Forum: Kultur
In eigener Sache: Hier ist der Abschlussbericht der Aufklärungskommission zum Fall Re
Maxim Sergienko/ SPIEGEL ONLINE

Im Dezember 2018 machte der SPIEGEL die Fälschungen seines ehemaligen Redakteurs Claas Relotius öffentlich und leitete eine interne Untersuchung ein. Der Bericht über den Betrugsfall liegt jetzt vor.

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felibo 25.05.2019, 08:12
70. Beispiele gibt es viele....

Zitat von spon_4_me
Könnten Sie Beispiele nennen, wo Spiegel oder SPON es - wie Sie sagen - mit der Wahrheit nicht so genau nahmen oder ein Versehen, so es geschah, nicht korrigierten? Bias, ok, zum Teil nerviges Framing, bewusste Auswahl dessen, was gesagt wird und was nicht, einverstanden. Aber es mit der Wahrheit nicht genau nehmen? Starke Thesen erfordern starke Beweise. Sie gehen Leuten da mal eben so an die Berufsehre. Insofern wäre es nett, wenn Sie Beispiele brächten (ich bin sicher, die Moderation würde sie im Geist der Offenheit veröffentlichen) oder aber so viel Anstand haben, sich für Ihre ehrabscheidende Wortwahl zu schämen. Wir sind hier nicht unter Wilden.
...und die sind nicht nur SPIEGEL- oder SPON-typisch, sondern trauriger Fakt der gesamten deutschen Medienlandschaft:

Beispiel:

Rechtsradikale demonstrieren und grölen, Linksradikale (ääähm "Aktivisten") demonstrieren dagegen und verwüsten nebenbei ganze Straßenzüge.

Meldung: "Am Rande einer Demonstration von Rechtsradikalen kam es zu Ausschreitungen..."

--> Mit seriöser Berichterstattung hat dies nichts, aber auch wirklich gar nichts zu tun. Und da wundern sich die sogenannten "Etablierten", dass Otto Normalverbraucher so langsam der Kamm schwillt.

Na los, Zensor, ab mit der Wahrheit hier in Ablage P.

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skylarkin 25.05.2019, 08:13
71.

Gut und notwendig. Was mir aber bei der Sache eindeutig zu kurz kommt und immer hinter anderen Gründen versteckt wird ist die Frage warum man ihm so gern geglaubt hat. Das war nicht nur sein Nimbus als Journalist, weil er so geschickt war, so umwerfend schrieb oder weil er ein so netter Kollege war. Nein, ein wichtiger Grund dürfte sein, dass er mit seinen Beiträgen genau die Haltungen, Vorstellungen und Weltbilder transportierte, die der Kollegenkreis teilte. Das wusste er und nutzte das aus. Halb zog er sie, halb sanken sie hin, dass ist das Problem, aber diese Anlyse vermeidet man so weit es geht.

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Tom77 25.05.2019, 08:43
72. Und trotzdem hat sich nichts geändert

Trotz Relotius hat sich an der Art, wie vor allem Spiegel Online berichtet, nichts geändert. Noch immer wird sehr einseitig berichtet: SPD ist gut, CDU ist schlecht. Es wird von Rechtspopulismus geredet, aber nicht von Linkspopulismus. Das Strache-Video wird vor der EU-Wahl medienwirksam publiziert, nicht etwa, um den ganzen Fall objektiv aufzuklären, sondern um damit eine politische Veränderung und Beeinflussung der Wahl zu bewirken. Bento redet uns ständig ein, wie schlimm Männer sind und dass es in Serien und Filmen ja nicht genug lesbische und Schwule Schauspieler geben kann, die einem die soziale Ungerechtigkeit der Welt (vor allem gegenüber Frauen) in jeder Szene ausführlich vorhalten muss. Wer Bento als Mann liest, hat dies gefälligst mit einem schlechten Gewissen auf Knien mit gesenktem Haupt zu tun, weil er unverschämterweise als Mann geboren wurde. Kevin Kühnerts kommunistische Parolen aus der Mottenkiste werden auf Spiegel Online noch analysiert, um den Lesern zu zeigen, wieviele "Gutes" und "Wahres" da angeblich drin steckt wohingegen Forderungen der CDU von vornherein verissen werden (von der AfD ganz zu schweigen)... Der Spiegel und vor allem Spiegel Online ist nicht objektiv.

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koto17 25.05.2019, 08:51
73. und wer reflektiert die tieferen motive des SPIEGEL

ok, da hat jemand texte gefälscht, und ich danke für die aufklärenden hintergründe dafür. aber wer blickt auf die tieferen motive des Spiegel bzw. seiner Führungkräfte? Tolle reportagen, das genre reportage neu definieren, als einzige etwas erklären können etc.etc. diese motive werden in keinster weise thematisiert! offen gestanden habe ich den spiegel manchmal wegen genau dieser geschichten gelesen und es kränkt und macht mich ärgerlich, dazu keine stellungnahme zu hören dass dies im grunde intendiert war...

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spon_4_me 25.05.2019, 09:02
74. @ hansa_vor (# 50):

Da haben Sie recht: Eine empörende Unwahrheit! Und erst nach knapp einer Stunde korrigiert! SPON sollte sofort einen Ausschuss einrichten, um derartigen Praktiken das Handwerk zu legen. Wenn ich es richtig verstehe, suchen die in Hamburg eine Ombudsman*änin, um von Leser entdeckten Fehlern nachzugehen. Wollen Sie sich nicht bewerben? Wer einen Artikel lange genug geöffnet lässt, um nach 45 Minuten den Inhalt zu checken, scheint mir den Spürsinn einen Trüffelschweins auf das Vorteilshafteste mit der Geduld eines Scharfschützen zu verknüpfen.

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intercooler61 25.05.2019, 09:04
75. Vielschichtige Diskussion hier

Ich greife mal ein paar Punkte heraus und schreibe meine Gedanken dazu:

1. Politische Tendenz: hatte der SPIEGEL immer, und Andere haben auch eine. Wem's nicht passt, der lese halt etwas Anderes oder gründe ein eigenes Medium. Mir persönlich gefiel die frühere (linksliberale) Tendenz zwar besser als die heutige (grün-lila-maternalistische), aber: de gustibus non disputandum.

2. Eigener Anspruch: Von einem, von _dem_ Nachrichtenmagazin erwarte ich Aufklärung, Nüchternheit und das Bemühen, auch Querleser nicht zu falschen Schlussfolgerungen zu verleiten. Schlagzeilen müssen vom Inhalt gedeckt sein, statistische Aussagen valide, und der verschobene Ursprung eines Diagramms durch einen deutlichen Knick in der Größenachse kenntlich. Ziemlich vorbildlich in dieser Hinsicht übrigens der wohlwollende, gleichwohl kritische Faktencheck zum Rezo-Video.

3. Meinungsartikel: Man kann auch gut z.B. pro Tempolimit argumentieren, ohne den Kritikern psychische Defizienzen anzudichten (Stöcker) oder erkennbar (um?)fabulierte Unfallberichte einer pseudonymen Twittertante (Land Rover mit 270 km/h??) als Quelle zu verwenden (Stokowski). D.h., auch von Meinungsartikeln erwarte ich eine Selbstdisziplin, die zum Anspruch des Hauses passt. Der gute Zweck heiligt auch hier nicht die Mittel.

4. Diskussionsforen hier auf SpOn: Gute Sache, aber kein Muss. Wenn es sie gibt, ist Moderation zwingend, sonst verkämen sie zur Müllkippe und wären eine Einladung an professionelle Spammer und fanatische Prediger, sich an fremder Reichweite zu bedienen. Mit "Meinungsfreiheit" hat das wenig zu tun.

Die notwendige "Zensur" sollte aber konsistent sein, d.h. sich intern über Kriterien & Maßstäbe verständigen, diese transparent machen und dann auch einheitlich anwenden. Das ist eine Frage der Fairness gegenüber Lesern, die u.U. Zeit und Mühe investieren, um einen fundierten Beitrag zur Debatte zu leisten.

Polemik und/oder Kalauer kann man je nach Thema zulassen oder eben nicht. Aber: nicht nach Standpunkt filtern. Das wäre unanständig, weil es die Teilnehmer für das eigene Anliegen instrumentalisiert - und manipulativ, wenn es ein Meinungsbild suggeriert, das nicht vom tatsächlichen Feedback des Publikums gedeckt ist.

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grabenkaempfer 25.05.2019, 09:16
76.

schöne Selbstbeweihräucherung ...... die hauseigene Agenda hat Relotius ermöglicht

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annetteseliger 25.05.2019, 09:30
77. Liebe SPON Redaktion lieber Spiegel

Macht euch doch einfach einmal ehrlich.

Relotius hat doch nur das geliefert was die Chefredaktion hören und lesen wollte. Eine objektive Berichterstattung sehe ich nach wie vor nicht. Die politische Grundhaltung überwiegt und damit ist der Spiegel weiterhin nicht glaubwürdig für mich.
Der Spiegel ist eine Echokammer für Menschen, die sich gerne moralisch gegenüber anderen erhöhen und von diesem Standpunkt versuchen Andersdenkende zu belehren, oder ich gehe sogar soweit mit einer gewissen Art von Empörungs- oder auch Skandaljournalismus versucht Meinungen und damit auch Wahlverhalten zu lenken.

Das ist einfach nicht gut.

Journalistische Arbeit ist objektiv ansonsten ist es Klienteljournalismus.

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qewr 25.05.2019, 09:32
78. Ich habe nur eine Frage:

Arbeiten die Herren Geyer und Fichtner noch beim SPIEGEL?

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briefzentrum 25.05.2019, 09:34
79. Claas Relotius - Die Lebenslüge der deutschen Presselandschaft

hier noch mal mein Post in SPON vom 21.12.2018, also mitten aus der Phase der Entlarvung des Skandals - immer noch aktuell:
"Viele Foristen loben die offene Aufarbeitung des Skandals beim Spiegel. Dieses Phänomen nennt man angesichts der Faktenlage wohl: Pfeifen im Wald. Hier versuchen, teils jahrzehntelange Spiegelleser ihr Weltbild von der Presse als wichtigem Korrektiv für die kritische Öffentlichkeit und vierter Macht im Staate zu retten. Allein - dieser Glaube erweist sich zunehmend als frommer Wunsch in die Jahre gekommener Idealisten. Der Spiegel hat offenbar monatelang gebraucht, um sich dem Problem im eigenen Haus zu stellen. Und dass er jetzt eine Linkliste der inkriminierten Texte Claas Relotius zusammenstellt, ist noch keine Aufklärung, sondern die hilflose Geste einer Institution, die vor einem Scherbenhaufen steht. Und mit ihr die ganze deutsche Presselandschaft. Relotius hat ja nicht nur für den Spiegel geschrieben, sondern im Grunde für alle wichtigen überregionalen Medien in Deutschland und im deutschsprachigen Raum. Liest man heute Kommentare etwa in der Süddeutschen, dann kann man nur den Kopf schütteln. Da werden die kontaminierten eigenen Artikel von Relotius charakterisiert, als wenn die SZ vergessen hätte, vor der Veröffentlichung noch mal einen Lektor drüber schauen zu lassen. Mit anderen Worten: Es gibt viel Mitleid mit dem Spiegel, damit man sich möglichst wenig mit dem eigenen Versagen beschäftigen muss. Auch beim Spiegel fällt auf, dass die Aufarbeitung als eine letztlich verfahrenstechnische Überprüfung und Korrektur zu den redaktionellen Kontrollmechanismen angelegt ist. Bei der FAQ-Liste auf SPON wird der Verdacht strikt zurückgewiesen, das Versagen des Spiegels könnte mehr sein als eine bloße Lücke in der institutionellen Qualitätssicherung. Der Skandal weist aber weit darüber hinaus: Er ist ein Indikator für einen ideologischen Journalismus in Deutschland, nicht nur beim Spiegel, der sich seit Jahren selbst gefällt in seiner Rolle des moralischen Oberlehrers der Gesellschaft. Dabei kam es auf die exakte Recherche von Fakten nicht mehr so genau an. Wichtiger ist das eigene Weltbild und das eigene politische Milieu. Der Spiegel wie auch SPON haben bereits seit vielen Jahren ihre Funktion als kritisches Korrektiv der Regierung, des Staates, mächtiger Interessen und eines problematischen gesellschaftlichen Wandels aufgegeben. Wie auch andere überregionale Medien wurde er zum Sprachrohr für einen Status Quo, in dem man sich behaglich eingerichtet hatte. Getragen von einer Gesinnungsethik, die sich in ihrer selbstgefälligen und allzu selbstsicheren urbanen Linksliberalität, längst selbst genug war. Der Unmut und die Unzufriedenheit unter den Lesern ist seit Jahren mit den Händen zu greifen und wurde auch von Seiten der Medien nur zu gerne unter dem Label der „Lügenpresse“ diskreditiert. Insbesondere die Flüchtlingskrise erweist sich hier als Zeitenwende für eine kritische Öffentlichkeit und zuletzt gab es ja auch Indizien, dass innerhalb der Medien zumindest ein Unbehagen über die eigene Rolle aufkeimte. (..) Deren Aufarbeitung hat noch nicht einmal begonnen."

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