Forum: Kultur
Individualismus: Das gekaufte Ich
DPA

Milliarden Menschen stehen in Schlangen, um auf irgendwelche aussagekräftigen Produkte zu warten. Sie erleben einen Moment der Gemeinsamkeit. Zum Glück verfliegt dieser Moment aber ganz schnell wieder.

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agua 04.03.2017, 13:18
30. an syldron #21

Das halte ich so, wie Sie.Kein Fernsehen, Mode ist mir egal, das Auto sollte fahren und somit ist der Mensch befreit vom Kaufzwang.

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moneysac123 04.03.2017, 13:23
31. Das Gegenteil ist der Fall: Gruppenzugehörigkeit statt Individualität

Sie wollen nicht individuell sein, sondern dazugehören, immerhin besitzt gefühlt jeder 2. ein IPhone, nichts mit Individualität also. Eher technisch mittelmäßiges Produkt zum Premiumpreis, Snob-Effekt nennen Psychologen das. Menschen wollen ihre Gruppenzugehörigkeit mit Symbolen unter Beweis stellen, in dem sie beispielsweise die selben Turnschuhe tragen. Sie suchen also Gemeinsamkeiten und Anschluss, wollen ihr Selbst durch Symbole ergänzen. Hier geht es also weniger um Individualität, sondern um Gruppenzugehörigkeit.

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shotaro_kaneda 04.03.2017, 13:38
32.

Super Kommentar und eine klare Kante gegen unsere Konsumgesellschaft.

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klaassneyder 04.03.2017, 13:44
33. Individualismus ist keine kapitalistische Erfindung

Dieses Mal ein sehr undifferenzierter Artikel von Frau Berg, dem ich mich nicht anschließen kann. Es sollte schon unterschieden werden zwischen dem Individuum an sich und einer eventuell bestehenden Ausnutzung durch den Kapitalismus. Ich halte das Individuum bzw. die Individualität jedes einzelnen Menschen für das Wichtigste und schützenwerteste überhaupt. Jeder Mensch ist etwas besonderes und diese Erkenntnis ist eine großartige gesellschaftliche Leistung. Der Mensch wird endlich als Einzelner wahrgenommen und nicht als bloßer Bestandteil einer ideologisierten fremdgesteuerten Masse. Was soll denn an den von Frau Berg vergangenen alten Gesellschaftsmodellen so toll gewesen sein, etwa in der nationalsozialistischen oder sozialistischen Einheitsgesellschaft, in denen jedes freie individuelle Denken im Keim erstickt wurde? Wünscht sich Frau Berg etwa so eine Zeit zurück? Die möglich bestehende kapitalistische Ausnutzung der Individualität ist ein ganz anderer Punkt und sollte deutlich vom Individualismus an sich abgegrenzt betrachtet werden.

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lit 04.03.2017, 13:45
34. Die industrie bzw. der Neoliberalismus hat es geschafft.

Sicher! Keine neuer Erkenntnis. Die MacDonaldisierung, Cola genau das selbe, iPod und iPad, tragen es sogar im Namen, habe ihren siegeszug angetreten. In der Schule kämpfen die LehrerInnen gegen Windmühlen, denn dort ist das Thema Markenfetisch immer noch ganz "In". Denoch es bleibt die Oberfläche diese Betrachtungsweise. Es geht tiefer. Der viel beschworene individuelle Unterricht, auch individuelle Förderung im Kindergarten und in der Kita ist nichts anderes als diefferenzierte Gleichmacherei, die neue Rasenmähermethode. Dies zu durchschauen ist aber nicht leicht, da ja der studierte Teil der Gesellschaft doch noch eine gewisse Deutungshoheit hat. Lassen sie es mich plakativ schildern. In einem Lehrerzimmer meinte ein älter gedienter Kolllege, er sei mit der täglichen Lektüre der Tageszeitung rundum informiert. Ich kam mir plötzlich vorm, wie im Alter von 15 Jahren, als diese Aussage eines Lehrers vielleicht noch stimmte. Das huete stimmt nicht mehr! Sie müssen mindestens zwei, wenn nicht drei lesen und mindestens einmal die Woche Zip schauen. Auch die Nachdenkseiten sind eine gute (wenn auch nicht immer einfache) Alternativlektüre.Lg Lit

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bacillus.maximus 04.03.2017, 13:45
35.

Zitat von moneysac123
Sie wollen nicht individuell sein, sondern dazugehören, immerhin besitzt gefühlt jeder 2. ein IPhone, nichts mit Individualität also. Eher technisch mittelmäßiges Produkt zum Premiumpreis, Snob-Effekt nennen Psychologen das. Menschen wollen ihre Gruppenzugehörigkeit mit Symbolen unter Beweis stellen, in dem sie beispielsweise die selben Turnschuhe tragen. Sie suchen also Gemeinsamkeiten und Anschluss, wollen ihr Selbst durch Symbole ergänzen. Hier geht es also weniger um Individualität, sondern um Gruppenzugehörigkeit.
Dann sagen Sie mal einem iPhone-Nutzer daß er sich das Gerät gekauft hat um zur großen Herde zu gehören. ; )

Natürlich haben Sie damit recht, aber das kann man so nicht sagen ohne schief angesehen zu werden. Da wird unser Vokabular vollkommen falsch eingesetzt.
Als Jugendlicher ein Individualist zu sein, sprich sich der Mehrheit zu verschliessen oder mangels finanzieller Möglichkeiten verschliessen zu müssen ist bedeutet Ausgrenzung, das war zu unserer Jugendzeit so (Adidas oder Puma, eher barfuss als etwas anderes), das ist heute so, nur sind neue Produkte hinzugekommen.
Ein "Individualist" im Sinne des Wortes wird im Alltag bestenfalls als "Exzentriker" (wenn gut situiert), ansonsten eher noch als "Sonderling" oder "Freak" bezeichnet.
Wobei der "Freak" sich innerhalb kürzester Zeit durch die Ausbreitung von Tätowier- und Piercing-Studios gerne mal zum Normalo oder gar Leittier der neuen Herde entwickeln kann.
Und in fünfzehn bis zwanzig Jahren werden in die Tätowierstudios die Tattoo-Entferner und die Hautloch-Stopfer einziehen.

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bacillus.maximus 04.03.2017, 13:47
36.

Dann sagen Sie mal einem iPhone-Nutzer daß er sich das Gerät gekauft hat um zur großen Herde zu gehören. ; )

Natürlich haben Sie damit recht, aber das kann man so nicht sagen ohne schief angesehen zu werden. Da wird unser Vokabular vollkommen falsch eingesetzt.
Als Jugendlicher ein Individualist zu sein, sprich sich der Mehrheit zu verschliessen oder mangels finanzieller Möglichkeiten verschliessen zu müssen ist bedeutet Ausgrenzung, das war zu unserer Jugendzeit so (Adidas oder Puma, eher barfuss als etwas anderes), das ist heute so, nur sind neue Produkte hinzugekommen.
Ein "Individualist" im Sinne des Wortes wird im Alltag bestenfalls als "Exzentriker" (wenn gut situiert), ansonsten eher noch als "Sonderling" oder "Freak" bezeichnet.
Wobei der "Freak" sich innerhalb kürzester Zeit durch die Ausbreitung von Tätowier- und Piercing-Studios gerne mal zum Normalo oder gar Leittier der neuen Herde entwickeln kann.
Und in fünfzehn bis zwanzig Jahren werden in die Tätowierstudios die Tattoo-Entferner und die Hautloch-Stopfer einziehen.

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vera gehlkiel 04.03.2017, 14:11
37.

Ich hab auch damals als wirklich arme Studentin viel Geld, was ich gar nicht hatte, für bestimmte Klamotten ausgegeben. Immer auch schon für Musik und für Bücher. Ich war ehrlich gesagt immer wieder pleite, und habe auch schon mal fünf Tage am Stück nix zu essen gehabt. Ich strich dann durch die Gegend und bekam, für Mädchen ist das generell leichter, aber ich sah auch ziemlich gut aus und verstand mich darauf, meistens zumindest eine Pommesbudeneinladung, oder auch was Besseres, spendiert. Ich weiss noch, wie gewaltsam ich mich bezwingen musste, damit man mir, wenn das Essen dann kam, nicht anmerkte, wie ausgehungert ich war. Einmal waren wir zwei Wochen in der Schweiz, ich musste bei den Leuten unbedingt dabei sein, hatte aber keinen Pfennig Geld dafür. Trotzdem schlug ich mich durch, ich hätte notfalls auch Brennesseln gemampft - kurzum, eigentlich kenne ich diese Rücksichtslosigkeit der Jugendjahre, sich selbst und anderen gegenüber, mit allen Konsequenzen, nur um dabei zu sein: hungern, frieren, aber ich war immer wie aus dem Ei gepellt, die Leute dachten alle, dass ich reiche Eltern habe - irgendwie musste es so sein, dass sie dieses denken, ich erfand sogar bestimmte Biographien. Dass mein Vater sich als freiberuflicher Kreativer von Job zu Job durchschlagen musste, immer am Rand seiner endgültigen Niederlage damals, bevor er dann doch noch das Glück am Zipfel kriegte, meine Mutter gar nicht vorhanden und sowieso nur eine Katastrophe gewesen war - so etwas habe ich lange niemand erzählen können. Wobei ich unverändert denke, dass es Mädchen in solchen Zuständen der auf sich gestellten gänzlichen Unfertigkeit noch leichter haben, weil sie von Natur aus zäher und anpassungsfähiger, vielleicht auch insgesamt etwas intelligenter sind. Wenn ich die Kids anschaue, die dreissig Minuten oder länger bei H&M anstehen, kommt das alles gelegentlich wieder hoch, übrigens auch bei diesen anderen Kids, die sich für den IS interessieren. Man möchte es den jungen Leuten irgendwie erleichtern, manchmal wünscht man sich vielleicht sogar, einen Sohn zu haben, an dem man alles besser machen kann. Geht aber nicht! Es ist ihre Welt, durch die sie sich verflucht nochmal durchkämpfen werden müssen, auch wenn sie diese entrückt trotzigen Kindergesichter haben, in denen noch soviel Unfertiges herumgeistert, während dem sie in Besitz nehmen.

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hegri 04.03.2017, 14:24
38. Der Mensch möchte geliebt werden

oder zumindest gemocht. Bewundert oder beneidet zu werden ist auch toll. Und was tun die Leute nicht alles um diese Situation herbeizuführen oder zumindest in dem Glauben zu sein, sie befänden sich in einer solchen. In meinem persönlichen Umfeld habe ich es diesbezüglich eher mit Realisten zu tun. Keine Frage, dass das unserem etwas fortgeschrittenen Alter geschuldet ist. Wir tragen keine Hipster-Bärte und benötigen keine angesagten Turn-oder Sportschuhe. Individualisierung spielt in meinem Freundeskreis der End-50er keine vorrangige Rolle. Statt dessen geht man mit einer gewissen Abgeklärtheit durchs Leben. Das mag manchmal vielleicht etwas langweilig erscheinen aber fühlt sich zumindest für mich gut und entspannt an. Die Jugend möge sich an den ihr erstrebenswert erscheinenden Attributen abarbeiten. Zu "meiner Zeit" (Anfang der 80er) war es ja nicht viel anders. Meine Fotos aus dieser Zeit erzeugen ein gewisses Gruseln. Aber wer weiß, wer weiß, vielleicht wird der Porno-Balken wieder zum neuen Hipster-Symbol. Ich wünsche der Jugend diese gelassene Sicht und den entspannten Umgang mit einer Welt des bis an die Schmerzgrenze gehenden Zeitgeist-Schwachsinns.

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grbxx 04.03.2017, 14:25
39. Individualismus hat nichts mit Konsum zu tun

außerdem steht Individualismus als Konzept weit über dem überflüssigen Kollektivismus.

Kollektivismus betrachtet die Existenz als bedeutungslose Mikrobe als erstrebenswert.

Dabei ist Kollektivismus nur eine Geißel des Terrors und des Todes, alles was schlecht ist und alles was Schäden über die Menschen gebracht hat, wurde von kollektivistischen Ideen verursacht: Sozialismus, Faschismus, Religion, Kommunismus

Kollektivismus ist das Grundübel schlechthin.

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