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Jonathan Safran Foer: Ohne erhobenen Zeigefinger
Rosdiana Ciaravolo/ Getty Images

Jonathan Safran Foer hat ein literarisches Sachbuch zur Klimarettung geschrieben - und gibt Tipps, die jeder umsetzen kann. Er sagt: Um die Erde noch zu retten, brauchen wir weniger Selbstdarstellung - und mehr Teilzeit-Veganer.

ulijoergens 19.09.2019, 23:38
1. Die Erde muss niemand retten...

... die wird weiter ihre Bahnen ziehen, mit oder ohne Menschen. Sogar ohne Turbolader.
Ich habe keine Kinder, mir könnte es also egal sein. Ich bin eigentlich reif für die Midlife Crisis. Da kauft Mann sich normalerweise einen Porsche.
Meine Gleichaltrigen Freunde mit Kindern tun genau das.
Irgendwie komme ich mir blöd vor, wenn ich mich beim Reisen zurück halte und immer noch keine Lust auf einen Porsche habe.
Vielleicht sollte ich doch einfach Spaß haben, wie meine Freunde, Nachbarn, Kollegen und auf die Sahne hauen, dass nach allen Seiten spritzt.
Es sind ja nicht meine Kinder, die in 30 Jahren kein Trinkwasser mehr haben, weil die Dürre doch länger gedauert hat und den Rhein auch kein Wasser mehr runterfließt.
Es werden auch nicht meine Kinder sein, die als Migranten nach Osten ziehen, weil es hier im Westen keine Lebensgrundlage mehr gibt, dann aber auf dem Weg von Schleusern ausgenommen werden und am Ende der Reise wieder zurückgeschickt werden, weil sie niemand aufnehmen möchte. Denn sie nehmen Arbeitsplätze weg.
Auf der anderen Seite bin ich Optimist und glaube, dass wir es schon noch irgendwie meistern werden.
Im Augenblick sehe ich aber absolut keine Anzeichen, dass meine Freunde, Nachbarn und Kollegen erkennen, dass es bei ihnen liegt, etwas zu ändern und auf einen (kleinen) Teil ihres Luxus zu verzichten.
Es sei ne immer die anderen. Für die Autofahrer ist es die Industrie, die zuerst mal etwas tun muss. Für die Industrie ist der Hausbrand das Problem oder alternativ gerne auch die Chinesen.
Für die Hausbesitzer sollte erstmal die Deutschen Industrie ihre Hausaufgaben machen.
Einig sind sich alle nur in einem Punkt: die Politik muss etwas machen. Aber bitte, liebe Politiker, versteht: ich brauche das Auto beruflich, der Thailand-Urlaub ist wohlverdient denn ich arbeite schließlich härter als alle anderen. Ich kann mich wirklich nicht weiter einschränken. Und die anderen tun ja auch nichts.
Die Erde wird weiter ihre Bahnen ziehen. Heute Dinosaurier, demnächst dann ohne Menschen. Es wird vermutlich friedlicher werden.

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Sibylle1969 20.09.2019, 10:55
2.

Meine persönliche Bilanz: Gut für das Klima ist: 1. Ich esse kein Fleisch. 2. Ich habe keine Kinder in die Welt gesetzt. 3. Ich lege meine Alltagswege fast nur mit dem Fahrrad und zu Fuß zurück. 4. Zu Kundenterminen fahre ich überwiegend mit dem Zug. 5. Mein Stromverbrauch ist niedriger als das, was die Stadtwerke als sehr sparsam ansehen. 6. Ich wohne in einer relativ kleinen Wohnung.

Schlecht ist: 1. obwohl ich meinen Firmenwagen privat fast nur für Wochendendausflüge und Urlaubsreisen nutze (und natürlich für Kundentermine, die mit der Bahn schwierig wären), kommen da pro Jahr 15000 km zusammen. 2. ich bin in meinem Leben schon ziemlich oft geflogen. Überwiegend Geschäftsreisen, nur 8 private Flugreisen, aber rund 150 geschäftlich veranlasste. Die eine oder andere hätte man sicher mit dem Zug machen können, hier gaben jeweils Zeit- und Kostenerwägungen den Ausschlag. 3. Ich reise für mein Leben gerne und habe eine ganz große Sehnsucht danach, die Welt zu sehen. Nicht mehr zu fliegen, wäre nur in Europa möglich. Ich will aber nicht auf Europa beschränkt sein.

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bommerlunder 20.09.2019, 11:32
3. Weniger Kinder ist doch Quatsch

Wir bekommen so wenig Kinder in Europa, da dürften es ruhig noch etwas mehr sein. Es ist genug Platz und Nahrung da. Wir werden das Klima nicht retten, wenn wir uns Deutsche selbst abschaffen.

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WayneInteressiert's 20.09.2019, 11:42
4. ...aber unsere Kinder schon!

@ulijoergens: Vielen Dank für Ihren sehr guten (und m.E. zutreffenden) Kommentar. Ich finde den Gedanken beruhigend, dass auch andere Menschen dieses Thema ernst nehmen und gleichzeitig sachlich adressieren. Ich habe mir (nicht erst seit der Geburt meines Sohnes) vorgenommen, immer bei mir selbst anzufangen, wenn ich "die Welt verbessern" möchte. Dabei geht es mir nicht nur um die Umwelt, sondern auch um das Thema Liebe und Respekt für andere Menschen. Wie kann ich den Menschen im Gazastreifen Vorwürfe oder Tipps zurufen, wenn es schon in der eigenen Familie nicht rund läuft und man sich den Dreck unter den Fingernägeln nicht mehr gönnt.

Ich hoffe für uns alle und insbesondere für unsere Kinder, dass wir immer reflektierter werden, den Fehler nicht immer bei anderen suchen und nicht so leicht auf Populisten und deren Hetze reinfallen.

Liebe Grüße an alle und herzlichen Glückwunsch zum Alltag!

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Sibylle1969 20.09.2019, 13:32
5. @3 bommerlunder

Wir in Deutschland haben einen deutlich höheren CO2-Ausstoß pro Kopf als sehr viele Länder dieser Erde. Zudem ist die Erde eigentlich schon zu stark bevölkert. Keine Kinder in die Welt zu setzen, ist auf jeden Fall aus Umweltgesichtspunkten sinnvoll. Hier geht es nicht um Rente, Wirtschaftswachstum ö.ä.

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