Forum: Kultur
Islamdebatte bei "Hart aber fair": Träumen von der Toblerone-Republik

Ist das Minarettverbot ein "leuchtendes Beispiel" für die demokratische Bekämpfung des "politischen Islam"? Ein Schweizer vertrat die These bei Plasbergs Talk - und bekam Recht. Nicht von der Talkrunde, sondern den Zuschauern. Eine Sendung, die zum Lehrstück über den Kulturkampf wurde.

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Ingen 03.12.2009, 15:20
210. Angst

Aber die Frage für mich ist, warum duldet unser Schulrecht diese Ausnahmen oder kann man das Beantragen aber es wird eh nicht genehmigt? Kurzum Schule ist Pflicht da darf es keine Sonderrechte geben egal ob Schwimmen bei den einen oder Hausunterricht bei den anderen.
Nicht alle Muslime beharren auf solchen Ausnahmen oder sind unsicher aber viele stehen auch unter Druck der Fundamendlisten( mir fällt kein besseres Wort ein) und wenn die Schulen nach geben spielen sie eigendlich gerade den Falschen in die Hände.

Ein Antrag solcher Art wird mit Verweis auf das Schulrecht normalerweise von den Schulen abgelehnt. Da sich die Antragsteller aber nichts vorschreiben lassen wollen, legen sie Beschwerde beim Schulrat ein (meistens mit der Behauptung, die Schule sei Ausländerfeindlich!). Dann wird dem Antrag, aus Angst ebenso bezeichnet zu werden, stattgegeben. Die Opfer sind letztendlich die Schüler.

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singlesylvia 03.12.2009, 15:21
211. Angst? Nein, Courage!

Zur Sendung selbst kann ich nichts sagen, da ich kein Fernsehen schauen kann und will.
Aber Reinhard Mohr's zweitletzter Absatz seines Aufsatzes trifft es:
Zitat von
Wie immer man das Ergebnis dieser Volksabstimmung in der kleinen Alpenrepublik betrachten mag - allein die weltweite Aufregung zeigt, dass die Eidgenossen uns womöglich einen großen Dienst erwiesen haben. Sie haben eine notwendige Debatte eröffnet über Demokratie und Integration, über eine freie Gesellschaft und die Grenzen der Religion.
Solche Debatten sind nicht neu, aber sie finden wohl das erste Mal vor dem Hintergrund einer mutigen Grundsatzentscheidung statt.

Den Schweizern mag man Angst unterstellen, aber sie haben Mut gezeigt, solange ihre Ängste das noch zulieszen - Mut, wo andere feige oder mit völlig am Thema vorbeigehenden Argumenten nur rumpalavern. Die heutigen Kinder in der Schweiz werden ihren Eltern für diesen Mut einmal dankbar sein.
Im Rest von Europa werden die Kinder ihre Eltern einmal fragen: "Warum habt ihr damals nichts dagegen getan, warum habt ihr euch nicht gewehrt? Ihr wusstet doch, was los war!"
Frage kommt bekannt vor? Haben wir als Kinder während der zweiten Hälfte des letzten Jahrhhunderts unsere Eltern gefragt, wenn sie von der NS-Zeit erzählten. Die NS-Zeit und die hier zur Diskussion stehende Problemlage kann man natürlich nicht miteinander vergleichen (weshalb es auch völlig unangegbracht ist, beim Thema Minaret mit der Rassismus- und Nazivergangenheits-Keule zu kommen), darum geht es auch nicht; es geht darum, den Mut aufzubringen, zu handeln, bevor es zu spät ist. Die Schweizer haben uns indirekt aufgefordert, das zu tun, zumindest aber darüber laut und öffentlich zu reden. Gut so - das politische Denken war bei uns wegen Meinungs-Einheitsbrei schon fast eingeschlafen. Das auch rumgeschrien und rumgepöbelt wird, ist klar, schlieszlich wachen jeden Morgen mehr Bescheuerte auf als sich abends Schlaue schlafen legen, auch in der islamischen Welt.
Und die islamische Welt kommt mir vor wie die Radfahrer hier: Unfälle/Konfrontationen bewusst provozieren und sich dann wundern und beschweren, wenn's gelingt. Will sagen: Die islamische Welt hat provoziert, mit der schweizer Entscheidung kam eine Antwort - also jetzt bitte nicht beschweren, dass die Provokation gelang.

Merke: In wessen Haus ich geh', dessen Hausrecht habe ich zu respektieren und zu befolgen, wenn ich als Gast willkommen sein und bleiben und bevor ich ein paar Sonderwünsche erfüllt haben möchte.

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camemberta 03.12.2009, 15:21
212. ...

Zitat von Meckermann
Fatal ist die Haltung der gemäßigten und gut integrierten Moslems (Muslime?), in der Talkrunde vertreten durch einen durchaus sympatischen Sprecher, die bestehenden Probleme immer als die einer kleinen Minderheit abzuwiegeln. Das mag zutreffen, jedoch bestimmt diese Minderheit maßgeblich die äußere ....
Ich finde, Ihr Beitrag trifft es sehr gut!

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microsoftie 03.12.2009, 15:24
213. Geniale Idee

Zitat von fred2007
Nicht nur der. Spannend und aufschlussreich geworden wäre es auch mit Mina Ahad, Geert Wilders oder Alice Schwarzer. So blieb auch diesmal alles nur oberflächliche Selbstdarstellung, ohne auf den wahren Kern zu kommen...
Onken und Wilders plus Broder gegen den 'Islamischen Zentralrat' wuerde ich gerne sehen.
aber das wird wohl nix. wilders wird ja von den gutmenschen immer noch als angeblich 'radikaler' gefuerchtet.

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mycha 03.12.2009, 15:25
214. Bravo...

Ich muss auch noch einmal ein Zitat aus dem Artikel nennen:

"Dabei ist es doch eigentlich gar nicht so schwer. Im Grunde kennt der fundamentalistische Islam bis heute keine Säkularisierung und keine Aufklärung, kurz: keine strikte Trennung von Staat und Religion, keine Trennung von Gesellschaft und religiösem Glauben, von gläubigem Kollektiv und selbstbestimmtem Individuum. Darum und nur darum geht es immer wieder - nicht um einen Kampf der Religionen wie im finstersten Mittelalter. Im Zentrum des Konflikts stehen allein Freiheit und Menschenrechte für jeden einzelnen, ob Mann oder Frau: die Errungenschaften Europas seit der Französischen Revolution von 1789."

Besser kann man das Grundproblem nicht ausdrücken. Und ich kann nur an unsere westlichen Politiker appellieren: Nehmt endlich die Meinung das Volkes zur Kenntnis und kommt aus eurem intellektuellen Elfenbeinturm heraus.
Die Meinung der Zuschauer war mehrheitlich eindeutig. Die Beträge in den Foren hier auf dieser Plattform zeigt es auch deutlich:

Das Volk hat von intolleranten, diffamierenden und arroganten Verhaltensweisen eines Großteils der Muslime die Schnauze voll. Und der Grund liegt nicht in ausländerfeindlichen Grundhaltungen sondern an den Inhalten des oben genannten Zitats.

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tme 03.12.2009, 15:29
215. Minarette sind unsere Bajonette

Ich habe Köppel gut gefunden, auch wenn ich persönlich wohl mit nein gestimmt hätte.
Es geht nicht um die Moscheen sondern um die Inhalte, die dort gepredigt werden: Nicht die Anzahl der Minarette ist das Problem sondern die Anzahl verschleierter Mädchen.
Die Schweiz ist bis ins Mark säkular: Bei dem Votum ging es natürlich nicht um die Bauordnung sondern um die drohende Islamisierung.

Erdogan selbst hat vor 10 Jahren ein Gedicht zitiert: "Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten."


Bürgergesellschaft versus Glaubensgemeinschaft. Nicht auszuschließen, dass dieses Votum einmal als das erste mächtige Fanal Europas im Kampf um die Bewahrung der Zivilgesellschaft gesehen werden wird: http://wp.me/pi0jo-e1

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mycha 03.12.2009, 15:32
216. Bravo!!!

Zitat von singlesylvia
Und die islamische Welt kommt mir vor wie die Radfahrer hier: Unfälle/Konfrontationen bewusst provozieren und sich dann wundern und beschweren, wenn's gelingt. Will sagen: Die islamische Welt hat provoziert, mit der ....
Bravo! Glückwunsch zu diesem Beitrag. Trifft die Sache auf dem Punkt auf den es ankommt.

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Merry 03.12.2009, 15:34
217. auf den Punkt gebracht

@meckermann

sie haben es auf den Punkt gebracht - die gemässigten muslime bringen es nicht fertig, sich glaubhaft von den radikalen zu distanzieren - im Gegenteil, wenn es hart auf hart kommt, identifizieren sie sich lieber mit denen. Das fiel mir auch in persönlichen gesprächen auf.
Dabei werden die gemässigten muslime ja die erste zielscheibe der radikalen.
zum einen sehe ich als grund Angst -
zum anderen eben das tief verwurzelte bewusstsein, dass man in erster linie muslim ist und immer loyal zu den "seinen" sein muss und genau darum geht es eben auch in dieser Debatte. Gäbe es couragierte muslime, die für die westlichen werte öffentlich einstehen und solche die bei jedem eklat mit einem "nicht in unserem Namen"-Transparent aufstehen würden, wäre es bestimmt nicht zu diesem JA gekommen. Aber nein, das tun sie gerade nicht. Sondern Schuld sind immer die anderen.

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p.rabig 03.12.2009, 15:37
218. ethnische minderheit??

Zitat von cha cha
Es geht aber gar nicht um die Frage der Anpassung. Gottlob werden in Deutschland beispielsweise die Dänen und die Sorben nichtv gezwungen, sich "anzupassen", sondern sie dürfen ihre Kultur nicht nur selbst leben, sondern werden bei der Aufrechthaltung der kulturellen Unterschiede sogar noch gefördert. Und zurecht! Hier geht es nur um das Recht einer Minderheit .....
sie sollten die türken nicht als ethnische minderheit mit entsprechenden rechten - in D noch der CH - darstellen.
das ist falsch und unredlich oder zeugt von einem eklatanten mangel an wissen über jene 2 gesellschaften!
ich habe jedoch angst, dass es eines tages soweit kommt. - dann wird der türk. staat direkt einfluss auf uns nehmen können.

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le salamandrai 03.12.2009, 15:37
219. Teilnehmer der Runde

Ich habe die Sendung selbst von Anfang bis Ende gesehen und kann die Argumente sowohl der einen als auch der anderen Seite verstehen und teilweise nachvollziehen.
Nicht nachvollziehen kann ich jedoch, warum ein derart blasierter Selbstdarsteller wie Michel Friedmann immer wieder eine Plattform für seine unsäglichen Auftritte erhält.

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