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Kabarettist: Georg Kreisler ist tot

Er galt als Meister des schwarzen Humors: Der österreichische Kabarettist Georg Kreisler ist tot. Der Texter, Musiker und Satiriker starb im Alter von 89 Jahren an einer schweren Infektion.

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jmoellen 23.11.2011, 05:19
10. Ich bin erschüttert!

Und wer geht jetzt die Tauben im Park vergiften? Ich sehe keinen, der das noch könnte.

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L0k3 23.11.2011, 07:17
11. ..

Möge er in Frieden ruhen und möge ganz Österreich vor Schahm im Boden versinken, das man diesem großartigem Mann nicht seine angestammte Staatsbürgerschaft wieder gab.

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23 1/3 23.11.2011, 07:22
12. rip

Einer der wirklich letzten großen echten Kabarettisten ist nun leider von uns gegangen. Hut ab vor seinem Lebenswerk, man kann nur hofffen das es bald einmal wieder so eine gut gespitze Zunge im Kabaret geben wird.

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Seldon 23.11.2011, 07:37
13. im memoriam I

Was Kreisler so einzigartig machte, ist die Mischung aus bitterbösen, makaberen Humor, einem Sarkasmus der weh tun soll, einem gerechten Zorn und einer poetischen Kraft, einer Feinfühligkeit, einer Verletzlichkeit, die Kreislers Lieder so unter die Haut gehen lassen.

Kreisler selbst sah sich so: "Ich begreife mich natürlich als politischer Liedermacher, eigentlich fast mehr als Schriftsteller denn als Liedermacher - ich mag das Wort eh nicht sehr. Von den Produzenten, Veranstaltern und Kritikern bin ich auch immer politisch begriffen worden, wurde immer sehr vorsichtig und dosiert eingesetzt - das geht auf die vierziger Jahre zurück, bis heute... Politisch einzuordnen dürfte ich schwer sein, Partei gehöre ich keiner an, bin noch immer amerikanischer Staatsbürger, Heimat habe ich keine. . ."

Und er ist wütend und schreit seinen Zorn hinaus. Gibt damit all jenen eine Stimme, die die Kraft, den Mut oder einfach die Fähigkeit nicht haben, ihre Wut zu artikulieren.

"Sie sind so mies. Ja, sie sind so mies,
die großen und die kleineren Verbrecher.
Der schönste Platz wird kein Paradies -
sie bohren überall dieselben Löcher.
Sie schrauben dir die Blumen und die Bäume ab
und treten dich voll Freude in den Bauch.
Sie sind so mies, ach, so schrecklich mies,
und sie glauben, alle andern sind es auch."
- Sie sind so mies-

"Das Persönliche ist politisch, wie alle so verdammt gerne betonen. Wenn also irgendein idiotischer Politiker, irgendein Machtspieler, eine Politik durchzusetzen versucht, die euch oder euren Angehörigen schadet, dann nehmt es persönlich! Regt euch auf! Die Maschinerie der Justiz wird euch dabei keine Hilfe sein, sie ist langsam und kalt, und ihre Hard- und Software liegt in den Händen der Politiker. Nur die kleinen Leute leiden unter der Justiz, die Kreaturen der Macht entziehen sich ihr mit einem Grinsen und Augenzwinkern. Wenn ihr Gerechtigkeit wollt, müsst ihr sie den Machtmenschen aus den Händen reißen. Macht es zu einer persönlichen Angelegenheit! Richtet so viel Schaden wie möglich an. Macht euch verständlich! So habt ihr eine wesentlich bessere Chance, beim nächstem Mal ernst genommen zu werden. Für gefährlich gehalten zu werden. Und in diesem Punkt solltet ihr euch keinen Illusionen hingeben: Nur wer ernst genommen wird, wer als gefährlich gilt, kann etwas bewirken. Das ist für sie der einzige Unterschied, der zwischen den Machtspielern und den kleinen Leuten. Mit Machtspielern werden sie sich einigen. Kleine Leute werden liquidiert. Und immer wieder werden sie eure Liquidation, eure Verdrängung, eure Folterung und brutale Hinrichtung mit der größten Beleidigung rechtfertigen: dass alles nur das übliche Geschäft der Politik ist, dass es nun einmal so und nicht anders in der Welt zugeht, dass das Leben nicht einfach ist und dass man es nicht persönlich nehmen sollte. Scheiß drauf! Nehmt es persönlich!"
- Richard Morgan, "Das Unsterblichkeitsprogramm" -

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Seldon 23.11.2011, 07:38
14. im memoriam II

Kreisler nimmt persönlich, und er fordert dazu auf persönlich zu nehmen. "Kommt der Kissinger morgen zu Besuch, gib ihm keinen Kaffee!"

Aber er weiß auch, wie einsam dieser Weg machen kann, "denn die Majorität ist in jedem Fall bleed" und "wer immer was andres will als die Andern,
Muß natürlich sein Bündel schnüren und wandern.
Doch wir sind nicht so roh, wir helfen ihm packen und so,
Und wir tragen sein Gepäck, winken bis zum Eck,
Lassen seine Frau mit ihm weg."
- Anders als die Andern -

Natürlich ist es frustrierend ins Leere zu rufen, keine Resonanz zu spüren, keine Veränderung.

"Ich soll immer was Lustiges schreiben.
Aber das laß ich vorläufig bleiben,
weil ich nirgends, egal, wo ich gehe,
auch nur irgendwas Lustiges sehe.
Und da biegt sich mir die Feder nicht,
es laufen meine Räder nicht.
Was ich auch schreibe, schwemmt die Wahrheit fort,
und jede Pointe verdorrt.

Doch die anderen leben wie immer.
Und sie schreiben wie immer, nur dümmer.
Und sie sagen von mir: Was soll sein?
Er ist alt, und jetzt fällt ihm nichts ein."
- Ich soll immer was Lustiges schreiben -

Der Rufer in der Wüste leidet selbst am meisten an Durst und Erschöpfung, und trotzdem kann er nicht anders als zu rufen. Die Oasen sind ihm versperrt. Er kann sie nur zu dem Preis der Selbstaufgabe erreichen, also ruft er weiter. Und obwohl er es kaum für möglich hält, erreicht seine Stimme den einen oder anderen. Karawanen ziehen vorüber, offenbar ohne ihn zu bemerken, aber seine Lieder klingen denen, die dafür offen sind, in der Seele, geben ihnen Kraft für den Rest des Weges, vielleicht gelingt es sogar manchmal, die Karawane aufzuhalten, ihre Richtung neu zu bestimmen.

Deshalb ist er wichtig. Und mit ihm all jene, die, wie er, rufen, mahnen, informieren, bloggen, demonstrieren, aussteigen, Projekte initiieren, Zeitungen machen, Artikel schreiben. Und dieser Weg ist der einzig richtige: "Allein, wie eine Mutterseele, so mach Revolution, dann ist sie Deine..warte nicht auf Lenin und Godot...." Laß Dir nichts erzählen, nichts vormachen, Dich nicht für dumm verkaufen, öffne die Tür und geh' durch! Nimm es persönlich, aber vergiss Dich selbst und den Spaß am Leben nicht dabei:

"Wenn nicht Liebe, was sonst? Nur Gehorsam?
Aus Gehorsam bin ich nicht für dich entflammt.
Und mir leuchtet viel mehr ein,
für die Liebe tot zu sein,
als für Vaterland und Bundeskanzleramt."
-Wenn nicht Liebe, was sonst -

Es lohnt sich, Georg Kreisler (wieder) zu entdecken. Ein paar Lieder gibt es bei youtube, seine Platten und CD's gibt's auch!

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Pepito_Sbazzagutti 23.11.2011, 07:47
15. Kabarett

Georg Kreisler, Helmut Qualtinger, Hans Weigel, Carl Merz, Gerhard Bronner und, und, und - Typen, die ihren Landsleuten den Spiegel vorhielten und sich sogar mit Ministern anlegten.

Alles aus und vorbei - statt Kabarett gibt's heute Comedy.

Mein Beileid gilt Georg Kreislers Hinterbliebenen.

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Joinme66 23.11.2011, 07:59
16. Danke Georg

Danke Georg, für alle herzlichen Lacher die du mir beschert hast.

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panzerknacker51 23.11.2011, 08:14
17. Unvergessen

Unvergessen auch seine "Anmerkungen" zum Militär. "... ja, er ist halt General - da ist der Schaden schon total..."
Klasse, der Mann; nach Loriot nun schon der zweite große Verlust für den deutschsprachigen Humor in diesem Jahr. RIP

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Seldon 23.11.2011, 08:49
18. Du hast ja noch Dein Grab

Du hast ja noch dein Grab, um dich drin zu freuen.
Du hast ja noch den Tod und was nachher bleibt.
Sobald dein Hirn verfault, wirst du nichts bereuen,
und dann gibt es niemand, der dich weitertreibt.
Da liegst du dann und siehst nicht einmal die Vögel,
erinnerst dich auch nicht an die liebe Frau.
Du frißt kein altes Brot, kaust auch keine Nägel,
deinen Namen weißt du auch nicht mehr genau.
Na, ist das nicht ein Spaß,
keiner sagt dir, wie und wo und was,
keiner wirft dich weg, keiner hebt dich auf, keiner schlägt dich klein.
Ja, der Tod ist eine Lust,
und du kannst auch furzen, wenn du mußt,
denn der Himmel hat dir nichts mehr zu verzeihn.
Drum freu dich keines Lohnes und keiner Titel,
und bau auf keinen endgültigen Vertrag.
Der Zweck, für den du lebst, heiligt keine Mittel,
freu dich lieber auf die Qual,
auf die Krankheit, aufs Spital,
freu dich nur auf deinen letzten Tag.

Die Glücklichen sind längst vorangegangen,
Die Unglücklichen zählen noch ihr Geld.
Die ganze Welt steht angestellt in Schlangen,
und jeder wartet, bis sein Stichwort fällt.
Der Mut ist klein, die Mädchen sind vergessen.
Die Angst ist groß, die Hoffnung zählt nicht viel.
Die Körperlänge wird dir noch einmal gemessen,
und liegst du nicht bequem,
so ist das kein Problem,
es dauert nicht sehr lang, und außerdem:

Du kriegst ja noch dein Grab, um dich drin zu drehen,
das einzige Ding im Leben, das du sicher kriegst.
Und sollte dort das Drehen irgendwie nicht gehen,
na dann bleibst du eben liegen, wie du liegst.
...
Du hast ja noch dein Grab, um dich drin zu freuen,
du hast ja noch die Zeit, in der du zerfällst,
und dienst vielleicht als Pfuhl irgendwelchen Säuen,
bis du dich zum Schluß zu ihnen selbst gesellst.
Für Menschen gilt dasselbe wie für Mikroben,
für Säugetier, für Fisch oder für Insekt:
Die Freude ist im Grund ziemlich selten oben,
meistens bleibt sie unten tief im Grab versteckt.
Daraus kann man ersehn,
wieviel wir vom Leben nicht verstehn,
einmal fängt es an, einmal hört es auf - Ende des Berichts.
Soweit man bisher sah,
ist die Welt zu andern Zwecken da.
Nur ein Zufall ist das Leben, weiter nichts!
Drum freu dich nicht zu früh auf ein langes Leben,
und freu dich nicht aufs Grab, denn das steht schon fest.
Die Freude, die du fühlst, trifft ja ganz daneben,
weil die Freude - sieh nur her -
immer weiter, immer mehr,
immer schneller unsre Welt verläßt.
Kreisler

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Gluehweintrinker 23.11.2011, 08:52
19. Wieder ein Aufrechter weniger

Prominente Neinsager und Nonkonformisten sterben weg.
Kommt es mir nur so vor oder wächst tatsächlich nichts Nennenswertes nach?

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