Forum: Kultur
Journalismus: "Okay, Frau Merkel, das schreib ich so!"
DPA

.. und wer legt fest, was in der Zeitung steht? - Wie Journalisten arbeiten, ist vielen Menschen nicht klar, deshalb vertrauen sie Medien nicht mehr. Dabei hat sie die Demokratie so dringend nötig.

Seite 48 von 57
fabianw83 08.02.2017, 11:32
470.

Zitat von De facto
Was ich vermisse ist der klare Unterschied zwischen Berichterstattung und Meinung. Fakten sollte immer klar dargestellt werden ohne eine persönliche Meinung. Meinung sind gut und willkommen aber sollte genauso klar gekennzeichnet werden.
genau das war das Thema dieser Kolumne.

"Die Lösung besteht nicht darin, die Leute für bekloppt zu erklären, sondern die Arbeitsweisen der Medien viel stärker transparent zu machen. Es gibt sehr viele Dinge, die Leute außerhalb der Medien nicht wissen, aber wissen sollten:..."
Frau Stokowski plädiert ja gerade dafür besser aufzuklären. Wobei ich mir persönlich schon die Frage stelle, warum sollen die Journalisten verantwortlich dafür sein, dass die Leser journalistische Darstellungsformen nicht mehr unterscheiden können? Aber bitte, hier eine kurze Erklärung: Für Leitartikel, Kommentare, Glossen, Essays etc. sind Meinungen kennzeichnend.
Reportagen, Interviews, Porträts oder Nachrichten etc. sind dagegen so weit es geht frei von persönlichen Meinungen.
Wenn Sie also einen Kommentar lesen und nicht die Meinung des Autors vertreten ist das sogar erwünscht. Denn es ist eben eine persönliche Meinung und als solche klar gekennzeichnet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
misterknowitall2 08.02.2017, 11:34
471. @halbstark #1

ich fass mal zusammen, solange Journalisten also ihre Meinung und ihre Sicht der Dinge nicht wiedergeben, sind sie willige handlanger der Politik. In etwa richtig? kann es aber nicht sein, dass ihre Meinung vielleicht nicht, ich sag mal, der Normalmenschmeinung entspricht? wer legt schon Wert auf eine differenzierten Bezeichnung von Migranten oder Flüchtlingen? ändert nämlich nichts an der Tatsache. es ist nichts weiter als kleinkariert. die flüchtlingspolitik muss man nicht hinterfragen, schauen sie mal ins Grundgesetz. und das die afd rechts steht, weiss man nicht erst seit dem höcke-Auftritt in Dresden. und ansonsten, danke für das schöne Beispiel für "postfaktisch"

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Leto13 08.02.2017, 11:38
472. hm

Ich erinnere die Autorin gerne an die Hetze in deutschen Massenmedien gegen Griechenland, seit 2010 und insbesondere von Januar 2015 bis Juli 2015. Die Stimmungsmache, die Lügen, die Halbwahrheiten, die Charaktermorde (Varoufakis, Tsipras), all das war weit verbreitet. Ich erinnere an das Titelbild des Spiegel, wo Tsipras als "Geisterfahrer" bezeichnet wird, an die Titelfrage der BILD, ob Putin oder Tsipras für Europa gefährlicher ist und an das Titelbild des FOCUS von den Griechen als "Betrüger in der Eurofamilie". Ich erinnere an die Berichterstattung zu Varoufakis, wo der Hand in der Hose, der Lederjacke und dem heillosen Fahren mehr Bedeutung zuteil wurde als den Inhalten seiner Worte. Wenn da keine zentrale Richtungsweisung seitens der Regierung dahintergesteckt hat, die bzgl. Varoufakis schon im Februar 2015 über den Botschafter in Athen den Rausschmiss von Varoufakis forcieren wollte, dann haben die Medien wohl freiwillig die Rolle der Sturmtruppen für die Politik der Bundesregierung übernommen. Ich habe mir mal den Spass gemacht und antijüdische Titelseiten des Stürmers mit Titelseiten deutscher Medien über Griechenland verglichen. Es war haarsträubend, wie ähnlich die Muster waren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
misterknowitall2 08.02.2017, 11:43
473. @christiewarwel #4

So ein Unsinn. warum verwechseln die Menschen neuerdings ihre eigene Meinung mit Fakten? das sich Medien nicht in ihrem Sinne äussern, heisst nicht automatisch das sie falsch liegen. bitte mal drüber nachdenken. und vergessen sie das Internet. da können sie gucken, wie das Wetter wird oder welches Hotel gut ist, es ist aber nicht geeignet sich komplexe zusamnenhange zu erklären. eben wegen der fehlenden verifizierung. kleiner Tipp: wägen sie die Argumente doch selber ab. aber bitte ohne vorher den verschwörerischen mist aus dem Internet zu lesen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jawollja2014 08.02.2017, 11:44
474. Liebe Frau Stokowski...

... Ihr Unterfangen ist ehrenwert, aber, wie die meisten Kommentare beredt zeigen, leider vollkommen nutzlos. Es ist schade, dass Stimmen der Vernunft, wie die Ihre, im Wust des Dafürhaltens und der verzerrten Selbstüberzeugungen untergehen, aber man muss sich wohl wirklich dran gewöhnen. Machen Sie bitte trotzdem weiter!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
unaufgeregter 08.02.2017, 11:48
475. Vertrauen

Mein Vertrauen in die Medien hat sehr gelitten. Gerade im Hinblick auf die Trump-Wahl sind mir die Untergangszsenarien fürchterlich auf die Nerven gegangen. An statt zu akzeptieren, was ist, wurde massiv Stimmung gegen Trump gemacht. Es wandelt sich zum Glück. Beruhigt euch. Die Welt wird wegen einem Trump nicht untergehen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Tikal69 08.02.2017, 11:49
476.

Ich denke, dass Problem ist nicht die mangelnde Medienkompetenz der Menschen (war diese denn früher größer?), sondern die zunehmende Diversifizierung der Medienlandschaft und den damit einhergehenden Bedeutungsverlust der etablierten Medien.

Das Medien (auch) lügen, war schon zu meinen Schulzeiten eine bekannte Tatsache (man denke da nur an die Bildzeitung).
Neu ist doch nur, dass jetzt auch den Qualitätsmedien unterstellt wird, dass sie es mit der Unhabhängigkeit und Wahrheit nicht immer so genau nehmen.
Ein gutes Stichwort sind hier natürlich die verschiedenen Lobbyorganisationen wie die "Atlantikbrücke", wo Vertreter der Medien, der Politik und der Wirtschaft einträchtig zusammensitzen.

Solange es da keine klare Trennung gibt, stelle ich mir als Leser immer automatisch die Frage, welcher Agenda der Autor mit seinem Beitrag gerade folgt.

Da macht auch der Spiegel leider keine Ausnahme.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
fabianw83 08.02.2017, 11:56
477.

Zitat von monsineur
Das Problem ist das die Medien/Journalisten sehr oft die Prämissen der mächtigen akzeptieren und verbreiten (jetzt, achtung Buzz Words, Fetnäpfchen) keine alternative Wahrheiten dagegen stellen oder auch nur ganz normale Fakten dagegen zu stellen. Die Leute dürfen ihren oft an den Haaren herbeigezogenen dünnpfiff verbreiten und wir müssen uns die Mühe machen das alles selber zu verifizieren oder es aber einfach so zu glauben. Es gibt zum Beispiel sehr glaubhafte Gegendarstellungen von Statistikern zur demografischen Entwicklung die Sagen das die demografische Entwicklung für unsere Zukunft gar kein Problem darstellt. Habe ich nur mal in einem Bericht spätabends gesehen. Aber regelmäßig höre ich aus der Politik das die demografische Entwicklung unser aller Ruin ist und ja genau die Medien befeuern das die ganze Zeit. Gibt noch viele Beispiele über Themen die jeden angehen bei denen es einfach keine Gegendarstellung die breit in der Öffentlichkeit ausgerollt wird gibt, nur das Gefasel von Interessensgruppen in vielen Medien.
Woher nehmen Sie ihre Anschuldigungen?
Sie behaupten, Journalisten würden einfach nur weiterverbreiten, was sie geliefert bekommen. Doch sie sehen nur das, was auch veröffentlicht wird.
Es mag ja wie in ihrem Beispiel sehr gut sein, dass es Gegendarstellungen gibt, aber wenn fünf Experten etwas anderes sagen und der Journalist nach gründlicher Abwägung zu dem Urteil kommt dass die erstere Option die wahrscheinlichere und glaubwürdigere ist, ist das seriöse Arbeit. Sie unterstellen, dass diese Abwägung im Vorfeld nicht passiert ist. Dann belegen Sie das bitte auch.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Leto13 08.02.2017, 12:00
478. Korrektur meines Beitrags

bzgl. Varoufakis' Motorradfahren: nicht heillos, sondern helmlos

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jackberlin 08.02.2017, 12:04
479. Ukraine

Die Krankheit des Journalismus hatte sich im Umgang mit den Ereignissen in der Ukraine gezeigt. Von Anfang an wurde Gut und Böse klar besetzt. Bis heute gibt es keine Fakten über die Attentäter vom Maidan, aber den Medien war nach Minuten klar, dass es die Killer des "Diktators" seien. In Odessa wurden Gegner des Umsturzes von "Revolutionären" verbrannt, das war den Medien nicht viel Aufmerksamkeit wert. Die Ukrainer wissen, das dort nur eine Mafia Gang die andere abgelöst hat, für unsere Medien war es eine demokratische Revolution. Das Weglassen von Fakten, die nicht in ein selbst entworfenen Bild passen, ist mir damals das erste Mal deutlich aufgefallen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 48 von 57