Forum: Kultur
Islamdebatte bei "Hart aber fair": Träumen von der Toblerone-Republik

Ist das Minarettverbot ein "leuchtendes Beispiel" für die demokratische Bekämpfung des "politischen Islam"? Ein Schweizer vertrat die These bei Plasbergs Talk - und bekam Recht. Nicht von der Talkrunde, sondern den Zuschauern. Eine Sendung, die zum Lehrstück über den Kulturkampf wurde.

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royal_rumble 03.12.2009, 12:00
30. Schweiz

Zitat von newliberal
Die Schweiz ist alles was die meisten westlichen Staaten, ganz besonders Deutschland, nicht sind. Die älteste multikulturelle ! Demokratie der Welt (1291), entstanden aus Widerstand gegen Adel, Dynastien und Privilegien. Ausgestattet mit zahlreichen Instrumenten der direkten Demokratie auf allen ....
Naja, so ganz kritiklos darf man Ihr Loblied auf die Schweiz nicht hinnehmen.
In der Schweiz fanden mit am längsten Hexenverbrennungen in Europa statt.

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Mort 03.12.2009, 12:01
31. ...

Zitat von Newspeak
Die strikte Trennung von Staat und Religion kennt man doch in Deutschland auch nicht. (...)
Sie haben vergessen, dass christliche "Sozial"dienste sogar das Arbeitsrecht teilweise aushebeln dürfen. Trotz Quasimonopol und Gleichstellungsgesetz dürfen da z.B. Atheisten, Juden oder Moslems rausgeworfen werden, was in vielen Regionen quasi einem Berufsverbot in Pflegeberufen gleich kommt...

Zitat von
Ich verlange ja nicht, daß man die Geschichte des Abendlandes verleugnet,
Das wird ohnehin schon oft genug getan.

Zitat von
Aber vielleicht katalysiert das Gebahren des Islam ja auch eine zweite Aufklärung und Säkularisierung in Europa...
Schön wär's. Derzeit sieht es leider so aus, als würde im Christentum dasselbe passieren wie im Islam: Radikalisierung durch (gefühlten) Angriff.

Zitat von
sondern auf die hier vorherrschenden christlichen Religionen, die Werte und Moral unberechtigterweise für sich vereinnahmen, und so tun, als ob es außerhalb ihrer Organisationen nur Menschenverachtung und Barbarei gäbe.
Ich find's ja auch immer wieder seltsam zu beobachten, wie Werte als "christlich" bezeichnet werden, die die Aufklärung nach jahrhundertelanger Unterdrückung durch die christliche Kirche mühsam durchsetzen konnte... (Auch wenn die Aufklärung vermutlich näher an Jesus' Vorstellungen kommt als die allermeisten "christlichen" Vereinigungen, und damit auch irgendwie "christlich" wäre...)

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Mike Mail 03.12.2009, 12:02
32. Wehrhafte Demokratie

In meinen Augen ist die Schweiz vielleicht die einzige noch existierende echte Demokratie.
Hierzulande werden die Ängste der Menschen vor einem aggressiven Islam von der politischen Führung nicht Ernst genommen.

Ich muss mich im eigenen Land von einem jungen Türken als NAZI beschimpfen lassen, weil ich (in wirklich freundlichem und respektvollen Ton) darum bitte, beim Verlassen der U-Bahn den Müllberg aus Pistazienschalen mitzunehmen, der sich während der Fahrt auf dem Boden angehäuft hat.

Für mich muss ich sagen, dass ich mich vom Denken eines einstmals toleranten Menschen entfernt habe, was mich erschreckt.
Der Politik gebe ich eine große Mitschuld daran.

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blackseven 03.12.2009, 12:03
33. Ich verstehe die ganze Diskussion nicht...

...denn die Schweiz hat ein tiefergehendes Demokratieverständiss als Deutschland und pflegt dieses unter Anderem mit dem Werkzeug der Volksabstimmung. Und wenn ein Volkes-Votum eindeutig ist, dann ist es eindeutig und das Volk hat gesprochen.
Sollen die Schweizer jetzt die Volksabstimmung wieder abschaffen, nur weil einigen Politikern in Drittstaten das Ergebniss einer Abstimmung nicht gefällt? Noch dazu von Drittstaaten, in denen Volksabstimmungen nicht etabliert sind und Politiker noch machen können, was sie wollen, ohne dass das Volk es beeinflussen kann?

Entweder man hat Demokratie, lebt sie und fügt sich ihrer, oder man lässt es.
Ich bewundere die Schweiz für ihr System und würde mir wünschen, das unsere feigen Politiker auch mal ein bißchen "Arsch in der Hose" hätten, um dieses System mit allen Konsequenzen einzuführen. Aber das werde ich mit meinen 40 Jahren wohl nicht mehr erleben...

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kuchenbob 03.12.2009, 12:04
34. .

Zitat von hatem1
Schade, dass es die "Hart aber fair"-Redaktion nicht hinbekommt, auch nur halbwegs repräsentativ aus den Mails und aus dem Gästebuch zu zitieren. Nicht zum ersten Mal werden da offenbar die erwünschten ("politisch korrekten") Meinungen als repräsentativ dargestellt. Als könnte nicht jeder im Online-Gästebuch sehen, dass die Mehrheitsmeinung eine andere ist. Auch hier setzt sich also der Widerspruch fort zwischen Mehrheitsmeinung und dem, was davon durchdringen darf. Das schmälert die Glaubwürdigkeit von Plasberg. Leider.
Genau. Wobei es für mich zunächst so aussah, als ob man wirklich die Stimmung im Gästebuch der Sendung wiedergeben wollte. Nach der kleinen Unterbrechung dann auf einmal nur wieder PC-Beiträge. Das war schon auffällig.

Die Sendung war aber sonst ganz gut. Es gab aber eine Situation die mich wirklich SEHR irritiert hat. Als Herr Bosbach belegen konnte, dass muslimische Kinder eindeutig aus religiösen Grüden z.B. aus dem Sport- oder Schwimmunterricht ferngehalten werden und Herr Mazyek darafuhin dann allen erstes sagte das ganze habe nichts mit dem Islam zu tun. Das war schon surreal.

Herr Köppel hat übrigens eine sehr gute Figur gemacht.

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Liberia 03.12.2009, 12:04
35. Wahlrecht

Zitat von royal_rumble
Naja, so ganz kritiklos darf man Ihr Loblied auf die Schweiz nicht hinnehmen. In der Schweiz fanden mit am längsten Hexenverbrennungen in Europa statt.
Und Frauen dürfen in einigen Kantonen erst seit rund 20 Jahren wählen!

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nurEinGast 03.12.2009, 12:05
36. 1

Zitat von sysop
Ist das Minarettverbot ein "leuchtendes Beispiel" für die demokratische Bekämpfung des "politischen Islam"? Ein Schweizer vertrat die These bei Plasbergs Talk - und bekam Recht. Nicht von der Talkrunde, sondern den Zuschauern. Eine Sendung, die zum Lehrstück über den Kulturkampf wurde.
Gut geschriebener Artikel, meine Hochachtung davor.
Ich selbst habe mir die Sendung nur kurz angeschaut, weil ich den Kollegen Mazyek zu abstossend in seiner Selbstdarstellung und Ignoranz fand.

Wie gesagt, ich finde der Artikel hat das eigentliche Problem auf den Nagel getroffen. Es geht nicht um Bauhöhen oder Religion ansich.

Sondern darum, wie man mit einer Religion umgeht die vielerorts die europäische Mentalität missachtet (Kopftuch), Toleranz einfordert aber selbst nicht zeigt.
Die aggressiv, rücksichtslos und ungefragt in das Leben der Europäer eindringt.

Wie im Artikel beschrieben wurde hat die christliche Kirche in Europa eine einzigartige Geschichte durchgemacht die am Ende dafür sorgt dass wir mit ihr leben, aber nicht bedrängt werden wenn wir es nicht wollen (--> trennung von Kirche und Staat).

Wir sind Christen, weil unsere Wert-und Moralvorstellungen identisch sind (ausser vielleicht bei ein paar Nebensächlichkeiten), aber wir müssen uns der Kirche/ dem Glauben nicht unterwerfen/ unterordnen wenn wir es nicht wollen.
Gefällt uns das Kreuz nicht, können wir es ignorieren ohne Bestrafung fürchten zu müssen. Wollen wir beten, können wir das tun ohne Bestrafung fürchten zu müssen.

Und nun etabliert sich eine Religion, die dieses gewachsene Verhältnis ignoriert, sich aggresiv ausbreitet, alle Möglichkeiten dafür nutzt, aber die Mentalität der Europäer komplett ignoriert. Oder zumindest kaum Versuche unternimmt diese zu respektieren.

Vielleicht sollte man sich in der islamischen Welt einfach mal fragen, wieso (orthodoxe, katholische, protestantische) Christen, Juden, Buddhisten, Shintoisten usw. so friedlich und unbehelligt nebeneinander in Europa existieren können.

Liegt es vielleicht daran, dass sie die europäische Mentalität (bewusst oder unbewusst) respektieren und die historisch gewachsenen unsichtbaren Grenzen nicht überschreiten?

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blomson 03.12.2009, 12:05
37. Nicht die Minarette sind das Problem

Zitat von spiegel-hai
welchen Anspruch stellt man an ein "leuchtendes Beispiel"? Es hat sich mit einem Donnerschlag der geballte Frust der sonst nie angehörten Bevölkerungsmehrheit entladen, damit meine ich nicht nur die Abstimmung als solche.....
Religiöse Toleranz wurde durch das Verbot sicher nicht gefördert. Es wurden hier eher Probleme mit der allgemein wahrgenommenen islamischen Kultur und Lebensweise auf die islamische Religion transferiert. Ich glaube nicht, dass die Schweizer mit den Minaretten Probleme haben, sondern mit diesen nicht nur die Religion Islam verbinden, sondern auch die allgemein damit assoziierte Kultur. Wen stört es, wenn eine neue katholische Kirche gebaut würde? Ob nun ein neuer Kirchturm oder ein Minarett zum Stadtbild hinzukommt, macht bautechnisch keinen signifikanten Unterschied. Vielmehr geht es dabei um die Angst vor dem Klientel der zugehörigen Religionsgemeinschaften. Und dabei geht es nicht einmal um ihre Religion an sich, sondern um die einzelnen Auslegungen und den damit teilweise verknüpften Ansprüchen (Gebetsräume in Schulen, Sonderregelungen im Unterricht, etc.), die oft in krassem Widerspruch zu einem Großteil der westlichen Gesellschaftsauffassung stehen.
Auf beiden Seiten muss hier etwas geschehen und insofern stimme ich dem zitierten Kommentar hier zu, dass eine wichtige Diskussion angestoßen wurde, die dieses Mal hoffentlich auch geführt wird. Man muss bei dieser Diskussion nur stark darauf achten, dass man sich auf die eigentlichen Probleme konzentriert und nicht Symptom nach Symptom bekämpft, ohne die Ursachen zu berühren. In diesem Fall sehe ich die Ursache bei der allgemeinen Islamisierungsangst und dabei wieder in der mangelhaften Trennung von Religion und gesellschaftlichem Leben auf der einen Seite und der Übergeneralisierung auf der anderen.

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aamaro 03.12.2009, 12:05
38. Herrliches Schauspiel...

Auch ich habe die gestrige Sendung gesehen, mein Eindruck fällt aber zwiegespalten aus: Es stimmt schon, dass die Sendung im Vergleich zu vorigen "Hart aber Fairs"s endlich wieder an Schwung gewonnen hat. Nichtsdestotrotz gab es meiner Ansicht nach schon alleine hinsichtlich der Besetzung Kritik:

1. Nur ein Gesprächsteilnehmer ist gegen die Minarette: Anhand der zu Recht zitierten Stimmungslage in der weiten Bevölkerung wäre zumindest ein 50:50 Verhältnis angemessen gewesen. Anhand der Volksabstimmung ist es nachvollziehbar für diese Position einen Schweizer zu nehmen. Allerdings schielte die Diskussion auch in Richtung deutscher Verhältnisse. War es unseren Politikern "zu heiß" offen gegen die Minarette Stellung zu beziehen?! Klar, sie wären dann wahrscheinlich heute in den Medien überall Rassisten...

2. Bärbel Höhn, nunja man mag von ihr halten was man will. Aber sie hat leider wieder genau das Bild der Grünen abgegeben, das man erwartet. Gutmenschentum, Idealismus und grenzenlose Naivität ("die Hand zum Gespräch reichen" usw.). Klar ist dass sich die Grünen nachweisbar vorwiegend aus Pädagogen und dem öffentlichen Dienst zusammensetzen. Eine gewisse Verklärung der Weltsicht kann da schon entschuldigt werden. Man kann aber nur dann jemandem die Hand reichen, wenn jemand zur Kooperation bereit ist. Und genau hier liegt ja der Hund begraben.

3. Und auf Seiten der Muslime? Ein eloquenter, gebildet anmutender, moderner Mann mit 1a Deutschkenntnissen, Parteimitglied und im schicken Anzug...also repräsentativ für diejenigen, die er so beherzt vertritt, ist das auch nicht. Aber darüber wurde in der Sendung ja auch bereits debattiert: Offenbar sind sonst keine "hohen" Vertreter der Muslime in Deutschland zu einer Stellungnahme bereit.
Frau Höhn: So viel zum Thema Hand reichen...

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Rübezahl 03.12.2009, 12:05
39. Minarette über St. Moritz

Zitat von sysop
Ist das Minarettverbot ein "leuchtendes Beispiel" für die demokratische Bekämpfung des "politischen Islam"? Ein Schweizer vertrat die These bei Plasbergs Talk - und bekam Recht. Nicht von der Talkrunde, sondern den Zuschauern. Eine Sendung, die zum Lehrstück über den Kulturkampf wurde.
Ich stelle mir vor : Eine Mosche hoch droben über St. Moritz, deren Minarette sich in den darunter liegenden See spiegeln.Ein reitzvolles Fotomotiv, mehr aber auch nicht!

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