergeschichte von heute: „Man würde gern mehr darüber wissen, wie der Treff verlaufen ist, doch als Weber das Telefon kurz weglegt, sagt er: "Ich kann jetzt nicht, ich muss einen Vermerk lesen." Dann zückt er erneut sein Smartphone und tut so, als überfliege er ein wichtiges Dokument. Es ist ihm sichtlich unangenehm, aber das Problem mit Orbán ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelöst, und jedes Wort jetzt könnte falsch sein.“

Weber „tut so“ - oder ist auch das eine Interpretation des Autors?

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Mesi0013 25.05.2019, 13:24
108. Mitarbeitertest

Zitat von annetteseliger
Macht euch doch einfach einmal ehrlich. Relotius hat doch nur das geliefert was die Chefredaktion hören und lesen wollte. Eine objektive Berichterstattung sehe ich nach wie vor nicht. Die politische Grundhaltung überwiegt und damit ist der Spiegel weiterhin nicht glaubwürdig für mich. Der Spiegel ist eine Echokammer für Menschen, die sich gerne moralisch gegenüber anderen erhöhen und von diesem Standpunkt versuchen Andersdenkende zu belehren, oder ich gehe sogar soweit mit einer gewissen Art von Empörungs- oder auch Skandaljournalismus versucht Meinungen und damit auch Wahlverhalten zu lenken. Das ist einfach nicht gut. Journalistische Arbeit ist objektiv ansonsten ist es Klienteljournalismus.
Liebe Mitarbeiter des Spiegels,

falls in der kommende Woche solche Leserbeiträge wie im Zitat zur internen Diskussion stehen, dann ist ein Wille zur Änderung gegeben und Anlaß zur Hoffnung. Falls nicht sollten sie sich in ihrem Innersten fragen, ob sie ihre Arbeit richtig -aber viel wichtiger: aufrichtig- in diesem Arbeitsumfeld tun können. Es ist eure Entscheidung so weiter zu machen, die Beispiele der richtungsweisenden Berichterstattung sind vieflfach, oder ob man nicht lieber etwas anderes macht. Natürlich muss man im Leben/Arbeitsleben Kompromisse eingehen aber ich könnte soetwas nicht, ich glaube, ich würde kaputt gehen. Tag für Tag ein bisschen mehr...

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TS_Alien 25.05.2019, 13:24
109.

Zitat von intercooler61
Beispiel von gestern abend: "Gerast, Porsche geschrottet - jetzt muss die Versicherung zahlen". Erst die aufmerksame Lektüre des Artikels verrät dem Leser dann die (sonnenklare) Sach- und Rechtslage: Der Generali hatte mit dem Versicherten vereinbart, auch bei grober Fahrlässigkeit einzutreten, weigerte sich dann aber, nach Vereinnahmung der (entsprechend hohen!) Prämien und tatsächlichem Schadeneintritt ihre vertragliche Pflicht zu erfüllen - und musste sowohl erstinstanzlich als auch vom OLG dazu verdonnert werden. Bei mir selbst ist derselbe Versicherer vor wenigen Wochen in einem dem Grunde nach unstrittigen Haftpflichtfall erst nach dezentem Avisieren straf(!)rechtlicher Schritte seiner Eintrittspflicht vollständig nachgekommen - obwohl die ständige zivile Rechtsprechung zu den versuchten Mätzchen eindeutig, regalfüllend und den Versicherern selbstverständlich bekannt ist. Das Recht steht gottlob über den Emotionen - außer vielleicht bei manchen, die das Spiel mit letzteren für Journalismus halten.
Das Gericht hat ein Urteil gefällt. Das Urteil ist noch lange nicht rechtskräftig. Man kann als Jurist auch anderer Meinung sein. Wer vorsätzlich (!) viel zu schnell fährt, sollte sich bei einem Unfall nicht beschweren, dass er den Bereich der groben Fahrlässigkeit verlassen hat.

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