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Jazzsängerin Uschi Brüning: "Die Menschen im Westen interessieren sich nicht für uns"
ullstein bild

In der DDR galt Uschi Brüning als die "Ella Fitzgerald des Ostens" - dann fiel die Mauer. Im Interview erzählt sie von ihrer Furcht vor dem Westen, Kokspartys in der Sowjetunion - und sie macht Wolf Biermann ein spätes Geständnis.

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jo-bo-sa 03.03.2019, 01:44
10. Fortsetzung: Den Westen interessiert das alles

überhaupt nicht. Warum auch? Alles sehr zerklüftet. Der Beitrag von Vera Gehlkiel untermauert die Kluft. Und diese besteht ja nicht nur zwischen Ost und West. Sondern genauso zwischen Nord und Süd. Bayern und Niedersachsen oder Berlin? Gute Nacht.

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claus7447 03.03.2019, 07:27
11.

Zitat von vera gehlkiel
Schwierig bei mir eingefleischter Westlerin, derzeit nicht sofort "Jammerossi" zu denken, wenn es um eine DDR- Remineszenz mit Goldrand geht. Möchte ich einfach nur mal zu Protokoll geben. Wo bleibt die Aufarbeitung der Tatsache, dass das immer wieder kolportierte Sicherheitsgefühl von früher mit brutaler Unterdrückung erkauft war? Mittlerweile erstarren sogar die Affären Biermann und Krug zu heimeligem Volkstheater mit extra Stasi-Gruseleffekt. Während der rechte Osten die bundesrepublikanische Gesamtbilanz auf allen Gebieten schwer in den Keller drückt, weil die unbedingt "unverstanden" bleiben müssen. Sorry, mir wird darüber der Jazzgenuss passagaer eindeutig verhagelt. Sicher persönlich gar nicht gerechtfertigt. Und ich bin an sich wirklich ne aufgeschlossene Frau. Aber ich will endlich auch mal "Jammerwessi" sein. Ich finde sowieso, die Menschen sollten im übrigen mehr afrikanischen Jazz zu hören anfangen. Dort stimmt die Relation von "aus wenig mache viel" jedenfalls...
Danke. Sicher wurden Fehler gemacht. Aber Wenn ich Berichte über "plattmachen lese, Frage ich mich: weiß der oder diejenige wie es 1989 in der DDR aussah. Das Problem war, es war vieles bereits PLATT. Marode, so weit weg, dass man nicht hätte reparieren können. Ich war des öfteren zw. 1980 bis vor der Wiedervereinigung in der DDR ich könnte in betrieben vor und hinter die Kulissen schauen. Sicher nicht alles.
Der Osten ist schon nach dem WKI vernachlässigt worden. Die Reparationen an die UdSSR wäre brutal. Nein wir haben den Osten nicht vergessen, sonst wäre dort heute nicht die Infrastruktur die jetzt steht. Man vergisst dabei rasch, wie im Westen der Niedergang der Kohle und Stahl Lücken gerissen hat. Jammert der Westen?

Sicher schade, wenn Frau Brüning keine westkariere starten könnte, Das Schicksal teilt sie mit Joy Flemming, die kam im Osten nicht an.

Dennoch, alles gute und Capo.

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jujo 03.03.2019, 08:03
12. ....

Tut mir leid Frau Brüning aber ich sehe das ein wenig anders.
Was soll ich z.B. in F. Oder ?, ich war auch noch nie im Saarland.
Ich wüßte auch nicht was ich dort sollte.
Mein Interesse liegt in der Begegnung mit Menschen. Ich hätte da keine vorgegebenen Vorbehalte, weder gegenüber Sachsen oder Saarländern. Mir käme es auf die Person an. Die Herkunft wäre für mich nachgeordnet.

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ThomasS79 03.03.2019, 08:40
13. @#3

Es ist erstaunlich wie sehr Ihr Schubladendenken Sie dominiert und bestätigt leider die Annahme des systematischen Desinteresses des "eingefleischten Westlers" an den ostdeutschen Ursachen und Befindlichkeiten. Die hochgradig selektive Wahrnehmung brutaler Stasi-Unterdrückung, die für die meisten "Jammerwessis" eine oft bemühte, aber niemals nachempfindbare Worthülse bleiben wird, beschreibt eben doch nicht das 360° Leben in der DDR. Genauso wenig ist man momentan an einer Aufarbeitung der 90er Jahre interessiert, die den tatsächlichen Grundstein für AfD und Co. legten, in der öffentlichen Wahrnehmung allerdings unerwünscht sind. Verstehen sie mich bitte nicht falsch, weder ich noch die meisten anderen Ossis wünschen sich eine DDR zurück! Und mit nichten hat hier jemand vergessen wie Freiheit schmeckt oder was Demokratie ausmacht! Aber im Gegensatz zu Ihnen, sehr verehrte, eingefleischte Westlerin, mussten wir dafür einen sehr hohen Preis bezahlen, nämlich die Unterwerfung sämtlicher wirtschaftlicher und finanziell verwertbarer Mittel, einschließlich unserer Städte, Kultur und Arbeitskraft. Die wirtschaftlichen Institutionen schafften es brilliant, dem gemeinen Ossi sehr unmissverständlich und existentiell bedrohlich klar zu machen, wer, was, wie, wo, wann und manchmal auch warum zu laufen hat! Und wenn Sie meinen, die "Wessi-Jammer-Karte" des Soli ziehen zu wollen, dann schauen Sie sich mal die Fakten und Tatsachen an, dann begreifen Sie vielleicht irgendwann auch, das nicht alles Jammern ist, was oberflächlich so aussieht. Wenn Sie ein ernsthaftes Interesse am Seelenbefinden der Ossis haben, und vielleicht aus Ihrer Schublade zur Wende und den Nachwendejahren herauskriechen wollen, empfehle ich Ihnen die mehrteilige Dokumentation des MDR "Wem gehört der Osten?" - für mich Pflichtprogramm für jeden Wessi, der meint irgendwas über den Osten kommentieren zu wollen!

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goodcharlotte 03.03.2019, 08:40
14. Unverständlich

Als Wessi verstehe ich die Haltung nicht. Ein abhängiges Leben in der DDR, ständig hängt das Damoklesschwert Staatsgewalt über allem, Berufswahl, Liedtext, Zensur überall. Selbst die Unterschrift für einen Freund wird aus Angst vor Repressalien zurück gezogen. Das ist unvorstellbar. Und dann ist man nicht froh, dass das Regime untergeht?

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lesheinen 03.03.2019, 08:45
15.

Ich bin Westler und habe mich sehr über den Mauerfall gefreut. Innerlich habe ich mich über jeden Ostler gefreut, nicht für mich, sondern für ihn. Aber musste ich deswegen tagtäglich meine Freude öffentlich kund tun? Für mich sind Ostler das gleiche wie Bayern, Schlwesweg-Holsteiner und sonstige Mitbürger aus anderen Landesteilen. Die begrüße ich auch nicht überschwänglich, wenn ich ihnen begegne. Ich glaube, sie würden mich auch als kompletten Vollidioten betrachten. Frau Brüning sollte mal die Ostler befragen, die nach 1989 aus meist beruflichen Gründen in den Westen gewechselt sind. Sicher war es für sie schwer, das gewohnte Umfeld zu verlassen und im Westen Fuß zu fassen. Aber sind sie hier Menschen zweiter oder dritter Klasse? Nein, diejenigen, die ich kenne, sind voll integriert. Die alte Heimat kann man ihnen hier nicht schaffen, das ist klar, aber sie haben hier keinerlei Ressentiments erlebt.Sorry, Frau Brüning, aber ich bitte um weniger Pauschalurteil.

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brux 03.03.2019, 09:05
16. Na ja

Da schimmert dann doch viel Anpasserei durch. Schade und nicht komplett zu erklären, denn die DDR haben über die Jahre viele Menschen verlassen. Die hatten auch Angst ob sie im Westen auf die Füsse kommen würden und haben es trotzdem gewagt. Z.B. meine Eltern, die eben nicht wollten, dass ihre Kinder in Unfreiheit aufwachsen.
Das Leben als Staatskünstler war dann doch wohl zu bequem und es ist immer einfacher ohne Konkurrenz und die Unwägbarkeiten des Markts. Nur ist das eben nicht das wahre Leben.
Am Ende muss das jeder ehemalige DDR Bürger mit sich selbst ausmachen.

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damianschnelle 03.03.2019, 09:17
17. @vera gehlkiel

Ich empfehle Ihnen dringend das Interview hier bei SPON mit der VW Managerin. Ich bin es leid mir immer erzählen lassen zu müssen ich sei ein Jammerossi. Ich hatte das große Glück ein paar wirklich passable Menschen aus den alten Ländern kennengelernt zu haben. Darüber hinaus habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele von den wirklichen Oppositionellen zu DDR Zeiten diesen Staat viel realistischer betrachten als die vielen selbsternannten Verfolgten, die plötzlich nach 1990 auftauchten.

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Papazaca 03.03.2019, 09:38
18. Eine sehr gute Sängerin. Und die DDR. Ein fremdes Land!

Ich habe bewußt die anderen Kommentare noch nicht durchgelesen,
um nicht beeinflußt zu werden. Von der lieben Vera zum Beispiel?

Aber erstmal habe ich mir was von Uschi Brüning angehört. Die kann wirklich singen. Auch eigene Stücke oder nur Standards? Egal.

Ja, ein gutes, vielsagendes Interview. Ich habe mich gefragt, wie ich mich wohl in der DDR verhalten hätte?

Erstmal: Wir reden hier von einer 72jährigen Dame, die jetzt wahrscheinlich kein Anhängerin von RAP ist. Sicher ist sie auch keine Mode-ikone sondern eine eher sympathische, ältere Dame. Ob ihr Leben jetzt so spannend und donnernd war und sie das auch entsprechend sprachlich erzählen kann?? Mittels Buch?

Die Sprache sagt da etwas: "Ost-Liedgut", meinte sie. Auf die Frage nach Ella Fitzgerald antwortet sie mit Caterina Valente. Damals noch nie was von Billie Holiday gehört? Und "MAN macht sich Gedanken", immer wieder MAN oder WIR, selten ICH. Und Frau Brüning hatte Probleme mit dem Westen. Kann ich verstehen. Das haben selbst Menschen, die im Westen leben und lebten. Aber ok, das ist wahrscheinlich ein Befund, der für für viele in der DDR galt und gilt, besonders für Ältere.

Und jetzt also Merkel. Und selbst auf der Bühne, im zu großen Hosenanzug.

Trotz Ihres Verhalten bei der Biermann-Ausweisung, Ihre Probleme, die ICH-Form zu benutzen, ich finde sie eher sympathisch. Und freue mich, die DDR- Erfahrungen nicht gemacht zu haben. Ja, es war eine andere Welt. Auch noch heute. Besonders für die Älteren. Wir im Westen hatten viel mehr Glück und sollten verständnisvoller sein. Auch wenn es manchmal schwer fällt. Ich wünsche ihr noch viele gute Konzerte. Weltweit. Auch im Westen.

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karlheinz-hesse 03.03.2019, 09:43
19. So ist es.

Zitat von claus7447
Danke. Sicher wurden Fehler gemacht. Aber Wenn ich Berichte über "plattmachen lese, Frage ich mich: weiß der oder diejenige wie es 1989 in der DDR aussah. Das Problem war, es war vieles bereits PLATT. Marode, so weit weg, dass man nicht hätte reparieren können. Ich war des öfteren zw. 1980 bis vor der Wiedervereinigung in der DDR ich könnte in betrieben vor und hinter die Kulissen schauen. Sicher nicht alles. Der Osten ist schon nach dem WKI vernachlässigt worden. Die Reparationen an die UdSSR wäre brutal. Nein wir haben den Osten nicht vergessen, sonst wäre dort heute nicht die Infrastruktur die jetzt steht. Man vergisst dabei rasch, wie im Westen der Niedergang der Kohle und Stahl Lücken gerissen hat. Jammert der Westen? Sicher schade, wenn Frau Brüning keine westkariere starten könnte, Das Schicksal teilt sie mit Joy Flemming, die kam im Osten nicht an. Dennoch, alles gute und Capo.
Finanzierung der deutschen Einheit", sagte er im Bundestag.

Heute, 20 Jahre später, ist klar, dass sich Kohls erstes Versprechen erfüllt hat: Die Lebensverhältnisse in Ostdeutschland sind heute viel besser als vor der Wende - auch wenn einzelne Regionen sich nach wie vor schwertun, Anschluss zu finden. 60 Prozent der Ostdeutschen glauben nach einer aktuellen Umfrage, dass das Leben für die meisten Menschen in den neuen Bundesländern heute besser sei als früher in der DDR.

Doch die fiskalischen Versprechen erwiesen sich als unhaltbar: 2,1 Billionen Euro haben die Sanierung der maroden DDR-Wirtschaft und die Einbeziehung der Ostdeutschen in die Sozialsysteme der Bundesrepublik bis Ende 2010 gekostet - und die Rechnung wächst weiter. Rund 400 Milliarden Euro sind als Steuern und Sozialbeiträge zurückgeflossen - bleiben netto rund 1,7 Billionen. Der dadurch bewirkte Anstieg der Staatsverschuldung und die Überlastung der Sozialkassen haben zu höheren Steuern, Gebühren und Sozialabgaben geführt.

Mit solchen gigantischen Kosten hatte selbst Kohls Widersacher bei den gesamtdeutschen Wahlen im Dezember 1990, der SPD-Spitzenkandidat Oskar Lafontaine, nicht gerechnet. Er musste sich damals wegen einer Schätzung von 100 Milliarden DM pro Jahr als Schwarzmaler schelten lassen. Heute wissen wir, dass die Rechnung fast doppelt so hoch ausfiel.

Persönlich habe ich mich über den Mauerfall sehr gefreut. Aber die Ostdeutschen haben halt 1990 so gewählt, wie Sie es wollten.

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