Forum: Kultur
Journalismus: "Okay, Frau Merkel, das schreib ich so!"
DPA

.. und wer legt fest, was in der Zeitung steht? - Wie Journalisten arbeiten, ist vielen Menschen nicht klar, deshalb vertrauen sie Medien nicht mehr. Dabei hat sie die Demokratie so dringend nötig.

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fabianw83 08.02.2017, 12:05
480.

Zitat von ericstrip
...die hier in den Text gehört hätten: Warum steht überhaupt überall dasselbe? Ein Großteil unserer Medien besitzt keine eigenen Auslandskorrespondenten und hat folglich keine andere Wahl, als sich für die Auslandsnachrichten vollständig auf die globalen Agenturen zu verlassen. Das sind Reuters (GB), AFP (Frankreich) und vor allem AP (USA). Die deutsche dpa bedient auch die österreichische apa und die schweizer sda, bezieht wiederum internationale Meldungen von der AP in den USA. Und selbst die Medien mit Auslandskorrespondenten, die wir z.B. im Fernsehen sehen, sind in der Regel auch nur Moderatoren, die Agenturmeldungen verlesen, es sind nämlich viel zu wenige, um selbst alles zu recherchieren oder vor Ort zu sein. Was die Agentur nicht meldet, findet somit nicht statt. Die zentrale Rolle der Nachrichtenagenturen erklärt auch, warum bei geopolitischen Konflikten die meisten Medien dieselben Quellen verwenden. Im Syrienkrieg ist es die Hauptquelle die „Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte“, welche Informationen an die Agenturen leitet, worauf diese die dann weiterverbreiten. Wer das genau ist, woher die Informationen stammen, wonach sie ausgewählt worden sind, bleibt unbekannt. Investigative Recherche in Syrien betreibt keins unserer Medien, wir wissen daher im Grunde nichts über die Lage dort. Und so ist es auch mit anderen Ereignissen, die so oft vorgefiltert werden, daß nachher überall dasselbe steht. Deswegen gibt es wahrscheinlich auch mehr Kommentare (die auf Agenturmeldungen basieren) als recherchierte Berichte. Den Kommentar kann man schnell ohne Recherche schreiben, eine Nachricht erhält man nur mit größerem Aufwand. Und auch ein PR-Artikel kommt immer mal gern gelegen, er füllt Seiten, ist kostenlos und oft gut gemacht. Ich mache manchmal Pressearbeit für meinen Arbeitgeber. Die Artikel werden immer vollständig und unverändert als redaktioneller Beitrag gedruckt. Und nun frage ich: Warum soll ich dafür Geld ausgeben und warum soll ich dem vertrauen, was da gemeldet wird? Es sind wenige, die es auswählen und diese Wenigen haben Interessen und Abhängigkeiten.
die von ihnen angegebe "„Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" wird in meiner Wahrnehmung in den Medien meistens, wenn nicht immer mit den Zusätzen versehen: "mit Sitz in London", "aus Informationen vor Ort", "Informationen können nicht verifiziert werden". Wo ist also das Problem?

"Investigative Recherche in Syrien betreibt keins unserer Medien"
Erstens so nicht richtig, zweitens ist es einfach mal sehr gefährlich dort und die Sender und Verlage sind schließlich auch für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter verantwortlich.

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unaufgeregter 08.02.2017, 12:05
481. Begrüssenswert

Den Bedeutungsverlust der großen (und aus meiner Sicht keinesfalls freien) Medien kann ich nur begrüßen. Ich möchte nicht wissen, was alles der Bevölkerung nicht bekannt geworden wäre, wenn es da Internet nicht gäbe. Überregionale Zeitungen und das TV meide ich inzwischen, weil ich die Einseitigkeit der Berichterstattung kaum ertragen kann. Die Tatsache, dass der NDR ausführlich über Sozialbetrug in Flüchtlingskreisen berichtet hat, werte ich als Einsicht der Redakteure.

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Freund_Fettsack 08.02.2017, 12:09
482. Was heißt schon Transparenz?

Gäbe es eine FREIE Presse, OK. Aber das ist wohl ein ziemliches Ideal. Heutzutage gehören nahezu alle "etablierten" Medien zu Konzernen. Und diese haben eben auch spezifische Interessen. Plausibel wäre es, anzunehmen, dass schon allein dadruch die Nachrichten in einer spezifischen Weise "gefiltert" werden. Komisch eigentlich, dass davon fast nix im Text stand. Aber vielleicht war ein einmal mehr viel wichtiger, sich selbst als "Stütze" der Demokratie zu feiern...

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serbskisokol 08.02.2017, 12:15
483. Geschrieben wird, was passiert- so einfach ist es !

Zitat von DJ Doena
"Wer legt Ihre Themen fest?" - niemand. Das mag für eine Kolumnistin eventuell unter Umständen sogar noch zutreffend sein, ich bezweifele sehr stark, dass "reguläre" Journalisten sich Tag für Tag aussuchen dürfen, worüber sie gerade Lust haben zu schreiben. Dafür gibt es Chefredakteure. Die gehen dann zum Herren X vom Wirtschaftsteil und sagen "VW hat Aktionärsversammlung, geh hin und schreib drüber 3 Spalten". Und während das hier banal ist, wird allein schon über die Vorentscheidung wo Journalisten hin geschickt werden und wo eben nicht und wieviele Spalten ein Artikel einehmen darf eine Entscheidung drüber getroffen ob und welche Informationen der Journalist seinem Leser vermitteln darf.
Serbskissokol antwortet seiner Berufskollegin: Ja, vorab zugegeben, ich gehöre zur selben Gruppe/Truppe-wie auch immer Sie mögen. Allerding schon etwas älter oder altgedienter. Nämlich schon zu DDR-Zeiten Journalistik studiert habend.Und eine Zeit

lang Betriebszeitungsredakteur gewesen. Lang lang ists her. Da muß ich bis ins Jahr 1965 zurückgehen.Meine Journalistenurkunde bekam ich vom Berufsverband VDJ. Heute bin ich fast 77 - doch die Grundsätze des Journalismus haben sich hüben wie drüben nicht gändert! Berichtet wird darüber, was passiert. Daß es Dinge wie der zur Verfügung stehende Platz(in den Printmedien) oder zur Zeit überall diskutierte Dinge gibt, die den ersten Platz einnehmen, versteht sich von slebst, genau so wie jeder Journalist auch seine eigne Meinung hat.Und als solche kenntlich machen sollte. Alles Binsenweisheiten.Womit ich wieder zu Kollegin Stokowski zurück komme. Wunderbar geschrieben.Ich hätte es nicht anders gemacht. Also ist mein Schluß auch der ihre, zitiert.

"Man muss im Grundgesetz nicht lange blättern, bis man den Satz findet: "Eine Zensur findet nicht statt." Das ist Artikel 5. Es ist eine ziemlich grundlegende Übereinkunft, dass der Staat nicht in die Berichterstattung eingreift. Wenn man dann darüber redet, stellt man fest, dass die Leute mit "zensieren" meistens "redigieren" meinen - also das, was die Redaktion tut - und den Unterschied nicht kennen. Das macht es nicht viel besser, aber immerhin stellen sich offenbar nur sehr wenige vor, dass man tatsächlich seine Themen oder Texte irgendeiner Behörde oder direkt der Regierung vorlegen muss und dann geklärt wird, was geht und was nicht.

Die Lösung besteht nicht darin, die Leute für bekloppt zu erklären, sondern die Arbeitsweisen der Medien viel stärker transparent zu machen. Es gibt sehr viele Dinge, die Leute außerhalb der Medien nicht wissen, aber wissen sollten: Wer legt fest, was in der Zeitung steht? Warum stehen in manchen Texten die Meinungen des Autors und in anderen nicht? Was ist eine Agenturmeldung? Warum steht oft genau dieselbe Meldung in verschiedenen Zeitungen, wer schreibt von wem ab?"

Das einzige, was serbskisokol sich jetzt wünscht ist, daß die Diskussion nicht schon wieder beendet ist und der legendäre Satz erscheint, lesen Sie die Beiträge"

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fabianw83 08.02.2017, 12:18
484.

Zitat von csm101
Bei Stern Online steht gerade der selbe Artikel wie auf Spiegel Online: http://www.stern.de/politik/ausland/donald-trump--showdown-am-telefon---packende-anhoerung-zu-einreisestopp-7317748.html. Mann, Spiegel und Stern waren mal Konkurenzunternehmen, wobei der Stern rechtslastiger war. Und jetzt sowas. Aber glücklicherweise ist die Presse nicht gleichgeschaltet.
der aufmerksame Leser, und jetzt Sie, hat sicher bemerkt, dass als Quelle dpa angegeben ist.

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misterknowitall2 08.02.2017, 12:19
485. @unaufgeregter

aha, da weiss man dann gleich, woher der Wind weht.......Hauptsache es geht gegen Flüchtlinge, oder? dann sprechen in ihren Augen auch die ÖR gleich wieder die Wahrheit, gell? redet denn irgendjemand von zigfachen sozialversicherungsbetrug von Deutschen? kommt garantiert vor und schadet uns massiv mehr, da der Missbrauch da viel massiver ist? ach,Vergessen, es geht ja nicht gegen Flüchtlinge.

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schuhks 08.02.2017, 12:19
486. Das muss weh tun.

Zitat von wannbrach
Wie kann man einer Presse vertrauen die nur positive Artikel über die Migranten bringt und nichts sagt über die steigenden Belastungen die am Ende auf dem Rücken der armen Deutschen ausgetragen werden. Wie sonst hätten wir 1,5 Millionen Jugendliche die in Armut aufwachsen.
Was sind die Migranten aber auch so unverschämt ums verrecken nicht kriminell zu sein sondern dies den braunen Vollpfosten überlässt. Und wenn man die ums verrecken nicht kriminellen Migranten endlich aus dem Land jagen würde, dann wären die armen Deutschen plötzlich ebenso wie die 1.5 Millionen Jugendlichen unversehens dem Schlaraffenland angesichtig. Mann oh Mann, das würde sogar dem Höcke das Gebiss raushauen.

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ericstrip 08.02.2017, 12:22
487.

Zitat von fabianw83
die von ihnen angegebe "„Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" wird in meiner Wahrnehmung in den Medien meistens, wenn nicht immer mit den Zusätzen versehen: "mit Sitz in London", "aus Informationen vor Ort", "Informationen können nicht verifiziert werden". Wo ist also das Problem? "Investigative Recherche in Syrien betreibt keins unserer Medien" Erstens so nicht richtig, zweitens ist es einfach mal sehr gefährlich dort und die Sender und Verlage sind schließlich auch für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter verantwortlich.
Natürlich erwarte ich nicht, daß jede Zeitung einen Mitarbeiter in Kriegsgebiete schickt. Aber dann darf man auch nicht so tun, als hätte man belastbare Informationen, wenn man dreimal ab- und umgeschriebene Meldungen publiziert und kommentiert - und es dann auch noch in den Kommentaren mit politischen Forderungen verbindet. Das Problem besteht ja nicht nur in der Syrien-Berichterstattung, selbst bei innerdeutschen Meldungen wird in der Regel nur der Agenturtext umformuliert. Einer schreibt, alle verbreiten es. Das ist ein Problem. Es muß ja auch immer alles sofort, quasi in Echtzeit gebracht werden. Da wird dann lieber irgendwas geschrieben als gar nichts.

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Morpheus Nudge 08.02.2017, 12:23
488. Die Unkenntnis des Funktionierens

Schön diplomatische Formulierung, die "Unkenntnis des Funktionierens" (journalistischer Arbeit).

Ich denke allerdings, dass das Problem wesentlich tiefer sitzt, nämlich im Bereich des Verschwörungstheorien.

Hierzu gibt es eine sehr schöne aktuelle Dokumentation, die in der ZDF Mediathek erreichbar ist.
Meines Erachtens sehr empfehlenswert, die Dreiviertelstunde lohnt sich wirklich.
https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/verschwoerungstheorien-leben-im-wahn-104.html

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jackberlin 08.02.2017, 12:33
489. Selbstkritk?

"Wie Journalisten arbeiten, ist vielen Menschen nicht klar, deshalb vertrauen sie Medien nicht mehr. " So einfach ist die Welt, der Frau Stokowski. Vertrauen muss man sich verdienen, und kann man nicht einfordern.

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