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Jauch-Talk: Die Angst vorm Worst Case
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Kriegsangst geht um in Europa: Eskaliert die Krim-Krise zum Worst Case? Die Talk-Gäste von ARD-Moderator Günther Jauch diskutierten wohltuend differenziert - es herrschte Konsens über den nun wohl einzig gangbaren Weg.

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bmvjr 03.03.2014, 05:49
1. clever auf Russisch

Dass es zu Verhandlungen kommen muss, war schon zu Beginn der Unruhe in der Ukraine klar. Dass diverse Interessengruppierungen, von Nationalisten zu EU-Anhaengern, von russischer Bevoelkerung in der Krim zu anti-russischen Tataren ihre Wunschkonstellationen mehr oder minder friedfertig oder gewaltbereit zum Ausdruck brachten, hat die Situation eskaliert und den Verhandlungsbedarf massiv erhoeht. Dass die EU und die USA sich einen Wettstreit erlauben, wer denn nun diplomatisch am weitesten in Sachen Ukraine kommt, ist betrueblich und sicher nicht zum Nutzen der Ukraine gewesen.
Nun sind Verhandlungen ein muss und wie das bei Verhandlungen so ist, braucht man etwas in der Hand womit oder worueber man verhandeln kann. Putin hat sich diese Voraussetzungen schnell geschaffen. Jetzt geht es nicht mehr nur um eine Regierungsbildung, Wahlen, finanzielle Unterstuetzung, Beruhigung der Ukraine, sondern jetzt kann/muss die EU, die Nato, die USA noch Zusaetzliches bieten, um einen Abzug russischer Truppen aus der Krim, Abbau der Truppenansammlung an der Grenze und Loesung fuer die von Russland als schutzbeduerftig dargestellten in der Krim ansaessigen Russen zu verhandeln.
Mit Putin's raschem, massivem Vorgehen hat er zusaetzliche Verhandlungspunkte kreiert, die die vor wenigen Wochen noch entscheidend scheinenden Themen in den Hintergrund zukuenftiger Verhandlungen druecken, sozusagen von Platz Eins verdraengen, da jetzt brisantere Punkte Vorrang haben. Das ist clever auf Russisch.

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holzbocki 03.03.2014, 05:57
2. Unnötige Sendung

Von Differenziertheit konnte ich wenig sehen. Es hat auch keinen Zweck Talk Allzweckwaffen wie den Rechtsanwalt aus Berlin oder eine im alter von sieben Jahren aus der Ukraine ausgewanderte Dame die jetzt mal , weil es schick ist, ihre Wurzeln entdeckt einzuladen. Sowas ist doch Käse und Jauch sollte sich Bemühen keine Journalisten einzuladen denen er nach ein paar Minuten schon Befangenheit und Putin Nähe vorwirft. Was soll das? Entweder nicht einladen oder kein Russen bashing auf Kosten des Gastes.

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k.u.m. 03.03.2014, 05:58
3. Warum mischt die NATO mit?

Über die NATO wurde in der Diskussionsrunde zwar immer wieder geredet, doch niemand fragte danach, warum überhaupt der NATO-Rat in Fragen der Ukraine tagt und erst recht, wer den NATO-Generalsekretär Rasmussen zu einem außenpolitischen Statement legitmiert hat.

Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis. Kein NATO-Staat wird von Russland bedroht, geschweige denn angegriffen. Das heißt, es gibt keinen Verteidigungsfall. Insoweit hat die NATO hier überhaupt nicht mitzureden.

Erst recht ist Herr Rasmussen kein Über-Außenminister. Den hat niemand gewählt, und es erstaunt schon sehr, dass der in dem Konflikt mit seinen dummen Sprüchen so tat, als hätte die NATO politisch mitzureden.

Noch mehr erstaunt mich, dass keines der NATO-Mitgliedsländer Herrn Rasmussen in die Schranken wies. Offenbar ist es dem Herrn in seinem Amt zu langweilig geworden. Dann sollte man ihm einen Schachcomputer schenken und ihm dabei klarmachen, dass er seine Kompetenzen bei weitem überschritten hat.

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Ursprung 03.03.2014, 06:06
4. Putin: schwach aber stark spielen

So ein bisschen kann ich da dem Herrn Ischinger folgen:
Putin wird in den Anrainer-Staaten weniger glaubhaft, bzw. mehr Feindschaft und Vorbehalte ernten, was einen Haufen Probleme fuer ihn nachziehen wird.
Aber global wird er an Bedeutung zulegen: der kann jederzeit die Welt in Aengste versetzen, wie es ihm beliebt und keiner wird wegen Putin einen dritten Weltkrieg riskieren- genau das ist jetzt seine taktische "Diplomatie": Staerke glaubhaft zu mimen.
Aber eben erkauft durch durch mehr Probleme in der Nachbarschaft. Die Tartaren und ukrainische Nationalisten, denen er Ansporn gibt, werden noch mehr leidenschaftliche Antiputinisten werden und das wird zunehmend bis zu aufmuepfigeren Mongolen und anderen Voelkerschaften in seinem Umfeld reichen.
Er wird durch Eskalation, die er kaum noch wird zurueckfahren koennen, die Restwelt eine Weile in Atem halten und die Schlagzeilen bestimmen. Der koennte nun zur tragisch-gefaehrlichen Figur werden. Lieb wird ihm das nicht sein, sein Naturell ist eher, sich stark zu fuehlen aber nicht so zu erscheinen -er sieht aber Zeiten entgegen, in denen er aus Schwaeche den Starken wird spielen muessen.
Mit Rechtsstaatlichkeit in Russland wirds weiter bergab gehen, solange Putin dort wirken wird. Anders wird er der zunehmenden Aufmuepfigleit in seinem "Reich" nicht Herr werden koennen.
Schwierige und viele bipolare Zeiten der Weltpolitik in den kommenden Jahren....

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sinasina 03.03.2014, 06:15
5. Von Wahlbetrug habe ich nichts gefunden. Oder irre ich?

Zitat von sysop
Kriegsangst geht um in Europa: Eskaliert die Krim-Krise zum Worst Case? Die Talk-Gäste von ARD-Moderator Günther Jauch diskutierten wohltuend differenziert - es herrschte Konsens über den nun wohl einzig gangbaren Weg.
In einem anderen Thread zu diesem Thema hatte ein Forumsmitglied geschrieben, man solle sich daran erinnern, wie massiv hier die Polizei bei Stuttgart 21 reagiert hätte und ob unsere Regierung solche Zustände wie auf dem Maidan hingenommen hätte?
Das hat mich nachdenklich gemacht, denn soweit mir bekannt, wurde die Regierung gewählt und von Wahlbetrug habe ich nichts gefunden. Oder irre ich?

Bin jedenfalls froh, dass wir hier nicht die totalen Scharfmacher haben und die Bundeswehr durch die Umstrukturierungen nicht in der Lage ist, einen Angriff durchzuführen.

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mamacru 03.03.2014, 06:18
6. Schade eigentlich

Marina Weisband entlarvt sich als bodenlos naiv. Träume sind nun mal Träume. Ehrenhafte Ziele und doch so weltfremd

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obsurfer 03.03.2014, 06:23
7. Rührender Vorschlag Gysis...

Die Oligarchen (Wirtschaftsverbrecher...) zu enteignen?

Na, da zahlen wir doch viel lieber und freudigen Herzens die vielen zig-Milliarden, die Kiew akut (und erst recht auf Dauer) so benötigt...

Hauptsache, die Nato ist näher dran am Reich des Bösen - und die USA hätten sich somit einen weiteren Herzenswunsch erfüllt!

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blitzunddonner 03.03.2014, 06:27
8. dass sich die kürzung der biogas-förderung als falsch herausstellen würde, war klar.

dass sich die kürzung der biogas-förderung als falsch herausstellen würde, war klar. aber dass die ereignisse dies so schnell belegen würden, war nicht zu erwarten.

angesichts der offensichtlich guten ausrüstung der russischen truppen, bezahlt vornehmlich mit europäischen energierubel, wären jetzt die anstrengungen, energie aus eigenem lande nicht nur auf den alten stand zu bringen, sondern sogar zu verzehnfachen. eine vollständige unkriegerische und diplomatische reaktion auf das offensichtliche. die zudem russland nicht plötzlich treffen würde, sondern erst in jahren und zudem peu à peu.

und schröder in die wüste. und all die eu-versager an den zündhölzern der osterweiterung gleich mit.

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spiegelprisma 03.03.2014, 06:45
9.

Zitat von sysop
Kriegsangst geht um in Europa: Eskaliert die Krim-Krise zum Worst Case? Die Talk-Gäste von ARD-Moderator Günther Jauch diskutierten wohltuend differenziert - es herrschte Konsens über den nun wohl einzig gangbaren Weg.
In dem Talk ging es viel um Vertrauen.
Mit dem Vertrauen ist es nun so eine Sache.
Dem russischen Zaren und Oligarchenführer Putin kann man in etwa genauso viel Vertrauen entgegen bringen wie dem NSA-Machtapparat in der entgegen gesetzten Himmelsrichtung.

Allerdings kocht sich Europa hier ein ganz eigenes Machtsüppchen.

Alle zusammen wären gut beraten, nun im Gespräch zu bleiben und ein Referendum über die Unabhängigkeit der Krim-Region anzustreben und dann auch anzuerkennen. Alles andere liefe auf Krise ungeahnten Außmaßes hin.

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