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Jazzsängerin Uschi Brüning: "Die Menschen im Westen interessieren sich nicht für uns"
ullstein bild

In der DDR galt Uschi Brüning als die "Ella Fitzgerald des Ostens" - dann fiel die Mauer. Im Interview erzählt sie von ihrer Furcht vor dem Westen, Kokspartys in der Sowjetunion - und sie macht Wolf Biermann ein spätes Geständnis.

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strike65 02.03.2019, 20:27
1.

Uschi Brüning war eine Instanz in der ostdeutschen Musiklandschaft. Ihr Stil mag eigenwillig sein, aber musikalisch ist sie über jeden Zweifel erhaben. Allerdings habe ich sie als Teil des sozialistischen Apparates gesehen und sie hat auch davon profitiert.

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Mertrager 02.03.2019, 20:35
2. Sehr vieles richtig

Ich kann die geschilderten Beobachtungen insofern bestätigen, dasz es anderen Musikkünstlern der DDR nach eigener Darstellung genau so ging. Schön findet ich, dasz sie das ohne Hass und Häme vorbringt. Das gelingt nicht jedem.

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vera gehlkiel 02.03.2019, 21:11
3.

Schwierig bei mir eingefleischter Westlerin, derzeit nicht sofort "Jammerossi" zu denken, wenn es um eine DDR- Remineszenz mit Goldrand geht. Möchte ich einfach nur mal zu Protokoll geben. Wo bleibt die Aufarbeitung der Tatsache, dass das immer wieder kolportierte Sicherheitsgefühl von früher mit brutaler Unterdrückung erkauft war? Mittlerweile erstarren sogar die Affären Biermann und Krug zu heimeligem Volkstheater mit extra Stasi-Gruseleffekt. Während der rechte Osten die bundesrepublikanische Gesamtbilanz auf allen Gebieten schwer in den Keller drückt, weil die unbedingt "unverstanden" bleiben müssen. Sorry, mir wird darüber der Jazzgenuss passagaer eindeutig verhagelt. Sicher persönlich gar nicht gerechtfertigt. Und ich bin an sich wirklich ne aufgeschlossene Frau. Aber ich will endlich auch mal "Jammerwessi" sein. Ich finde sowieso, die Menschen sollten im übrigen mehr afrikanischen Jazz zu hören anfangen. Dort stimmt die Relation von "aus wenig mache viel" jedenfalls...

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spmc-12355639674612 02.03.2019, 22:48
4. Jammerossi? Im Ernst jetzt?

Zitat von vera gehlkiel
Schwierig bei mir eingefleischter Westlerin, derzeit nicht sofort "Jammerossi" zu denken, wenn es um eine DDR- Remineszenz mit Goldrand geht. Möchte ich einfach nur mal zu Protokoll geben. Wo bleibt die Aufarbeitung der Tatsache, dass das immer wieder kolportierte Sicherheitsgefühl von früher mit brutaler Unterdrückung erkauft war? Mittlerweile erstarren sogar die Affären Biermann und Krug zu heimeligem Volkstheater mit extra Stasi-Gruseleffekt. Während der rechte Osten die bundesrepublikanische Gesamtbilanz auf allen Gebieten schwer in den Keller drückt, weil die unbedingt "unverstanden" bleiben müssen. Sorry, mir wird darüber der Jazzgenuss passagaer eindeutig verhagelt. Sicher persönlich gar nicht gerechtfertigt. Und ich bin an sich wirklich ne aufgeschlossene Frau. Aber ich will endlich auch mal "Jammerwessi" sein. Ich finde sowieso, die Menschen sollten im übrigen mehr afrikanischen Jazz zu hören anfangen. Dort stimmt die Relation von "aus wenig mache viel" jedenfalls...
Ich habe als ebenfalls "eingefleischter Westler" schon jede Menge "Ossis" kennengelernt, bisher jedoch noch keinen einzigen "Jammerossi" - naja, muss wohl an mir liegen ... Ich meine vielmehr, dass die Ossis uns Westlern etwas ganz Entscheidendes voraus haben: Sie hatten damals den Mut, sich gegen ein, gegen ihr totalitäres Regime aufzulehnen, ohne Netz und doppelten Boden und ohne dass sie eine Ahnung davon hatten, wie es ausgehen könnte. Dieser Mut wurde uns im Westen niemals abverlangt. Natürlich neigen wir Menschen dazu, Erinnerungen ein wenig anekdotisch zu erzählen und manches in ein goldeneres Licht zu rücken, besonders wenn die Dinge ein gutes Ende genommen haben. Dass jetzt so viele gerade im Osten politisch nach rechts gerückt sind, liegt wohl auch daran, wie es nach der Wiedervereinigung im Osten gelaufen ist und dass viele Hoffnungen, die sich die Leute dort berechtigterweise machten, nie erfüllt wurden, und daran waren sicher nicht nur die Ossis schuld. Riesige Werte wurden kurz nach der Wiedervereinigung ohne wesentliche Gegenleistung in westliche Hände verschoben, was auf keinen Fall hätte passieren dürfen. Viele Ostdeutsche sind mangels dortiger Arbeitsplätze aus dem Osten abgewandert. Natürlich hat das Spuren hinterlassen.

Dass wir uns für die Ostdeutschen aber nicht interessieren, wie Frau Brüning im Interview sagt, stimmt für mich jedenfalls nicht, ganz im Gegenteil: Ich bin gerne und, so oft ich Gelegenheit habe, im Osten unterwegs und spreche mit den Leuten dort, kenne aber auch einige, die bisher fast nie eines der neuen Bundesländer besucht haben, obwohl es sich wirklich lohnt.

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unlogisch 02.03.2019, 22:52
5.

Zitat von vera gehlkiel
Schwierig bei mir eingefleischter Westlerin, derzeit nicht sofort "Jammerossi" zu denken, wenn es um eine DDR- Remineszenz mit Goldrand geht. Möchte ich einfach nur mal zu Protokoll geben. Wo bleibt die Aufarbeitung der Tatsache, dass das immer wieder kolportierte Sicherheitsgefühl von früher mit brutaler Unterdrückung erkauft war? Mittlerweile erstarren sogar die Affären Biermann und Krug zu heimeligem Volkstheater mit extra Stasi-Gruseleffekt. Während der rechte Osten die bundesrepublikanische Gesamtbilanz auf allen Gebieten schwer in den Keller drückt, weil die unbedingt "unverstanden" bleiben müssen. Sorry, mir wird darüber der Jazzgenuss passagaer eindeutig verhagelt. Sicher persönlich gar nicht gerechtfertigt. Und ich bin an sich wirklich ne aufgeschlossene Frau. Aber ich will endlich auch mal "Jammerwessi" sein. Ich finde sowieso, die Menschen sollten im übrigen mehr afrikanischen Jazz zu hören anfangen. Dort stimmt die Relation von "aus wenig mache viel" jedenfalls...
Sie schreiben Sie sind aus dem Westen und erzählen was von brutaler Unterdrückung. Vielleicht fangen Sie mal an zu Differenzieren. Es gab auch Menschen die in der DDR keine Systemgegner waren und somit durchaus im Verhältnis kein schlechtes Leben hatten. Viele Dinge hat man erst nach der Wende erfahren. Die Stasifilme sind übrigens total überzeichnet, weil so wie die Stasileute in den Filmen heutzutage rumlaufen, habe ich z.B. überhaupt keinen gesehen. Wie ich heute die BND Agenten nicht sehe. Wenn ich an die Heime denke und dann erfahre, dass es solche Heime auch im Westen gab. Wenn ich an die Pfarrer denke und Snowden mit der Überwachung. Die DDR hat nicht funktioniert, weil es keinen Kapitalismus gab, der Konkurenzkampf hat gefehlt, und somit sah alles gleich aus. Dafür wurde im Osten die Haustür nie abgeschlossen, weil es eh nichts zu holen gab. Die Nachbarn kannten sich alle und es gab nicht diese Ellenbogengesellschaft wie heute. Alles hat sein für und wieder. Die DDR hätte mit der Planwirtschaft niemals überlebt. Heutige Systemgegner werden übrigens auch verfolgt nur wertet das keiner so richtig aus.

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spondk 02.03.2019, 23:43
6. Etta Cameron

Etta Cameron würde im Nassau (Bahamas) geboren und deswegen keine US-Sängerin. Sie lebte in einige Jahren in DDR aber seit die 70‘er Jahren war Dänemark ihre Heimat

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as@hbx.de 03.03.2019, 00:17
7. Nein!

Ich habe als Ossi und damals Schlagzeuger in einer Jazz-Rock-Band, die Brüning nicht gemocht. Viel zu angepasst. Viel zu opportuistisch. Und ihr Gejammer kann ich als *Neubundi* nicht verstehen!

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as@hbx.de 03.03.2019, 00:20
8. Ps.

es macht vielleicht einen Unterschied, dass ich 15 Jahre jünger als Frau Büning bin. Und ich gestehe ihr natürlich ihre Wehwehchen zu...

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Newspeak 03.03.2019, 01:28
9. ....

"Die Menschen im Westen interessieren sich nicht für uns,"

Warum sollten sie? Ich glaube die gemeinsame deutsche Vergangenheit und Sprache täuscht darüber hinweg, dass die DDR nun mal 40 Jahre ein eigener Staat war. Ich interessiere mich auch nicht für Dänemark. Trotzdem wird vor allem in den öffentlich-rechtlichen Medien so getan, als müsste man im wiedervereinigten Deutschland alles gut finden, was mit der DDR Kultur jenseits der Diktatur zu tun hat. Ziegenbart Sandmann und Broiler und Spreewaldgurke und Paul und Paula und und und. Aber sorry, die DDR Vergangenheit verbreitet vor allem ein tristes und muffiges Bild. Es gibt auch kein sowjetisches Hollywood. Das heisst nicht, dass alles schlecht war, aber man kann, denke ich, auch nicht erwarten, dass Menschen mit Westsozialisation jetzt alles aus dem Osten toll finden (umgekehrt genausowenig). Die Nachwendegeneration wird das anders erleben. Die Unterschiede werden sich ausgleichen. Aber es dauert eben.

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