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Journalismus in der Krise: Das Ende des Medienmonopols

Die alten Gewissheiten der journalistischen Meinungsführer geraten ins Wanken: Nicht nur die ökonomische Basis ist bedroht, auch Glaubwürdigkeit und Deutungshoheit. Wer überleben will, braucht intelligente Ideen.

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noalk 02.01.2015, 15:57
1. Was für das Alte gilt, ...

gilt auch für das Neue:

"Das ist der emanzipatorische, der aufklärerische Kern dessen, was gerade passiert: Das Alte muss sich rechtfertigen, muss zeigen, dass es wert ist zu überleben, durch Qualität, durch Ideen, durch Intelligenz." ---

Man ersetze "Alte" durch "Neue". Im übrigen gilt für den Journalismus dasselbe wie für alles andere: Was nicht mehr gebraucht wird, kann weg.

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garfield 02.01.2015, 16:03
2.

Zitat von D.
Wie aber reagieren die Menschen auf so einen Schock der Erkenntnis? Die einen rufen "Lügenpresse, auf die Fresse" und sind für ein Abendland, das es so nie gab;
Na Gott sei Dank, da stimmt das journalistische Weltbild wieder. Und ich hatte nach den ersten Sätzen doch tatsächlich den Eindruck, da ist ein Journalist bzgl. der eigenen Branche selbstkritisch unterwegs.
Zitat von D.
Denn das ist die fatale Mechanik der derzeitigen Situation: Die Krise der Medien ist längst eine Krise der Inhalte geworden.
Ich hätte es genau andersrum formuliert: Die Krise der Inhalte ist längst eine Krise der Medien geworden.
Schade. Wieder nichts mit ernsthafter Ursachenforschung. Das böse große Internet als Hauptschuldiger, ist mir zu billig. Gerade DANN sollten sich auf Papier druckende Medien nicht in Punkto Geschwindigkeit mit dem Internet auf einen Wettlauf einlassen, sondern mit Hintergrundberichten, Debatten mit Meinungsvielfalt und unabhängigen Analysen punkten, statt sich in Abschreiben von Agenturmeldungen und ein paar katzbuckelnden Kommentaren zu ergehen.

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robert.c.jesse 02.01.2015, 16:15
3. Zurück zum Anfang ...

„Am Anfang war das Wort, und das Wort war beim Leser...". Nachdem der "alte investigative" Journalismus kaum mehr existiert und z.Zt. auch nicht mehr als "glaubwürdig" empfunden wird, sollte der Neubeginn dieser Wortkunst, Beobachtung, Analyse und unabhängigen Meinung, durch ein neues Wort ausgedückt/verkündet werden: "JournalREALismus" (engl. 'Journalrealism').

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MichaelZetti 02.01.2015, 16:21
4. Wie wäre es,

wenn die ach so notleidende "Presse" es auf die gute alte Art mit Qualität versucht? So richtig mit Recherche? Einer klaren Trennung zwischen "Meinung" und "Meldung"?

Ach-geht nicht? Zu teuer? Zu "unangenehm"?

Dann macht euren Laden zu. Denn das finde ich auch im Internet.

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ambulans 02.01.2015, 16:35
5. jesses maria,

immer dieser nie endenwollende jugend & internet-hype. was, um himmels willen, haben die denn bis jetzt neu geschaffen bzw. hinzugefügt? ist doch im ganzen eigentlich nix anderes als >pure um-verpackerei, also: "alter wein - in neuen schläuchen" ...

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Beauregard 02.01.2015, 16:39
6. taz

eine schöne erklärung, warum die taz mittlerweile die einzige lesenserte Tageszeitung in D ist...

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schreibnetz 02.01.2015, 16:45
7. Der Hauptstrom und die Überflutung

Zeitschriften, Zeitungen und Journalistik: das sind alles sehr neumodisch-kurzweilige Begebenheiten; kein Mensch kannte diese Dinge vorher. Danach werden sie auch vergessen werden. - Warum?

Es gibt zwei fundamentale Progresse: Aufbauen und Zerstören. Krieg und Frieden. Liebe und Tod usw.

Der Journalist befindet sich in einer Zwischenform. Er kann beides bewirken. Was in der Literatur (Überform des Journalismus) bisher geschah war autistisch. Als die Leserbriefe bei Charles Dickens einschlugen, und, als er daraufhin seine Fortsetzungsromane modifizieren mußte, entstanden die Multitaskingformate mit denen wir heute leben.

Warum also hat DER SPIEGEL die echten Multitasks (SPAM - TREFFPUNKT) innerhalb seiner Verlagsseiten abgeknipst?

Lasse
(sehr ratlos)

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roflem 02.01.2015, 16:49
8. Burlesconi

Die Burlesconisierung der Deutschen Medien haben wir Kohl zu verdanken. Er hat Kirch und Mohn erlaubt, ihre Massenverdummungswaffen auf die Bevölkerung loszulassen. Es regiert das Triumvirat der 3 Muttis: Angela Merkel, Friede Springer und Liz Mohn.
Dazu die Stasi 3.0 in Form der Persönlichkeitsrechtsritter im schwarzen Kittel, mit ihren Pressekammern. Der aktuelle "Qualitäts"-Journalismus ist zu 99% Tintensklaverei mit Schere im Kopf und Agenturticker im Auge. Den Rest oder die Aussreisser, die mal etwas riskieren, erledigt die Zensur.
Schönes Neues Jahr.

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syracusa 02.01.2015, 16:52
9. Diez verrät den Journalismus

Aus reinem Defätismus verrät Diez den Journalismus. Er schreibt "Anspruch und Anmaßung der alten Medien waren es, diese eine Welt, die es möglicherweise nie gab, erst zu konstruieren und sie dann zugänglich zu machen, erklärbar, handhabbar.
Das ist vorbei, und das ist gut so: Monopole des Wissens sind schädlich und gefährlich".

Bei journalistischen Medien von einem Monopol des Wissens zu schreiben, ist abenteuerlich absurd! Das ist, als weise man den Bäckern das Monopol auf Brot zu.

Die Vielfalt journalistischer Medien, gepaart mit grundgesetzlich garantierter und durch den Staat nicht in Frage gestellte Presse- und Meinungsfreiheit sichert absolut zuverlässig, dass es kein "Monopol des Wissens" gibt.

Anstatt die Aufgaben des Journalismus zu erklären und dessen Existenz als unverzichtbar für jede demokratische Gesellschaft zu beschreiben, verfällt Diez in einen Kulturpessimismus, der in Zeiten von Pegida unmittelbar ins Jahr 1932 zurück verweist.

In solchen Zeiten wird für aufgeklärte Bürger Optimismus zur ersten Bürgerpflicht!

In Deutschland ist der zwangsfinanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk das letzte Bollwerk des seriösen Journalismus gegen die Ausuferung des Rechtspopulismus. Diez sollte sich überlegen, wie die Konstruktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland genutzt werden kann, um das Überleben des seriösen Journalismus in der Presse zu sichern.

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