Forum: Kultur
Islamdebatte bei "Hart aber fair": Träumen von der Toblerone-Republik

Ist das Minarettverbot ein "leuchtendes Beispiel" für die demokratische Bekämpfung des "politischen Islam"? Ein Schweizer vertrat die These bei Plasbergs Talk - und bekam Recht. Nicht von der Talkrunde, sondern den Zuschauern. Eine Sendung, die zum Lehrstück über den Kulturkampf wurde.

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milk_milk 03.12.2009, 13:42
140. Meinung eines Schweizer Studenten...

Naja, über Minarette an sich muss man nicht diskutieren. Die waren ja kaum das eigentliche Thema der Abstimmung... Wir haben hier viele Türm(chen) die exzentrischer sind als Minarette. btw. Rufe der Muezzins gibts so oder so nicht hier.
Worüber abgestimmt wurde ist der Islam in der Schweiz, besser gesagt über die Angst vorm Fremden in der Schweiz. Unsere liebe SVP hat dies mal wieder zu Nutzen gewusst (wobei interessant ist, dass diese Initiative zu Beginn nur von radikalen Teilen der SVP unterstützt wurde und von den etablierten Parteigrössen wie Blocher, Maurer und... abgelehnt wurde).

Dann kommt man zu den Gründen für das Nein. Was Köppel (übrigens SVP Sympathisant und umstrittene Persönlichkeit, der für einen massiven Rechtsrutsch der Weltwoche verantwortlich ist) behauptet, dass der Stimmbürger vernünftig und sachlich abstimmt ist gelinde gesagt Bullshit. Man diskutiere bitte mal mit dem sogenannten einfachen Volk und sehe sich die Vorurteile und Ängste an die zum Vorschein kommen und die zu einem solchen Resultat führen...

Die Angst vor dem Fremden in der Schweiz kommt hauptsächlich von Unwissenheit. Früher warens die "Tschinggen" (Italiener), dann die "Jugos", nun der Islam/die Muslime. Man will sich nicht mit der Sache an sich auseinandersetzen... Klar, niemand will einen fundamentalistischen Islam in der Schweiz, niemand will Subgesellschaften etabliert sehen. Das Witzige daran ist... wir haben kaum solche Probleme in der Schweiz. Unsere Muslime sind grösstenteils integriert, die Religion wird zwar ausgeübt, aber kaum öffentlich/störend. Man sieht hier kaum verhüllte Frauen, es gibt kaum schlechte Erfahrungen mit Muslimen und wenn es diese gibt, dann sind die nicht wegen der unterschiedlichen Religion zustande gekommen...


Insgesamt wird ein zu grosses Aufhebens um das Resultat gemacht. Klar, man muss sich damit auseinandersetzen, aber zuerst geht es auch um die Aufklärung der eigenen Bevölkerung... Man sollte Ängste angehen, Integration fördern und Religion konsequent in den privaten Bereich verbannen. Im Endeffekt ist das Resultat ein Zeichen die Ängste der Bevölkerung ernstzunehmen, mehr nicht (dass wir hier rassistische Tendenzen haben sollte man auch noch beachten...).


btw. direkte Demokratie ist extrem anfällig auf Populismus und "Angstmacherei"... Und wir Schweizer sind Experten im Angst haben, haha... Man hätte sich die Strasseninterviews im Schweizer Fernsehen und die haarsträubenden Argumentationen anhören sollen...

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herrmayer 03.12.2009, 13:45
141. Fundamentalisten im Forum.

Zitat von Haio Forler
[I]"Dabei ist es doch eigentlich gar nicht so schwer. Im Grunde kennt der fundamentalistische Islam bis heute keine Säkularisierung und keine Aufklärung, kurz: keine strikte Trennung von Staat und Religion, keine Trennung von ......
Was bitte soll denn damit gesagt sein? Der fundamentalistische Islam kennt keine Säkularisierung, Aufklärung oder Trennung von Staat und Religion? Das ist ja etwas ganz Neues! Ob muslimisch, christlich oder jüdisch - Fundamentalisten sind Fundamentalisten, WEIL sie keine Säkularisierung oder Aufklärung kennen. Man möge mir den christlichen Familienvater, der seinen Kindern den Unterricht in einer Schule versagt und kreationistischen Ideen nachhängt zeigen, der an eine "strikte Trennung von Staat und Religion" glaubt. Der Satz im Artikel ist eine absolute Null-Aussage und was mein Vorredner aus diesen kläglichen Zeilen ziehen kann, bleibt mir völlig schleierhaft.

Interessant ist vielmehr, wie jeder Muslim, der eine Moschee bauen möchte, zum Fundamentalisten gestempelt wird, während man sich darüber echauffiert, dass in der Türkei ein Kirchenbau so gut wie unmöglich ist. Muslime, die ein Minarett bauen, sind also Fundamentalisten, die nicht in unser Wertesystem zu integrieren sind; Christen, die eine Kirche in der Türkei bauen möchten, sind friedfertige, unterdrückte und einzig der Nächstenliebe verpflichtete Minderheiten, die in ihrem Recht verletzt werden. Auf diesem Niveau wird hier argumentiert.

Dass ein staatliches Verbot, religiöse Bauten zu errichten ganz eindeutig und in eklatanter Weise gegen alle ach so hoch geehrten Werte wie Aufklärung oder Säkularisierung widerspricht, scheint den meisten hier zu meiner großen Verwunderung nicht aufzufallen. Das ist sehr schade.

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Cholerix 03.12.2009, 13:47
142. Was nicht sein darf....

Zitat von elvis0815
Im ZDF wird in diesem Zusammenhang ein eklatanter Verstoß gegen das Grundrecht freier Meinungsäußerung praktiziert. Ein Vorgang, der seinesgleichen sucht.
Was erwarten Sie von einem Sender, dessen Gremien das Personal nach dessen politischer Willfährigkeit beurteilen ?
Das ist ja das Schöne: Sie bekommen nicht nur Propaganda vorgesetzt (Unterdrückung missliebiger Meinungen ist auch Propaganda), sondern Sie finanzieren das auch noch dank GEZ Zwangsabgabe

Wir haben uns lange über Berlusconis Italien gewundert - sind aber nicht wirklich sooo weit davon weg.

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renethal 03.12.2009, 13:47
143. ISLAM auf Abwegen...

Solange der politische Islam bombt werden sie den Populisten immer in die Arme spielen. Der Islam wird schlussendlich sein eigenes Haus zuerst in Ordnung bringen müssen bevor sich in der Welt ein neues, positiveres, Islam-Verhältnis abzeichnet. Die intellektuelle Schwachsinnigkeit nicht zu hinterfragen wie es den anderstdenkenden Religionen in islamischen Ländern ergeht is gleichbeteutend mit intellektuellen Bankrott. Diese Intellektualität ist nichts anderes als eine perverse Variante einer Rechtfertigung für das Unrechtliche. Und eine absurde Herabschätzung der Frauen. Der fundamentalistisch-politische Islam ist der neue Faschismus gegen Anderstdenkende-Religiöse und Frauen und muss intellektuell bekämpft werden.

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spalthammer 03.12.2009, 13:49
144. Antwort

Zitat von Bengurion
Sehen Sie, wie unterschiedlich mal darauf reagieren kann. Ich habe gelächelt und fand diese mit einem Augenzwinkern gesprochene Formulierung "die Moschee im Dorf lassen" toll und wegweisend. Mindestens ein in Deutschland geborener Muslim, der für sich berechtigterweise in Anspruch nehmen kann, Deutscher (in diesem Fall sicherich auch mit deutschem Pass) UND Muslim zu sein, hat jedes Recht der Welt, die Formulierung "die Moschee in Dorf lassen" zu benutzen.
Ist nur total unpassend - in den meisten europäischen Dörfern gibt es nämlich keine Moschee, sondern nur eine Kirche. Insofern hoffe ich, daß die Formulierung nicht wegweisend ist.

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cobobka 03.12.2009, 13:52
145. .

[QUOTE=Frank Sobanek;4655393] Zitat von sysop
Ist das Minarettverbot ein "leuchtendes Beispiel" für die demokratische Bekämpfung des "politischen Islam"? Ein Schweizer vertrat die These bei Plasbergs Talk - und bekam Recht. Nicht von der Talkrunde, sondern den Zuschauern. Eine Sendung, die zum Lehrstück.....
Soll Herr Friedmann doch ohne seine Bodyguards versuchen, ein paar Monate im Wedding oder Neukölln zu (über)leben. Mal sehen, wie er dann diskutiert.

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mcleinn 03.12.2009, 13:55
146. Ton und Haltung sind keine Nebensache

"Im Grunde kennt der fundamentalistische Islam bis heute keine Säkularisierung und keine Aufklärung"
Das ist doch eine Tautologie. Würde der "fundamentalistische Islam" Säkalusierung und Aufklärung kennen, wäre er nicht der fundamentalistische Islam. Genausowenig wie das "fundamentalistische Christentum" Säkularisierung und Aufklärung kennt.

Was kann der Autor also mit diesem Satz meinen, sofern er nicht nachträglich redigiert wurde? Letztendlich wird wieder einmal der Islam "an sich" rhetorisch mit dem Attribut "fundamentalistisch" verknüpft, aber grammatikalisch so, dass man immer noch sagen kann, dass man ja gar nicht den Islam kritisiert, sondern nur den "fundamentalistischen Islam".

Wenn aber damit gesagt sein soll, dass es zuviele Fundamentalisten im Islam gibt, dann sollte man eben die nicht-Fundamentalisten unterstützen. Aber denen gräbt man mit symbolischen Diskriminierungen, von denen sich alle Muslime betroffen fühlen (anders als z.B. ein Verbot von Ganzkörperverschleierung), ja gerade das Wasser ab.

Da spielt es auch gar keine Rolle, ob man nun für die Religionsausübung ein Minarett "braucht". Wie es Jörg Lau in DER ZEIT vom 22.10. richtig beobachtet hat "Ton und Haltung sind keine Nebensache, wo es um Integration geht"

Kurzum: Die Schweiz und die vielen selbsternannten Vertretern der Aufklärung in diesem Forum umgibt in Wirklichkeit ein voraufklärerischer, irrationaler Geist (siehe auch den Kommentar von Yassin Musharbasht)

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spiegel-hai 03.12.2009, 13:56
147. .

Zitat von blomson
Religiöse Toleranz wurde durch das Verbot sicher nicht gefördert. Es wurden hier eher Probleme mit der allgemein wahrgenommenen islamischen Kultur und Lebensweise auf die islamische Religion transferiert. Ich glaube nicht, dass die Schweizer mit den Minaretten Probleme haben, sondern mit diesen nicht .....
Sie haben in vielem Recht. Dennoch ist es AUCH eine ästhetischen Frage: die meisten Minarette, die ich bislang in Europa gesehen habe, finde ich einfach scheußlich, geradezu lieblos, eine pro forma in Beton gegossene Geste. In größeren Städten mag das angehen. Aber in das in dieser Hinsicht empfindliche Stadtbild kleinerer Städte passen sie ebensowenig wie ein 20m Fabrikschlot.

Übrigens haben, jedenfalls in Europa, moderne Kirchen nur noch selten Türme, schon gar keine hohen. Und sie müssen sich an die örtlichen Bauvorschriften halten wie meinetwegen der Planer eines Wohn- oder Geschäftshauses auch.

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spiegel-hai 03.12.2009, 13:57
148. .

Zitat von blomson
Religiöse Toleranz wurde durch das Verbot sicher nicht gefördert. Es wurden hier eher Probleme mit der allgemein wahrgenommenen islamischen Kultur und Lebensweise auf die islamische Religion transferiert. Ich glaube nicht, dass die Schweizer mit den Minaretten Probleme haben, sondern mit diesen nicht nur die Religion Islam verbinden, sondern auch die allgemein damit assoziierte Kultur. Wen .....
Sie haben in vielem Recht. Dennoch ist es AUCH eine ästhetischen Frage: die meisten Minarette, die ich bislang in Europa gesehen habe, finde ich einfach scheußlich, geradezu lieblos, eine pro forma in Beton gegossene Geste. In größeren Städten mag das angehen. Aber in das in dieser Hinsicht empfindliche Stadtbild kleinerer Städte passen sie ebensowenig wie ein 20m Fabrikschlot.

Übrigens haben, jedenfalls in Europa, moderne Kirchen nur noch selten Türme, schon gar keine hohen. Und sie müssen sich an die örtlichen Bauvorschriften halten wie meinetwegen der Planer eines Wohn- oder Geschäftshauses auch.

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tollhans 03.12.2009, 13:57
149. Mazyek ist ein eloquenter Hardliner

Zitat von ismirwurscht
Gerade der islamische Vertreter, wie ja auch in der Sendung darauf hingewiesen wurde, war ja wirklich mal einer, mit dem man 'normal' reden konnte. Seltsam, dass das sonst eigentlich eher nicht so ist.
Haben Sie sich von den geschliffenen Formulierungen derart blenden lassen, dass Ihnen entgangen ist, wie Mazyek mehrfach bei seinen Glaubensgenossen bemängelte, ihre Ansprüche nicht hartnäckig genug zu vertreten?
Und wie er in grotesker Weise alle Steine des Anstoßes als unislamisch qualifizierte: die Frauenbeschneidung, die Kopftuchpflicht, die Badevermummung? Zum Vergleich: natürlich kann man das Christentum auf die Bergpredigt reduzieren und behaupten, Ketzerverfolgungen, Kreuzzüge, ja selbst der Vatikan hätten mit Christentum nichts zu tun. Aber das hieße, sich feige aus der Verantwortung zu stehlen.
Herr Mazyek stand kurz davor, den Islam als im Grunde unislamisch zu entlarven.

Ärgerlich war, dass ein wesentlicher mutmaßlicher Grund für das Abstimmungsverhalten der Schweizer in der Sendung unerwähnt blieb: soweit ich im Vorfeld gehört habe, war der Anlass zur Volksabstimmung, dass einige bislang unminarettierte Moscheen auf einmal nachgerüstet werden sollten. Da hätte ich allerdings geargwöhnt, dass irgendwann dort auch ein Muezzin oder ein Lautsprecher seinen Dienst tut. Schließlich ist ein Minarett ebensowenig wie ein Campanile Zierat: beides sind Funktionsbauten.

Nur aufgrund dieser geargwöhnten Salamitaktik (Moschee - Minarett - Muezzin) hätte sich der genervte und gequälte säkularisierte Mitteleuropäer in mir sich wie die Schweizer entschieden, mit einem generellen Minarettverbot gleich tabula rasa zu machen - mögen andere mich auch für paranoid halten.

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