Forum: Kultur
Independent-Labels: Je kleiner, desto Jazzer

Während amerikanische Musikkonzerne den Jazz ausmustern, halten ihn kleine Firmen am Leben. Auch zwei deutsche Produzenten werden weltweit beachtet - und räumen Preise ab.

AKI CHIBA 04.08.2010, 12:11
1. Es lebe der Jazz! Nieder mit der Dummheit!

Eine Minderzahl Kunstsinniger lässt die Klassische Musik überleben. Und das ist gut so. Der Jazz wurzelt tief im Bauch der Erde - z.B. in Baumwollfeldern. Er hat viele ethnische Wurzeln. Bäuche also. Wohl dem, der den Blues haben kann, wenns ihm mal dreckig geht. Der Jazz hat die Menschen "en masse" gefangen. Noch nicht mal in der braunen Brühe ist er ersoffen. Heimlich hat man gejazzt und man weiß, dass gar Goldfasane den Blues kriegen konnten.
Jazz ist "live", auch wenn er auf Tonträgern verkauft werden kann.
"Live" ist unter dem Diktat des Gewinnmaximierens zu teuer geworden. Nur noch eine bestimmte Clientel frequentiert den "Live Club". Billiger ist der DJ. Er bedient seine Maschininerie und jagt den Massen den Techno in die Ohren.

Aber es gilt doch zu bedenken: Die wahren Ursachen für dummes Verhalten liegen oft weniger in einem Mangel an Denkvermögen als im emotionalen, triebhaften Bereich. Als dumm bezeichnet man gemeinhin ein Individuum - dumm können aber auch Handlungen sein, begangen von durchaus auch intelligenten Individuen. Auch Überzeugungssysteme sind nicht selten "dumm". Der Jazz wird sozusagen vom System der modernen Nationalökonomie bedroht: Der Markt bestimmt.

Kürzlich hat der Kulturausschuss unseres 15000-Seelenkaffs
einen der ganz großen Alten (80) eingeladen - Solo an Gitarre und Goschenhobel. Es waren 15 Gäste im Forum, darunter 10 Kids aus der Klasse des Kulturmenschen. Einen Tonträger hab' ich erstanden.

Der Jazz lebt und junge Leute finden zum Jazz. Er ist Weltmusik geworden und hat die Klassische Musik nicht kaputt gemacht. Sie leben miteinander in zunehmendem Maße.

Dummheit kann ihn nicht kaputtmachen. Schon gar nicht Figuren wie MacFit Schallert. Oder Berufsschulpauker auf dem Duisnurger Thron!

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W. Robert 04.08.2010, 15:20
2. Spätrömische Hochkultur

Jede Musikform hat eben ihre Zeit, danach wird sie museal. Jazz geht nicht so leicht unter, er verschwindet aber zunehmend aus der Öffentlichkeit als „Live“-Erlebnis. Im Internet kann man ja hochwertigen Jazz in hochwertiger Qualität jederzeit hören oder mitschneiden. Es war also noch nie so einfach, guten Jazz zu hören.

Gleichzeitig gibt es in einer Stadt wie Berlin gerade mal einen kleinen Jazzkeller, der das Fähnlein aufrecht hält, damit sich die Politiker gelegentlich mit einer Jazzband zum Saufgelage amüsieren können. Andernorts bemühen sich „Kulturbeauftragte“ meist vergebens, in die sterilen Veranstaltungsorte ein wenig „Feeling“ zu bekommen. Dabei graben sie gleich einem eventuellen privaten Jazzclub systematisch das Wasser ab.

Für die Jugend bleibt die Türsteherdisco mit der üblichen Techno-Shit-Parade. Und natürlich die Dixie-Band für die älteren Herrschaften beim Dampferausflug. Gleichzeitig verpulvert der öffentliche Dudelfunk die Gebührenmilliarden für dämliche Kriminalmachwerke und Debil-Radio.

Der Kulturetat wandert hauptsächlich in die Pflege fürstlicher Hofkomponisten und Theaterautoren von anno Tobak oder in garantiert sinnfreie Kunstevents für gelangweilte Snobs.
So ist das eben in Ländern, die kein Interesse an Kultur haben und allmählich vor der Glotze verblöden. Kann man nix ändern. Dass Deutschland immer unattraktiver wird ist wohl ein Teil der Agenda.

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