Forum: Kultur
Intersexualität: Alle gewinnen
Getty Images

Unverständlich, dass manche Menschen die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Intersexualität kritisieren. Es wird doch niemandem etwas weggenommen, wenn es eine Option mehr gibt.

Seite 17 von 24
martin.michaelis 15.11.2017, 13:06
160.

Zitat von jan-c137
"Die Verfassungsrichter sehen in der bestehenden Regelung Verstöße gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Artikel 2 in Verbindung mit Artikel 1 des Grundgesetzes) und gegen das Verbot der Benachteiligung wegen des Geschlechts (Artikel 3 des Grundgesetzes)."
Das Problem ist dass das sehr willkürlich und auch unsauber interpretiert ist. Intersexualität ist kein Geschlecht, deshalb liegt auch keine Benachteiligung wegen des Geschlechts vor.

Persönlichkeitsrechte sind im Grundgesetz nicht explizit definiert und in diesem Zusammenhang als Begründung sehr schwach.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
martin.michaelis 15.11.2017, 13:11
161.

Zitat von moistvonlipwik
Die Frage, ob die individuellen Rechte verletzt sind, darf ausschließlich von Richtern entschieden werden und niemandem sonst.
Das Problem ist dass hier keine hinreichende Grundlage vorhanden ist.

Es ist eine politische Entscheidung ein "drittes" Geschlecht zu konstruieren. Biologisch begründet das Resultat einer Entwicklungsstörung bzw. ein Gendefekt kein Geschlecht. Geschlechtliche Indifferenz ist kein Geschlecht.

In dem das Gericht ein Geschlechtsdiskrimnierung unterstellt trifft es eine implizit politische Einscheidung und überschreitet damit letztlich seine Kompetenzen. Leider kommt das immer wieder vor, vor allem dann wenn die Politik sich um solche Themen herumdrückt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ColynCF 15.11.2017, 13:15
162.

Grundsätzlich gebe ich dem Artikel vollkommen recht. Allerdings muss ich doch etwas anmerken:

1. Wahl der Toilette: ist kein so simples Thema wie Frau Stachowiak darstellt. Ich bin Mann und wenn eine Frau (oder so aussehend) auf der Männertoilette auftaucht, stört mich das nicht besonders Kommt eh öfter mal vor, dass eine weibliche Reinigungskraft durchläuft und sich nicht an den pinkelnden Männern stört.

Umgekehrt könnte es aber schon Fälle geben, wo sich Frauen über männlich aussehende Intersexuelle beschweren oder gar gleich mal wieder "Belästigung" rufen. Immerhin können sich auch entsprechend voyeuristisch veranlagte Männer jetzt einfach als intersexuell ausgeben. Getrennte Toiletten sind ja vor allem gemacht worden, um Frauen zu schützen. Aber ok, ich bin Mann. Ist ein Frauenproblem. Ich habe übrigens auch nix gegen Unisextoiletten.

2. Gegen blaues (männliches) und rosanes (weibliches) Klopapier, Ü-Eier, Mineralwasser etc. habe ich überhaupt nix. Habe selbst schon Mädchen Ü-Eier gekauft, weil ich mal so eine Mini-Barbie haben wollte. Solche "perversen" Produktunterscheidungen sind eine vielleicht nicht bedachte oder nicht verhinderbare Nebenwirkung des "Genderwahns". Früher gab es das nur für Männerprodukte, jetzt wollen halt auch Frauen/Mädchen ihre spezialisierten Produkte, weil der "Genderwahn" ihre Mädchenidentität eben betont hat. Ist doch schön.

3. Echte Probleme mit dem BVerfG Urteil wird es vor allem auch in der IT geben. Dort sind nämlich bei der Geschlecherwahl immer nur 2 Optionen vorgegeben. Da müssen sämtliche Datenbanken, Schnittstellen und Oberflächen umprogrammiert werden. Das wird ein größerses Ding als die Euroumstellung oder der Jahr-2000 Bug. Aber gut, die Existenz der Programmierer ist auf Jahre wieder gesichert.

Auch wenn jetzt manche meinen, es muss ja nicht alles angepasst werden... Früher oder später werden sich Interessensverbände mit Abmahnungen jeden einzelnen der Anbieter vornehmen. Bei internationalen Seiten werden Intersexuelle natürlich auch künftig m/w wählen müssen.

Ich würde mich übrigens auch freuen, wenn sich erforderliche Toleranz in der Gesellschaft nicht nur an Homo- oder Intersexuellen abarbeitet, sondern wieder auf alle Bereiche der Gesellschaft ausdehnt. Da gehen wir ja leider vollkommen in die falsche Richtung, auch durch den "Genderwahn" provoziert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Mittelalter 15.11.2017, 13:32
163. Wie kommen Sie darauf?

Zitat von FrauMuhh
.... Es geht darum, dass man bei einem Neugeborenen, dass nicht eindeutig einem der Geschlechter zugeordnet werden kann, oftmals herum operiert um diesen Mensch in unser gängiges Männlein/Weiblein Schemata einzupassen. Wir reden hier also von Genitalen verändernden Operationen bei Säuglingen und Kindern. Denn das Kind muss ja in eine der beiden Kategorien passen. Oftmals bemerken die betroffenen Kinder dann in der Pupertät das was nicht stimmt, müssen wieder operiert werden, Hormone nehmen, weil man schon an ihnen herum geschnippelt hat, weil sie nicht einfach so bleiben durften wie sie waren. Diesen betroffenen Menschen müssen unvorstellbares Leid durchmachen und erfahren, und damit muss endlich Schluss sein. Wenn man das nur durch ein drittes Geschlecht in der Geburtsurkunde schafft, ja dann bitte lasst es uns so tun. Da es die letzten Jahrzehnte über einfacher war, eine Frau aus diesen Kindern zu machen, wurden die aller meisten intersexuellen Menschen also zu Zwangs-Frauen operiert, ohne Hinblick auf den Wunsch des Babys, das nicht gefragt werden kann. Es geht hier nicht einfach um ein paar diskriminierende Formulare (gut klar, natürlich auch) aber vorrangig geht es doch darum, anzuerkennen dass es eben Menschen gibt, die in keine der beiden Kategorien gehören und dass wir aufhören sie zu zwingen sich in eine davon einzupassen zu müssen, notfalls durch OPs. Warum sprechen wir ihnen das recht ab, zu sein wer sie sind? Ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen.
Darum geht es in dem Beschluss des BVG ausdrücklich nicht.

Der lautet, dass bestimmte Teile des PStG einzelnen GG-Artikeln „unvereinbar ist soweit sie eine Pflicht zur Angabe des Geschlechts begründen und dabei Personen, deren Geschlechtsentwicklung gegenüber einer weiblichen oder männlichen Geschlechtsentwicklung Varianten aufweist und die sich selbst dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen, keinen positiven Geschlechtseintrag ermöglichen, der nicht „weiblich“ oder „männlich“ lautet.“

Es geht um ein paar Formulare - sonst nix. Die müssen deshalb geändert werden, weil man nicht „Inter“ eintragen konnte, sondern diese Spalten einfach leer gelassen hat. Das war dem BVG nicht „positiv“ genug. Schaut man sich den Beschluss genauer an, steht dort, dass eine Variante zu M oder W vorliegen muss UND die Betroffenen dürfen sich nicht SELBST einem der beiden Geschlechter zuordnen. Wie soll das ein Neigeborenes SELBST entscheiden? Also bleibt die Formularspalte wohl zukünftig auch weiterhin leer. Alles wie bisher.

Nichts aber auch gar nichts nimmt Bezug auf Behandlungen des Gendefektes - der ja ganz klar vorliegt. Ob man das ändern kann und will, obliegt nach wie vor der Entscheidung der Eltern.

Nichts aber auch gar nichts wird mit diesem BVG-Entscheid unternommen, den Betroffenen Eltern bei dieser Entscheidung Hilfe zu gewähren. Im Gegenteil- die Möglichkeit, dass die sich, egal wie die Entscheidung ausfällt, demnächst mit von „Aktivisten“ betriebenen Anklagen wegen Missachtung des Kindeswohls zu beschäftigen haben, ist deutlich größer geworden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
opar 15.11.2017, 13:41
164. Niemandem wird etwas weggenommen?

Wenn es mal so wäre.
Das ist genau so eine Lüge wie die Behauptung von den Goldstücken.
In Berlin z.B. hat man doch schon angefangen, eine DRITTE Toilette zu vorzuschreiben, und das kostet, auf Dauer, ganz erheblich.

Wenn es nur um einen Eintrag im Pass ginge, wäre das ja nicht das Problem. Obwohl eine Erweiterung von aller möglichen Behördensoftware aus rein psychologischen Gründen auch teuer werden wird, jede Wette.
Was ich übrigens auch für nicht sachgerecht halte, denn der Pass soll die Identifikation der Person erlauben, es geht also einfach um optisch erkennbare Körpermerkmale und nicht darum die Psyche zu streicheln. Aber der eigentliche Sinn aller möglichen Einrichtungen wird ja heutzutage mit wachsender Begeisterung ignoriert und mit sachfremdem Ballast zugeworfen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Cube1974 15.11.2017, 13:47
165. rosa vs blau

Das von Ihnen am Ende angesprochene Angebot von Lebensmitteln, Kleidung, Produkten aber auch Veranstaltungen, getrennt nach Geschlechtern, findet reißenden Absatz.

Daher sollte man den Anbietern keinen Vorwurf machen. Gekauft wird was gefällt.

Nur fällt mir als Mann auf, dass die meisten dieser Produkte/Veranstaltungen auf weiblich getrimmt werden, obwohl diese vorher eher allgemein waren. Ich finde es deswegen seltsam, weil doch besonders von weiblicher Seite stets betont wird, dass es keinen Unterschied macht, ob man Frau, Mann oder 'Inter-Sexu-Interessiert-Niemanden' ist.

Ich finde das bezeichnend für eine eher verlogene Emanzipationsbewegung, welche sich am Ende nicht beschweren würde, wären z.B. alle DAX-Vorstände Frauen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
themistokles 15.11.2017, 13:50
166.

Zitat von jonashof
Wenn ich es richtig verstehe wird das Herrenklo zur Unisex Toilette und das Damenklo bleibt wie es ist. Ich finde das sexistisch. Warum werde ich als Mann gezwungen meine Toilette teilen?
Nein, das macht sogar durchaus Sinn. Auf Herrenklos gibt es nunmal beide "Varianten": Pissoir und Sitzklo. Bei den Damen nur eines. Darüber hinaus sollten Sie sich aber fragen, warum Sie sich ausgerechnet von diesen Menschen in ihrer Privatsphäre gestört fühlen und von anderen nicht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
themistokles 15.11.2017, 13:57
167.

Zitat von jupp78
Eine Erfahrung aus einer Kneipe in Belgien, wo Uni-Sex Toiletten zumindest damals (keine Ahnung wie das heute ist) durchaus üblich waren. Ich stand am Pinkelbecken (war grade dabei), direkt daneben befand sich das Waschbecken. Es kam ein Mädel aus der Kabine. Sie zögerte kurz, dann ging sie, weil es ihr offensichtlich zu unangenehm war direkt daneben sich die Hände zu waschen. Ja, es ist sicherlich vielen Menschen unangenehm ... auf beiden Seiten.
Gibt eine ganz einfache Lösung dafür: die unsäglichen Pissoirs abschaffen und auch wir Männer hocken uns zum Pinkeln halt hin. Fertig und aus die Maus. Bleibt sogar die Toilettenbrille sauber und niemand pinkelt neben die Schüssel oder das Pissoir. Aber dafür gibt´s in unserer Fraktion leider zu viele Ferkel...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
knok 15.11.2017, 13:59
168. @Atheist_Crusader

Wenn es in der Debatte um essentielle Rechte und Schutz der Minderheit ginge, wenn es darum ginge, Diskriminierungen zu verhindern, dann ja. Es geht aber um öffentliche Toiletten. Und es gibt meiner Meinung nach schon einen Unterschied zwischen existentiellen Problemen und soziokulturellen Problemen, die einen vielleicht stören, aber die Lebensweise kaum beeinträchtigen. Ich bin der erste, der für die Rechte auch dieser Minderheit einsteht, aber eben nicht für unsinnige Forderungen, ganz gleich von welcher Seite sie kommen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Vex 15.11.2017, 14:00
169.

Zitat von ericstrip
...die Möglichkeit, sich auf kein Geschlecht festzulegen, gab es bereits. Reicht das nicht?
Nein das wäre falsch. Sie haben nicht keins der beiden Geschlechter sondern beide. Ausserdem wenn sie schon 3 Möglichkeiten haben anzukreuzen wieso nicht drei Kästchen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 17 von 24