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Jazzsängerin Uschi Brüning: "Die Menschen im Westen interessieren sich nicht für uns"
ullstein bild

In der DDR galt Uschi Brüning als die "Ella Fitzgerald des Ostens" - dann fiel die Mauer. Im Interview erzählt sie von ihrer Furcht vor dem Westen, Kokspartys in der Sowjetunion - und sie macht Wolf Biermann ein spätes Geständnis.

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mikett 03.03.2019, 09:57
20. ich interessiere mich aber doch

ich kann verstehen, dass auch Frau Brüning mit der Wende Schwierigkeiten hatte. Nicht akzeptieren kann ich aber die Verallgemeinerung - die interessieren sich nicht für uns - leider eine weit verbreitete Vorgehe nsweise. Als alter Wessi, der nun seit ein Paar Monaten in Brandenburg lebt gehöre ich zu den Menschen, welche ihre Umgebung sehr intensiv erkunden - dies gilt insbesondere für die Kultur. Von Frau Brüning hatte ich bisher noch nie etwas gehört.....werde mich jetzt mal schlau machen. Die Tatsache, dass sie "im Westen" nur schleppend Erfolg hatte, hat mit Sicherheit wenig mit Desinteresse der Menschen dort gegen "Ossis" zu tun. Ich habe in verschiedenen Bundesländern gelebt und jedesmal festgestellt, welche tolle Künstler es regional gibt, deren Bekanntheitsgrad eben regional ist. so z.B. ist bayerische Musikszene grandios aber außerhalb Bayerns nur begrenzt zu hören und die Musik von der Waterkant spielt in Bayern oder in Thüringen kaum eine Rolle.

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landsend 03.03.2019, 10:05
21. DDR Mentalität

Wie Frau Brüning zum Schluß ihes Inteviews konstatierte, geht es um die Wahnehmung der DDR Befindlichkeit. Die kann in der Tat kein Wessi nachvollziehen, weil er die brutale Mentatlitätsprägung durch den totalitären Staat nich erfahren hat. Insofern sind Missverständnisse und Ressentiments geadezu prädestiniert gewesen. Sicherlich hat es genügend Wessis gegeben, die in der ehemaligen DDR nichts anderes als die Möglichkeit zum Reibach gesehen haben, andererseits waren und sind viele Ossis nicht willens oder in der Lage, ihre eigene Situation oder Befindlichkeit zu reflektieren. Bezeichnenderweise ist es meiner Erfahrung nach denjenigen am besten gelungen, die bereits eine kritische und distanzierte Haltung zum eigenen Staat entwickelt hatten. Die haben dann auch geringere Anpassungsschwierigkeiten gehabt. Wer sich aber auf den DDR-Mief mental eingelassen hatte und sich von diesem Staat versorgt wissen wollte, - und sei er noch so marode und bakrott, was bereits seit den 1980er Jahren buchstäblich zum Himmel stank-, der fiel nach der Wende oft ins Nichts - aber auch wegen seiner eigenen , unrealistischen Vorstellungen.

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mundusvultdecipi 03.03.2019, 10:07
22. Jammert der Westen?

Zitat von claus7447
Danke. Sicher wurden Fehler gemacht. Aber Wenn ich Berichte über "plattmachen lese, Frage ich mich: weiß der oder diejenige wie es 1989 in der DDR aussah. Das Problem war, es war vieles bereits PLATT. Marode, so weit weg, dass man nicht hätte reparieren können. Ich war des öfteren zw. 1980 bis vor der Wiedervereinigung in der DDR ich könnte in betrieben vor und hinter die Kulissen schauen. Sicher nicht alles. Der Osten ist schon nach dem WKI vernachlässigt worden. Die Reparationen an die UdSSR wäre brutal. Nein wir haben den Osten nicht vergessen, sonst wäre dort heute nicht die Infrastruktur die jetzt steht. Man vergisst dabei rasch, wie im Westen der Niedergang der Kohle und Stahl Lücken gerissen hat. Jammert der Westen? Sicher schade, wenn Frau Brüning keine westkariere starten könnte, Das Schicksal teilt sie mit Joy Flemming, die kam im Osten nicht an. Dennoch, alles gute und Capo.
..natürlich jammert der Westen.Wenn ich lese,wie die par Leute,die im Braunkohleabbau beschäftigt sind vom Untergang der Welt faseln,kann ich verstehen,warum Hunderttausende Ost Arbeitslose nur den Kopf schütteln

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Pkaul030 03.03.2019, 10:20
23. Schon traurig

Frau Brüning hat die Mauer immer noch nicht überwunden. "Ich bin eine ostdeutsche Sängerin" Ich dachte die Sprache ist der Punkt. Ich habe noch nie von "ostdeutsch" gehört, sondern von deutschsprachigen. Dann diese Jaulerei: "Niemand interessiert sich für uns" Warum auch, interessiert sie sich für jemanden? Mädel die Grenze ist seit 30 Jahren offen und die Mauer ist weg. Ich habe lange Jahre Musik, allerdings Rockmusik, gemacht und habe da Erfahrungen sammeln können, wenn Musiker hier kein vernünftiges Management hatten, gabs eben keine Gigs. Wir waren nicht staatlich angestellt. Vielleicht wäre es besser gewesen, sie hätte weiter als Gerichtsschreiberin gearbeitet, sie hat, verbittert wie sie ist, das Musikbusiness nicht verstanden.
Wenn Frau Brüning ihre Gage abgegeben musste, ist sie selbst schuld. DDR Musiker wurden bei Auftritten im Westen häufig in Ware bezahlt. Da ist es oft vorgekommen, dass sie für den überwiegenden Teil der Gage mit Instrumenten und Equipment bezahlt wurden. Ich kann mich an Konzerte bspw. von Veronika Fischer in der alten "Eierschale" am Breitenbachplatz erinnern, da kam Otto Simonowsky, der Inhaber vom damaligen Musikhaus am Zoo (in der Augsburger Strasse) und brachte einen Fender Bass und ein Keyboard mit. Die wurden in der DDR dann gewinnbringend an andere Gruppen verkauft. Nicht umsonst haben Pudys, City, Stern Meissen oder Karat oder wie die auch immer hiessen auf amerikanischen Instrumenten gespielt.
Mein Tipp, Management suchen und auftreten. Es wird zu Anfang vermutlich nur vor kleinem Publikum sein sein, aber die Initiative muss von ihr ausgehen, sonst wird das nichts. Der Name aus der Vergangenheit wird ihr da nicht helfen, aber nur wenn sie stimmlich und musikalisch überzeugen kann, kann es was werden. Vielleicht ist sie gar nicht so gut und leidet ein wenig an Selbstüberschätzung.

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Papazaca 03.03.2019, 10:21
24. Vera mischt die Szene auf.

Schön, Vera, wie Du die Szene aufmischst. Hoffen wir für Dich, das der liebe Gott die DDR nicht mal kurz wieder auferstehen läßt und Dich dann dazu verdonnert, 10 Jahre da zu leben. Um mitreden zu können. (lach).

Aber ich wollte Dir beipflichten: Afrikanischer Jazz ist ganz toll und kaum bekannt. Deshalb möchte ich Dir einiges empfehlen. Mulatu Astatque aus Äthiopien, Jazz von 69-74. Oder Jazz aus Südafrika. Abdullah Ibrahim, Hugh Masekela, Zack N'kosi. Oder meine Favoriten aus dem Mali und dem Sudan: Toumani Diabate mit Kaira,
und Hamza al Din mit A Wish. Viel Spass wen Du sie noch nicht kennst.

Sorry to say, aber gegen die Jungs aus Afrika hat unsere gute Jazzsängerin keine Chance. Aber das mindert nicht Ihre Klasse.

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steueragent 03.03.2019, 10:33
25. Bin kurz nach der Wende auf einem Konzert gelandet.

In Dresden war das. Von den Bands hatte ich noch nie was gehört. Eine hieß Silly oder so ähnlich. Die andere weiß ich nicht mehr. Renft vielleicht? Ich habe ein paar Ossies gefragt. Die dachten, ich wäre bescheuert, weil ich die Bands nicht kenne. War jedenfalls ein prima Abend mit toller Musik und insofern verstehe ich unsere Mitbürger aus dem Osten, dass sie enttäuscht sind, dass ihre Kultur kaum noch zählt.

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claus7447 03.03.2019, 10:34
26.

Zitat von mundusvultdecipi
..natürlich jammert der Westen.Wenn ich lese,wie die par Leute,die im Braunkohleabbau beschäftigt sind vom Untergang der Welt faseln,kann ich verstehen,warum Hunderttausende Ost Arbeitslose nur den Kopf schütteln
Nun, am meisten jammert RWE!

Komischerweise habe ich jetzt aus der Lausitz hier wenig gehört.

Aber noch ein Beispiel aus der DDR 1989: Ein West Konzern übernimmt einen VEB. Dort waren in Summe 3.000 Mitarbeiter angestellt. Effektiv Arbeit war vielleicht für 200 da. Die Fertigungstiefe ging bei einem Betrieb der elektrische Geräte herstellte bis hin zur Herstellung der Schalter in Kleinstserie.
Nach der Übernahme bekamen ca. 200 - 250 Mitarbeiter einen Übernahmevertrag. Nach einem Jahr waren es 400, heute 500. Und das in einer Branche, wo heute viele Hersteller ihre Betriebe nach Ost-EU oder China verlagert haben (OK - bei China kommen die ersten zurück - es sei den sie produzieren für die Region dort - denn Rumänien ist heute billiger als China).

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alterego13 03.03.2019, 10:36
27. vera gehlkiel/ 3

Es erstaunt mich immer wieder, woher so viele Wessis viel besser als ich selbst wissen, wie ich in der DDR gelebt habe.

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Mastermason 03.03.2019, 10:52
28.

Ich bin seit 2005 mit einer geborenen Ostbürgerin zusammen, seit 2011 verheiratet. Ehrlich gesagt, hatte ich mich als Rheinländer vom anderen Ende der Bundesrepublik früher nie für den Osten interessiert. Heute hat sich das, vornehmlich durch Verwandte und Bekannte meiner Frau geändert. Da ich mir kein Urteil über die DDR erlauben kann (zum heutigen Ostdeutschland sehr wohl) überlasse ich es ihr: die DDR war ein Scheißstaat. Das galt natürlich nicht für Menschen wie Frau Brüning, die privilegiert waren. Reisen können, bei der Wohnungsvergabe bevorzugt werden, vor diesem Hintergrund erscheint Frau Brünings Klagelied sehr relativ. Und schwer ernst zu nehmen.

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godfader 03.03.2019, 10:54
29. Ellgbogengesellschaft

Ich (Wessi, Migrationshintergrund) verstehe nicht, warum einige Ostdeutsche gerne positiv hervorheben, dass es bei ihnen früher "mehr Zusammengehörigkeitsgefühl, dafür weniger Konkurrenz und Egoismus gab". Waren dass denn keine Randerscheinungen eines Einparteien- und Unterdrückungsregimes? Und vielleicht teilweise auch Produkt eines funktionierenden Propagandaapparates?

Natürlich gibt es eher ein Kollektivgefühl wenn nur eine einzige Meinung im ganzen Land zulässig ist.

Im Westen sind wir damit groß geworden, dass es Dutzende Meinungen/Parteien/Produkte/Dienstleistungen gibt, welche stets im Wettstreit miteinander stehen. Das empfinde ich nicht als Makel einer Gesellschaft, sondern als essentiellen Bestandteil.

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